Die Bundeslade
hebräisch: אָרוֹן הָבְּרִית, ʔārōn hābrīt, neuhebräisch: Aron habrit
1200 v. Chr. bis 587/586 v.Chr.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Herbert Wittmann
"Zwei Putten tragen die Bundeslade" in der Pfarrkirche von Denklingen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Herbert Wittmann
Als Bundeslade (hebräisch: אָרוֹן הָבְּרִית, ʔārōn hābrīt, neuhebräisch: Aron habrit) wird ein mythischer Kultgegenstand des Volkes Israel bezeichnet. Sie enthielt nach biblischer Darstellung unter anderem die Steintafeln mit den Zehn Geboten, die Mose von Gott erhielt. Die Bundeslade galt nach dem Auszug aus Ägypten und während Israels Wüstenwanderung und Landnahme in Kanaan als Garant für Gottes Gegenwart inmitten des Volkes. Sie ist bis heute das Symbol für den Bund Gottes mit dem Volk Israel (daher der Name „Bundeslade“).
Bundeslade © Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Die Bundeslade wird in den neuen Tempel gebracht.
Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert.
© Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Die Lade war der biblischen Beschreibung (Ex 25,10-22 EU) zufolge eine innen wie außen mit Gold überzogene und mit zwei Tragebalken, die in goldenen Ringen steckten, versehene Truhe aus Akazienholz. Nach biblischen Angaben betrugen ihre Abmessungen 130 x 80 x 80 cm (L x H x B). Der Deckel konnte abgenommen werden. Auf ihr thronten zwei Cherubim, die schützend ihre Flügel gegeneinander und über sie ausbreiteten. Zwischen den Cherubim soll Gott selbst erschienen sein. Berührt werden durfte die Lade nur von den Würdigsten und Hohepriestern. Jede unbefugte Berührung stellte ein Sakrileg dar und soll, so die Überlieferung, zum sofortigen Tod des Frevlers geführt haben. In Synagogen wird heute der Toraschrein, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden, als „Heilige Lade” (hebräisch: אָרוֹן הקׄדֶשׁ, ʔārōn haqodeš, neuhebräisch: Aron hakodeš) bezeichnet. Der Toraschrein steht an der Vorderwand der Synagoge, die gegen Jerusalem gerichtet ist.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Salomo empfängt die Königin von Saba. Gemälde von Giovanni Demin.
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Nach Überlieferung der Tora wurden die Steintafeln mit den Zehn Geboten zunächst in der Bundeslade umhergetragen und mit ihr in einem zerlegbaren Zelttempel, der Stiftshütte, aufbewahrt. Diese wurde auch auf den Wanderungen mitgeführt, später hatte sie ihren Standort in Silo etwa in der Mitte des Landes Israel, um so der Bundeslade einen festen Platz zu geben. Die Überführung der Bundeslade auf den Berg Zion erfolgte durch König David und in den Tempel zu Jerusalem durch Salomo auf dem Moriah-Plateau, dem sogenannten Jerusalemer Tempelberg. Korrelation von noch vorhandenen geodätischen Referenzpunkten wie den Resten der Tempelmauern mit modernen Tempelrekonstruktionen sowie die Vermessung des mit dem Felsendom umbauten Felsens durch den Briten Montagu Brownlow Parker, 5th Earl of Morley (1878–1962), im Jahre 1911 legen nahe, dass dieser Felsen identisch ist mit dem Standort der Bundeslade.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Überführung der Bundeslade durch den singenden und tanzenden König David.
Öl auf Kupfer 88 x 106 cm; Museum Abtei Liesborn; Pieter van Lint circa 1650.
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Nach der Festigung der politischen Macht König Davids brachte dieser die Bundeslade nach Jerusalem, um die Stadt nun auch zum religiösen Zentrum zu machen. Michal war mit David nach Jerusalem gezogen, der bald darauf auch die Bundeslade in die neue Hauptstadt brachte. Die Bundeslade stand dann im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels, das der Hohepriester nur einmal im Jahr während des Versöhnungstages (Jom Kippur) betreten durfte, um dort den Namen Gottes auszusprechen und um Sühne für das Volk Israel zu bitten.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Bundeslade wird von den Philistern erbeutet.
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Verlust und Rückkehr der Bundeslade: Um 1050 v. Chr. wurde die Bundeslade in der Schlacht von Aphek (Aphek) durch die Philister erobert (bei Bet Schemesch), später jedoch zurückgegeben. Abinadab war ein einfacher Bauer aus dem Stamm Levi, der in den Jahren, als die Philister die Israeliten angriffen, die Bundeslade in seinem Haus aufbewahrte. (1. Buch Samuel). Nach biblischer Darstellung (1 Sam 5 EU) brachten die Philister die Bundeslade, welche sie in einem Kampf mit den Israeliten erbeutet hatten, über Aschkelon nach Aschdod und stellten sie in den Tempel ihres Gottes Dagon. Nachdem sie dort unerklärliche Unglücksfälle und Krankheiten verursacht habe, wurde sie auf einem unbemannten Karren, der von säugenden Kühen gezogen wurde, zu den Israeliten zurückgeschickt.
Bundeslade © Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Die Philister geben die Bundeslade zurück.
Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert.
© Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Nebukadnezar II. eroberte im Jahr 587/586 v. Chr. Jerusalem und verschleppte einen Teil der Bewohnerschaft in das Babylonische Exil. Damit einher ging die Plünderung des Jerusalemer Tempels. Seitdem gelten - ihre vorherige Anwesenheit vorausgesetzt - große Teile des Tempelschatzes einschließlich der Bundeslade als verschollen.
Aussehen und Größe der Bundeslade
Bundeslade © National Geographic Society - science.nationalgeographic.com
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In der Bibel findet sich in Ex 25,10-20 EU eine Beschreibung der Bundeslade:

