Franziskaner
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Eine Gruppe kniender und betender Franziskaner vor einem Längstisch
mit sitzenden Franziskanern, in Nische darüber Franziskaner mit geöffnetem Buch.
Szene im Kloster San Damiano in Assisi. ;1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Franziskaner (Ordenskürzel: OFM; lateinisch ordo fratrum minorum, deutsch Orden der Minderen Brüder) sind ein franziskanischer Reformorden. Sie bilden heute – neben den Kapuzinern (OFMCap) und den Minoriten (OFMConv) – einen der drei Zweige des ersten Ordens des Heiligen Franziskus.

Der Orden hat rund 16.000 Mitglieder weltweit und ist damit nach den Benediktinern und den Jesuiten der drittgrößte Männerorden der katholischen Kirche. Auf Deutschland bezogen ist die Franziskanische Familie (d. h. Franziskaner, Kapuziner und Minoriten) nach den Benediktinern (721 Mitglieder) die zweitstärkste Ordensgemeinschaft mit 634 Mitgliedern, gefolgt von den Jesuiten (342 Mitglieder).
Gründung
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zwei Franziskaner mit verschränkten
Armen, nach oben blickend, im
Kloster San Damiano in Assisi. ;1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Sitzender und lesender Franziskaner
im Kloster San Damiano. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franziskus von Assisi (1181/1182 bis 1226) gründete den Orden der Minderen Brüder, der um 1210 vom Papst anerkannt wurde. Im Lauf der Jahrhunderte verzweigte sich dieser Orden in vielfältiger Weise (vergleiche den Überblicksartikel Franziskanische Orden). Etwa um 1370 entstand die Chronica XXIV Generalium. Die heutigen Franziskaner (OFM) gingen aus der Observanzbewegung hervor, deren erste Gruppen etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien entstanden, bald aber auch in Spanien und Frankreich auftauchten. Kennzeichnend für diese Bewegung, die zu dieser Zeit auch in anderen Orden auftrat, war die Rückkehr zu einer strengeren Beachtung (Observanz) der ursprünglichen Ordensregel. Dazu gehörten eine strenge Befolgung des Armutsideals und eine Abwendung von den Städten und die Niederlassung in Einsiedeleien. Sie nahmen auch die ursprüngliche franziskanische Wanderpredigt wieder auf, in der sie die sozialen Missstände der damaligen Zeit anprangerten. Diese Gruppen, zu denen im 15. Jahrhundert z. B. Bernhardin von Siena, Johannes von Capestrano, Albert von Sarteano und Jakobus von der Mark gehörten, erhielten regen Zulauf und wurden, auch bedingt durch die Schwächung des ursprünglichen Stammordens, der sog. Konventualen, durch verschiedene äußere Einflüsse (Hundertjähriger Krieg, die Pest in den Städten, das Abendländische Schisma), schnell zu einer Mehrheit im Orden.
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stehender lesender Franziskaner mit
Mantel vor offener Tür im Kloste
San Damiano in Assisi. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nähender sitzender Franziskaner
dahinter sitzender Franziskaner im
Kloster Damiano in Assisi. ;1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ihr religiöser Eifer, die strenge Beachtung des Armutsideals und ihr Eintreten für die Belange der ärmeren Schichten brachte den Observanten bald die Anerkennung der kirchlichen und weltlichen Fürsten und der Bevölkerung ein. Im Jahre 1415 erhielten die französischen Observanten die Erlaubnis, einen eigenen commissarius zu wählen, der zwar dem Generalminister der Franziskaner unterstellt blieb, faktisch aber ein eigener Oberer war. Auch in anderen Ländern erhielten sie eigene Rechte. Diese Selbständigkeit, die eine Gefährdung der Einheit des Ordens darstellte, führte in der Folge zu Rivalitäten und Streitigkeiten innerhalb der verschiedenen Gruppen im Gesamtorden. Zwar wurden immer wieder Einigungs- und Reformversuche unternommen, die jedoch nicht zum Erfolg führten, sodass eine Trennung unausweichlich war.

