1. Buch Mose; Genesis (‏בְּרֵאשִׁית‎ Bereschit)
Kapitel 6 - 9; Noach und die Sintflut
3268 v. Chr. bis 2501 v.Chr.
Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Noahs Arche, Gemälde von Edward Hicks, 1846.
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Die Arche Noah war nach dem biblischen Buch Genesis, Kapitel 6–9, ein von dem Patriarchen Noah gebauter schwimmfähiger Kasten. Das Wort „Arche“ leitet sich aus dem lateinischen Wort für Kasten (arca) ab, was dem hebräischen Wort für Kasten (tēvāh) entspricht. Noah wurde laut der biblischen Erzählung von Gott erwählt und vor einer großen Flut gewarnt. Er erhielt den Auftrag, eine Arche zu bauen, um damit sich und seine Familie, bestehend aus acht Personen, und die Landtiere vor der Flut zu retten. Zum Bau der Arche erhielt er genaue Angaben (Gen 6,14-16 EU). Am Ende der Sintflut lief sie im Gebirge Ararat auf Grund. Es bestehen theologische Bezüge zu anderen Rettungsgeschichten; so wurde Mose, der nach seiner Geburt auf dem Nil ausgesetzt wurde, in einem ‚Körbchen‘ (oder ‚Kästchen‘, hebr.: tēvāh) aus Binsen und Erdpech gerettet (Ex 2,3-11 EU).
Noach und die Sintflut: 6,1 - 9,29
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Bau der Arche Noah. Wappenscheibe im Kreuzgang des Klosters Wettingen.
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Noach (auch Noah, Noé oder Noe; hebräisch נֹחַ Noaḥ,‎ נוֹחַ Nōaḥ „Ruhe“, arabisch ‏نوح‎ Nuh, DMG Nūḥ) war nach dem Buch Genesis der Bibel der zehnte Urvater nach Adam. Wegen seiner Glaubenstreue wurde er von Gott auserwählt, durch den Bau der Arche mit seiner Familie die Sintflut zu überleben. Auf Noachs drei Söhne Sem, Ham und Jafet geht nach Gen 10,1–32 EU die Aufspaltung der Menschheit in die drei damals bekannten Völkerschaften zurück. In der Geschlechterfolge der Bibel ist Noach auch der zehnte Vorfahre Abrahams, was seine traditionelle Einordnung in das frühe 3. Jahrtausend v. Chr. bedeutet. Nach dem Buch Genesis war Noach der Sohn von Lamech (Gen 5,28 EU). Sein Name könnte von dem hebräischen Wort für Ruhe/ausruhen abgeleitet sein. Im Alter von 500 Jahren zeugte er seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet. Über deren genaues Geburtsjahr wird keine Auskunft gegeben (Gen 5,32 EU). Mit Ham als Jüngstem (Gen 9,24 EU) entspricht die übliche Aufzählung der Bedeutung für das Nachfolgende. Insgesamt wird sein Lebensalter mit 950 Jahren angegeben (Gen 9,29 EU). Mit Noach endet die Ära der ersten Patriarchen, deren Lebensdauer mit Ausnahme von Henoch weit über 700 Jahre war. Bei den folgenden Generationen nahm das Alter erheblich ab. Nach der biblischen Erzählung will der Gott JHWH die Menschheit wegen ihrer Sündhaftigkeit auslöschen, erbarmte sich aber Noachs und dessen Familie wegen seiner Frömmigkeit.
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Sintflut. Wappenscheibe im Kreuzgang des Klosters Wettingen.
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In der Arche Noah kann Noach sich, seine Frau, seine Söhne und deren Frauen sowie viele Tiere vor einer Vernichtung durch die Sintflut retten und sichert so den Fortbestand der Menschen und Tiere auf der Erde. Die Taube spielt in der biblischen Sintflut-Erzählung die Rolle des frohen Botschafters: Eine von Noach ausgelassene Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück (Gen 8,11 EU). Nach der Flut übergibt JHWH die Verantwortung über die Erde den Menschen. JHWH schließt einen Bund mit Noach, verspricht, es werde nie wieder eine Sintflut geben, und setzt den Regenbogen als Zeichen hierfür in die Wolken (Gen 9,8–17 EU).
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Noahs Arche am Berg Ararat; Simone de Myle 1570.
