Wie werde ich Barmherziger Bruder?
Österreichische Ordensprovinz des
Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott
Taborstraße 16, 1020 Wien
Johannes von Gott © Gaube 2015
Johannes von Gott Platz mit Denkmal.
© www.klostergeschichten.at
Wenn Gott jemanden zum geweihten Leben beruft
und derjenige großherzig auf diesen Ruf antworten möchte,
wird er sicherlich die Kraft dafür erhalten.
Echte Berufung als Voraussetzung
Die Frage „Wie kann ich Barmherziger Bruder werden?“ kann nicht mit wenigen Worten beantwortet werden. Denn zum Leben in einer Ordensgemeinschaft gehört eine geistliche Berufung.

Die Berufung zum Ordensmann in die Nachfolge Christi ist ein Geheimnis. Gott tritt nicht vom Himmel herab, um uns zu berühren, er stößt uns nicht vom Pferd wie es beim Heiligen Paulus der Fall war. Er spricht nicht im brennenden Dornbusch zu uns wie zu Moses. Gott spricht zu uns durch einfache Geschehnisse im täglichen Leben. Sicher zu sein, dass Gott mich ruft, ist wahrhaft ein großes Geheimnis. Es gibt keine absoluten Zeichen dafür, weil Gott jedem von uns als einzigartige Person seinen Willen persönlich und auf eine andere Weise kundtut. Dabei respektiert er unseren freien Willen. Sein Wunsch ist es, dass wir unsere Fähigkeiten nutzen und seinen Ruf in unserem Leben entdecken.
Zeichen einer Berufung
Manche Theologen und geistliche Begleiter sprechen von natürlichen Zeichen, die Gott verwendet, um uns seinen Ruf erkennen zu lassen: Erstes wichtiges Zeichen einer Berufung ist eine angemessene Sehnsucht. Wenn Gott jemanden zu etwas beruft, gibt er ihm in sein Herz die Sehnsucht danach. Wenn ich diese Sehnsucht spüre, könnte es ein Zeichen dafür sein, dass Gott mich ruft. Diese Sehnsucht sollte in mir Zufriedenheit, Freude und Begeisterung hervorrufen. Ich sollte keinen Druck, sondern eine natürliche Anziehungskraft für die Berufung spüren.

Die richtige Motivation ist das zweite Zeichen einer Berufung. Man kann sich fragen: „Was motiviert mich, warum erwäge ich gerade dieses Lebensstil?“ Die Motivation einer geistlichen Berufung sollte ihren Grund im Glauben an Gott haben.

Ein drittes Zeichen ist die notwendige Fähigkeit. Nicht jeder, der Sehnsucht und Motivation hat, hat auch die Fähigkeit für eine geistliche Berufung. In geistlichen Gemeinschaften leben Brüder mit verschiedenen Charakteren, Stärken und Schwächen. Wer in eine solche Gemeinschaft eintreten möchte, sollte für ein Leben mit verschiedenen Charakteren offen sein. Er sollte die Fähigkeit haben, spirituell und akademisch zu wachsen. Ein Ordensleben kann nie eine Flucht aus der Welt sein.
Interessenten, Postulant, Novize
Wer sich berufen fühlt, Barmherziger Bruder zu werden, sollte Kontakt mit dem Orden aufnehmen – per E-Mail, Telefon oder persönlich. Dann bekommt er Informationen über uns, unser Charisma und Apostolat. Nachdem die Brüder ihn und er die Brüder etwas näher kennengelernt haben, kann er einige Zeit bei uns leben. Währenddessen prüft er, ob er die oben genannten Zeichen der Berufung aufweist. In diesem Stadium wird man bei uns Interessent genannt.

