Elisabeth von Thüringen
Gedenktag: 19. November
Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Elisabeth von Thüringen
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Landgräfin Elisabeth von Thüringen (* 7. Juli 1207 in Pressburg oder auf Burg Sárospatak in Ungarn; † 17. November 1231 in Marburg an der Lahn), auch Elisabeth von Ungarn genannt, ist eine Heilige der katholischen Kirche. Der Namenstag der Patronin von Thüringen und Hessen fällt auf den 19. November, den Tag ihrer Beisetzung. Als Sinnbild tätiger Nächstenliebe wird die Heilige auch im Protestantismus verehrt. Sie ist eine Gestalt des Mittelalters, deren Erinnerung bis in die heutige Zeit lebendig blieb.
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Elisabeth von Thüringen
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Elisabeth von Thüringen entstammt der Ehe des ungarischen Königs Andreas II. (* 1177; † 1235) mit Gertrud von Andechs. Ihre Mutter gehörte dem weitverzweigten Adelshaus von Andechs-Meranien an, dessen Einfluss von Ostfranken bis an die nördliche Adria reichte. Gertrud von Andechs beeinflusste maßgeblich die Politik ihres Mannes, zeitgenössische Quellen bezeichnen sie gleichzeitig als tugendhaft und von „männlichem Temperament“. Nach Ansicht der ungarischen Magnaten bevorzugte Gertrud von Andechs jedoch ihre deutschen Landsleute in unverhältnismäßiger Weise. Am 28. September 1213, als Andreas II. auf einem Feldzug in Galizien weilte und Elisabeth von Thüringen bereits am thüringischen Hofe lebte, ließen die ungarischen Magnaten unter dem Ban Bánk ihre fremdländische Königin wegen einer angeblichen Tochterschändung des Bans von einem deutschen Ritter ermorden.

Elisabeth von Thüringen wurde bereits als Kleinkind dem ältesten Sohn des Landgrafen Hermann von Thüringen versprochen. Den Heiratsplänen lagen vermutlich machtpolitische Erwägungen zu Grunde. Das Haus Andechs-Meranien, dem Elisabeth von Thüringens Mutter Gertrud entstammte, zählte ebenso wie die Ludowinger zu den einflussreichen Adelsfamilien Europas. Eckbert von Bamberg und Äbtissin Mechthild von Kitzingen, zwei der Geschwister der Gertrud von Andechs, waren maßgeblich an dem Zustandekommen der Verbindung beteiligt. Dass Elisabeth darüber hinaus eine ungarische Königstochter war, erhöhte den Glanz dieser Verbindung.
Am als kultiviert geltenden Thüringer Hof verkehrte unter anderem Minnesänger Heinrich von Veldeke, hier dargestellt im Codex Manesse, um 1300

Bereits 1211, im Alter von vier Jahren, wurde die mit reicher Mitgift ausgestattete Elisabeth nach Thüringen gebracht. Die Erziehung eines jungen Mädchens in der Familie ihres zukünftigen Ehemanns war innerhalb von Adelsfamilien üblich und wurde bis weit in die Neuzeit praktiziert. Elisabeth wuchs deshalb überwiegend auf den Residenzen der thüringischen Landgrafenfamilie auf. Dazu zählten unter anderem die Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut, die Runneburg bei Weißensee und schließlich die Creuzburg an der Werra, die die wichtigste Residenz des landgräflichen Ehepaares darstellte. Elisabeth wird zwar heute häufig mit der Wartburg in Verbindung gebracht, diese war jedoch 1211 lediglich eine starke Festung in der Nähe der Stadt Eisenach. Erst Elisabeths Ehemann Ludwig ließ die Burg zu einem repräsentativen Wohnsitz der Landgrafenfamilie umbauen. Der thüringische Hof galt als kultiviert. Hermann von Thüringen war neben dem Herzog von Österreich einer der wichtigsten Förderer der Dichter und Minnesänger des Hochmittelalters. Sowohl Walther von der Vogelweide, Heinrich von Veldeke als auch Wolfram von Eschenbach lebten eine Zeitlang am thüringischen Hof. Nicht völlig eindeutig zu klären ist, ob Elisabeth von Thüringen bereits von Beginn an mit ihrem späteren Ehemann Ludwig verlobt war. Bereits die frühen Lebensbeschreibungen der Elisabeth stellen ihn als den erstgeborenen Sohn dar, mit dem die ungarische Königstochter verlobt war.
Wartburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Wartburg um 1870
Wartburg; gegründet im 11. Jahrhundert, heutiges Erscheinungsbild geprägt durch Wiederaufbau seit 1853; Ansicht von Norden mit Blick auf Tor- und Ritterhaus (erbaut Ende 15. Jahrhundert); Aufnahme um 1870 aus dem Besitz von Kaiser Franz Joseph I., fotografiert und verlegt von A. Mencke & Co.
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Nicht völlig eindeutig zu klären ist, ob Elisabeth von Thüringen bereits von Beginn an mit ihrem späteren Ehemann Ludwig verlobt war. Bereits die frühen Lebensbeschreibungen der Elisabeth stellen ihn als den erstgeborenen Sohn dar, mit dem die ungarische Königstochter verlobt war. Elisabeth wurde sehr früh damit konfrontiert, daß ihr Wert als Mensch vor allem in Geldwert gemessen wurde.