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Nach Lk 17,26–27 EU hat Jesus die Tage des Menschensohnes mit den Tagen vor der Sintflut verglichen. In Hebr 11,7 EU wird gesagt, dass Noach durch den Glauben die Arche gebaut habe und auf diese Weise seine Hausgemeinschaft habe retten können. 1 Petr 3,20 EU vergleicht die Rettung Noachs durch das Wasser mit der Taufe. In 2 Petr 2,5 EU wird Noach „Prediger der Gerechtigkeit“ genannt.

Demnach dürften Jesus und die Schreiber des Neuen Testamentes
Noach und die Sintflut als Realität verstanden haben.
  Das Buch Genesis, Kapitel 6
  Gottes Sorge um Noach
Gen6,9   Das ist die Geschlechterfolge nach Noach: Noach war ein gerechter, untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen; er ging seinen Weg mit Gott.
Gen6,10   Noach zeugte drei Söhne, Sem, Ham und Jafet.
Gen6,11   Die Erde aber war in Gottes Augen verdorben, sie war voller Gewalttat.
Gen6,12   Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben, denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben.
Gen6,13   Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben.
Gen6,14   Mach dir eine Arche aus Zypressenholz! Statte sie mit Kammern aus, und dichte sie innen und außen mit Pech ab!
Gen6,15   So sollst du die Arche bauen: Dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch soll sie sein.
Gen6,16   Mach der Arche ein Dach und hebe es genau um eine Elle nach oben an! Den Eingang der Arche bring an der Seite an! Richte ein unteres, ein zweites und ein drittes Stockwerk ein!
Gen6,17   Ich will nämlich die Flut über die Erde bringen, um alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel, alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben. Alles auf Erden soll verenden.
Gen6,18   Mit dir aber schließe ich meinen Bund. Geh in die Arche, du, deine Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne!
Gen6,19   Von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch, führe je zwei in die Arche, damit sie mit dir am Leben bleiben; je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.
Gen6,20   Von allen Arten der Vögel, von allen Arten des Viehs, von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden sollen je zwei zu dir kommen, damit sie am Leben bleiben.
Gen6,21   Nimm dir von allem Essbaren mit und leg dir einen Vorrat an! Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen.
Gen6,22   Noach tat alles genau so, wie ihm Gott aufgetragen hatte.
  Das Buch Genesis, Kapitel 7
Gen7,1   Darauf sprach der Herr zu Noach: Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn ich habe gesehen, dass du unter deinen Zeitgenossen vor mir gerecht bist.
Gen7,2   Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben Paare mit und von allen unreinen Tieren je ein Paar,
Gen7,3   auch von den Vögeln des Himmels je sieben Männchen und Weibchen, um Nachwuchs auf der ganzen Erde am Leben zu erhalten.
Gen7,4   Denn noch sieben Tage dauert es, dann lasse ich es vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die Erde regnen und tilge vom Erdboden alle Wesen, die ich gemacht habe.
Gen7,5   Noach tat alles, was ihm der Herr aufgetragen hatte.
Gen7,6   Noach war sechshundert Jahre alt, als die Flut über die Erde kam.
Gen7,7   Noach ging also mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne in die Arche, bevor das Wasser der Flut kam.
Gen7,8   Von den reinen und unreinen Tieren, von den Vögeln und allem, was sich auf dem Erdboden regt,
Gen7,9   kamen immer zwei zu Noach in die Arche, Männchen und Weibchen, wie Gott dem Noach aufgetragen hatte.
Gen7,10   Als die sieben Tage vorbei waren, kam das Wasser der Flut über die Erde,
  Gen7.10 bis Gen 8.14 siehe Seite Sintflut.
  Das Buch Genesis, Kapitel 8
Gen8,15   Da sprach Gott zu Noach:
Gen8,16   Komm heraus aus der Arche, du, deine Frau, deine Söhne und die Frauen deiner Söhne!
Gen8,17   Bring mit dir alle Tiere heraus, alle Wesen aus Fleisch, die Vögel, das Vieh und alle Kriechtiere, die sich auf der Erde regen. Auf der Erde soll es von ihnen wimmeln; sie sollen fruchtbar sein und sich auf der Erde vermehren.
Gen8,18   Da kam Noach heraus, er, seine Söhne, seine Frau und die Frauen seiner Söhne.
Gen8,19   Auch alle Tiere kamen, nach Gattungen geordnet, aus der Arche, die Kriechtiere, die Vögel, alles, was sich auf der Erde regt.
