Benedikt von Nursia
Gedenktag: 11. Juli
Heiliger Benedikt von Nursia Heiliger Benedikt von Nursia
Heiliger Benedikt von Nursia
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Benedikt von Nursia (italienisch San Benedetto di Norcia; * um 480 in Nursia bei Perugia im umbrischen Apennin; † 21. März 547 auf dem Monte Cassino ca. 140 km südlich von Rom) war ein Einsiedler, Abt und Ordensgründer. Er lebte in der Zeit des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter. Er gründete um 529 auf dem Monte Cassino bei Neapel in einem Apollotempel das erste Kloster der Benediktiner, das bis heute als Stammkloster des Benediktinerordens (Ordo Sancti Benedicti (OSB)) gilt. Auf ihn geht das nach ihm benannte benediktinische Mönchtum zurück, dessen Regel – die Regula Benedicti – von ihm nach 529 als Klosterregularium verfasst wurde. In der orthodoxen, armenischen und katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt, auch in der evangelischen und anglikanischen Kirche gilt er als denkwürdiger Glaubenszeuge. Benedikt wurde in Nursia (italienisch Norcia) um 480 als Sohn eines reichen Landbesitzers geboren. Seine Zwillingsschwester war die später ebenfalls als Heilige verehrte Scholastika.
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der heilige Benedikt von Nursia unterrichtet. Straßburg – “Werkstatt von 1418″, 1419
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) - Universitätsbibliothek Heidelberg
Nach der Schulzeit in Nursia schickten Benedikts Eltern ihren Sohn zum Studium nach Rom. Von der Sittenlosigkeit seiner Mitstudenten enttäuscht, ging er aber bereits nach kurzer Zeit in die Berge nach Enfide (dem heutigen Affile) und lebte mit einer Gruppe von Einsiedlern, bevor er sich drei Jahre lang in eine Höhle bei Subiaco östlich von Rom zurückzog. Über dieser Höhle wurde im 12. Jahrhundert das Kloster San Benedetto, auch Sacro Speco (ital., dt. heilige Höhle) genannt, gegründet. In dieser Zeit wurden immer mehr Menschen auf Benedikt aufmerksam, und bald wurde er gebeten, dem nahe gelegenen Kloster in Vicovaro vorzustehen. Benedikt willigte ein und versuchte, das Leben in dem Kloster neu zu ordnen. Dabei stieß er auf großen Widerstand der Mönchsgemeinschaft, die sogar versuchte, ihren unbequemen Abt mit vergiftetem Wein umzubringen.
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Der Gote, Maurus und Benedikt, im Kloster San Benedetto in Subiaco, Fresko.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Benedikt kehrte wieder in das Tal von Subiaco zurück und gründete in einem Gebäude der Nerovilla das Kloster San Clemente sowie zwölf weitere, kleine Klöster – unter ihnen das als einziges noch heute erhaltene Konvent Santa Scolastica. Der Legende nach sollen ihn die Intrigen des neidischen Priesters Fiorenzo von Subiaco von dort wieder vertrieben haben. Doch steht dahinter wohl ein Konflikt mit dem Bischof von Tivoli, dem der zunehmende Einfluss Benedikts in seiner Diözese ein Dorn im Auge war. Benedikt zog 529 mit einer kleinen Schar treuer Anhänger auf den 80 km südöstlich gelegenen Monte Cassino und gründete dort das Kloster, das als Mutterkloster der Benediktiner gilt. Er führte selbst dort die Gemeinschaft. Für sie schrieb er auch seine berühmte „Regula Benedicti“.
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon

Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in Florenz, Aretino Spinello, 1387.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Benedikt war bei der einheimischen Bevölkerung sehr beliebt. Er stand den Menschen in Notzeiten bei. Auch von Heilungen, sogar von Totenerweckungen berichten die Legenden. Benedikt gilt als Begründer der organisierten klösterlichen Pflege. In Monte Cassino starb Benedikt schließlich am Gründonnerstag des Jahres 547, dem 21. März, während er am Altar der Klosterkirche betete – der Überlieferung nach stehend, auf seine Mönche gestützt. Seine Mitbrüder berichteten laut Gregor dem Großen, sie sahen, wie Engel ihn auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße in den Himmel trugen. Der Name Benedikt stammt aus dem Lateinischen und bedeutet der „Gesegnete“.