Im Libellus berichten ihre Dienerinnen:

„Als sie ins heiratsfähige Alter gekommen war, musste sie sich schlimme und unverhohlene Gehässigkeiten von den Verwandten, Vasallen und Ratgebern ihres Verlobten und späteren Gemahls gefallen lassen. Diese drängten ihn auf jeder Weise, sie zu verstoßen und sie ihrem königlichen Vater zurückzuschicken. Es wurde behauptet, sie habe eine weniger reiche Mitgift erhalten, als dem hohen Rang des Schwiegervaters und des zukünftigen Schwiegersohnes entspreche. Dabei suchten sie ihn zu überreden, er solle sich nach einer höheren Mitgift und mächtigen Bundesgenossen in größerer Nähe umsehen und an eine andere Heirat denken.“

Die späteren Lebensbeschreibungen der Elisabeth haben die Überlegung zu ihrer Verstoßung so gedeutet, als sei dies wegen ihrer übergroßen Frömmigkeit geschehen.

Die Beschreibung der Kindheit geht vor allem auf die Zeugenaussage von Guda im Libellus zurück. Sie schildert Elisabeth als ein lebhaftes, willensstarkes und einfallsreiches Kind mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und von ausgesprochener Frömmigkeit. So habe Elisabeth von Jugend auf frommen Eifer gezeigt und ihr Sinnen und Trachten in Spiel und Ernst auf Gott gerichtet. Einig sind sich alle Quellen, dass bereits die sehr junge Elisabeth dem höfischen Prunk auf der Wartburg ablehnend gegenüberstand. In den Hagiographien wird dies so interpretiert, dass dies schon sehr frühzeitig zum Konflikt mit ihrer zukünftigen Schwiegermutter Sophie von Thüringen geführt habe. Auch hier gibt es Indizien, dass dies ebenso wie die angeblichen Überlegungen zur Rücksendung der Kindsbraut wegen übergroßer Frömmigkeit eher zu den erbaulichen Überhöhungen der Heiligenlegenden zählt. Sophie von Thüringen trat selbst als Witwe in ein Zisterzienserkloster ein und schenkte letztlich Elisabeth ihr Psalterbuch, das heute als so genanntes „Elisabethpsalter“ im Museo Archeologico Nazionale Cividale del Friuli aufbewahrt wird. Die Weitergabe eines solchen, als überaus kostbar zu wertenden Gebetbuches an die Schwiegertochter statt an die leiblichen Töchter spricht für ein besseres Verhältnis zwischen Schwiegermutter und -tochter als es die späteren Heiligenlegenden schildern.