Gen8,20   Dann baute Noach dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer dar.
Gen8,21   Der Herr roch den beruhigenden Duft und der Herr sprach bei sich: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.
Gen8,22   So lange die Erde besteht, / sollen nicht aufhören / Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, / Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Neues Testament
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Millstätter Genesis: Arche Noah; circa 1200; Kärntner Landesarchiv.
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Im Neuen Testament wird auf die Sintflut und die Arche zurückgeschaut. Nach dem Evangelium nach Matthäus hat Jesus von Nazareth folgende Worte gesprochen:

„Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin –, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns“
Mt 24,38-39, Lutherbibel.

Die Arche Noah wird an drei weiteren Stellen erwähnt: Hebr 11,7 EU, 1 Petr 3,20 EU und 2 Petr 2,5 EU. Danach ist Noah der „Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt“ (Hebräer 11,7). Der Sintflut, durch die hindurch in der Arche „acht Menschen“ gerettet werden, entspricht die Taufe als Heilsgeschehen vom ‚Tod’ (als Reinigung des Gewissens von „toten Werken“ – Hebr 9,14-15 EU) und Auferstehung (1. Petr 3,20). Gott bewahrte „nur Noah, den Verkünder der Gerechtigkeit, zusammen mit sieben anderen als achten“, während die „Welt der Gottlosen“ unterging (2. Petr 2,5).
Apokryphen
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Arche Noah aus dem Deckenfresko des Langhauses der Abtei
von Saint-Savin (Vienne, Frankreich).
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In zeitlicher Nähe zum Neuen Testament heißt es im apokryphen Buch der Weisheit: „So hat auch in der Urzeit beim Untergang der übermütigen Riesen die Hoffnung der Welt sich auf ein Floß geflüchtet und, durch deine (Gottes) Hand gesteuert, der Welt den Samen eines neuen Geschlechts hinterlassen. Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht“ (Weish 14,6f EU). Zuvor heißt es: „Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand“ und gehen deshalb letztlich nicht unter.
Tora
Tora - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Tora mit Toramantel.
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Das hebräische Wort für Arche ist תֵבָה tēvāh, das ‚Kasten, Schrein, Sarg‘ bedeutet. Durch den Bau der Arche wurden nebst Noah seine Frau, seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet und deren Ehefrauen gerettet.

Die Arche war nach Genesis 6,14 EU 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Dieses Verhältnis von Länge zu Breite (6 zu 1) wird heute noch im Schiffbau benutzt. Setzt man die Elle mit nur 44,5 Zentimetern an (andere Einschätzungen der alten Elle liegen bei 56 oder 61 Zentimetern), dann wäre die Arche 133,5 Meter lang, 22,3 Meter breit und 13,4 Meter hoch gewesen. Dadurch hätte die Arche einen Bruttoraumgehalt von fast 40.000 Kubikmeter gehabt und wäre fast halb so lang gewesen wie der Ozeandampfer Queen Elizabeth 2. Ein solches Schiff hätte schätzungsweise in etwa die gleiche Wasserverdrängung wie der 269 Meter lange Ozeanriese des 20. Jahrhunderts, die Titanic. Sie hatte dem biblischen Bericht zufolge, da sie von innen durch zwei zusätzliche Böden verstärkt war, drei Decks und verfügte dadurch über eine Bodenfläche von ungefähr 8.900 Quadratmeter. Als Holz für die Arche wurde gopher (hebräisch גפר) verwendet. Um welche Baumart es sich handelte, ist heute nicht mehr bekannt. Man nimmt aber an, dass es sich um die Zypresse handelt. Dieses Holz ist sehr wasserbeständig und dauerhaft. Die Phönizier und Alexander der Große bevorzugten die Zypresse für den Schiffbau. Laut neueren, umstrittenen Forschungen könnte ein Vergleich vom hebräischen „Gopher“ zum aramäischen Stammwort eine Klärung bringen: Darin würde es „laminiertes Holz“ bedeuten, also Sperrholz, welches eine hohe Festigkeit bei gleichem Gewicht aufweist.
Koran
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Taschkenter Koran (9. Jahrhundert).
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Auch der Koran (um 600 n. Chr.) erzählt die Geschichte von Noahs Arche in Sure 11. In dieser Version ertrinkt einer der Söhne Noahs, da er auf einem Berg Zuflucht finden will. Als Landestelle wird der Berg Al-Judi genannt. Dieser befindet sich nach muslimischer und frühchristlicher Tradition in der südosttürkischen Provinz Şirnak.