Heiliger Benedikt von Nursia © www.kloster-ochsenhausen.de
Bildnis des hl. Benedikt auf einer Wandmalerei in der Prälatur von Kloster Ochsenhausen.
© www.kloster-ochsenhausen.de
Benedikt, berühmt wegen der Benediktregel, die in den Benediktiner-, Benediktinerinnen- und später aus dem Orden hervorgegangenen Reformklöstern (Zisterzienser) gilt, war vom spätantiken Mönch- und Eremitentum des oströmischen Reiches inspiriert worden, insbesondere von den Gemeinschaften des Pachomios in Ägypten, der Mönchsregel von Basilius von Caesarea aus dem vierten Jahrhundert, die heute noch in der orthodoxen Kirche gilt, Mönchsvätern wie Johannes Cassian ebenso wie der „Regula Augustini“, die nur in drei unterschiedlichen Überlieferungen erhalten ist, und übertrug Teile dieser Ideen durch seine Regel in den Westen. Die Klosterregel, welche Benedikt zunächst einmal für sein Kloster schrieb, erlangte vor allem im 9. Jahrhundert große Bedeutung. Nachdem Benedikt von Aniane 816 von Ludwig dem Frommen zum Reichsabt im Fränkischen Reich erhoben wurde, führte dieser die Benediktsregel in allen Klöstern ein, die ihm unterstellt waren.
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Der heilige Benedikt von Nursia und seine Schwester, die heilige Scholastika von Nursia.
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Für Bendikt war die Ortsbeständigkeit und Sesshaftigkeit der Mönche von großer Bedeutung – dies in einer Zeit, in der die Völkerwanderungen stattfanden. Verzicht auf Eigentum, Schweigen, Demut, Keuschheit und Gehorsam bilden bis heute die wichtigsten Regeln den hl. Benedikt. Das Verhältnis des Abtes zu den Mönchen sieht Benedikt zwar patriarchalisch, jedoch mit einer antiautoritären demokratischen Note, die die mündigen und urteilsfähigen Mönche in die Entscheidungsprozesse einbindet. Von den Mönchen wird allerdings absoluter Gehorsam bei Entscheidungen des Abtes verlangt.
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Der heilige Benedikt von Nursia bei der Regelübergabe.
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Obwohl er der gesellschaftlichen Elite angehörte, widmete er sich der körperlichen Arbeit und gab dies seinen Nachfolgern mit auf den Weg. Dabei ist der irrtümlich oft ihm selbst zugeschriebene benediktinische Grundsatz „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) erst im Spätmittelalter aufgekommen. Heute wird darunter die in der Regel zugrundegelegte Ausgewogenheit zwischen sinnvoll gearteter Arbeit (zur Kompensation des Müßigganges, der als Feind der Seele gilt) und dem Gebet verstanden. Benedikt selbst verbindet in seiner Regel Arbeit mit Lesung (RB 48) und gibt dem Tag eine klare Struktur. Auch im weiteren Umfeld dieser Ordensgemeinschaften wurde diese Grundhaltung rezipiert. Heute wird seine Ordensregel auch als Maßstab für intelligentes Wirtschaften propagiert (siehe z.B. Anselm Bilgris Buch „Finde das rechte Maß“ oder Baldur Kirchners Buch „Benedikt für Manager“). Weiter wurde Benedikt aber immer auch als Friedensstifter wahrgenommen. Auch viele Bestimmungen seiner Regel zielen auf diesen Frieden im Verhältnis zwischen den Oberen und den Mitbrüdern oder zwischen den in der Gemeinschaft vertretenen Generationen ab. Daher führen die heutigen Benediktiner als zweites Motto- und Wappenwort pax, pacis („Friede“).