Diese Trennung wurde am 19. Mai 1517 durch Papst Leo X. mit der Bulle Ite et vos in vineam meam (dt. ‚Geht auch ihr in meinen Weinberg‘, Matth. 20,4) vollzogen und bestätigt. Mit dieser Bulle wurde der Franziskanerorden in zwei selbständige Zweige geteilt: die Konventualen (heute Minoriten, OFMConv) und die Observanten (Franziskaner, OFM).

Unterschiedliche Auffassungen über die Anwendung der Regel und die Verwirklichung der Armut und die verschiedenen äußeren Umstände in den einzelnen Staaten (z. B. die Reformation) führten in den folgenden Jahrzehnten zur weiteren Aufteilung der Observanten (aber auch der Konventualen) in verschiedene Gruppierungen. In Spanien kam es 1566/67 sogar zur Wiedervereinigung einer Gruppe reformierter Konventualen mit den Observanten.
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Herzog Albrecht III. stiftet im Franziskanerkloster in Wien einen Aufenthalt für
Büßerinnen. Die Szene von Karl Ruß beruht auf einer Verwechslung.
Der Orden der Franziskaner kam 1451 nach Wien und erhielt erst 1589 - nach dem
Verlust des Stammhauses in St. Theobald - das ehemalige Büßerinnenkloster
zu St. Hieronymus am heutigen Franziskanerplatz.
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß.
Blatt 109 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. nach 1825
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Durch die schon im 15. Jahrhundert vollzogene Einteilung des Franziskanerordens in eine cismontane (Italien, Österreich, Ungarn und Polen) und eine ultramontane Familie (Spanien, Frankreich, Deutschland und Amerika), blieben weitere Reformimpulse auf die jeweiligen Familien und die Landesgrenzen beschränkt.

In Spanien entstand aus einer Eremitenbewegung in den Jahren nach der Spaltung ein reformierter Zweig, die Franziskaner-Barfüßer (Discalceaten), die von Petrus von Alcántara gegründet wurden und sich bald zu einem selbständigen Orden entwickelten. In den übrigen ultramontanen Ländern entstand gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein weiterer Reformzweig, der sich Rekollekten (Zurückgezogene) nannte (zu diesem Zweig gehörten auch die meisten deutschen Franziskaner). Auch in Italien entwickelten sich Reformzweige der Observanten, deren wichtigster die Kapuziner (seit 1619 selbständig) waren, die als dritter Zweig des ersten Ordens bis heute existieren. Die anderen, kleineren Gruppen vereinigten sich später zum eigenen Zweig der Reformaten, die sich gleich ihren spanischen Brüdern die Selbständigkeit erkämpften, aber zur cismontanen Familie gehörten. Am Ende dieser Entwicklung standen also vier selbständige Gruppen, die sich aus dem Zweig der Franziskaner-Observanten entwickelt haben: die Observanten selbst, die Discalceaten, die Reformaten und die Rekollekten.
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franziskaner Generalvisitation 1955.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In den folgenden Jahrhunderten teilten die Franziskaner-Observanten-Familien das Schicksal aller franziskanischen Männerorden. Sie beteiligten sich an der Mission, mussten durch die Französische Revolution und die folgende Säkularisation erhebliche Einschränkungen hinnehmen und profitierten von der Aufbruchsphase in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, blieben aber die ganze Zeit über geteilt. Erst im Jahre 1897 wurden die auf vatikanischen Druck neu entstandenen Unions-Konstitutionen durch das Generalkapitel approbiert, und Papst Leo XIII. konnte am 4. Oktober 1897 die vier Familien mit der Unionsbulle Felicitate quadam zum neuen Orden der Minderen Brüder (Franziskaner OFM) vereinen. Am folgenden Tag trat die gesamte Ordensleitung mit ihrem Generalminister Aloysius Canali da Parma zurück. Der erste Generalminister des vereinten Ordens wurde der deutsche Franziskaner Aloysius Lauer, der auch schon in der Kommission zur Ausarbeitung der neuen, gemeinsamen Generalkonstitution den Vorsitz geführt hatte.
Spiritualität
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stehender Mönch mit verschränkten
Armen. Aufnahme im Kloster
San Damiano in Assisi. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franziskaner vor Längstisch im
Kloster San Damiano. Am Tisch neben
ihm ein Korb. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Franziskaner leben, wie alle Bettelorden, in Armut und verdienen ihren Lebensunterhalt durch Arbeiten handwerklicher, sozialer, pastoraler und pädagogischer Art. Franziskus von Assisi schreibt in seinem Testament an seine Brüder: „Ich arbeitete mit meinen Händen und will arbeiten; und es ist mein fester Wille, dass alle anderen Brüder eine Handarbeit verrichten, die ehrbar ist. Die es nicht können, sollen es lernen […]“. Auch Betteln diente dem Lebensunterhalt der Brüder. Ein wichtiger Bestandteil des franziskanischen Lebens war die Seelsorge, die sie intensiver betrieben als andere kontemplative Orden. Daher siedelten sie sich vornehmlich dort an, wo der Bedarf an geistiger Fürsorge am größten war, in den langsam aufblühenden Städten. Da sie dennoch die notwendige Distanz zur laikalen Welt wahrten, können ihre Spuren vor allem in städtischen Randgebieten gefunden werden.