Atraḫasis-Epos
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Atraḫasis-Epos; Epos-Bruchstücke der 1. Tafel; (British Museum).
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Das Atraḫasis-Epos mit dem gleichnamigen Held Atraḫasis entstand spätestens im ausgehenden 19. Jahrhundert v. Chr. Der Bau der Arche erfolgte erst, nachdem drei Plagen die ungehemmte Vermehrung der Menschheit nicht stoppen konnten und die Götter eine Sintflut als letzte wirkungsvolle Möglichkeit ansahen. Enki, Gott der Menschen, warnte Atraḫasis vor der Katastrophe, sodass Atraḫasis mit dem Bau der Arche noch rechtzeitig beginnen konnte.

„Trenne dich von deinem Haus, baue ein Schiff!
Verschmähe den Besitz, erhalte dafür dein Leben.
Das Schiff, das du bauen sollst, […] sei würfel[förmig...]!
Der Wassertiefe gleich bedache es.
Nicht soll sehen der Sonnengott sein Inneres (ohne Fenster),
bedacht sei es oben und unten!
Verstärkt seien die Ausrüstungen, die Verpichung sei stark, mache alles solide!
Reine (Tiere),[…], fette Tiere […]
Er (Atraḫasis) überquerte [den...(und) brachte hin]ein geflügelt[e Vögel] des Himmels.
Vieh [...stell]te er hinein; Ge[tier...] aus der Steppe.
[Zu...] lud er seine Leute ein.
[…] ließ er seine Familie eintreten.
Des Gottes Stimme hörten sie;
da ward das Erdpech gebracht, dass er die Tür abdichte.
Als er ihre Tür verrieglt hatte,...da zerschnitt er das Tau (und) legte das Schiff ab.“

Atraḫasis-Epos, Tafel 3, I, Verse 22 bis 55[7]
Gilgamesch-Epos
Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ashburneham-Pentateuch-Manuskript
Szene: Sintflut; Buchmalerei; 7. Jh.
Geschichten aus dem AT.
Arche Noah. Beatus von Urgell.
Beatus (Buchmalerei)
10. bis 12. Jahrhundert
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Auch das wohl ursprünglich im 18. Jahrhundert v. Chr. entstandene Gilgamesch-Epos berichtet von einer Flut. In dieser Überlieferung, teilweise wortwörtlich dem Atraḫasis-Epos entnommen, erhielt Uta-napišti vom Gott Ea den Befehl, ein Schiff zu bauen. Uta-napišti wird an einigen Textstellen „Atraḫasis“ („Der überaus Weise“) genannt.

„Mann von Šuruppak, Sohn Ubara-Tutus!
Reiß nieder das Haus und erbaue ein Schiff.
Lasse ab vom Reichtum und suche statt dessen nach dem, das atmet.
Die Habe sei dir zuwider, erhalte statt dessen das, was atmet, am Leben.
Hol den Samen all dessen, das atmet, herauf in das Innere des Schiffs.
Die Maße des Schiffs, welches du erbauen wirst, -
seien aufeinander abgestimmt:
Genau gleich sollen sein seine Breite und Länge.
Es selbst versieh, so wie das Apsû, mit einem schützenden Dach!“


Die würfelförmige Arche im Gilgamesch-Epos war mit 60 m × 60 m × 60 m (216.000 Kubikmeter) mehr als fünfmal so groß wie die Arche Noah:

„Ein Feld groß war seine Bodenfläche,
Je zehnmal zwölf Ellen hoch seine Wände,
Zehnmal zwölf Ellen ins Geviert der Rand seiner Decke.
Ich entwarf seinen Aufriss und stellte es dar:
Ich durchzog es mit sechs Decken,
so teilte ich sieben Etagen ab.
Dann holte ich herauf in das Innere des Schiffes
meine gesamte Familie und Sippe.
Die Herdentiere der Steppe, die wilden Tiere der Steppe,
die Vertreter aller Künste holte ich herauf.