Wenn sich der Interessent entscheidet, den Weg weiterzugehen, bittet er den Provinzial schriftlich, in den Orden aufgenommen zu werden. Nach der positiven Antwort beginnt das Postulantat in Graz. In dieser Zeit bekommt der Postulant (Kandidat) die Einführung ins Ordensleben, in unsere Spiritualität, in das Leben des Heiligen Johannes von Gott, in unsere Regel des Heiligen Augustinus und in die Konstitutionen. Auch beschäftigt er sich mit der eigenen Berufung, seinem Lebenslauf und versucht, seine Motivation für das Ordensleben zu konkretisieren. Er übernimmt Aufgaben im Konvent und nimmt in Begleitung seines Magisters an allen spirituellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten teil. Auch übt er sich beim Praktikumseinsatz in unserem Krankenhaus in der Hospitalität. Das Postulantat dauert mindestens ein halbes und höchstens zwei Jahre.

Der nächste Schritt, nachdem der Postulant dies schriftlich beantragt und die Gemeinschaft und die Provinzleitung positiv entschieden haben, ist die Einkleidung in den Habit und die Aufnahme in das zweijährige Noviziat in Graz-Eggenberg. In dieser Zeit vertieft und erweitert der Novize unter der Begleitung des Magisters der Novizen seine Erfahrungen des Gemeinschaftslebens, des spirituellen Lebens und der eigenen Berufung unter den Aspekten unserer Ordensgelübde. Auch bekommt er Einsicht in die Geschichte und Dokumente unseres Ordens. Das Noviziat ist eine Zeit des Gebetes, der Stille, der Auseinandersetzung mit dem Charisma des Ordens, mit der Gemeinschaft und mit sich selbst und der Vorbereitung auf die Erste Profess. Während des Postulantates und Noviziates besteht auch die Möglichkeit, den Orden wieder zu verlassen.
Berufs- und Fachausbildung
Am Ende des Noviziates legt der Novize die Erste (Einfache) Profess ab und bindet sich damit für ein Jahr an den Orden. Mit diesem Schritt beginnt das Scholastikat, die in der Regel fünf Jahre dauernde Zeitspanne zwischen der Ablegung der Ersten und der Feierlichen (Ewigen) Profess. Die Einfache Profess wird jedes Jahr für ein weiteres Jahr erneuert.

Das erste Jahr des Scholastikats absolviert der Scholastiker in Regensburg. Unter der Begleitung des zuständigen Bruders macht er sich Gedanken über die Konsequenzen der vier Gelübde Armut, Gehorsam, Keuschheit und Hospitalität, vertieft und klärt seine Berufung, sammelt Erfahrungen in der Gemeinschaft und im Dienst am Menschen, nimmt an Einkehr- oder Besinnungstagen sowie an der Scholastiker-Werkwoche teil.

Nach dem ersten Jahr kehrt der Scholastiker nach Österreich zurück und beginnt in Absprache mit dem Provinzial eine Berufs- oder Fachausbildung. Das kann von der Ausbildung zum Pflegehelfer bis zum Studium der Medizin, Pharmazie, Sozialwissenschaften oder Theologie reichen. Es gibt auch andere Möglichkeiten.
Feierliche Profess
© Foto: Barmherzige Brüder
Frater Kornelius bei der Ablegung der Feierlichen Profess, August 2014.
© Foto: Barmherzige Brüder
Nachdem er den Orden und der Orden ihn geprüft und seine Berufung zur Nachfolge Christi geklärt hat, legt der Scholastiker nach dem Ablauf des fünften Jahres die Feierliche Profess ab und bindet sich endgültig an die Ordensgemeinschaft. Danach übernimmt er die Verantwortung für sein weiteres Ordensleben und bildet sich ständig weiter – nicht nur fachlich, sondern und vor allem auch spirituell – sein ganzes Leben lang.

Jede wichtige Entscheidung bringt Angst, Zweifel oder Unklarheiten mit sich. Wenn jedoch Gott jemanden zum geweihten Leben beruft und derjenige großherzig auf diesen Ruf antworten möchte, wird er sicherlich auch die Kraft und Gnade dafür erhalten.

Die Berufung ist jedoch nicht nur eine Sache Gottes. Wichtig ist die Antwort des Berufenen. Dazu braucht man Offenheit, Vertrauen und die Bereitschaft, sein Leben zu ändern.
Text auszugsweise aus
Barmherzigen Brüder Österreich
www.barmherzige-brueder.at/berufung
 
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