Landgraf Hermann von Thüringen starb 1217 und Ludwig übernahm im Alter von 17 Jahren die Regentschaft. 1221 heirateten er und die nun 14-jährige Elisabeth in der Georgenkirche in Eisenach. Die Ehe, so berichten die Quellen übereinstimmend, war glücklich. Nach ihnen war Ludwig von Thüringen, der durchaus ein zielstrebiger und mitunter sogar skrupelloser Machtpolitiker war, seiner Ehefrau mit einer Treue und einem Feingefühl zugetan, die sich von den Gepflogenheiten seiner Standesgenossen unterschieden. Bei den Mahlzeiten pflegte Elisabeth entgegen den Konventionen ihrer Zeit neben ihrem Mann zu sitzen. Regelmäßig begleitete sie ihn auf seinen Reisen. War ihr das nicht möglich, trug sie nach dem Zeugnis der Isentrud von Hörselgau Trauerkleidung. Ihre tätige Hilfe für Bedürftige und Kranke fand seine Unterstützung, nach dem Zeugnis der Dienerinnen hat er sie sogar darin ermutigt. 1223 gründete das Ehepaar gemeinsam ein Hospital in Gotha und stattete es reichlich mit Besitz aus, aus dessen Einnahmen es sich langfristig finanzieren sollte.
Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
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Elisabeth von Thüringen
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Bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts hatte sich in Europa eine breite religiöse Armutsbewegung etabliert. Sie fand ihren Niederschlag unter anderem im Beginentum. Weibliche Laien lebten entsprechend dem apostolischen Ideal in Armut und Keuschheit, ohne sich den Regeln eines Ordens zu unterwerfen, und bestritten ihren Unterhalt aus karitativer Tätigkeit. Zu ihren prominentesten Vertreterinnen zählte die 1213 verstorbene Maria von Oignies, eine französische Adelige, die ihren Ehemann dazu überreden konnte, auf allen Reichtum zu verzichten, und die sich letztlich in Oignies gemeinsam mit anderen Frauen der Pflege von Aussätzigen widmete. Papst Honorius III. hatte 1216 den Geistlichen erlaubt, solche frommen und immer wieder der Häresie verdächtigten Frauengemeinschaften zu unterstützen und seelsorgerisch zu betreuen. Aus dieser Armutsbewegung ging außerdem eine Reihe neuer Orden hervor, darunter die der Dominikaner und Franziskaner. Letztere hatten im Jahre 1210 von Papst Innozenz III. ihre Legitimation als Mönchsorden erhalten. Bereits ab 1223 war der franziskanische Laienbruder Rodeger der geistliche Berater von Elisabeth von Thüringen und hatte diese mit den Idealen des Franz von Assisi bekanntgemacht, der ein Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit forderte. Bei Elisabeth von Thüringen, die bereits als junges Mädchen dem höfischen Prunk am thüringischen Hof kritisch gegenüberstand, fielen diese Lehren auf fruchtbaren Boden. Sie trug vermutlich anfangs ein Büßergewand unter ihrer Hofkleidung und verschenkte dann zunehmend ihre kostbare Kleidung und ihren Schmuck. Die Hinwendung zum radikalen Armutsgedanken fand ihren Ausdruck in eindrucksvollen Gesten: Die kirchlichen Reinigungsriten, der sich eine Frau, die gerade einen Säugling entbunden hatte, unterziehen musste, waren im deutschen Adel normalerweise Anlass, in großer Prachtentfaltung zur Kirche zu ziehen. Elisabeth von Thüringen verzichtete darauf und ging mit ihren Vertrauten – vermutlich Guda und Isentrud von Hörselgau –, gekleidet in ein einfaches wollenes Kleid mit ihrem Säugling zu einer weit entfernten und nur auf steinigem Weg zu erreichenden Kirche. Lediglich das Lamm, das sie anlässlich der Geburt ihres Kindes dem Altar darbrachte, war die Opfergabe einer Wohlhabenden. Auch an anderen kirchlichen Festen wohnte sie dem Gottesdienst barfuß und in einem aus grober Wolle gewebten Gewand gekleidet bei. Damit geriet Elisabeth von Thüringen jedoch zunehmend in einen Widerspruch zu ihren Verpflichtungen als Landgräfin.

Bereits während ihrer Lebensjahre als Landesfürstin begnügte sich Elisabeth von Thüringen nicht mehr mit dem Geben von Almosen, sondern begann im Dienst um Kranke und Bedürftige schwere und von ihren Zeitgenossen als entwürdigend angesehene Tätigkeiten zu verrichten. Sie spann Wolle und webte mit ihren Dienerinnen daraus Tücher, die sie unter den Armen verteilte. Sie wusch und bekleidete Verstorbene und sorgte für ihre Beerdigung. Ab dem Jahre 1226 half sie außerdem in dem Spital, das sie am Fuß der Wartburg errichten ließ, persönlich bei der Pflege der Kranken und widmete sich gezielt denen, deren Krankheiten besonders entstellend waren. Die Quellen schildern ihre liebevolle Zuwendung besonders zu Kindern: sie herzte und liebkoste auch die aussätzigen, schmutzigen und verkrüppelten Kinder, kaufte ihnen als Spielzeug Glasringe und kleine Töpfe.