Ich trat ein in das Innere des Schiffes und verpichte dann mein Tor.“


Auf einer 2014 von Irving Finkel publizierten Arche-Tafel wird in Keilschrift der Bau einer Arche mit kreisförmigem Grundriss beschrieben: "Entwerfe das Schiff, dass du bauen wirst, auf einem kreisförmigen Plan." Die Tafel wird auf die Zeit um 1700 v. Chr. datiert. Finkel vergleicht die Bauweise mit babylonischen Schiffchen, deren Pendants man heute als Coracle bezeichnet. Die Maße stimmen wiederum mit den Angaben im Gilgamesch-Epos überein. Uta-napišti strandete wie Atraḫasis und Noah mit seiner Arche schließlich auf einem Berggipfel, hier Nimuš genannt.
Verbleib der Arche
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Das armenische Kloster Chor Virap mit dem Ararat im Hintergrund.
Bild: Andrew Behesnilian (MrAndrew47).
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Eine Überlieferung aus frühchristlicher Zeit lokalisiert den Ararat in der Nähe der antiken Stadt Kelainai (bzw. Apameia Kibotos) im südlichen Phrygien (heute: Dinar in der westtürkischen Provinz Afyonkarahisar), dies ist erstmals im Sibyllinischen Orakel (1, 261) greifbar. In der Folge wird Apameia bei Julius Africanus und anderen byzantinischen Autoren als Landeort der Arche genannt; auch werden hölzerne Überreste erwähnt (Io. Mal. 1, 4; Syncell. 22; Cedren. 1, 20 etc.). Auf vielen Münzen des 3. Jahrhunderts aus Apameia ist Noah mit der Arche abgebildet. Es handelt sich anscheinend vorwiegend um eine lokale Überlieferung. Nach dem Koran (Sure 11,44) landetet die Arche auf dem Berg Cudi (Cudi Dağı) in der türkischen Provinz Şırnak.
Die Suche nach der Arche Noah auf dem Ararat
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Großer Ararat, Bild der Anomalie, 1949.
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Nach der biblischen Überlieferung in Gen 8,4 EU ließ sich die Arche auf „den Bergen Ararat“ (hebräisch הׇרֵי אֲרָרָט) nieder. Damit ist wohl das urartäische Bergland und nicht spezifisch der Berg Ararat gemeint. Zahlreiche Expeditionen hatten den „Großen Ararat“ zum Ziel, um unter dem gletscherbedeckten Gipfel Überreste der Arche Noah zu finden. Bis in jüngste Zeit wird die so genannte Ararat-Anomalie auf den West-Plateau des Großen Ararat als Überrest der Arche betrachtet. Diese Deutung ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Die topographische Unregelmässigkeit wurde erstmals im Juni 1949 von der amerikanischen Airforce fotografiert. Sie liegt schwer zugänglich auf rund 4700 Metern ü. M. und zum Teil unter Gletschereis.
Die „Arche Noah“ bei Doğubeyazit
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Die Gesteinsformation bei Doğubeyazıt, 2009.
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1959 entdeckte der türkische Luftwaffen-Kapitän İlhan Durupınar auf einer Luftaufnahme eine auffällige geologische Formation in der Nähe der Stadt Doğubeyazıt in der Ost-Türkei, die Ähnlichkeit mit einem Schiffsrumpf hat. Sie befindet sich 27 Kilometer südlich des Ararat an einer Bergflanke des Vulkans Tendürek Dağı auf 2004 m ü. M., ist rund 160 Meter lang und wird heutzutage nach seinem Entdecker Durupınar genannt. Ein Forscherteam um David F. Fasold stiess hinzu, der Collins zwölf Dünnschliffe der Gesteinsproben zur Verfügung stellte. Collins fand keinerlei Hinweise für versteinertes Holz. Die Analyse rostiger Eisenteile, die für Nieten, Bolzen und Unterlegscheiben gehalten wurden und die Noah angeblich geschmiedet hatte, erwiesen sich als oxidierte, titanhaltige Magnetite. Drei andere, in Größe und Gestalt vergleichbare Strukturen finden sich in der Nähe des Kleinen Ararats. Manche halten die Formation auch heute noch für einen Überrest der biblischen Arche Noah. Allerdings beschreibt die Bibel die Arche als rechteckigen Kasten. Die „Arche“ bei Doğubeyazit ist hingegen stromlinienförmig. Außerdem ist sie etwa 50 Prozent grösser, als nach den Abmessungen der Bibel zu erwarten wäre, es sei denn man verwende die alte ägyptische Elle (52,4 cm) als Längenmass.
Der Cudi Dağı als Landeplatz der Arche
Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Gebirgskette Cudi Dağı bei Şırnak.
