Franziskanerkirche Salzburg
Kloster und Kirche (ehem. "Zu Unserer Lieben Frau")
Franziskanergasse 5, 5020 Salzburg
Franziskanerkloster Salzburg © Franziskaner Salzburg
Blick auf das Franziskanerkloster und die Kirche.
© Franziskaner Salzburg - Bild: Br. Simon
Das Franziskanerkloster Salzburg liegt in der Franziskanergasse in Salzburg in Österreich. Nach Aufhebung des Klosters der Petersfrauen 1583 stand das dortige Kloster leer. Erzbischof Johann Jakob Khuen von Belasi rief darauf 1583 die Franziskaner zur Fortsetzung der inneren Mission und zur Seelsorge nach Salzburg. Die Gründungspatres kamen dabei aus verschiedenen bayrischen Klöstern. Sie zogen im neu gewidmeten Kloster dann am 7. November 1583 ein, die alte Stadtpfarkirche, die seither Franziskanerkirche heißt, wurde ihre neue Ordenskirche. Seit damals sind die Franziskaner als Orden in der Stadt ununterbrochen seelsorgerisch tätig und bis 1781 wurde ein Priesterausbildung betrieben.
Geschichte
Franziskanerkloster Salzburg © Franziskaner Salzburg
Klostergang.
© Franziskaner Salzburg
Unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau fällt die erste Barockisierung der Kirche (1587–1612). Das Kloster wird um einen Stock erhöht, der Klostergarten und der Verbindungsgang über die Straße errichtet. 1635 wurde die vormalige Stadtpfarrkirche zur Klosterkirche. Im 18. Jahrhundert wird die Barockisierung der Kirche fortgesetzt, so dass ab dann das Kloster im Wesentlichen seine heutige Gestalt aufweist. Das Franziskanerkloster Salzburg erhält neben Stiftungen auch das sogenannte Hofalmosen. Für die Unterhaltsleistungen von St. Peter übernehmen die Franziskanerbrüder ihrerseits diverse Gottesdienste, Totenoffizien, Seelenämter. Die zur Seelsorge berufenen Brüder sind bekannte Prediger in der Franziskanerkirche und im Dom, Beichtväter, theologische Berater und Katecheten. Bald schon wird die Kirche ein Zentrum der Volksfrömmigkeit. Auch der Pflege der Wissenschaft und dem Studium der Theologie - bis 1781 unterhält das Kloster eine eigene universitäre Einrichtung - widmet man sich intensiv.
Franziskanerkloster Salzburg © Franziskaner Salzburg
Das Refektorium (Speisesaal) des Franziskanerklosters.
© Franziskaner Salzburg
Am Ende des 18. Jahrhunderts setzt die Aufklärung und besonders der Landesfürst Erzbischof Hieronymus Colloredo dem Kloster hart zu. Durch eine Reihe von Verboten wird das Leben und Wirken der Franziskaner in Salzburg eingeschränkt. Ab Dezember 1800 verwenden die Franzosen das Kloster drei Monate lang als Kaserne, die Kirche wird zum Gefangenenlager. 1805 besetzt Marschall Jean-Baptiste Bernadotte fast alle Räume des Klosters und verlangt außerdem einen Tribut an Lebensmitteln für die 300 untergebrachten Soldaten. In dieser schwierigen Zeit finden die Salzburger Franziskaner einen Freund in Ferdinand von Toskana, dem neuen Landesfürsten (1803-1805) und Bruder von Kaiser Franz II. Er macht die Franziskanerkirche zu seiner Hofpfarre, italienische Predigten werden eingeführt.
Franziskanerkloster Salzburg © Franziskaner Salzburg
Der Klostergarten des Franziskanerklosters in Salzburg.