Mit dem Tode ihres Ehemannes war Elisabeth von Thüringen der Person beraubt, die sie bislang vor offenen Konflikten mit ihren Verwandten, Hofbeamten und der Vertreter des heimischen Adels bewahrt hatte. Die Spannungen mit der Verwandtschaft resultierten nicht allein wegen Elisabeths Frömmigkeit, sondern vor allem wegen der Furcht vor der Einflussnahme und der Einverleibung ihres beträchtlichen Besitzes durch Konrad von Marburg für seine fanatischen Zwecke, der jetzt durch die Gelübde Elisabeths die vollkommene Kontrolle über sie hatte und damit auch über ihre Kinder und damit den künftigen minderjährigen Landgrafen gehabt hätte. Marburg war zu dieser Zeit zum gefürchtetsten Inquisitoren seiner Zeit aufgestiegen, der seine Gesetze machte, wie es ihm beliebte und jeden erbittert verfolgen und auf den Scheiterhaufen werfen ließ, der seiner religiösen Doktrin nicht folgen wollte oder konnte. Ludwig hatte wie ein Puffer zwischen allen Protagonisten fungiert, jetzt war er tot, so dauerte es nicht lange, dass die Konflikte, die zuvor mühsam unterdrückt wurden, offen eskalierten. Laut Marburg war es Elisabeths Herzenswunsch, auf all ihren Besitz zu verzichten und in Erfüllung ihres Armutsideals als Bettlerin von Haus zu Haus zu wandern. Das wurde laut seiner Aussage in seiner Summa vitae begründet, dass Elisabeth von Thüringen noch Schulden ihres Mannes, die durch die Vorbereitung auf den Kreuzzug entstanden, zu begleichen hatte und das verbleibende Erbe besser zum Nutzen der Armen verwendet werden sollte, als an die Familie zurückzufallen.
Eckbert von Bamberg plante vermutlich, seine Nichte mit Kaiser Friedrich II. zu verheiraten. Friedrich-Porträt aus De arte venandi cum avibus (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen), spätes 13. Jh.

So hatte er sich kurz nach der Nachricht vom Tod des Landgrafen an Papst Gregor IX. gewandt, damit dieser Elisabeth von Thüringen unter seinen apostolischen Schutz stelle. Dies war zu dieser Zeit ein gelegentlich praktiziertes Vorgehen, um die Interessen hochgeborener Minderjähriger oder Witwen gegenüber missgünstigen Verwandten zu schützen. Marburg würde somit zum kirchlichen und rechtlichen Vormund der achtzehnjährigen Elisabeth mit kompletter Verfügungsgewalt über all ihre Belange und ihren Besitz. Auf ihre Zurückweisung ihres Ranges und einer standesgemäßen materiellen Versorgung reagierten die meisten ihrer Zeitgenossen mit Unverständnis, Missachtung, Hohn und Spott. Elisabeth und ihre Hofdamen wurden hin und hergeschoben. Unter den wohlhabenderen Bürgern Eisenachs wagte es keiner, sie in sein Haus aufzunehmen: Als erste Unterkunft diente ihr der Schuppen einer Gaststätte, der zuvor als Schweinestall genutzt worden war, dann suchten sie Zuflucht in einer Kirche. Aus dem Schloss wurden ihre drei kleinen Kinder nachgebracht. Dann kamen sie bei einem Priester unter, der sie aber bald dazu aufforderte, in einem anderen Haus unterzukommen, deren Besitzer Elisabeth aber nicht leiden konnten. Diese quartierten die Gesellschaft in einen winzigen Raum ein, obwohl viele Räume frei waren. Als die Hausbesitzer Elisabeth beleidigten, zog sie auch da wieder aus und kehrte mit den bitteren Worten in den Schweinestall zurück: „Den Menschen würde ich gern danken, aber ich weiß nicht wofür.“ Missachtung erlebte Elisabeth von Thüringen durchaus auch durch jene, denen sie einst behilflich war.
Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Elisabeth von Thüringen
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Konrad von Marburg wollte Elisabeth von Thüringen vollkommen vom Einfluss ihrer Familie isolieren, so sorgte er dafür, dass ihre bisherigen Vertrauten Guda und Isentrud von Hörselgau nach ihrer Umsiedlung nach Marburg nicht mehr mit ihr zusammen leben durften.

