Bruder Bruno-Maria Marty OSB
Benediktiner Missionare Abtei St. Otmarsberg, Uznach, Schweiz
Berufungsgeschichte von Br. Bruno-Maria OSB
Benediktiner sein oder Kartäuser werden? - Das ist die Frage!
Bruder Bruno-Maria Marty OSB © Abtei St. Otmarsberg, Uznach - abtei-uznach.ch
Bruder Bruno-Maria Marty OSB.
© Abtei St. Otmarsberg, Uznach - abtei-uznach.ch
Als ich mit 16 aus der Schule kam, löste ich mich von der Kirche. Ich sagte mir: Mit 16 Jahren hat man Religionsfreiheit, da kann mir niemand mehr vorschreiben, was ich tun muss. Ich wollte frei und unabhängig sein. So begann ich mein eigenes Leben zu leben, belächelte die Gläubigen.
Im Alter von 25 Jahren bereiste ich mit einem Freund Süd-Ostasien, Neuseeland und Australien, kam mit einer inneren Zufriedenheit zurück, ja, ich sah die Welt mit anderen Augen. Danach unternahm ich noch zwei weitere Reisen 1987 und 1989 in die gleiche Gegend. Im Jahr 1987 erfuhr ich in der Zeitschrift GEO zum ersten Mal etwas über den Orden der Kartäuser, einem Eremitenorden. Dieser Bericht über die Lebensart und die Abgeschiedenheit der Kartäuser faszinierte mich. Die Bereitschaft, alles zu verlassen, was mir bis jetzt wichtig schien, war jedoch noch nicht da. All die Jahre bis zu meiner Berufung nahm ich diesen Bericht ein- bis zweimal im Jahr hervor, um darin zu lesen. Irgend etwas trieb mich dazu. Meine Beziehung zu Gott war damals das, was man «auf Sparflamme» oder minimalistisch nennt.

Zu dieser Zeit kam ich von einer dreimonatigen Reise zurück, die ich alleine unternommen hatte. Während dieser Reise kam das Verlangen, nach Jahren wieder einmal eine heilige Messe zu besuchen, ohne ihr nur als Mitläufer beizuwohnen. Ein sonntägliches Dankgebet für die vergangene Woche hielt meine Beziehung zu Gott aufrecht. Noch waren es eher profane Bitten, mit denen ich, wenn auch noch spärlich, zu Gott rief. 1990 besuchte ich mit dem gleichen Freund, mit dem ich die Reisen von 1983 und 1989 gemacht hatte, die Technikerschule und wurde selbstständiger Architekt. Ich wohnte und arbeitete in einer 3 ½ Zimmerwohnung, in der ich die meiste Zeit verbrachte und auch den Haushalt führte. In den Jahren 1995/96 zeichnete sich in meinem Leben eine Veränderung ab. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wurde immer schwieriger. Auf dem erlernten Beruf als Hochbautechniker wieder Arbeit als Angestellter zu suchen fiel mir nicht leicht. Kurz vor meinem 40. Geburtstag (1998) kam mir erstmals der Gedanke «Kloster». Dort sah ich eine Möglichkeit zu leben und - selbst auch nur als Knecht - meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Am 3. Juli 1998, einem Freitag, am Fest des hl. Thomas, sagte mein Inneres beim Öffnen eines Briefes: «Jetzt musst du ins Kloster gehen!» Drei Tage lang drehten sich meine Gedanken darum, und ich versuchte mehr Klarheit über Klöster und auch Informationen darüber zu bekommen. Auch sagte ich mir, wenn sich bis am Sonntagabend nichts geändert hat, dann lese ich den Bericht über die Kartäuser im GEO nochmals. Nach dem Lesen fand ich die Lebensweise der Kartäuser und die meinige sehr ähnlich. Ich hatte damals 14 Jahre alleine gelebt, relativ zurückgezogen, hatte Mühe, Freunde zu finden. Es war das Leben eines Einzelgängers, wie mich ein Freund im Alter von 20 Jahren genannt hatte. Ich empfand mich aber durchaus als offen, obwohl ich gerne allein war. Ich muss mich mit dem Gemeindepriester treffen, war mein Gedanke, um mehr Klarheit zu bekommen. Ihn anzurufen war die grösste Hürde, der Hals war immer zu trocken. Endlich war es soweit, es meldete sich das Sekretariat: Der Herr Pfarrer sei morgens ab neun Uhr wieder erreichbar. Bis dann schrieb ich meine Gedanken und Beweggründe auf, welche mich ins Kloster ziehen. Einer meiner Gedanken war, dass nebst der Arbeit das Gebet sich dann schon von allein ergäbe. Am Dienstag rief ich den Priester an, schilderte ihm mein Anliegen und vereinbarte ein Treffen. Nach dem Auflegen des Telefonhörers war die innere Ruhe da, die dann mein treuer Begleiter blieb. Auch war mir bewusst, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt begann. Damals erkannte ich die Bedeutung der inneren Ruhe nicht.

