Granatapfel
Ausgabe: Oktober 2014
Pater Prior Frater Antonius OH
Ja, ich nehme die Verantwortung an
Seit März ist Frater Antonius Nguyen Prior im Johannes von Gott-Pflegezentrum Kainbach. Dabei hatte der knapp 34-jährige gebürtige Vietnamese nicht damit gerechnet, mit einem Amt im Orden betraut zu werden.
TEXT: BRIGITTE VEINFURTER
Frater Antonius © Foto: Barmherzige Brüder Kainbach, www.christianjungwirth.com
Für jeden ein Lächeln – das scheint das Motto des aus Vietnam stammenden,
neuen Priors im Johannes von Gott Pflegezentrum zu sein.
© Foto: Barmherzige Brüder Kainbach, www.christianjungwirth.com
Granatapfel: Nach dem Provinzkapitel im Jänner endete die Amtszeit der Prioren. Haben Sie damit gerechnet, in einem Konvent mit diesem Amt betraut zu werden?
Frater Antonius: Nein, überhaupt nicht! Ich war auf Heimaturlaub in Vietnam, als Pater Provinzial Ulrich mich anrief und fragte, ob ich bereit bin, das Amt des Priors zu übernehmen. Ich antwortete: „Pater Provinzial, Sie wissen, dass ich noch schwach bin, vor allem wegen der Sprache.“ Und ich habe vorgeschlagen, dass mich jemand begleitet und ich zuerst ein Jahr Subprior bin. Aber er hat gesagt: „Das geht nicht.“ So habe ich um eine Bedenkzeit von drei Tagen ersucht. In diesen Tagen konnte ich kaum schlafen, weil ich mir viele Gedanken gemacht habe. Ich wusste nicht, was mich als Prior erwartet, und ich war auch nicht darauf vorbereitet. Ich habe mit meinem geistlichen Begleiter und auch mit meinen Eltern gesprochen, aber die Entscheidung wollte und konnte mir niemand abnehmen, die musste ich selbst treffen. Schließlich habe ich Pater Provinzial angerufen und gesagt: „Ja, ich nehme die Verantwortung an.“ Nach meiner Rückkehr nach Österreich bin ich gleich zu ihm gefahren und wir haben über den Zeitpunkt der Amtsübernahme gesprochen. Er wollte möglichst bald, ich wollte noch meinen Dienstplan auf der chirurgischen Station im Krankenhaus Graz-Marschallgasse, wo ich bisher gearbeitet habe, erfüllen. Schließlich haben wir entschieden, dass ich nach der Johannes von Gott-Feier am 8. März nach Kainbach übersiedle.
Wie wurden Sie in Kainbach aufgenommen?
Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden und habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Beim Mittagsgebet am 10. März wurde ich vorgestellt und in das Amt eingeführt. Am Tag darauf wurde ich bei der Johannes von Gott-Feier für die MitarbeiterInnen nochmals offiziell vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch die MitarbeiterInnen geehrt, die ein rundes Jubiläum feiern – das waren insgesamt 88 und die Ehrung hat eineinhalb Stunden gedauert!
Wie waren Ihre ersten Tage in Kainbach?
Am ersten Tag habe ich die kollegiale Führung getroffen und ein Gespräch mit dem Gesamtleiter, Direktor Jukic ́, geführt. Dann habe ich mit den Mitbrüdern gesprochen und anschließend die BereichsleiterInnen kennengelernt. Büro hatte ich damals noch kein eigenes, das habe ich mir dann erst in einem früheren Besprechungszimmer eingerichtet.
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Nach der Laudes und dem Frühstück bin ich um halb acht Uhr im Büro und erledige die Büroarbeit. In der Früh habe ich eine kurze Besprechung mit Direktor Jukic ́. Dann habe ich Sitzungen oder andere Termine oder ich gehe durchs Haus, auf die Stationen oder in die Tageswerkstätten. Da werde ich von den MitarbeiterInnen und BewohnerInnen immer freudig begrüßt: Bei manchen BewohnerInnen merke ich das am Augenkontakt, andere rufen „Hallo, Prior“ und jedem muss ich die Hand geben. Am Nachmittag habe ich oft Termine oder Sitzungen. Außerdem haben wir viele Veranstaltungen und Sportbewerbe, bei denen ich natürlich auch dabei bin.
Als Prior sind Sie Rechtsträgervertreter des Konvents
und Oberer der Brüder-Kommunität.
Ja, das ist in erster Linie meine Aufgabe: das Wachsen des Gemeinschaftslebens der Brüder zu fördern, damit sich alle wohlfühlen. Wir sind derzeit zu fünft: Frater Sebastian, Frater Dominikus, Frater Asztrik, Frater Michael und ich. Frater Asztrik studiert in Ungarn und Frater Michael in Wien, die beiden sind daher nicht immer hier.
Ich habe meine Vorstellungen in die Gemeinschaft eingebracht, die anders sind als die meines Vorgängers, Frater Dominikus. So musste jeder erst seinen Platz finden, dabei habe auch ich viel gelernt und ich bemühe mich, immer ein offenes Ohr für die Mitbrüder zu haben.
Wie sieht das Gemeinschaftsleben der Brüder hier aus?
Unser Konvent ist außerhalb des Hauptgebäudes, dort haben wir die Klausur mit unseren Zimmern und anderen Räumen. Im Hauptgebäude haben wir im obersten Stock auch ein Refektorium. Dreimal täglich kommen wir zum Gebet zusammen: in der Früh zu Laudes und Betrachtung, zu Mittag zum Gebet und am Abend zum Rosenkranz und zur Feier der Heiligen Messe. Auch die Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam ein. Jeden Samstagabend kommen wir zur Rekreation – zur gemeinsamen Freizeit – zusammen. Ich habe auch schon gemeinsame Freizeitaktivitäten organisiert: So haben wir einen Ausflug ins Stift Vorau unternommen und ich habe die Brüder vom Grazer Konvent zum Grillen eingeladen.
Was ist Ihnen als Prior besonders wichtig?
In erster Linie geht es mir um die Gemeinschaft der Mitbrüder. Zweitens bin ich ein Prior für alle MitarbeiterInnen. Sie können immer zu mir kommen, mit Anregungen genauso wie mit Problemen, und ich versuche, mit der kollegialen Führung und dem Gesamtleiter eine Lösung zu finden. Besonders wichtig ist mir die Berufungspastoral. Da möchte ich einiges umsetzen und auch Mitbrüder motivieren, mich dabei zu unterstützen. Wir haben hier viele gute Gelegenheiten bei Veranstaltungen, zu denen viele Menschen kommen. Zum Beispiel beim Tag der offenen Tür und beim Zeltfest hatte ich einen Informationsstand.
Prior: Wörtlich übersetzt bedeutet das lateinische Wort Prior „der Erste, der Vordere, der dem Rang nach Höherstehende“. In Ordensgemeinschaften bezeichnet es denjenigen, der einem Kloster vorsteht. In der Österreichischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder gibt es derzeit acht Konvente: in Bratislava, Brünn, Budapest, Graz, Kainbach, Linz, Salzburg und Wien.
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Text auszugsweise aus
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