Verfertige eine Lade aus Akazienholz, zweieinhalb Ellen lang, eineinhalb Ellen breit und eineinhalb Ellen hoch! Überziehe sie mit reinem Gold von innen und von außen und befestige eine goldene Leiste ringsherum. Gieße für sie vier goldene Ringe und bringe sie an den vier Ecken an, und zwar zwei Ringe an ihrer einen Seitenwand und zwei an der andern! Verfertige Stangen aus Akazienholz und überziehe sie mit Gold! Stecke die Stangen durch die Ringe an den Seitenwänden der Lade, dass man sie mit ihnen tragen kann! Die Stangen sollen in den Ringen der Lade bleiben; man soll sie aus ihnen nicht herausziehen! In die Lade sollst Du das Gesetz legen, das ich dir geben werde!
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Nachbau der Bundeslade von der Firma HASBRO im Maßstab 1/16. Hasbro ist ein
US-amerikanischer Spielwarenhersteller mit Sitz in Pawtucket, Rhode Island in den USA.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Verfertige sodann eine Deckplatte aus reinem Gold, zweieinhalb Ellen sei ihre Länge und eineinhalb Ellen ihre Breite! Stelle zwei Goldkerubim her; als getriebene Arbeit sollst du sie an den beiden Enden der Deckplatte anfertigen! Und zwar sollst du den einen Kerub an dem einen Ende und den andern am anderen Ende anbringen. Von der Deckplatte her mache die Kerubim über ihren beiden Enden! Die Kerubim sollen ihre Flügel nach oben hin ausbreiten, indem sie mit ihren Flügeln die Deckplatte überdachen: ihre Antlitze seien gegeneinander gekehrt; zur Deckplatte hin sollen die Gesichter der Kerubim gerichtet sein.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Überführung der Bundeslade durch den singenden und tanzenden David,
(Bildausschnitt) Öl auf Holz, 37,6 x 82 cm; 16 Jh.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Mit „Elle” ist vermutlich die damalige ägyptische Elle von 53,4 cm Länge gemeint. Demnach wäre die Bundeslade rund 134 × 80 × 80 cm groß gewesen. Das Seitenverhältnis von „2,5:1,5” ist zudem die beste Näherung an den goldenen Schnitt, wenn man alle Kombinationen mit Vielfachen von 0,5 bis 3,5 betrachtet. Größere Vielfache erscheinen für ein solches Objekt als unrealistische Faktoren der Längeneinheit Elle.
Inhalt der Bundeslade
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Nach dem Text von Ex 25,21 EU sollte die Bundeslade das „Zeugnis“ aufnehmen, das Gott Mose gab. Damit sind nach hebräischer Bibel (vgl. 1 Kön 8,9 EU) und jüdischer Tradition ausschließlich die zwei steinernen Gesetzestafeln gemeint, die Gottes Zehn Gebote als Zeichen des Bundes zwischen ihm und dem Volk Israel enthielten. Laut Ex 16,33 EU wurde ein Gomer Manna sowie laut Num 17,25 EU Aarons grünender Stab vor der Bundeslade im Allerheiligsten aufbewahrt. Im Neuen Testament wird im Brief an die Hebräer (Heb 9,4 EU) dagegen behauptet, dass sich mit dem Krug mit Manna, dem grünenden Stab Aarons und den Bundestafeln alle drei Gegenstände in der „durchweg mit Gold verkleidete[n] Bundeslade“ befanden.
© Universitätsbibliothek Heidelberg - www.bibliotheca-laureshamensis-digital.de
Bundeslade, bewacht von Cherubim und Seraphim (Elsaß (?),
Lorsch, Mitte 11. Jh.) Vatikan, BAV, Pal. lat. 39, fol. 44v
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Dies könnte man so erklären, dass man den Krug mit Manna sowie den grünenden Stab Aarons nach gewisser Zeit zur Aufbewahrung in die Bundeslade gelegt hat. Franz Delitzsch untermauert diese Deutung in seinem Kommentar zum Brief an die Hebräer wie folgt: „... aus der geflissentlichen Bemerkung, dass zur Zeit des salom. Tempels nur (רק ) die Gesetzestafeln in der Lade waren, möchte eher zu folgern sein, dass uralters sich auch noch andere Dinge darin befanden.“
Die Bundeslade im Tanach bzw. im Alten Testament
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ägyptisches Relief mit Darstellung einer Personengruppe, die u.a. einen Kasten auf
Tragestangen trägt. Ägypten 18. Dynastie (gegen 1532 v. Chr.).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Angefertigt wurde die Bundeslade unter der Führung Moses (Ex 25,10 EU und Ex 37,1 EU) von Bezalel. Zunächst dient sie der Aufbewahrung der alttestamentlichen Gesetzestafeln. Hier ist auch eine Beschreibung der Bundeslade.
In Num 17,25 EU wird berichtet, dass auch der Stab Aarons vor der Bundeslade aufbewahrt wurde.
in Dtn 10,8 EU wird die Bundeslade dem Unterstamm Kohat des Stammes Levi übergeben, der sie fortan tragen soll (siehe auch Num 7,9 EU), wobei sie stets verhüllt werden muss (Kohat ist der Unterstamm, dem auch Mose selbst angehörte).
In 1 Sam 4 EU wird sie als Heiligtum im Kampf gegen die Philister verwendet, sie soll Israel im Kampf beistehen. Trotzdem haben die Philister Erfolg und können die Bundeslade rauben. In 1 Samuel 5 werden sie von Gott mit Plagen geschlagen und müssen die Bundeslade dem Volk Israel zurückgeben.
In 2 Sam 6 EU wird die Bundeslade in die Davidsstadt gebracht. Dabei berührte Ussa die Bundeslade, da sie vom Wagen gefallen wäre. Da Ussa kein Priester war, musste er Gottes Zorn spüren und starb.
1 Kön 8,20-21 EU berichtet, dass König Salomon die Bundeslade in den von ihm erbauten Jerusalemer Tempel bringen lässt.
In Jer 3,16 EU wird prophezeit, dass - sobald Jerusalem Mittelpunkt des jüdischen Volkes geworden ist - die Bundeslade keinerlei Bedeutung haben wird und keine zweite Bundeslade hergestellt wird.
Die apokryphen Makkabäerbücher gehören zu den Spätschriften des Alten Testaments und sind nur in der Septuaginta enthalten. Daher sind sie nicht Teil des jüdischen und protestantischen Bibelkanons. In 2 Makk 2,5-7 EU wird die Bundeslade durch den Propheten Jeremia und einige Helfer weggetragen und in einer Höhle auf dem Berg verborgen, „auf den Mose gestiegen war, um das von Gott verheißene Erbteil zu sehen.” Dort soll sie unerkannt bleiben, „bis Gott sein Volk wieder sammelt und ihm wieder gnädig ist.”