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Heiliger Benedikt von Nursia, rechts eine Ikonendarstellung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Benedikt hatte eine viel beachtete Regel geschrieben. Die viel spätere Bezeichnung Benediktinerorden resultierte aus dem Bestreben des Vatikans, die Benediktiner kirchenrechtlich wie einen Orden behandeln zu können. In Antwort darauf gründeten die verschiedenen Benediktinerklöster daher nach und nach nationale oder anderweitig gleichinteressierte Kongregationen (z.B. die Cassinenser Kongregation, die Sublacenser, die Englische, die Kamaldulenser, die Olivetaner, die Vallombrosaner; im deutschsprachigen Raum: die Schweizerische Kongregation, die Österreichische K., die Bayerische K., die Beuroner K., die Missionskongregation von St. Ottilien), die alle heutzutage in der Benediktiner-Konföderation repräsentiert sind. Benediktinerabteien haben jedoch kein Mutterhaussystem wie andere religiöse Orden, sondern sind völlig autonom. Demzufolge ist die Benediktiner-Konföderation kein Generalat und ihr Abtprimas kein Generalvorsteher. Ein Hinweis auf die Autonomie jedes einzelnen Klosters kann dem Text des Siegels einer Abtei entnommenwerden: Religio Sancti (es folgt der Name des Patrons des Klosters).
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Heiliger Benedikt von Nursia.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Gedenktag des heiligen Benedikt an seinem Todestag, dem 21. März begangen. In Jahren, in welchen dieser Tag in die Karwoche fiel, wurde es auf den frühestmöglichen Tag nach Ostern verlegt. Mit der Erhebung des Festes des heiligen Benedikt in den liturgischen Kalender der Gesamtkirche wurde 1970 der Gedenktag auf den 11. Juli verlegt. An diesem Termin ist auch sein Gedenktag im Evangelischen Namenkalender der Evangelischen Kirche in Deutschland, im Kalender der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika und im Kalender der anglikanischen Kirche. (Zum evangelisch-lutherischen Heiligengedenken siehe Confessio Augustana, Artikel 21.)
Heiliger Benedikt von Nursia - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Heiliger Benedikt von Nursia.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Benediktinerklöster, vor allem Monte Cassino, blieben beim ursprünglichen Termin. Dies wahrscheinlich vor allem deshalb, weil der 11. Juli in Fleury traditionell als Fest der Translation (Übertragung) der Reliquien des heiligen Benedikt (manchmal auch als sein Todestag natale sancti Benedicti abbatis) gefeiert wurde. Die dortige Verehrung hatte unter anderem im 8. Jahrhundert zum Wechsel des Patroziniums vom heiligen Petrus zu Benedikt geführt. Der Streit um die Reliquien zwischen Fleury und Monte Cassino führte Ende des 11. Jahrhunderts dazu, dass Leo Marsicanus in seiner Geschichte des Klosters Monte Cassino die französische Darstellung ausführlich widerlegte. Der 11. Juli galt daher für die Äbte von Monte Cassino als „verbotenes Fest“, vor allem wenn es unter dem Titel „Translatio“ gefeiert wurde (vgl. Allgemeiner Römischer Kalender).
Bauernregel
Für den 21. März (dem ursprünglichen Gedenktag des heiligen Benedikt):
„Sankt Benedikt den Garten schmückt“
„Sankt Benedikt macht Zwiebeln dick“
„Willst Du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe an St. Benedikt.“
"Auf St. Benedikt achte wohl, / dass man Hafer säen soll."
"St. Benedikt / macht die Möhren dick."
"Der Benedikt leitet deine Hand, / säest du mit ihm die Frucht in's Land."
"Soll das Korn gar üppig stehen, / so soll man es an St. Benedikt säen."
Sein Gedenktag wird am 11. Juli gefeiert.
Er wird außerdem als Patron
des Abendlandes und von Europa; der Schulkinder und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede, der Sterbenden; gegen Pest, Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei verehrt.
Der Heilige mit zersprungenem Becher oder Kelch, aus dem eine kleine Schlange entweicht; Regelbuch, Pelikan, Rabe, Dornen, Kugel oder Sieb dargestellt.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Benedikt_von_Nursia" der
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