Gottes Wort vom Frieden und der Erlösung sollen sie vor allem durch ihr Beispiel, aber auch durch das Predigen verkünden. Die Predigt erlangt durch ihr vorbildliches apostolisches Leben, die vita apostolica, gewissermaßen eine höhere Glaubwürdigkeit. Das Leben der Franziskanerbrüder war und ist sehr bescheiden. Der Selbstanspruch, ein bewusstes Leben mit der Schöpfung zu führen, hängt eng mit der Abkehr von irdischem Reichtum zusammen. Durch die Betonung dieses Aspektes erlangen die Franziskaner seit Beginn der ökologischen Bewegung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ein verstärktes Ansehen.
Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Franziskaner © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mönche am Herd.Aufnahme im Kloster
San Damiano in Assisi. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mönche am Herd. Aufnahme im Kloster
San Damiano. Überbelichtet. 1923
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ihre Kirchen sind eher schlicht gehalten und beherbergen kaum Kunstschätze. Bemerkenswert ist allerdings die Größe der Bauten, die notwendig war, um die wachsenden Stadtbevölkerungen seelsorgerisch zu versorgen.

Das Taukreuz, auch bekannt als das Antoniuskreuz, ist das von Franz von Assisi gewählte Kennzeichen des Ordens. Er verstand es als Segenszeichen und verwendete es selbst als Unterschrift.

Der Franziskanerknoten ziert das Ende der Kordel, die Zingulum genannt wird und mit der der Habit zusammengebunden wird. Er ist ein dreifacher Überhandknoten und symbolisiert die drei Evangelischen Räte der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams, zu denen sich jeder Franziskaner in der Profess verpflichtet.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Franziskaner_(OFM)" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Franziskaner
Kloster Hall in Tirol  
Kloster Lienz  
Kloster Pupping  
Kloster Reutte  
Kloster Schwaz in Tirol  
Kloster Salzburg  
Kloster Telfs  
Orden  
Franz von Assisi  
Elisabeth von Thüringen  
Klara von Assisi  
Franziskanerkirche Wien  
Minoritenkirche Wien  
Basilika Frauenkirchen  
Basilika Güssing  
Maria Lankowitz  
Angebote  
Bruder werden  
Bildungsangebote  
   
   
 
Papst Franziskus  
Antonius abonnieren  
  www.gaube.at - Erhard Gaube
 
design by gaube