Der Übergang über den Jordan
Das Buch Josua, Kapitel 3
Bundeslade © Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Leviten tragen die Bundeslade (nach Schilo).
Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert.
© Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Das Buch Josua, auch Jehoschua oder Joschua genannt von (hebr. יְהוֹשֻׁעַ, Jehoschua) ist das sechste Buch des Tanach und des Alten Testaments der christlichen Bibel. Es beschreibt die Eroberung und frühe Besiedlung Kanaans durch die israelitischen Stämme von der Zeit nach dem Tod Moses bis zum Tod Josuas. Seit dem Mittelalter wird es in 24 Kapitel unterteilt. Das Buch Josua ist benannt nach dem Ephraimiter Josua, dem Sohn des Nun. Josua wird dargestellt als Diener des Mose, der später zu seinem Nachfolger und zum Heerführer ernannt wurde (Ex 33,11 EU; Dtn 34,9 EU; Jos 1,1f EU). Der Verfasser ist namentlich unbekannt, steht aber in enger Verbindung zur Tora. Die Tora wird ausdrücklich erwähnt in Jos 1,8 EU Jos 8,31 EU, Jos 8,34 EU, Jos 23,6 EU und deren theologische Konzeption weitergeführt. Die Verbindung ist so eng, dass einige Forscher Tora und Josuabuch zusammenfassen zum Hexateuch. Das Josuabuch schließt direkt an die Erzählung der Tora an und berichtet den Einzug in das Gelobte Land, das Ende der Wüstenwanderung und die Aufteilung des Landes auf die Stämme. Das Buch deutet sogar die Fortsetzung der Tora durch Josua an in Jos 24,26 EU.
Jos3,1   Am frühen Morgen brach Josua mit allen Israeliten von Schittim auf. Als sie an den Jordan kamen, übernachteten sie dort, bevor sie ihn überschritten.
Jos 3,2   Nach drei Tagen gingen die Listenführer durch das Lager
Jos 3,3   und befahlen dem Volk: Wenn ihr die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, seht und die levitischen Priester, die sie tragen, dann sollt auch ihr von dort, wo ihr gerade seid, aufbrechen und ihr folgen;
Jos3,4   nur müsst ihr zwischen ihr und euch einen Abstand von zweitausend Ellen lassen, ihr dürft nicht zu nahe an sie herankommen. So werdet ihr wissen, welchen Weg ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg ja früher noch nie gegangen
Jos3,5   Und Josua sagte zum Volk: Heiligt euch; denn morgen wird der Herr mitten unter euch Wunder tun.
Jos3,6   Und zu den Priestern sagte Josua: Nehmt die Bundeslade auf und zieht dem Volk voran! Und sie nahmen die Bundeslade auf und gingen dem Volk voraus
Jos3,7   Da sagte der Herr zu Josua: Heute fange ich an, dich vor den Augen ganz Israels groß zu machen, damit alle erkennen, dass ich mit dir sein werde, wie ich mit Mose gewesen bin.
Jos3,8   Du aber sollst den Priestern, die die Bundeslade tragen, befehlen: Wenn ihr zum Ufer des Jordan kommt, geht in den Jordan hinein und bleibt dort stehen!
Jos3,9   Darauf sagte Josua zu den Israeliten: Kommt her und hört die Worte des Herrn, eures Gottes!
Jos3,10   Dann sagte Josua: Daran sollt ihr erkennen, dass ein lebendiger Gott mitten unter euch ist: Er wird die Kanaaniter, die Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter vor euren Augen vertreiben.
Jos3,11   Seht, die Bundeslade des Herrn der ganzen Erde zieht vor euch her durch den Jordan.
Jos3,12   Wählt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels aus, aus jedem Stamm einen!
Jos3,13   Sobald die Füße der Priester, die die Lade des Herrn tragen, des Herrn der ganzen Erde, im Wasser des Jordan stehen, wird das Wasser des Jordan, das von oben herabkommt, wie abgeschnitten sein und wie ein Wall dastehen.
Jos3,14   Als dann das Volk seine Zelte verließ und aufbrach, um den Jordan zu überschreiten, gingen die Priester, die die Bundeslade trugen, an der Spitze des Volkes.
Jos3,15   Und als die Träger der Lade an den Jordan kamen und die Füße der Priester, die die Lade trugen, das Wasser berührten - der Jordan war aber während der ganzen Erntezeit über alle Ufer getreten -,
Jos3,16   da blieben die Fluten des Jordan stehen. Das von oben herabkommende Wasser stand wie ein Wall in weiter Entfernung, bei der Stadt Adam, die in der Nähe von Zaretan liegt. Die zum Meer der Araba, zum Salzmeer, hinabfließenden Fluten dagegen liefen vollständig ab und das Volk zog Jericho gegenüber durch den Jordan.
Jos3,17   Die Priester, die die Bundeslade des Herrn trugen, standen, während ganz Israel trockenen Fußes hindurchzog, fest und sicher mitten im Jordan auf trockenem Boden, bis das ganze Volk den Jordan durchschritten hatte.
Die Eroberung Jerichos
Das Buch Josua, Kapitel 6
Bundeslade © Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Die Bundeslade wird (um Jericho) getragen / Eroberung Jerichos.
Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert.
© Hochschul- und Landesbibliothek Fulda
Jos6,1   Jericho hielt wegen der Israeliten die Tore fest verschlossen. Niemand konnte heraus und niemand konnte hinein.
Jos6,2   Da sagte der Herr zu Josua: Sieh her, ich gebe Jericho und seinen König samt seinen Kriegern in deine Gewalt.
Jos6,3   Ihr sollt mit allen Kriegern um die Stadt herumziehen und sie einmal umkreisen. Das sollst du sechs Tage lang tun.
Jos6,4   Sieben Priester sollen sieben Widderhörner vor der Lade hertragen. Am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt herumziehen und die Priester sollen die Hörner blasen.
Jos6,5   Wenn das Widderhorn geblasen wird und ihr den Hörnerschall hört, soll das ganze Volk in lautes Kriegsgeschrei ausbrechen. Darauf wird die Mauer der Stadt in sich zusammenstürzen; dann soll das Volk hinübersteigen, jeder an der nächstbesten Stelle.
