Bruder Dominikus Seeberg CFA
Provinzial der Alexianer-Brüdergemeinschaft
Interview: Britta Ellerkamp; Redaktion Alexianer-Magazin
"Nicht aus heiterem Himmel!"
Alexianerbruder Dominikus Seeberg © Alexianer-Brüdergemeinschaft - www.alexianerkloster.de
Alexianerbruder Dominikus Seeberg (41)
© Alexianer-Brüdergemeinschaft - www.alexianerkloster.de
Ein Leben im Kloster ist für viele Menschen unvorstellbar. Vermutet werden Entsagung und strenge Disziplin hinter dicken Klostermauern.
Die Realität von Ordensleuten sieht anders aus.
Alexianerbruder Dominikus Seeberg (41) verrät, warum seine
Entscheidung für ihn genau die Richtige war – und immer noch ist.
Bruder Dominikus trat 1987 mit 20 Jahren in den Alexianerorden ein. Nach dem Studium der Theologie empfing der examinierte Altenpfleger 1999 seine Priesterweihe. Von 2004 bis 2008 war er Provinzial der Neusser Ordensprovinz, seit 2010 ist er Mitglied im Generalrat der Kongregation. Bruder Dominikus ist als Seelsorger in den Seniorenheimen der Alexianer in Siegburg und Troisdorf sowie als Subsidiar in der katholischen Pfarrgemeinde St. Servatius in Siegburg tätig. Diese Aufgaben nimmt er auch zukünftig weiter wahr. Darüber hinaus ist er regelmäßig im Kloster in Münster, um seinen Aufgaben als Provinzial nachzukommen.
Bruder Dominikus, können Sie sich noch an den ersten Tag bei den Alexianern erinnern?
Oh ja, als meine Eltern mich am 1. Januar 1987 mit zwei Koffern nach Neuss brachten, haben die Brüder im Kloster in Neuss mit mir an diesem Tag noch gar nicht gerechnet - aber Bruder Ambrosius nahm mich in seine Obhut. Es gab noch Kaffee mit meinen Eltern und Bruder Ambrosius, dann hieß es Abschied nehmen und mein Vater sagte mir noch „Wenn es nicht geht, holen wir dich wieder ab!“
Das ist kein Wunder: Sie waren gerade 19 Jahre alt.
Viele junge Menschen in diesem Alter wissen noch gar nicht,
wohin die Reise geht. Bei Ihnen war das anders?
Ein Wunder würde ich nicht sagen, aber natürlich ist auch mein Entschluss gereift. Eine Berufung fällt ja nicht aus heiterem Himmel. Man muss etwas dafür tun. Da ist zunächst mal die Vermutung, könnte dass ein Weg für mich sein? Dann gilt es um Berufung zu Beten und zu Hören. Jede Berufung kommt von Gott und ist Geschenk Gottes. Der Anfang jeglicher Berufung ist wohl: Das Hören zu lernen, auf Gott zu hören und auch auf gute Menschen, die Familie, Freunde und Seelsorger ….
Haben Sie auf Ihre innere Stimme gehört?
Ja sicher, dass ich mit dem Glauben in Berührung gekommen bin, verdanke ich zunächst meiner Familie und einigen Menschen in meiner Heimatgemeinde, die mich geprägt haben. Für dieses Glaubens- und Lebenszeugnis bin ich heute noch dankbar.

Als Messdiener bekam ich Gemeindeleben mit, und das hat mich begeistert. Die Freude am Gottesdienst und Gebet, am gemeinschaftlichen Tun, haben bei mir Spuren hinterlassen. Wenn ich heute als Priester in mehreren Gemeinden tätig bin und in verschiedenen Kirchen Gottesdienst feiere, so hat die Heimatgemeinde einen ganz besonderen Stellenwert behalten. Das hat etwas mit Heimat zu tun, mit Erinnerung, mit Gefühl und Stimmung.
Wie kam es zu der Begeisterung für die Alexianer?
Mit weltweit 74 und bundesweit 23 Brüdern sind die Alexianer eine kleine Ordensgemeinschaft, die nicht jeder kennt.
Ich bin durch eine Anzeige in der Zeitschrift „Weltbild“ auf die Alexianerbrüder aufmerksam geworden. Damals haben viele Ordensgemeinschaften dort geworben. Heute würde man viel eher im Internet suchen.