© Franziskaner Salzburg
Auf dem Wiener Kongress wird 1815 die Stadt Salzburg und der größte Teil des Erzstiftes wieder Österreich zugesprochen. Der Weiterbestand des Salzburger Franziskanerklosters ist durch die Vereinigung mit der Tiroler Provinz 1818 gesichert. So können mit der Zeit die Personalprobleme überwunden und die Seelsorgearbeiten wieder aufgenommen werden. Im 19. Jahrhundert beherbergt das Kloster Salzburg auch das Noviziat der Franziskaner, wobei lange Jahre der bekannte Musiker Pater Peter Singer als Novizenmeister tätig ist. Der Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 bedroht das Kloster in seiner Existenz. Das Kloster der Franziskaner ist das erste, das in Salzburg aufgehoben wird. In das Kloster zieht die Gestapo ein und Teile des Gebäudes werden als Gefängnis genutzt. Einige Brüder finden zunächst im Stift Sankt Peter eine Heimat, bis auch dieses beschlagnahmt wird. Die Franziskanerkirche erfährt jedoch keine Schließung und wird von einigen mittlerweile in der Stadt wohnenden Brüdern betreut. Seit Oktober 2007 beherbergt das Kloster auch das Provinzialat der Franziskanerprovinz Austria zum hl. Leopold, die Österreich und Südtirol umfasst.
Franziskanerkirche
Franziskanerkirche Salzburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franziskanerkirche in Salzburg, Innenansicht des Chors.
Bild: Anrather, Oskar; vor 1990.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die römisch-katholische Franziskanerkirche ist eine der ältesten Kirchen in der Altstadt von Salzburg, und gehört zum Franziskanerkloster. Sie steht im Raum zwischen der Franziskanergasse im Süden und der Sigmund-Haffner-Gasse im Osten. Die Franziskanerkirche besteht aus zwei Teilen: der ursprünglichen romanischen Langhaus-Basilika mit ihrem Kreuzrippengewölbe und daran anschließend in der gleichen Breite wie das Langhaus einem feingliedrigen spätgotischen Chor mit Sternrippengewölbe. Die erste Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ ist vermutlich älter als der Dombau des heiligen Virgil. Sie wurde auf einer frühchristlichen Gebetsstätte errichtet. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts wird unter Abtbischof Virgil (745–84) die der Muttergottes geweihte Kirche mit dem Namen „Unserer Lieben Frau“ nachweislich zum ersten Mal restauriert. Sie dient zunächst als Tauf- und Synodalkirche. Bis 1139 gehört sie zum Benediktinermönchs-Stift St. Peter, zwischen 1130 und 1583 war sie dann Klosterkirche der Petersfrauen der Benediktinerinnen, nach 1189 war sie bis 1628 gleichzeitig Pfarrkirche der Stadt.
Franziskanerkirche Salzburg © Franziskaner Salzburg
Glocken der Franziskanerkirche.
© Franziskaner Salzburg
Eine neue Weihe der Kirche im Jahr 1223 lässt auf einen damals eben fertiggestellten Neubau schließen, die heutige Kirche dürfte im Langhausbereich aber bereits ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Auch diese Marienkirche wurde beim Stadtbrand von 1267 großteils zerstört. Nach 1408 wurde wieder ein weitgehender Neubau erwogen, der wenige Jahre später unter Meister Hans von Burghausen begonnen und nach dessen Tod im Jahr 1432 von Stephan Krumenauer beendet wurde. 1592 übergab Wolf Dietrich von Raitenau die Kirche den neu ins Land gerufenen Franziskanern als Klosterkirche. 1635 wurde schließlich der Dom zur neuen Pfarrkirche.
Architektur
Franziskanerkirche Salzburg © Franziskaner Salzburg
Der Turm der Franziskanerkirche.
© Franziskaner Salzburg - Bild: Br. Simon
Die Westfassade dieses romanischen Langhauses wurde um 1700 barockisiert. Teilweise erhalten ist hier an der Außenfassade das romanische Stufenportal aus weißem und rotem Marmor. Dieses Portal wurde um 1700 im Zuge der Barockisierung im damaligen Zeitgeist stark vereinfacht. Das für die Romanik kennzeichnende Tympanon über dem Portal fehlt heute, auch die Füße der Säulen gingen verloren, sodass die Säulen wie eingerammte Pfähle wirken. Die Schwurhand, rechts unten im Portal eingearbeitet, hat zu vielen volkstümlichen Deutungen und Legenden geführt. Sie stellt vielleicht ein mittelalterliches Zeichen für das Kirchenasyl dar oder ist ein Abwehrzeichen gegen alles Böse außerhalb der Kirche.benfalls erhalten ist das äußere und innere romanische Südportal (Stufenportal) mit zwei eingearbeiteten Figuren. Die dortigen grotesken Menschen- und Tiergestalten sollen ebenfalls symbolisch alles Böse von der geheiligten Kirche fernhalten. Getrennt durch ein gotisches Kielbogentor mit Gewänden des 19. Jahrhunderts kommt der Eintretende zum Inneren Tor. Hier ist ein Weinrankenfries und zwei Krieger zu sehen. Im Tympanon thront die Figur des Christus umgeben von zwei Heiligen, die Kirchenbauten in Händen halten.m Innern findet sich ein hohes schmales dreijochiges Mittelschiff, das umgeben ist von sechsjochigen Seitenschiffen. Dieses Langhaus ist hervorgegangen aus der ursprünglichen spätromanischen Basilika. Im Mittelschiff finden sich rechteckige Kreuzrippengewölbe, in den Seitenschiffen Kreuzgratgewölbe.

