Abt Christian Meyer OSB
aus Basel, Schweiz
Interview: Silvia Rietz, Solothurner Zeitung - www.solothurnerzeitung.ch
"Herzhaft lachen gehört auch in den Klosteralltag"
Abt Christian Meyer OSB.
© Foto: Katholisches Medienzentrum - http://www.kath.ch
Der 46-jährige, in Basel geborene Abt Christian Meyer, ist der 59. Vorsteher des Klosters Engelberg und oberster Benediktinermönch des Konvents. Abt Christian ist mit seinem Amt auch der Letztverantwortliche für die Wirtschaft. Zum 1120 gegründeten Benediktinerkloster Engelberg gehören neben der bekannten Stiftsschule nämlich weitere Betriebe, wie die Hotellerie für Gäste auf Zeit und Tagungen;
sowie Handwerksbetriebe wie die Schreinerei, die Schlosserei, die Gärtnerei, sowie ein Blumenladen und eine Schaukäserei. Das Gewerbe wird auf dem Fundament der Klosterregel des heiligen Benedikt von Nursia (480–547) ausgeübt, der mit dem seinem Wahlspruch «Ut in omnibus glorificetur Deus» («Auf dass in allem Gott verherrlicht werde») die Mönche anleitet, neben Gebet und Gottesdienst die Arbeit nicht zu vernachlässigen. (srb)
Abt Christian Meyer OSB.
© Foto: Katholisches Medienzentrum - http://www.kath.ch
Benediktiner-Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg referiert in Solothurn über Spiritualität. Beim «Humoristischen Fitnesslauf» darf durchaus gelacht werden: Herzhaftes Lachen gehöre nämlich auch im Klosteralltag dazu.
von Silvia Rietz
Bis vor drei Jahren war Abt Christian Meyer als Pater Christian für die Seelsorge und priesterlichen Dienste von Engelberg verantwortlich, spielte Theater, war im Jodlerklub aktiv. Heute ist der Benediktiner nicht nur Vorsteher der 26 Mönche des Konvents, sondern auch CEO eines mittleren Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitenden. Am kommenden Donnerstag spricht Abt Christian in der Visitation, nimmt das Publikum mit auf einen humoristischen Fitnesslauf durch den Spirtualitätendschungel.
Dank Titelgeschichten und TV-Sendungen wie «Club» und «Aeschbacher» ist der Abt von Engelberg landesweit bekannt geworden. Wie gehen Sie mit der Popularität um?
Abt Christian Meyer: Ob ich wirklich so bekannt bin durch die Medien, weiss ich nicht. Ich denke, Abt Martin Werlen ist bekannter. Wenn ich Popularität habe, dann habe ich es bis jetzt noch nicht bemerkt und bin der, der ich halt bin: Geerdet und doch die Augen zum Himmel gerichtet, dazwischen zwei Hände, die zupacken.
Was hat sich im Zusammenleben der Gemeinschaft geändert,
seit sie dem Konvent vorstehen?
Durch die Abtwahl bin ich dem Gemeinschaftsleben wieder etwas näher gekommen. Als Pfarrer habe ich mich bemüht, regelmässig am Chorgebet teilzunehmen, was mir auch gelungen ist. Der Alltag, jederzeit für die Menschen da sein, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Sterbende begleiten, Jodlerproben, Theaterproben, Pfadiübung, da kam das Gemeinschaftsleben zu kurz. Das ist das eine. Als Abt musste ich das Kloster oder die Gemeinschaft nicht neu erfinden. Wir haben als Gemeinschaft aber eine neue Tagesstruktur geschaffen. Die Stiftsschule führten wir in eine neue Richtung. Die Verwaltung erhielt eine neue Struktur. Wir haben viele Baustellen, die alle gleichzeitig realisiert werden wollen - was aber nicht möglich ist. Auch unsere Gemeinschaft ist etwas kleiner geworden und wiederum älter. Und jeder muss noch lernen, mit diesem Kleiner-Werden umzugehen. Auch wir haben das Ei des Kolumbus nicht gefunden. Auch wir sind, wie alle Menschen, auf dem Weg und müssen uns der Zukunft stellen.
Abt Christian Meyer OSB.
© Foto: www.kloster-engelberg.ch
Kennen Sie Solothurn? Was verbinden Sie mit der Stadt Solothurn, ausser dass ein Mitbruder Stadtpfarrer geworden ist?
Solothurn kenne ich nur als Bischofsstadt. Das erste Mal war ich als Ministrant auf unserer Ministrantenreise dort. Durch den heiligen Mauritius und Gefährten kam ich dann wegen Verena, Urs und Viktor auch geschichtlich in Kontakt. Die drei Stadtheiligen werden, seit das Kloster Engelberg gegründet wurde, auch bei uns verehrt. Die heilige Verena vor allem deshalb, weil 1325 am Verenatag 139 Klosterfrauen miteinander ihre Gelübde abgelegt haben. Wir waren ja bis 1615 ein Doppelkloster. Der eine Stadtpatron, der heilige Urs, musste mit Mauritius zusammen einen grossen Knochen vom Skelett bei uns in Engelberg lassen, wo sie in wunderbare barocke Ritter-Reliquiare gefasst sind. Ein weiteres: In der Kathedrale in Solothurn liegt Bischof Anton Hänggi begraben, der mich in meiner Heimatpfarrei in Basel zum Diakon geweiht hatte. Seelsorgerisch und liturgisch gab er mir einiges mit auf den Weg.
Der Vortragstitel lässt auf einen humorvollen Referenten schliessen. Darf man im Kloster lachen oder dominiert andächtige Stille?
Ordensgründer Benedikt verbietet das Lachen nicht. Was er nicht will, ist oberflächliches Lachen. Ein Lachen, das aus dummen Witzen, herablassendem Gespräch über andere oder aus Langeweile entspringt. Das wohlwollende Lächeln, das gütige Schmunzeln oder auch das herzhafte Lachen gehören zum Klosteralltag dazu. Benedikt schreibt im vierten Kapitel über die «Werkzeuge der geistlichen Kunst»: «Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten. Das viele Reden nicht lieben. Leere oder zum Gelächter reizende Worte meiden. Häufiges oder ungezügeltes Gelächter nicht lieben.» Sie sehen, er vermiest uns also nicht das Lachen an sich.
Was zeichnet einen fröhlichen Ordensmann aus?
Ein Mensch, der fröhlich ist, braucht keine Angst vor dem Bösen zu haben. So sagte es mal der heilige Philipp Neri. Davon bin auch ich überzeugt: Griesgrämerei, Ängstlichkeit, Engstirnigkeit sind grosse Eingangstore für das Negative. Doch bei Freude, Humor und Herzensweite hat das Negative keine Chancen. Damit es ein «herzhaftes» Lachen wird, braucht es die Stille im Kloster. Eine Stille, die hilft, aus der Tiefe zu schöpfen, und die immer wieder auf das Wesentliche hinführt.
(az Solothurner Zeitung)
Text auszugsweise aus
Solothurner Zeitung, Silvia Rietz
www.solothurnerzeitung.ch
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