Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE
aus St. Veit an der Glan, Kärnten, Österreich
Interview von Karl Heinz Frankl 2010
"Persönlicher Rückblick
von Generaloberin Sr. Consolata Hassler"
anlässlich des 300 Jahr Jubiläum (1710 - 2010)
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Foto: Barmherzige Brüder / Elisabethinen
Bürgermeister Christan Scheider mit Schwester Consolata Hassler. Anlässlich ihres 70. Geburtstages und in Würdigung der besonderen Verdienste und Leistungen von Schwester Consolata Hassler im sozialen und gesundheitlichen Bereich des Elisabethinen Krankenhauses überreichte Bürgermeister Christian Scheider die Ehrenurkunde der Stadt Klagenfurt.
© Foto: Barmherzige Brüder / Elisabethinen
Am 27. Oktober 2014 hat Schwester Consolata Hassler ihren 70. Geburtstag gefeiert. Die meisten Jahre ihres Lebens widmete sie dem Elisabethinenorden, in den sie bereits nach der Matura im Jahr 1962 eintrat. Seit 1985 steht die engagierte Frau dem Konvent der Klagenfurter Elisabethinen als Generaloberin vor. Gemeinsam mit ihren Mitschwestern macht Schwester Consolata das Krankenhaus der Elisabethinen zu einem besonderen und unverwechselbaren Ort, der weit mehr ist, als ein Krankenhaus. Als Oberin liegt Schwester Consolata besonders das Wohlergehen der Schwestern, insbesondere der kranken Mitschwestern am Herzen. Aber auch das Lob von Patientinnen und Patienten, die das Elisabethinenkrankenhaus als geistliches Krankenhaus von besonderem Wert schätzen, freut sie besonders.
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Foto: Barmherzige Brüder / Elisabethinen
Neue Apothekenleitung im Elisabethinen-Krankenhaus 2013.
v.l.: Kaufm. Dir. Mag. Dr. Elke Haber, Generaloberin Sr. Consolata Haßler, Sr. Mag. Immaculata Kowatsch, Geschäftsführer Mag. Michael Steiner, MAS und neue Apothekenleiterin Mag. Dr. Iris Wille.
© Foto: Barmherzige Brüder / Elisabethinen
Seit 1985 steht Schwester Consolata Hassler, gebürtig aus St. Veit an der Glan, dem Konvent der Klagenfurter Elisabethinen als Generaloberin vor. Lesen Sie im Folgenden das sehr persönliche Gespräch, das Karl Heinz Frankl mit der Führungspersönlichkeit des Klagenfurter Frauenordens führen durfte (2010).
Mutter Consolata, das Entscheidende in einem Ordensleben sind die Gelübde. Wann haben Sie Ihre Profess abgelegt?
Ich habe am 9. Mai 1964 die ersten Gelübde abgelegt, nachdem ich am 20. Juni 1962 nach der Matura eingetreten bin. Ein Jahr Noviziat, und dann die Gelübde. Damals dauerte das Noviziat noch ein Jahr, heute sind es zwei Jahre.
Welche Ämter im Kloster und welche beruflichen Tätigkeiten
haben Sie ausgeübt?
Während der Noviziatszeit wurde ich in allen Klosterbereichen eingesetzt, im Pflegedienst, in der Wäscherei, auch in der Kanzlei, im Garten, in der Sakristei, um mir ein Bild vom Orden machen zu können. Nach der Profess habe ich zunächst in der Patientenaufnahme, und anschließend in der Patienten-verrechnung gearbeitet. Von 1967 an war ich in der Lohnbuchhaltung des Krankenhauses tätig, am 29. Juni 1985 bin ich dann zur Oberin des Klosters gewählt worden.
Was bedeutet das Jubiläum des 300jährigen Bestandes des Klosters der Elisbethinen in Klagenfurt für Sie persönlich?
Ich freue mich, dass unser Orden in unserem Land 300 Jahre lang den kranken und hilfsbedürftigen Menschen beistehen durfte.
Warum sind Sie Ordensfrau geworden?
Nachdem ich mit circa 16 Jahren begonnen hatte, mich intensiver mit meinem Glauben zu beschäftigen, stellten sich bald Klostergedanken ein. Ganz für Gott da zu sein, das erschien mir als ein erstrebenswertes Ziel.
Was bewog Sie, in den Orden der Klagenfurter Elisbethinen einzutreten?
Der Orden der Elisbethinen sucht einerseits, die Leiden der Mitmenschen zu lindern, hat aber auch eine kontemplative Seite, wie etwa Klausur, Zeiten der Stille und gemeinsam gesungenes Chorgebet. Diese Kombination hat mich angeregt, hier in Klagenfurt einzutreten.