Jos6,6   Da rief Josua, der Sohn Nuns, die Priester und sagte: Nehmt die Bundeslade und lasst sieben Priester sieben Widderhörner vor der Lade des Herrn hertragen.
Jos6,7   Und zum Volk sagte er: Zieht rings um die Stadt herum und lasst die bewaffneten Männer vor der Lade des Herrn herziehen!
Jos6,8   Und es geschah so, wie Josua es dem Volk gesagt hatte: Sieben Priester trugen die sieben Widderhörner vor dem Herrn her und bliesen im Gehen die Hörner und die Bundeslade des Herrn zog hinter ihnen her.
Jos6,9   Die bewaffneten Männer gingen vor den Priestern her, die die Hörner bliesen, die Nachhut folgte der Lade und man blies ständig die Hörner.
Bundeslade - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Priester blasen das Widderhorn (das Schofar), und das Heer der Israeliten,
mit der Bundeslade in der Mitte, marschiert rund um die Stadtmauern von Jericho.
Ein aus dem 18. Jahrhundert stammender holländischer Kupferstich.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Jos6,10   Dem Volk aber befahl Josua: Erhebt kein Kriegsgeschrei und lasst eure Stimmen nicht hören! Kein Wort komme aus eurem Mund bis zu dem Tag, an dem ich zu euch sage: Erhebt das Kriegsgeschrei! Dann sollt ihr losschreien.
Jos6,11   Darauf ließ er die Lade des Herrn um die Stadt herumziehen und sie einmal umkreisen. Dann kam man zum Lager zurück und übernachtete im Lager.
Jos6,12   Früh am anderen Morgen brach Josua auf und die Priester trugen die Lade des Herrn.
Jos6,13   Sieben Priester trugen die sieben Widderhörner der Lade des Herrn voraus und bliesen ständig die Hörner. Die bewaffneten Männer zogen vor ihnen her und die Nachhut folgte der Lade des Herrn. Man blies ständig die Hörner.
Jos6,14   So zogen sie auch am zweiten Tag einmal um die Stadt herum und kehrten wieder ins Lager zurück. Das machten sie sechs Tage lang.
Jos6,15   Am siebten Tag aber brachen sie beim Anbruch der Morgenröte auf und zogen, wie gewohnt, um die Stadt, siebenmal; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt.
Jos6,16   Als die Priester beim siebten Mal die Hörner bliesen, sagte Josua zum Volk: Erhebt das Kriegsgeschrei! Denn der Herr hat die Stadt in eure Gewalt gegeben.
Jos6,17   Die Stadt mit allem, was in ihr ist, soll zu Ehren des Herrn dem Untergang geweiht sein. Nur die Dirne Rahab und alle, die bei ihr im Haus sind, sollen am Leben bleiben, weil sie die Boten versteckt hat, die wir ausgeschickt hatten.
Jos6,18   Hütet euch aber davor, von dem, was dem Untergang geweiht ist, etwas zu begehren und wegzunehmen; sonst weiht ihr das Lager Israels dem Untergang und stürzt es ins Unglück.
Jos6,19   Alles Gold und Silber und die Geräte aus Bronze und Eisen sollen dem Herrn geweiht sein und in den Schatz des Herrn kommen.
Jos6,20   Darauf erhob das Volk das Kriegsgeschrei und die Widderhörner wurden geblasen. Als das Volk den Hörnerschall hörte, brach es in lautes Kriegsgeschrei aus. Die Stadtmauer stürzte in sich zusammen, und das Volk stieg in die Stadt hinein, jeder an der nächstbesten Stelle. So eroberten sie die Stadt.
Die Bundeslade im Neuen Testament
 Im Brief an die Hebräer (Hebr 9,4 EU) wird nochmals die Bundeslade im Tempelinneren beschrieben.
In der Offenbarung (Offb 11,19 EU) wird der Tempel Gottes im Himmel aufgetan, und die Bundeslade wird sichtbar.
Die Bundeslade im Koran
Im Koran wird der Begriff Sakina bisweilen in Zusammenhang mit der Bundeslade erwähnt. Sie bewirkt göttliche Gegenwart und ist, besonders im Kriegsfall, Garant göttlichen Einwirkens.
Im Koran (Sure 2,248) heißt es: „Das Zeichen seiner Herrschaft ist, dass euch ein Herz gegeben wird, darin Frieden von eurem Herrn ist und ein Vermächtnis aus dem Nachlass vom Geschlecht Moses und Aarons – die Engel werden es tragen. Gewiss, darin ist ein Zeichen für euch, wenn ihr Gläubige seid“.
Sure 9,26 lautet: „Dann senkte Allah Seinen Frieden auf Seinen Gesandten und die Gläubigen und sandte Heerscharen hernieder, die ihr nicht sahet, und strafte jene, die ungläubig waren. Das ist der Lohn der Ungläubigen“.
Die Bundeslade in Äthiopien
Axum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kirche in Aksum (Axum), in der die äthiopische Bundeslade verehrt wird.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Nach der Überlieferung der äthiopischen Kirche wurde die Bundeslade vom Gefolge Meneliks, des Sohnes von Salomon und der Königin von Saba, gestohlen und durch eine Replik ersetzt. Demnach befinde sich die ursprüngliche Lade heute in Axum, der heiligen Stadt Äthiopiens. Dies sei aus dem äthiopischen Nationalepos, dem Kebra Negast aus dem 13. Jahrhundert, zu schließen, das die Herkunft des von 1270 bis 1974 regierenden äthiopischen Herrscherhauses aus der Verbindung zwischen der einheimischen Makeda, d.h. der Königin von Saba, und Salomon ableitet. Die Reliquie wird in der Kirche der Heiligen Maria von Zion aufbewahrt und von einem Mönch ständig bewacht. Einmal im Jahr wird, wie in den anderen Kirchen Äthiopiens, eine Tabot-Replik während einer Prozession durch die Stadt geführt. Es handelt sich dabei um eine mit Seidentüchern verhüllte Kiste (Tabot), deren Form aber nicht den biblischen Beschreibungen entspricht – ob sich darunter die Bundeslade oder wiederum nur eine leere Kiste befindet, ist nicht überprüfbar.
Die Bundeslade befindet sich bei uns in Axum
22 Juni 2009, 08:15    www.kath.net
Patriach Paulos © Ökumenischer Rat der Kirchen - www.oikoumene.org
Das Oberhaupt der Äthiopischen Orthodoxen Kirche Tewahedo, Patriarch Abune Paulos
© Ökumenischer Rat der Kirchen - www.oikoumene.org
Patriarch Paulos, die höchste Autorität der äthiopischen Kirche, hat nach einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. bestätigt, dass sich die Bundeslade in Äthiopien befindet.

