Granatapfel
Ausgabe: Juni 2015
Frater Richard OH
Sehnsucht nach dem Priesterberuf
Am 13. Juni wird Frater Richard Jombik in Bratislava (Pressburg) zum Diakon geweiht, im kommenden Jahr könnte die Priesterweihe folgen. Die Berufung zum Priester verspürte der 54-Jährige schon früh in sich, doch der Weg zur Verwirklichung war lang.
TEXT: BRIGITTE VEINFURTER
Frater Richard Jombik in Bratislava © Foto: Barmherzige Brüder, Brigitte Veinfurter
Frater Richard Jombik in Bratislava.
© Foto: Barmherzige Brüder, Brigitte Veinfurter
Granatapfel: Nach der Ausbildung an der Krankenpflegeschule haben Sie im Krankenhaus in Banská Bystrica und im Militärkrankenhaus in Košice in der Pflege gearbeitet. Warum haben Sie diese Arbeit nach zehn Jahren beendet?
Frater Richard: Ich habe Spritzen gegeben, Medikamente verabreicht, die Dokumentation gemacht und so weiter. Aber seit Anfang der Krankenpflegeschule habe ich eine andere Art der Krankenpflege gesucht, mit Gesprächen, menschlichem Kontakt. So habe ich 1991, als in Banská Bystrica von der Diözese eine Einrichtung für geistig behinderte Kinder eröffnet wurde, die Möglichkeit genutzt und bin hierher gewechselt.
Waren Sie damals ein religiöser Mensch?
Ich war Christ, war getauft, habe die Erstkommunion und die Firmung empfangen. Aber wir waren im Kommunismus, und ich wusste, wenn ich in die Kirche gehe, darf ich weder in der Schule noch in der Familie darüber sprechen. Und weil ich als elfjähriges Kind nicht lügen und meinen Eltern nicht wehtun wollte, habe ich beschlossen, als Atheist zu leben. 17 Jahre später habe ich durch neue Bekannte, die Christen waren, wieder zum Glauben gefunden. In der Kirche Sacré Coeur in Paris habe ich eine Bekehrung erlebt.
Wie sind Sie zu den Barmherzigen Brüdern gekommen?
Ich sehe die Krankenpflege als Dienst für die Kranken, darum habe ich eine Gemeinschaft gesucht, die diesen Dienst tut, so wie die Barmherzigen Schwestern, die ich aus der Literatur kannte. Da habe ich entdeckt, dass es in Bratislava ein Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gibt. In Deutschland kannte ich eine Diakonische Schwester. Ich habe sie besucht, und sie hat meinen Entschluss bestärkt, so bin ich nach einer Probezeit in der Slowakei in den Orden eingetreten. Weil es hier damals nur wenige alte Brüder gab, war die Ordensausbildung in Österreich. Ich habe in Bratislava Deutsch gelernt und bin 1993 nach Graz gekommen, wurde 1994 ins Noviziat aufgenommen, am 18. Mai 1996 habe ich die Erste Profess abgelegt. Dann habe ich das Scholastikat begonnen. Aber schon nach zwei Monaten wurde ich zurück nach Bratislava berufen, weil ich eine Krankenpflegeausbildung hatte und sonst niemand da war, der die drei alten Brüder betreuen konnte. So war ich drei Jahre lang Pfleger für diese Brüder und auch Mesner in der Kirche in Bratislava und ich habe in einfacher Weise Obdachlose betreut. In dieser Zeit hat sich meine Berufung zum Priester entwickelt, aber ich wusste nicht, wie das in einem Bruder- und Krankenpflege-Orden möglich sein kann. 2001 habe ich meine Feierliche Profess abgelegt und dann 2002 bis 2003 im Konvent in Linz gelebt, wo ich die Gebärdensprache gelernt und neue liturgische Formen erlebt habe. Danach kehrte ich zurück nach Bratislava und habe hier einen einjährigen sozialtheologischen Kurs für eine bessere Obdachlosenarbeit absolviert. 2005, das Sterbejahr von Johannes Paul II., war eine Krisenzeit für den Orden in der Slowakei, zwei Brüder sind ausgetreten. Weil ich der einzige Bruder mit Ewiger Profess war, übernahm ich das Amt des Vikars als Vertreter des Ordens in Bratislava. Ich bin aber weder Manager noch Organisator, deshalb haben die Arbeit im Krankenhaus und Konvent der Direktor JUDr. Michal Tinák und der Provinzial übernommen. Ich arbeitete damals als Hilfspfleger. Ich habe zwar die Krankenpflegeausbildung, aber die Not an Hilfspflegekräften war groß, sodass ich begonnen habe, einen Hol-und-Bring-Dienst aufzubauen. Diese Arbeit wollte niemand tun.
Frater Richard Jombik in Bratislava © Foto: Barmherzige Brüder, Brigitte Veinfurter
Frater Richard in der Kapelle des Konvents in Bratislava.
© Foto: Barmherzige Brüder, Brigitte Veinfurter
Wann haben Sie Ihre theologische Ausbildung begonnen?
Als ich die Ewige Profess abgelegt habe, habe ich überlegt, ob das wirklich der Abschluss meines Weges sein soll? Dann habe ich gespürt, ich bin noch nicht am Ziel, es gibt noch etwas, das ich suche. Ich hatte schon länger Sehnsucht nach dem Priesterberuf, aber ich wusste nicht, wie das in einem Bruderorden möglich ist. Zuerst habe ich einen einjährigen theologischen Kurs für Ordensleute absolviert, aber mir war bald klar, dass mir das zu wenig ist. Ich wollte mein Wissen vertiefen und habe bei den Oberen um die Erlaubnis zum Studium der Laientheologie angesucht. Es wurde erlaubt. Nach fünf Jahren konnte ich es mit dem Diplom abschließen. Aber auch das war mir nicht genug, und so habe ich bei den Oberen angesucht, um den Weg zur Priesterweihe weitergehen zu können. Denn ich fühle mich berufen zum Priesteramt mit allen seinen Kompetenzen, nicht nur dem Spenden der Sakramente, sondern auch der Glaubensweitergabe, also den Menschen zu geben, was die Seele braucht.
Sie dürfen also als Mitglied eines Brüderordens Priester werden?
Ja, nach der Erlaubnis des Apostolischen Stuhles vom Jahr 1609 darf einer aus der Gemeinschaft Priester werden, um für das Seelenheil der Kranken zu sorgen. Wichtig ist, dass der Bruder auch als Priester immer Bruder bleibt, nur eben mit der Kompetenz als Priester und Seelsorger.
In welchem Bereich wollen Sie als Priester tätig sein?
Ein wichtiger Impuls auf meinem Weg war die Anregung von Generalrat Frater Rudolf Knopp, eine Krankenhausseelsorge-Ausbildung in Österreich oder Deutschland zu absolvieren. Seit 2012 mache ich einen solchen Kurs in Salzburg und werde ihn hoffentlich heuer abschließen. Dieser Kurs hat mir eine Vertiefung für meine Berufung gebracht und ich möchte in diesem Bereich arbeiten. Es gibt bei uns keine Krankenhausseelsorge wie in Österreich. Es gibt kaum seelsorgliche Gespräche. Daher möchte ich hier in unserem Krankenhaus in Bratislava und in der Slowakei eine moderne Krankenhausseelsorge aufbauen.“
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Text auszugsweise aus
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