Am nächsten Tag fand das Treffen mit dem Priester statt, er riet mir «Kloster auf Zeit» zu machen. Er sagte, dass es in Uznach ein Benediktinerkloster gäbe, das ganz in der Nähe meines Wohnortes (Altendorf SZ) liege. Mit dem Abt vereinbarte ich einen Termin, um für 2 Wochen zu den Benediktinern zu gehen und den Klosteralltag kennen zu lernen. Nach dem Betreten der Klosterpforte fühlte ich mich noch überaus wohl. Beim Mittagsgebet jedoch überkam mich im ersten Moment eine Unsicherheit wegen des hohen Alters der Mönche. Doch das Leuchten in ihren Augen berührte mich. So verbrachte ich zwei Wochen als Gartengehilfe und nahm auch immer am Chorgebet teil, um voll und ganz den Alltag als Mönch zu erleben. In der zweiten Woche nach dem Gespräch mit dem Abt kam die Entscheidung, auf St. Otmarsberg einzutreten. Vorher hatte ich geglaubt, noch andere Klöster besuchen zu müssen, quasi auszusuchen. Doch das Kloster liest man nicht aus, Gott hatte mich nach Otmarsberg geführt.

Ich sah die Berufung als zweite Chance, die mir GOTT gab, um nun aus meinem zum Teil ungenützten Leben mehr zu machen, als nur dem eigenen Willen nachzugehen. Früher war ich unfähig gewesen, zu lieben, war unzufrieden und undankbar. Mit dem Klostereintritt kamen Freude und Dankbarkeit. Im Noviziat hatte ich ein grosses Verlangen, GOTT zu danken, und IHN um etwas zu bitten - auch für die Mitmenschen. Doch dies lehrte ER mich erst später. Erstaunt war ich ebenso über die grosse Geduld, die der HERR mit uns hat. ER steht vor der Tür und wartet geduldig, bis wir IHM öffnen und antworten. Auch trafen die Worte JESU genau auf meine damalige Lebenssituation zu: «Ich bin nicht gekommen, um die Gesunden zu berufen, sondern die Kranken», und: «Ich war krank und du hast mich besucht». Er mutet uns tatsächlich nur soviel zu, wie wir tragen können; im Gebet offenbart ER uns seine Pläne und schenkt uns die Bereitschaft, JA zu sagen: Dein Wille geschehe! Am 25. Januar 1999 trat ich dann als Kandidat ins Benediktinerkloster in Uznach ein. Ein Jahr danach erkannte ich die Bedeutung dieses Datums: Pauli Bekehrung. Mit dem Eintritt begann Gott in mir zu wirken und half mir, den alten Menschen abzulegen. ER führte mich auch ins Gebet ein, das mich immer mehr ergriff. Im Postulat war ich vor der Vesper oft müde vom Stehen, aber ein Gebet oder bloss stilles Sitzen vor dem Kreuz gab mir Kraft, und in der Vesper merkte ich, dass die Müdigkeit weg war. Ganz unverhofft, beim Gespräch mit einem Gast am Herz-Jesu-Fest, entdeckten wir unsere gemeinsame Liebe zu den Kartäusern. Von ihm bekam ich mehrere Bücher über den Orden zum Lesen. Da entbrannte plötzlich das Feuer zu diesem Orden in mir. Zu dieser Zeit war ich noch unschlüssig, welchen Ordensnamen ich annehmen sollte, denn eine Beziehung zu einem bestimmten Heiligen gab es damals noch nicht. Zu wem fühlte ich mich wohl am meisten hingezogen? Die Antwort war: zum heiligen Bruno. So setzte ich den Namen des Gründers der Kartäuser auf den Vorschlagszettel nebst zwei weiteren Namen. Am 9. Juli nahm mich die Gemeinschaft ins Noviziat auf, und der damalige Abt Ivo gab mir doch tatsächlich den Ordensnamen Bruno. Die innere Freude war gross! Ein Mitbruder meinte damals scherzhaft: «...aber nicht dass du mir dann etwa zu den Kartäusern gehst». Es gewiss nicht zu tun, das konnte ich ihm freilich nicht sagen...