Rom(kath.net/DieWelt) Mit einem außergewöhnlichen Schritt hat Patriarch Paulos, die höchste Autorität der äthiopischen Kirche, nach einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. zu der seit Jahrzehnten unter Archäologen und Schatzsuchern schwelenden Debatte Stellung genommen, ob sich die legendäre Bundeslade des alten Israel in Äthiopien befindet oder nicht. „Sie befindet sich bei uns in Axum“, sagte der Kirchenfürst am Freitag der WELT unmissverständlich in Rom. „Äthiopien ist der Thron der Bundeslade, seit hunderten von Jahren schon. Ich habe sie selbst gesehen.“ Die Lade sei keinem Alterungsprozess unterworfen und entspreche genau den Angaben der Bibel. „Das Gesegnete bleibt. Das Heilige bleibt. Die Bundeslade ist nicht von Menschenhand gemacht. Sie ist ein Geheimnis.“

Nun sei die Zeit reif, die Welt an dieser Wahrheit teilhaben zu lassen. - Es sei die Entschleierung des „Geheimnisses aller Geheimnisse“, wusste die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos schon vorab. Für DIE WELT sprach Paul Badde mit Guido Horst über die Entdeckung. Der Chefredakteur des VATICAN-Magazins war vor Monaten selbst nach Äthiopien aufgebrochen, um dort den Wächter der Bundeslade zu treffen.
DIE WELT: Sie sagen, Sie hätten die Bundeslade in Äthiopien gefunden. Wollen Sie wirklich behaupten, auf die Schrifttafeln vom Sinai gestoßen zu sein, die Gott Moses diktiert hat?