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Foto: Barmherzige Brüder
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit den Barmherzigen Brüdern 2006.
vlnr: Frater Pius Volk, Prior und Krankenhausvorstand am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St. Veit/Glan, Mag. Michael Steiner, MAS, Geschäftsführer des EKH-Klagenfurt und Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in St. Veit/Glan, Schwester Consolata Hassler, Generaloberin des Konvents der Elisabethinen in Klagenfurt, LR Dr. Wolfgang Schantl, Gesundheitsreferent des Landes Kärnten, Dr. Manfred Kuschnig, Medizinischer Direktor des EKH-Klagenfurt, Frater Paulus Kohler, Provinzial der österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder, DGKS Mag. Beate Czegka, MAS, Pflegedirektorin des EKH-Klagenfurt
© Foto: Barmherzige Brüder
Worin sehen Sie das Besondere am Elisbethinenorden?
Das Elisabethinenkloster zu Klagenfurt ist ein Generalat. D.h. es hängt von keinem höheren Oberen ab, der einzige Vorgesetzte ist der Diözesanbischof.
Das bedeutet, dass die Schwestern nicht von einem in ein anderes Kloster versetzt werden können. Dadurch kann das klösterliche Leben besonders familiär gestaltet werden. Ich denke dabei an die Namenstagsfeste, an die Erholungsstunden und Ähnliches. Dadurch wird auch eine intensivere Beziehung zu den Patienten geschaffen. Die meisten Krankenpflegeorden haben ihr Generalat in Rom, die Schwestern werden versetzt. Ich bin hier eingetreten, da ich nicht versetzt werden wollte. Mir ging es darum, etwas für die Menschen tun zu können und auch darum, dem Hang zur Einsamkeit etwas nachzugeben. Die franziskanische Richtung ist im Elisabethinenorden erst später aktiver geworden. Bei meinem Eintritt vor über vierzig Jahren war noch nicht viel Rede vom heiligen Franziskus, da ist noch die heilige Elisabeth im Mittelpunkt gestanden. Erst in den letzen Jahrzehnten ist der heilige Franziskus wichtig geworden. Im Eingangsbereich des Spitals ist er auf einem großen Glasgemälde dargestellt.
Würdige Mutter, wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf
an einem Wochentag aus?
Der Klosteralltag ist ein geregelter Alltag. Er ist ein Tag, der eingeteilt ist, und der es ermöglicht, Ordnung in sein eigenes, persönliches Leben zu bringen. Die Grundstruktur ist vorgegeben durch das Chorgebet, die heilige Messe, die Erholungsstunden usw.
Welche Klosterämter üben Sie aus?
Als Oberin des Konventes bin ich zuständig für das Wohlergehen der Schwestern, besonders der kranken Mitschwestern. Als Rechtsträger des Krankenhauses muss ich Besprechungen mit dem Geschäftsführer über die Weiterentwicklung des Krankenhauses führen und die Kontakte mit den Mitarbeitern pflegen. Als Organistin bin ich für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Kapelle des Konventes und in der Elisabethinenkirche verantwortlich.
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Foto: Barmherzige Brüder
Helmut Horten Stiftung - Übergabe neuer medizinischer Geräte.
v.l.n.r.: OA Dr. Alexander Pertl, MD Dr. Manfred Kuschnig, Geschäftsführer Mag. Michael Steiner, Stiftungsbeirat Dr. Hellmuth Reichel, Mutter Consolata Hassler, Primar Dr. Franz Siebert,
Pflegedirektorin Christa Santner.
© Foto: Barmherzige Brüder
Wo sehen Sie die großen Veränderungen
seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil?
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich manches geändert durch Anpassung, ohne dass der Geist des Ordens verändert wurde: Unter "Armut" wird die Freiheit von egoistischen Interessen an unnötigen, überflüssigen Dingen verstanden. Berechtigte Ansprüche bei der Arbeit und im Alltagsleben (Erholung, ordentliche Kleidung usw.) werden selbstverständlich erfüllt. "Gottgeweihte Ehelosigkeit" bedeutet den Einsatz aller Kräfte für den Aufbau des Reiches Gottes mit freudigem Herzen. "Gehorsam" schließlich meint und verlangt engagiertes Mitdenken aller Schwestern im Einvernehmen mit der Oberin. Die Vorschriften über die Klausur wurden angepasst, auch in Zusammenhang mit der Krankenpflege. Beispielweise durften die Schwestern früher das Kloster nur zu zweit verlassen. Es wird jetzt auch gewünscht, dass die Schwestern an geistlichen Veranstaltungen außerhalb des Klosters teilnehmen, etwa an Wallfahrten oder an Festgottesdienten.
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Pressestelle der Diözese Gurk - Foto: Helge Bauer
Professjubiläen im Elisabethinenkonvent Klagenfurt 2014. Bischof Schwarz dankt den
Jubilarinnen Sr. Consolata (r.) und Sr. Klementine für ihren wertvollen Dienst.