Gegen Ende 1999, also noch in der Noviziatszeit, stand ich schon um vier statt um fünf Uhr auf, um mehr Zeit fürs Gebet zu haben. Auch in der Mittagszeit zog mich der Hl. Geist in die Kirche, um vor dem Kreuz zu verweilen. Bei einem Gespräch mit dem neuen Abt Marian erzählte ich ihm von meinem Verlangen, dass es mich auch zu den Kartäusern ziehe. Er meinte, es sei noch zu früh, um an ein Einsiedlerleben zu denken. Ich bekam jedoch die Erlaubnis, einmal die Woche eine Stunde Nachtwache zu halten, sowie am Samstag einen Wüstentag zu machen. In der Fastenzeit verzichtete ich auf das Vesperbrot und auf einen Teil des Frühstücks, um zu testen, wie mein Körper reagieren würde. Ich verlor relativ viel Körpergewicht in kürzester Zeit, was mich bei meinem eh schon geringen Gewicht erschreckte. Ich sah dies als ein Zeichen Gottes an, dass ich das grosse und strenge Fasten bei den Kartäusern wohl kaum auf Dauer ertragen würde. Ich fand, besser ein guter Benediktiner werden als ein verkappter Kartäuser. Im Frühjahr fragte mich der Abt, ob ich schon Gedanken über das Arbeitsgebiet nach dem Noviziat gemacht hätte? Ich sagte ihm, dass ich mir eine Arbeit wünschte, bei welcher ich die Kontemplation pflegen kann. Er schlug mir das Amt des Pförtners vor; mein Vorschlag war das des Schneiders gewesen. Am 30. Juni 2000, am Herz-Jesu-Fest, durfte ich die zeitlichen Gelübde auf drei Jahre ablegen. Im August übernahm ich dann die Aufgabe des Pförtners. Obwohl die Pforte neben der Kirche liegt, boten sich trotzdem nicht so viele Gelegenheiten, sie aufzusuchen. Dies machte mir anfänglich Probleme, denn kaum war ich in der Kirche, kam prompt ein Telefonanruf: Gehorsam und Eigenwille kreuzten sich. Was die Zeit des Aufstehens betrifft, so verschob sich diese immer mehr in die Nacht hinein. Seit Winter 2000 stand ich bereits vor drei Uhr auf. Dass sich keine starke Müdigkeit abzeichnete, sah ich als Gnade Gottes an. Diese Zeit für das persönliche Gebet brauchte ich. Meistens war der Durst nach mehr Verweilen bei Gott schon am Mittag wieder da. Statt der Mittagsruhe ging ich in die Kirche zum HERRN, um den Durst zu stillen. Sah auch dies als ein vom HERRN gegebenes Gnadengeschenk an. Im Winter 2001 befiel mich die Sehnsucht nach den Kartäusern von neuem. Ich wünschte mir die Stille, das Schweigen, das Alleinsein und keine Zerstreuungen, die mich von Gott ablenkten. Um mehr Klarheit über meine wahre Berufung zu erlangen, dachte ich, ich sollte eine Zeitlang bei ihnen leben. Der HERR würde mir dann gewiss zeigen, wo ER mich schlussendlich haben will. Kardinal Basil Hume schrieb einmal, dass Gott mehr Menschen zu Kartäusern berufen hat, als es eigentlich solche gibt. Eine solche Berufung nicht erkannt oder sich aus Bequemlichkeit davor gedrückt zu haben, machte mir Sorgen.

Also redete ich anfangs Mai 2001 mit dem Novizenmeister und dem Abt über meine Gefühle und Sehnsüchte. Sie unterstützten meinen Vorschlag, eine Zeit bei den Kartäusern zu leben, um meine wahre Berufung zu erkennen. Abt Marian meinte, ich soll Kontakt mit Ihnen aufnehmen und ihnen meine Gefühle mitteilen. In diesen Tagen bat ich besonders den Heiligen Geist und die Mutter Gottes um Fürbitte beim HERRN, dass ER mich erkennen liesse, wo ER mich haben wolle. Im Oktober 2001 fuhr ich zu den Kartäusern in der Marienau im Allgäu. Die zehn Tage, die ich bei ihnen verbrachte, gefielen mir sehr, vor allem das mitternächtliche Gebet. Bei der Abreise sagte mir der Prokurator, ich solle mir keinen Zeitpunkt setzen für die Antwort - die werde ich bekommen. Kurz vor Weihnachten 2001 erhielt ich die Antwort: Das Alter, die Kälte im Winter und andere Bedenken hielten mich davon ab, Kartäuser zu werden. Im Winter 2002 wurde ich krank und machte danach Einzelexerzitien; die geistliche Begleiterin riet mir, die Zeit des Aufstehens zu ändern. Beim Gespräch mit Abt Marian zeigte sich eine spätere Aufstehenszeit als vernünftig, die mir trotzdem noch genügend Zeit für das persönliche Gebet gab und das mir die Kraft für den ganzen Tag schenkte. Am Hochfest des Hl. Benedikt, am 11. Juli 2003, legte ich die Ewigen Gelübde ab. Ich wollte nun aus ganzem Herzen ein Benediktiner sein!

Das Entscheidende in meinem Klosterleben ist die mir von GOTT gegebene Liebe, sowie das Wissen, dass ER uns alle liebt. Ohne die Liebe Gottes wäre der Alltag unerträglich, die Liebe ist das Benzin im Motor, das uns treibt, immer wieder JA zu sagen zu unserer je individuellen Berufung, und um den Alltag mit seinen täglichen Prüfungen auszuhalten. Die Liebe zu Christus drängt uns, sich IHM ganz hinzugeben. Je früher wir vom Eigenwillen lassen, desto eher löst sich der Schmerz, und der Widerstand in uns verwandelt sich in Freude und Hingabe. GOTT ist ein GOTT mit uns.

Br. Bruno-Maria Marty OSB, Abtei St. Otmarsberg, Uznach
Text auszugsweise aus
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