Guido Horst: Ich bin auf ein Volk gestoßen, das fest daran glaubt, im Besitz der Bundeslade zu sein. 80 Millionen Äthiopier – das ist schon was. In den 37.000 Kirchen des Landes wird im innersten Raum, im Allerheiligsten, eine Nachbildung der Bundeslade verehrt, der so genannte Tabot. An Feiertagen werden sie in Prozessionen durch die Städte getragen. Das Original ist in Axum. Ohne die Bundeslade ist das orthodoxe Christentum in Äthiopien nicht zu verstehen.

DIE WELT: Was haben Sie in Afrika gesucht?

Horst: Dasselbe, was ich in Rom suche: wahre und gute Geschichten! Die verschollene Bundeslade ist aber nicht nur eine gute Geschichte, sondern das vielleicht größte Rätsel der Menschheitsgeschichte. Auch wir „stehen“ auf der Bundeslade. Hätte es nicht den Auszug der Juden aus Ägypten gegeben und hätte Moses diesem Volk nicht mit den Zehn Geboten eine Art Grundgesetz gegeben, würden wir heute vielleicht den Erdwurm anbeten – oder gar nichts. Ohne Bundeslade kein Judentum, kein Tempel, auch kein Christentum und kein christliches Abendland. Niemand weiß, wie es mit der Geschichte weiter gegangen wäre.

DIE WELT: Haben Sie die Bundeslade denn gesehen?

Horst: Kein Mensch bekommt sie zu sehen. Sie ist nur da. Nur die Kirche ist zu sehen, wo sie verwahrt wird und der Wächter.

DIE WELT: Dennoch haben Sie die lange Reise gemacht. Warum?

Horst: Prinz Asfa-Wossen Asserate, der Großneffe Kaiser Haile Selassies, hatte bei uns in einem aufregenden Plädoyer für die äthiopischen Christen den tief verwurzelten Glauben seiner Heimat erwähnt und sagte die Bundeslade sei in Axum. Er ließ daran nicht den geringsten Zweifel.

DIE WELT: Der Prinz kann sich solch einen Glauben leisten. Doch wollen Sie als westdeutscher Intellektueller wirklich behaupten, entdeckt zu haben, was Indiana Jones verwehrt geblieben ist?

Horst: Wenn es irgendeinen anderen Ort auf der Welt gäbe, wo man die Bundeslade angeblich verwahrt – in Bagdad, Jerusalem oder Rom -, dann wäre der Glaube der Äthiopier nur eine Alternative. So ist es aber nicht. Die Lade ging irgendwann in dem Jahrtausend vor Christus spurlos verloren, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Doch der englische Schriftsteller Graham Hancock hat in einer überzeugenden Indizienkette den Weg nachgezeichnet, den die Lade genommen hat. Ab dem siebten Jahrhundert vor Christus wird sie in der Bibel nicht mehr erwähnt. Es ist die Zeit, als König Manasse den schrecklichen Frevel beging, im Allerheiligsten des Tempels von Jerusalem ein riesiges Bild der heidnischen Fruchtbarkeitsgöttin Aschera aufzustellen. Damals, so vermutet Hancock, hätten Priester die Bundeslade an einen sicheren Ort geschafft, um sie vor solchen Gräueln zu schützen. Im selben Jahrhundert errichteten Priester auf der Insel Elephantine im Oberlauf des Nils einen zweiten jüdischen Tempel. Ein solches Gotteshaus hatten die Juden bis dahin aber nur gebaut, um die Bundeslade aufzubewahren. In heftigen Konflikten der Ägypter mit jüdischen Einwanderern wurde dieser Tempel zweihundert Jahre später zerstört. Genau zu dieser Zeit, so behaupten Mönche auf Tana Kirkos im Tana-See am Oberlauf des Nils, sei die Bundeslade auf ihre Insel gekommen, wo sie 800 Jahre blieb. Da war sie also schon in Äthiopien. Unter Kaiser Ezana (ca. 325-355), als sich das Christentum in Äthiopien ausbreitete, wurde die Lade nach Axum gebracht.

DIE WELT: Die Königin von Saba haben Sie in Ihrem Reisebericht auch noch erwähnt. Wird die Geschichte spätestens da nicht ein bisschen zu dick aufgetragen?

Horst: Der Legende nach zog die dunkelhäutige Königin von Saba an den Hof Salomons in Jerusalem und wurde von ihm mit Menelik schwanger. Der soll dann bei einem späteren Besuch bei seinem Vater die Bundeslade mit nach Äthiopien genommen haben. Bis zuletzt führten die äthiopischen Herrscher deshalb, als „Löwen von Juda“, ihr Königshaus auf Salomon zurück. Die Lade wird in der Bibel aber auch noch für die Zeit nach Salomon erwähnt. Darum ist Hancocks Rekonstruktion der Umstände und Route des Transports der Bundeslade nach Äthiopien überzeugender als alle Legenden.

DIE WELT: Was ist die Bundeslade?

Horst: Das Buch Exodus berichtet, dass Moses die beiden Gesetzestafeln vom Berg Sinai herab brachte und für sie eine mit Gold überzogene Truhe aus Akazienholz bauen ließ: zweieinhalb Ellen lang, anderthalb Ellen hoch. König David hat vor ihr getanzt. Das halten die Priester Äthiopiens noch heute so. König Salomon baute für sie dann den ersten Tempel in Jerusalem, wo sie im innersten Raum, dem Allerheiligsten, von Priestern bewacht wurde – wie es heute noch mit den Tabots in allen äthiopischen Kirchen geschieht.