Über einen alten Verbindungsgang ist die Kirche über die Franziskanergasse hinweg mit dem Franziskanerkloster verbunden.
Franziskanerkirche Salzburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Franziskanerkirche Salzburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Hallenchor und Hochaltar der
Franziskanerkirche in Salzburg;
um 1910.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Franziskanerkirche. Inneres in der
Achse gegen den Hochaltar.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zwei Stufen gegenüber dem romanischen Bodenniveau erhöht schließt der spätgotische Chor an. Das dunkle romanische Langhaus bildet dabei einen reizvollen Gegensatz zum höheren, lichterfüllten gotischen Hallenchor. Ein schmuckes Sternrippengewölbe bildet hier den Deckenabschluss. Die Säulenkapitelle sind reich mit Blättern und Pflanzenmotiven, sowie mit Vögeln und Fabelwesen geschmückt. An einer Säule des Hochchores ließen sich der Erbauer Hans von Burghausen und sein Geselle Stephan Krumenauer verewigen. Die Kanzel, am südlichen Triumphbogenpfeiler errichtet, stammt aus der Zeit der Spätgotik und ist aus rotem Marmor geschaffen. Im Anlauf der Treppenbrüstung ist hier eine romanische Figur aus dem 13. Jahrhundert zu sehen, die ursprünglich als Säulenträger diente. Sie zeigt einen Löwen mit drohenden Augen und mächtiger Mähne der über einem liegenden Krieger steht. Dieser Krieger stößt dem Löwen mit seinem rechten Arm ein Schwert in den Leib. Der Kampf des Menschen mit seiner wilden Umwelt, mit feindlichen Mächten, oder mit dem Bösen schlechthin wird so symbolhaft dargestellt.
Franziskanerkirche Salzburg © Franziskaner Salzburg   Franziskanerkirche Salzburg © Franziskaner Salzburg
Der Auferstehungsaltar.
© Franziskaner Salzburg
Die neue Konzertorgel.
© Franziskaner Salzburg
Seit 1709/10 steht hier der von Johann Bernhard Fischer von Erlach geschaffene Hochaltar, in den die Madonna mit dem Kind aus dem einstigen gotischen Flügelaltar von Michael Pacher integriert ist. Das Jesuskind wurde von Johann Piger 1890 hinzugefügt. Dieser gotische Hochaltar, einst einer der größten und prächtigsten seiner Art in Mitteleuropa, ist in heute nur einzelnen über Europa verstreuten Teilen erhalten. Er war 1495–98 geschaffen worden. Die Madonna mit ihrem innigen Gesichtsausdruck, ihren langen blonden Haarlocken und dem faltenreichen blauen Mantel gilt als eines der vollendetsten Werke von Michael Pacher. Der barocke Hochaltar besitzt einen konkaven Wandaufbau und ist von Doppelsäulen begrenzt. Die Figuren der Heiligen Georg und Florian stammen von Simeon Fries. Im Auszug findet sich die Figur des Gottvaters. Die Kirche verfügt über drei Orgeln: Die Marien-Orgel, die Antonius-Orgel und die Heilig-Geist-Orgel. Die Marien-Orgel wurde 1989 von der Orgelbaufirma Metzler (Dietikon, Schweiz) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 49 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.
www.franziskaner.at/salzburg
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Franziskaner_Salzburg" der
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