Im Heiligsprechungsverfahren äußerten diese:

„Diese Anordnung traf Magister Konrad aber aus wohlgemeintem Eifer und mit Absicht. Er fürchtete nämlich, wir würden mit ihr über ihren früheren Glanz sprechen, und sie könnte dadurch in Versuchung geraten und ihm nachtrauern. Um sie zur Anhänglichkeit zu Gott allein zu führen, entzog er ihr jeglichen menschlichen Trost, den sie aus unserer Nähe hätte schöpfen können.“

Untergebracht in einem einfachen Haus lebte sie nun gemeinsam mit zwei von Konrad von Marburg ausgesuchten Frauen zusammen. Zu Karfreitag 1228 legte Elisabeth von Thüringen schließlich in Anwesenheit von Konrad von Marburg und einigen Franziskanern in der Franziskanerkirche in Eisenach ein erneutes Gelübde ab, in dem sie sich von ihrer Familie und ihren Kindern sowie allem Glanz der Welt lossagte und erneut bedingungslosen Gehorsam versprach.

Die letzten drei Jahre ihres Lebens verbrachte Elisabeth von Thüringen als ärmliche Spitalschwester in Marburg. Elisabeth radikalisierte sich in dieser Zeit immer mehr und entwickelte eine eigene dogmatische Glaubensauffassung, die sie kompromisslos von sich und anderen abverlangte.

Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit dem Spinnen von Wolle für das Kloster Altenberg, in dem ihre jüngste Tochter Gertrud untergebracht war. In dem Spital, das mit einem Teil von Elisabeth von Thüringens Witwenerbe errichtet wurde, verrichtete sie die niedrigsten Mägdedienste. Sie widmete sich besonders der Pflege von Leprakranken, die nach den Begriffen der damaligen Zeit zu den Elendigsten der Elenden zählten und ausgegrenzt am Rand der Gesellschaft lebten. Die Berichte im Libellus zeugen davon, dass ihr Mitfühlen jedoch insbesondere den Schwangeren, Gebärenden und Kindern galt. Mehrere ihrer Zeitgenossen haben ihre aufopferungsvolle Fürsorge für einen gelähmten Jungen geschildert, den sie des Nachts mehrfach auf ihren Schultern zum Abort trug und dessen Bett sie immer wieder säuberte. Diese Berichte gehen vor allem auf Irmgard und Elisabeth zurück, die gemeinsam mit Elisabeth von Thüringen im Spital Dienst taten und neben Guda und Isentrud von Hörselgau zu den vier sogenannten Dienerinnen zählen, deren Aussagen im Libellus festgehalten sind.
Elisabeth von Thüringen © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Elisabeth von Thüringen
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Elisabeth starb im Alter von 24 Jahren. Details über ihr Sterben stammen vor allem von Irmgard, einer der Marburger Spitalschwestern und von einem Brief Konrads von Marburg an Papst Gregor IX.. Nach diesen Quellen erkrankte Elisabeth von Thüringen am 4. oder 5. November und verstarb in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231. Konrad von Marburg nahm ihr die letzte Beichte ab, danach empfing sie die Sterbesakramente. Elisabeth beauftragte ihn auch, ihr verbliebenes Vermögen an die Armen und Bedürftigen zu verteilen. Sie wurde in der Kapelle des Spitals aufgebahrt. Irmgard berichtete, dass viele Leute als Zeichen ihrer Verehrung während der Aufbahrung Stücke von den Tüchern, die Elisabeth von Thüringens Gesicht bedeckten, abrissen, ihr Haupthaar, Nägel und sogar einen ihrer Finger abschnitten. Am 19. November wurde Elisabeth von Thüringen in der Kapelle des von ihr gegründeten Franziskushospitals beigesetzt.

Konrad von Marburg leitete spätestens im Frühjahr 1232 das Heiligsprechungsverfahren für Elisabeth von Thüringen ein und trieb dieses bis zu seinem Tode energisch und geschickt voran.

Das gesamte Aktenmaterial über die bezeugten Wunder und den Lebenswandel der Elisabeth von Thüringen wurde von einer Gesandtschaft zu Beginn des Jahres 1235 nach Perugia gebracht, wo Papst Gregor IX. seit dem Herbst 1234 residierte. Dort wurde es einem Konsistorium vorgelegt. Das Konsistorium, dem zahlreiche Erzbischöfe, Prälaten und Bischöfe angehörten, sprach sich nach der Verlesung der Protokolle einstimmig dafür aus, Elisabeth von Thüringen in das Heiligenverzeichnis aufzunehmen. Die offizielle Verkündigung der Heiligsprechung erfolgte am Pfingstfest, das auf den 27. Mai 1235 fiel. Die Zeitdauer zwischen dem Tod der Elisabeth von Thüringen und ihrer Heiligsprechung erscheint aus heutiger Sicht kurz.