DIE WELT: Wo befindet sich die Lade genau? Wer bewacht sie?

Horst: König Ezana ließ für sie in Axum eine große Basilika bauen. Im 17. Jahrhundert nahm eine neue Kathedrale sie auf. 1965 ließ Kaiser Haile Selassie ein drittes Gotteshaus für sie errichten, zwischen der alten und neuen Kathedrale. Da lässt der Wächter Abba Tekulu Tag für Tag Weihrauch vor ihr aufsteigen.

DIE WELT: Wie glaubwürdig ist der Wächter?

Horst: Ich hätte mich nie getraut, ihn auch nur zu fragen, ob er wirklich die Bundeslade bewacht. Es ist sein ganzes Selbstverständnis. In ihm personifiziert sich der Glaube dieses 80-Millionen-Volkes und einer über 2000 Jahre alten Kultur. Die Kapelle darf er nicht mehr verlassen. Erst wenn er tot ist, wird man den Mönch aus dem kleinen Areal zu seinem Grab bringen. So etwas lässt man nicht wegen einer vagen Idee mit sich machen, oder dem Mythos eines Königshauses zuliebe, das gar nicht mehr regiert.

DIE WELT: Sonst hört man nicht gerade Freudenbotschaften aus Äthiopien. Hat der Besitz dem Volk wirklich Glück beschert?

Horst: Im siebten Jahrhundert schnitt der Islam das christliche Königreich Äthiopien vom Vorderen Orient und von Europa ab. Die südsudanesischen Königreiche, die auch christlich waren, sind dabei unter dem Ansturm des Islam untergegangen, ganz zu schweigen von den blühenden christlichen Nationen Nordafrikas. Nur die äthiopische Christenheit hatte diesen Sturm überlebt – mit der Bundeslade. Auch jetzt, trotz Bürgerkriegen und Hungersnöten, bewahrt das Land eine merkwürdige Einheit. Christen und Muslime leben dort in Frieden. Eine Kolonialisierung hat es – abgesehen von einer kurzen Episode unter Mussolini – dort nie gegeben.

DIE WELT: Vollbringt die Lade Wunder?

Horst: Die Bibel berichtet, wie sie das Volk Israel gegen die kriegsgewohnten Kanaaniter und Philister von Sieg zu Sieg führt – und an anderer Stelle, dass schon eine Berührung mit ihr den Tod bringen konnte. Hancock erzählt, wie ihm ein Vorgänger „meines“ Wächters 1983 sagte, es sei seine Aufgabe, die Bundeslade in dicke Tücher zu schlagen. Warum? „Um die Menschen vor ihr zu schützen. Die Lade ist mächtig“, antwortete der Mönch. Ein zweiter Wächter, dem Hancock 1991 begegnete, sagte ihm nur, die Lade „vollbringt Wunder. Und sie ist selbst ein Wunder. Sie ist ein Wunder, das Wirklichkeit geworden ist.“ Ich habe in Axum mit dem Nebruiden Yohannes gesprochen, einem Verwalter des Kirchenbezirks im Range eines Erzbischofs, und gefragt, warum man die Menschen vor der Bundeslade schützen müsse. „Es gibt keine Zweifel an der Kraft der Lade“, sagte er. „Schon die Bibel berichtet über die mächtige Kraft, die von ihr ausgeht und die Feinde Israels vernichtet hat.“ Sei denn vielleicht auch die Auserwählung Israels mit der Bundeslade auf sein Volk übergegangen, wollte ich weiter wissen „Gott gab die Lade dem äthiopischen Volk, weil er es dafür bestimmt hat. Nun ist Äthiopien auserwählt, die Bundeslade zu besitzen“, sagte er, „und insbesondere die Stadt Axum, weil die Lade ihr gegeben wurde.

DIE WELT: Der Talmud erzählt davon, wie Gott die 10 Gebote allen Völkern angeboten habe, dass aber nur Israel die strengen Regeln haben wollte. Wollen die Äthiopier vielleicht sagen, dass der liebe Gott sich die Sache später wieder anders überlegt hat?

Horst: Das ist wirklich fesselnd. Die äthiopischen Christen sind Judenchristen. Bevor sich das Land zum Christentum bekehrte, lebten dort schwarze Juden, die dann getauft wurden. Unsere Vorvorfahren waren heidnische Barbaren, bevor sie bekehrt wurden. Die Judenchristen sind also eine Art „missing link“ zu den Juden, zu unseren älteren Brüdern im Glauben. Sie haben viele Elemente des Judentums übernommen. Die Jungen werden am achten Tag beschnitten, der Samstag ist – als Sabbat - neben dem Sonntag ein Feiertag. Man isst kein Schweinefleisch und beachtet jüdische Speisegesetze. Die letzten äthiopischen Juden wurden von den Israelis in den achtziger Jahren ausgeflogen. Nur noch die Judenchristen sind dort. Wenn es ein Land gibt, wo die Bundeslade „hinpasst“, dann ist es Israel – oder Äthiopien.

DIE WELT: Nehmen wir einmal an, Sie – und die Äthiopier – hätten Recht. Hätten dann nicht aber auch schon längst die Israelis, die im heiligen Land jeden Stein umdrehen, um nach alten jüdischen Spuren zu suchen, alles daran gesetzt, um in Axum die Gründungsurkunde ihrer Kultur in ihren Besitz zu bringen?