Bei meiner Entscheidung war mir ein sozial tätiger, also nicht rein kontemplativer, Orden wichtig. Bei den Alexianern hatte ich das Gefühl, dass es die richtige Gemeinschaft für mich ist. Meine Entscheidung stand schnell fest. Im Advent habe ich hospitiert, im Januar bin ich eingetreten.
Wie kam es zu dieser schnellen Entscheidung?
Mit 19 Jahren war ich entscheidungsfreudiger, aber ich habe mich in der ganzen Zeit niemals unter Druck gesetzt. Wir sehen das auch bei den Ordenseintritten heute, selten tritt jemand mit 19 Jahren in unsere Ordensgemeinschaft ein, die meisten sind älter und haben somit bereites ihre Position in der Gesellschaft, im Beruf und Familie gefunden. Und dann ein Ordenseintritt, das macht man dann nicht so leicht. Bei mir war der Schritt weit aus leichter und alles was ich lernen und studieren durfte, verdanke ich meiner Gemeinschaft. Das Schöne in einer Ordensgemeinschaft ist, dass es ein Hineinwachsen ist, und das Lernen in eine geistliche Haltung zu kommen. Keiner muss perfekt sein, wir alle haben Fehler und Macken - und wir alle sind auf dem Weg. Der strukturierte Tagesablauf mit festen Zeiten für Gebet, Arbeit und Mahlzeiten, Erholung und Gemeinschaft sind enorm wichtig, gerade am Anfang eines Ordenslebens, weil viele aus einer Zeit kommen, in der nur noch Schnelligkeit zählt.
Inwieweit hatte die Entscheidung auch mit ihrem sozialen Umfeld zu tun? Kommen Sie aus einem streng katholischen Elternhaus?
Das ist eine typische Frage, die meisten Menschen denken bei einer Berufung gleich an eine strenge katholische Erziehung. Bei mir ist es anders. Meine Eltern waren nicht religiöser als viele andere Menschen auch.
Wie haben Freunde und Familie reagiert
als Sie von Ihrem Entschluss erfuhren?
Ablehnend hat keiner reagiert, eher verhalten. Das liegt sicher daran, dass dieser Weg ungewöhnlich ist und die meisten Leute keine Vorstellung davon haben, was ein Leben im Orden bedeutet.
Was bedeutet es denn?
Vorab: Ein Leben in Gemeinschaft ist sicherlich heute anders als noch vor etwa 50 Jahren. Natürlich gehören die Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam auch heute zu unseren Regeln. Das hat allerdings nichts mit einer straffen Ordnung zu tun, der man sich einfach nur unterwirft. Vielmehr geht es darum, sich selbst zu hinterfragen. Worauf lasse ich mich ein? Wie geht es mir mit meiner Entscheidung? In Freiheit zu prüfen, kann ich das? Was ist mein Weg? Die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen ist heute sicher größer als in früheren Zeiten. Im Mittelpunkt steht mein Bemühen, die Beziehung zu Christus aufzubauen, zu festigen und zu halten und dazu braucht man Innerlichkeit und eine geistliche Haltung. Die Versprechen, die wir Gott und der Kirche und der Gemeinschaft gegeben haben, müssen gelebt werden - an jedem Tag. Das ist ein ständiger Prozess, auch der Auseinandersetzung innerlich wie äußerlich, denn wir alle leben ja nur im Heute, nicht im Gestern und auch nicht im Morgen. Und dies zu wissen gibt mir Gelassenheit und Gottvertrauen.
Welche Rolle spielt der Austausch mit Ihren Mitbrüdern?
Das regelmäßige Gespräch mit den Brüdern ist sehr wichtig. Leider geht auch an unserer Ordensgemeinschaft das Problem des Nachwuchsmangels nicht spurlos vorbei. Obwohl ich hier in Siegburg zurzeit der einzige Bruder bin, halte ich regelmäßig Kontakt zu meinen Mitbrüdern in Neuss, Aachen und Münster. Wir haben verschiedene Sitzungen, in denen wir zusammenkommen und wir haben verschiedene Feste, die wir in der Gemeinschaft feiern.