Der Schädel und zwei Schienbeine gelangten letztlich in das Kloster der Elisabethinen in Wien, wo sie bis heute als Elisabethreliquien verehrt werden. Ihre Echtheit ist nicht ausgeschlossen, allerdings auch nicht belegt.
Quellen zum Leben der Elisabeth von Thüringen
Die frühesten schriftlichen Zeugnisse, die das Leben der Elisabeth von Thüringen detailliert beschreiben, entstanden überwiegend nach ihrem Tod. Lediglich die Vita Ludovici, die der Hofkaplan der Wartburg nach dem Tod Ludwigs von Thüringen verfasste und die um das Jahr 1228 zu datieren ist, geht auch ausführlich auf Elisabeth von Thüringen ein. Der Text ist als Bestandteil der Chronica pontificum et archiepiscoporum Magdeburgensium überliefert und enthält eine Reihe späterer Zufügungen. Das erste Zeugnis über ihr Leben, das allein Elisabeth von Thüringen in den Mittelpunkt stellt, ist die Summa vitae aus dem Jahre 1232. Sie wurde von Konrad von Marburg geschrieben, der auch das Heiligsprechungsverfahren für Elisabeth von Thüringen beim Papst beantragt hatte. Die Summa vitae beschränkt sich auf eine Beschreibung ihrer letzten fünf Lebensjahre. Diese Quelle wird ergänzt durch Protokolle über die Wunder, die sich in den Jahren 1232 und 1233 sowie im Jahre 1235 am Grabe der Elisabeth von Thüringen ereignet haben sollen. Neben diesen Quellen gibt es eine Niederschrift der Zeugenaussagen von vier sogenannten Dienerinnen, die in Marburg im Rahmen des Heiligsprechungsverfahrens gehört wurden: Guda lebte seit ihrem fünften Lebensjahr mit der ein Jahr jüngeren Elisabeth von Thüringen zusammen und wurde später eine ihrer Hofdamen. Isentrud von Hörselgau war eine der weiteren Hofdamen im Gefolge Elisabeths von Thüringen und hat weit anschaulicher als Konrad von Marburg Elisabeth von Thüringens Fürsorge für die Armen und Bedürftigen geschildert. Die weiteren zwei Zeuginnen Irmgard und Elisabeth arbeiteten gemeinsam mit Elisabeth von Thüringen im Marburger Hospital.

Auf dem Libellus de dictis quatuor ancillarum sanctae Elisabeth confectus (Büchlein der Aussagen der vier Dienerinnen, im weiteren als Libellus bezeichnet) aus dem Jahre 1235, wie diese Zeugenaussagen genannt werden, basieren die drei ältesten vollständigen Lebensbeschreibungen der Elisabeth von Thüringen, die alle in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. 1237 verfasste Cäsarius von Heisterbach eine Vita der heiligen Elisabeth; zwei weitere, deren Verfasser namentlich nicht bekannt sind, entstanden vor 1240 im Umfeld Friedrichs II. und der päpstlichen Kurie.

Als umfassendstes hochmittelalterliches Werk gilt die Vita sanctae Elyzabeth, die der Dominikaner Dietrich von Apolda zwischen 1289 und 1291 verfasste. In der Einleitung zu seiner Lebensbeschreibung weist Dietrich von Apolda darauf hin, dass er nicht nur die Zeugenaussage der vier Dienerinnen und die Summa vitae des Konrad von Marburg ausgewertet, sondern auch die mündliche Volksüberlieferung aus Hessen und Thüringen zusammengetragen habe. Die Vita sanctae Elyzabeth beeinflusste die Wahrnehmung der Person Elisabeths von Thüringen entscheidend. Auf ihr basiert eine Reihe von Lebensbeschreibungen, die im 13. bis 15. Jahrhundert entstanden. Die Lebensbeschreibung des Dominikanermönches wurde außerdem ins Frühneuhochdeutsche übersetzt und erschien 1604 erstmals im Druck, durch den Historiker Heinrich Canisius, Neffe des Hl. Petrus Canisius.
Ihr Gedenktag wird am 19. November gefeiert.
Sie ist außerdem Patronin von Thüringen und Hessen.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Elisabeth_von_Thüringen" der
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