 © Pressestelle der Diözese Gurk - Foto: Helge Bauer
An der Berufstätigkeit der Schwestern hat sich grundsätzlich nicht viel geändert. Nach wie vor steht die Betreuung kranker Menschen im Mittelpunkt der klösterlichen Aufgaben. Die Beziehungen zu den Mitschwestern wurden herzlicher, weniger zurückhaltend und offener. Wenn es gewünscht ist, wird gegenseitig geduzt. Die Haltung zwischen den Mitschwestern und der Oberin ist weniger förmlich, auftretende Probleme werden vertrauensvoll miteinander besprochen. Es wurde viel an Form abgebaut, die nicht notwendig war. Die klösterliche Atmosphäre insgesamt wurde offener, herzlicher. Heute versuchen die Schwestern, einander zu verstehen, bei Notwendigkeit zu helfen, und auch, einander Freude zu bereiten. Das Zusammenleben von Schwestern mit slowenischer und deutscher Muttersprache funktioniert ohne Schwierigkeiten; ein Sprachproblem existiert in unserem Konvent nicht. Nach längeren Überlegungen wurde die Ordenstracht nicht gravierend verändert, allerdings wurde sie für die Hygienevorschriften der heutigen Zeit angepasst. Bei neu eintretenden Schwestern kann die Ordenskleidung weitgehend modifiziert werden. Die Schwestern sollen jedoch als Ordensfrauen erkennbar sein.
Generaloberin Schwester Consolata Hassler OSE © Foto: Barmherzige Brüder
Generaloberin Consolata Hassler beim Verteilen der Elisabethbrote
beim Gedenktag der hl. Elisabeth am 19. November.
© Foto: Barmherzige Brüder
Urlaub ist kein Fremdwort für die Elisbethinen von Klagenfurt: Der normale Urlaub beträgt vier Wochen sowie zusätzlich 14 Tage Heimaturlaub. Bei Notwendigkeit oder Dringlichkeit kann dieser Zeitraum beliebig erweitert werden. Kuraufenthalte der Schwestern werden nicht auf den Urlaub angerechnet. Besuche von Familienangehörigen beziehungsweise Freundinnen und Freunden sind jederzeit im Kloster möglich, wenn nicht gerade Exerzitien gehalten werden. Es gibt auch ein Gästehaus mit kleinen Garconnieren zur Übernachtung. Außerdem kann jede Schwester 14 Tage pro Jahr bei Verwandten, eventuell auch guten Bekannten als Heimaturlaub verbringen. Der Urlaub sollte in einem klösterlichen Haus erfolgen. Außer den dreimal in der Woche stattfindenden "Rekreationen", der Erholungsstunde, an denen wenn möglich alle Schwestern teilnehmen und bei denen gegenseitiger Austausch stattfindet und aktuelle Themen besprochen werden, besteht auch die Möglichkeit, sich bei freier Zeit im Fernsehraum etwas Passendes anzusehen oder sich im Klostergarten zu erholen.
Was ist Ihnen, würdige Mutter,
im Rückblick auf die letzten 25 Jahre besonders wichtig?
Im Konvent hat sich das geistliche Leben der Schwestern trotz äußerer Schwierigkeiten immer mehr vertieft. Obwohl viele Schwestern bereits in einem höheren Lebensalter stehen, ist die Atmosphäre im Konvent ausgeglichen und voll heiterer Gelassenheit. Wir tun das Unsrige und überlassen die Zukunft der Vorsehung Gottes. Nicht ohne Schwierigkeiten erfolgte die Öffnung der Pflege auch für weltliches Personal. Auch dadurch hat sich unser Spital zu einem gut geführten und gerne aufgesuchten Krankenhaus entwickelt, das seine spirituelle Ausrichtung bewahrt hat. Unser Spital wird den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht, hat einige Schwerpunkte und erzielt durch die Kooperation mit dem Orden der Barmherzigen Brüder viele Synergie-Effekte. Trotz der veränderten Zeitumstände erfüllt das Elisabethinen_Krankenhaus die Anforderung, ein geistliches Krankenhaus mit "Mehrwert" zu sein. Der Konvent der Elisabethinen blickt mit Zuversicht in die Zukunft, denn er hat in der wechselvollen Geschichte während dreier Jahrhunderte erfahren, dass Gott, dessen Wege wir nicht kennen, treu ist, und dass er das Vertrauen, das man in ihn setzt, nicht enttäuscht.
(Interview von Karl Heinz Frankl 2010)
www.barmherzige-brueder.at/elisabethinen/ordensleben
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Frater Ambrosius, OH  
Frater Antonius, OH  
Bruder Bruno-Maria, OSB  
Abt Christian, OSB  
Sr. Consolata, OSE  
Bruder Dominikus, CFA  
Sr. Hildegard, SDS  
Pater Imre, OH  
Frater Johannes, OSB  
Sr. Licia, SCJG  
Sr. Maria Magdalena, OSC  
Bruder Patrick, SJ  
Bruder Paulus, OFMCap  
Bruder Pio, OFMCap  
Pater Raphael, OCist  
Frater Richard, OH  
Sr. Rita-Maria, OSA  
Sr. Rosecarmel, DMMM  
Frater Saji, OH  
Frater Ulrich, OH  
Sr. Ursula, OP  
Klosteralltag  
 
Ordensgemeinschaften Österreich
Granatapfel
Granatapfel
Das Magazin der
Barmherzigen Brüder
www.granatapfel.at
 
DOMBUCHHANDLUNG FACULTAS - WIEN
  www.gaube.at - Erhard Gaube
 
design by gaube