Horst: Ja, aber sie tun es nicht – und zwar aus sehr, sehr guten Gründen. Wenn die Juden für die Lade den dritten Tempel bauen wollten, gäbe das Krieg. Es wäre nicht nur ein Weltkrieg, es wäre eher das Ende der Welt. Achtzig Millionen Äthiopier würden als erste aufstehen wie ein Mann. Und ein Tempel in Jerusalem, auf dem Tempelberg, da wo der alte stand, anstelle des muslimischen Felsendoms – würde über eine Milliarde Muslime auf einen Schlag in den ultimativen Aufstand treiben. Viele Äthiopier haben mir erklärt, dass nicht die Menschen etwas mit der Bundeslade machen, sondern dass die Bundeslade umgekehrt etwas mit den Menschen macht. Das ist sicherlich geheimnisvoll. Aber ich bin ja auch nicht nach Äthiopien gefahren, um dort einer Selbstverständlichkeit nachzuspüren.
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Aksum
Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Bundeslade wird von von Menelik I., dem Sohn König Salomons und der
Königin von Saba, ins Land gebracht. Gemälde in der neuen  Kirche der
Heiligen Maria von Zion, in Aksum.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Aksum (auch Axum geschrieben, in der lokalen Sprache Tigrinya Akhsum, ältere Form Akhwsem, amharisch አክሱም) ist die frühere Hauptstadt des Königreichs von Aksum. Das heutige Aksum liegt auf einer Höhe zwischen 2000 und 3000 m in der Verwaltungsregion Tigray im Norden Äthiopiens, 1004 Kilometer von Addis Abeba, 248 km von der Regionalhauptstadt Mekele und 62 Kilometer von der Grenze zu Eritrea entfernt (der Grenzübergang ist derzeit jedoch geschlossen). Die Stadt wird als städtische Woreda (vergleichbar einer kreisfreien Stadt) verwaltet und ist umgeben von der Woreda La'ilay Maychew. Aksum gilt in der äthiopisch-orthodoxen Kirche als heilige Stadt, in der Kirche der Heiligen Maria von Zion wird nach äthiopisch-orthodoxer Tradition die Bundeslade aufbewahrt.
Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Alte Kathedrale Maryam Sion in ihrer heutigen Form im frühen Gonder-Stil
(Kaiser Fasilides 1632 - 1667). Die ursprüngliche Kathedrale im aksumitischen Stil
umfasste den gesamten Sockel, auf den die Freitreppe hinauf führt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Gründung von Aksum lässt sich nicht sicher datieren. In den Schriftquellen findet sich Aksum erstmals im Periplus Maris Erythraei und in der Geographikè Hyphégesis des Claudius Ptolemäus. Beide Quellen bezeichnen Aksum als Residenz des Königs des ebenfalls erst zu dieser Zeit erwähnten Aksumitischen Reiches, das bereits damals neben dem nord-äthiopischen Hochland auch die Hafenstadt Adulis (heute in Eritrea) kontrollierte. Nach dem Übertritt König Ezanas zum Christentum wurde Aksum eine der ersten christlichen Hauptstädte. Das Zentrum des antiken Aksum befand sich im Westen der modernen Stadt, auf beiden Seiten des Mai Lahlaha. Dort wurden die Reste einiger größerer, repräsentativer Gebäude, die offenbar der Oberschicht gehörten, gefunden.
Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der nördliche Stelenpark von Aksum. Links unten die König Ezanas Stele.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Von den Wohngebäuden der Bevölkerung sind hingegen bislang keine Reste entdeckt worden, auch von Befestigungen finden sich keine Spuren, vermutlich machte der natürliche Schutz der Stadt durch das umliegende Gebirge solche Anlagen unnötig. Weiter im Osten, im Bereich der Kathedrale Maryam Tseyon, befand sich ein weiteres größeres Gebäude, vielleicht ein vorchristlicher Tempel, in dessen unmittelbarer Nähe sich die Reste von steinernen Thronen befinden, die vielleicht, ähnlich dem Monumentum Adulitanum, einmal Inschriften trugen. Ähnliche Bauwerke finden sich auch am Fuß des Mai Qoho, westlich des südöstlichen Stelenfeldes, bei dessen namengebenden Monumentalstelen es sich um Grabdenkmäler vornehmer Personen handelt. Ähnliche Stelenfelder stehen auch im Norden und Südwesten.
Aksum - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die mit 33m größte, jedoch zerbrochene Stele von Aksum.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die höchste, 33 Meter hohe und 517 Tonnen schwere, Stele zerbrach vermutlich schon bei ihrer Errichtung. Die Stadt litt ab circa 600 unter dem Zusammenbruch des Reiches und war zwischenzeitlich verlassen, erhielt später jedoch wieder Bedeutung unter anderem als religiöses Zentrum. Aksum blieb Ort von Krönungen äthiopischer Könige bis zur Zeit des letzten Kaisers Haile Selassie im 20. Jahrhundert. Aksum ist heute die wichtigste Pilgerstätte der äthiopisch-orthodoxen Christen. Nach der Überzeugung der äthiopisch-orthodoxen Kirche befindet sich die israelitische Bundeslade in Aksum. Diese soll dem Kebra Negest, einer äthiopischen Schrift aus dem 13. Jahrhundert, zufolge von Menelik I., dem Sohn König Salomons und der Königin von Saba, ins Land geholt worden sein. Ein Mönch ist noch heute bis an sein Lebensende mit der Bewachung der Bundeslade beauftragt. Diese Aufgabe wird vor seinem Tode einem Nachfolger weitergegeben.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Bundeslade" der
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