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Mehrere ‚Arche-Forscher‘ halten den Cudi Dağı bei Sirnak (Türkei) für den Berg, auf dem die Arche strandete. Der Berg liegt heute nahe der Grenze zu Syrien und zum Irak. So schreibt der Geschichtsschreiber Josephus zwar, die Arche sei in Armenien gelandet (Ant. I, 3.5), doch grenzt er die geografische Lage auf den „Berg der Kordyäer“ (ἐν τῇ Ἀρμενίᾳ πρὸς τῷ ὄρει τῶν Κορδυαίων) näher ein (Ant. I, 3.6).[29] Dieser liegt südlich des Vansees. In römischer Zeit schloss die Provinz Armenien das Gebiet der heutigen Südosttürkei mit ein.
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Klosterruine auf dem Cudi Dağı, 1909, Aufnahme von Gertrude Bell.
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 In den vergangenen Jahrzehnten haben unter anderen Johannes Lepsius, Gertrude Bell und der Geologe Friedrich Bender Überreste einer Siedlung auf dem Gipfel des Cudi dokumentiert. Sie sprechen von einem »Arche-Noah-Kloster«
Die Arche im Nachbau Maßstab 1:1
Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Bugansicht der Arche Johan Huibers.
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Der Niederländer Johan Huibers hat für fast 850.000 Euro das in der Bibel beschriebene Schiff gemäß den Größenangaben aus Gen 6 EU im Maßstab 1:2 nachgebaut. Johans Arche ist 70 Meter lang, 9,60 Meter breit und 12,70 Meter hoch. Sie wurde aus 1200 Bäumen gefertigt. Der Erbauer plant bereits einen weiteren Nachbau im Maßstab 1:1. Der Niederländer Aad Peters hat den auf einem Ponton aufgesetzten Nachbau erworben und zu einer kirchlichen Erlebniswelt über vier Etagen ausgebaut. Damit besuchen er und sein Team nun verschiedene Häfen in Europa, ohne jedoch „missionarisch tätig sein zu wollen“. Nachdem das Schiff zunächst in den Niederlanden gezeigt wurde, lag der Nachbau vom 13. Juli 2011 bis zum 30. September 2012 im Rheinauhafen in Köln vor Anker. Anschließend wurden beispielsweise Emden, Hamburg, Rendsburg, Kiel und Lübeck besucht. Im Rumpf des Schiffes sollen über die vier Stockwerke rund um einen symbolischen Baum des Lebens verteilte lebensgroße Holzfiguren Besuchern verschiedene biblische Geschichten begreifbar machen.
Arche Noah - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
„Johans Arche“ in Schagen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Niederländer Aad Peters (55) hat in vielen Ländern und Konfliktregionen der Erde als Puppenspieler gearbeitet und für Versöhnung geworben. Sein bislang größtes Projekt ist ein 70 Meter langer Nachbau der Arche Noah, mit der er Kindern und auch Erwachsenen die Geschichten und Grunderfahrungen der Bibel nahebringen will.
Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht
er über seine Ideen und sein Schiff:
KNA: Herr Peters, warum eine Arche Noah?
Peters: Viele Kinder kennen doch die tollen Geschichten der Bibel gar nicht mehr. Je multikultureller es in Westeuropa wird, desto mehr müssen wir doch unsere eigene Kultur kennen. Die anderen Kulturen, die zu uns kommen, kennen ihre Religion – wir auch?
KNA: Haben Sie also einen missionarischen Anspruch mit an Bord?
Peters: Wichtig ist mir erst mal, dass die Leute diese guten Geschichten ihrer Kultur kennen. Natürlich ist es schön und gut, wenn Menschen glauben. Und der Glauben muss auch Farbe haben – ohne sich freilich in der Farbe zu verlieren. Es ist aber eben auch nicht alles weiß in der Religion. Ich will die Geschichten erfahrbar, erlebbar machen: mit dem Kopf, aber auch mit dem Herzen und mit dem Gefühl. Ich habe schon so viele wunderbare Antworten bekommen: von Kindern, aber auch von Erwachsenen. Die Kinder verstehen viele Dinge auf ihre Weise – ich muss nicht alles erklären. Mein Ziel ist: Die Bibel soll zurück auf den Tisch. Aber ich will das Interesse der Menschen wecken und sie nicht belehren.
Textauszug aus der Webseite "Die Arche Noah"
www.diearchenoah.com
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Arche_Noah" der
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