Der mitbrüderliche Austausch im Gespräch ist immer wichtig, und das in jedem Alter, denn es muss sich zeigen, dass wir als Ordensbrüder, gerade in einer kleinen Gemeinschaft, einander beistehen um uns in unserer Berufung zu stärken, das bedeutet aber auch, dass ich lernen muss einen Rat eines Mitbruders in der „correctio fraterna „ in der „brüderlichen Zurechtweisung“ anzunehmen.
Haben Sie manchmal Zweifel daran, den richtigen Weg zu gehen?
Jeder Mensch hat Zweifel – das ist gesund, um nicht hochmütig und überheblich zu werden. Keinen Zweifel habe ich an Gottes gute Fügung in und mit meinem Leben. Bedenken eher, ob ich mit all den eigenen Fehlern, den Schwächen, dem eigenen Unvermögen meiner Berufung gerecht werde. Auch Glaubenskrisen gehören zum Ordensleben. Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem helfen, solche Krisen zu bewältigen. Beichtväter, geistliche Väter und Mütter, es gibt auch viele Frauen und Männer, die als Laien sehr gut geistlich begleiten können. Ich bin froh, dass es für mich in diesen Zeiten Menschen gab, die mich begleiteten. Auch regelmäßige Exerzitien sind hilfreich.
Dennoch haben christliche Ordensgemeinschaften
heute immer weniger Zulauf. Woran liegt das?
Heute haben viele Menschen Angst, Verbindlichkeiten einzugehen. Das ist nicht nur ein Phänomen von Ordensgemeinschaften, sondern auch von Beziehungen allgemein. Ich denke aber, dass es hilfreich ist und notwendig, Verbindlichkeiten einzugehen und etwas zu wagen. Denn ich glaube nur die Verbindlichkeit lässt vertrauen wachsen und gibt Sicherheit, nur sie wird mich frei machen, so das ich mich öffnen kann für Neues.
Wie können Sie junge Männer überzeugen,
den Schritt zu den Alexianern zu wagen?
Bei uns geht es nicht um plakative Werbung wie in TV-Spots. Wir bieten kein Produkt an sondern ein Lebensmodell, wie Leben sinnvoll gelingen kann. Und wir stehen da in einer Jahrhundert alten Tradition von uns Alexianern. Viele Brüder haben sich im Laufe der Jahre im Dienst an den Menschen aufgeopfert und sie sind somit mit Sicherheit Heilige geworden. Sie haben das, was sie als ihre Berufung als Alexianer erkannt haben glaubwürdig gelebt. Wir können heute vielmehr nur auf uns aufmerksam machen, in dem wir Menschen einladen, zu uns zu kommen und zu schauen. Wer Interesse hat, informiert sich heute überwiegend im Internet. Deshalb ist uns eine aktuelle und moderne Website wichtig. Seit einiger Zeit bieten wir jungen Männern, die noch auf der Suche nach dem richtigen spirituellen Weg sind das Alexianer-Jahr an. Hier laden wir interessierte Männer ein, ein Jahr mit uns im Kloster zu leben. Das ist eine gute Möglichkeit, sich heranzutasten und zu schauen: Ist das Ordensleben etwas für mich?
Welche Voraussetzungen müssen die Interessenten mitbringen?
Jeder kann zu uns kommen, der berufliche Hintergrund spielt nicht die erste Rolle. Früher war es Pflicht für einen Alexianerbruder, eine krankenpflegerische Ausbildung zu machen. Das ist heute anders, jeder der zu uns kommt kann sich mit seinem Beruf einbringen, unser Tätigkeitsfeld ist enorm groß und jeder kann seinen Platz finden. Dennoch ist es uns ein Anliegen, dass jeder Bruder über Grundkenntnisse im Krankenhauswesen verfügt, die Strukturen der Einrichtung kennt und den beruflichen Alltag auf einer Station oder in einem Pflege- und Wohnbereich selbst erfährt. Das gehört zu unserem Charisma: die Sorge um kranke und pflegebedürftige Menschen. Und das ist so und wird so bleiben.
Bruder Dominikus, herzlichen Dank für dieses Gespräch
Das Interview führte Britta Ellerkamp
(Redaktion Alexianer-Magazin)
Text auszugsweise aus
www.alexianerkloster.de
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