Kartause Gaming
Ehemaliges Kartäuserkloster "Marienthron"
Kartause 1, 3292 Gaming
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Gebäudekomplex der Kartause Gaming
mit der Kirche "Maria Thron" im Juni 1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Kartause Gaming ist ein ehemaliges Kloster der Kartäuser in Gaming im niederösterreichischen Mostviertel (Eisenwurzen). Das Kloster wurde 1330 durch den österreichischen Herzog Albrecht II. gegründet und war zeitweise eines der größten Kartäuserkloster Europas.
Geschichte
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Torturm der Kartause Gaming als Haupteingang
zur NÖ Landesausstellung im Juni 1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mit der Gründung des Kartause Gaming löste Albrecht II. ein Gelübde ein, das er gemeinsam mit seinem Bruder Leopold „in Kampfbereitschaft zur Schlacht gegen Ludwig den Bayern“, also offenkundig 1322 unmittelbar vor der Entscheidungsschlacht bei Mühldorf, abgelegt hatte. Der „so gemüthvollen Auffassung“, dass der Beweggrund für das Gelübde der beiden Brüder die Befreiung Friedrich des Schönen aus seiner Gefangenschaft auf Trausnitz gewesen sei, hat Josef Lampel schon vor bald hundert Jahren die Grundlage entzogen. Dennoch wird diese Legende weiterhin unkritisch tradiert. Leopold wollte das Kloster ursprünglich in der Pfarre Malters bei Luzern stiften. Doch Albrecht, dem nach Leopolds Tod (1326) die Ausführung des Gelübdes übertragen war, hatte sich für Gaming als Ort der Klostergründung entschieden. Für die Wahl des Ortes waren gewiss mehrere Komponenten bestimmend, eine ganz entscheidende muss eigens hervorgehoben werden: Die neue Gründung sollte auch die herzogliche Grablege bergen, der als Stätte der besonderen Präsenz des Landesfürsten in der Anschauung der Zeitgenossen ein außerordentlicher Stellenwert beigemessen wurde. Herzog Albrecht hat mehrere Kirchen und Klöster gefördert und namentlich den Chor der Pfarrkirche von St. Stephan in seiner Residenzstadt Wien in Dimension wie für eine Bischofskirche ausbauen lassen. Wenn er seine Grablege in Gaming einrichtete, in bewusster Abkehr von der habsburgischen Familiengrablege im Kloster Königsfelden im Aargau, wo seine Mutter Elisabeth und sein Bruder Leopold beigesetzt waren, wohin sein Bruder Herzog Heinrich († 1327) eigens aus der Steiermark überführt worden war, dann liegt hier die Absicht zugrunde, einen territorial-politischen Akzent zu setzen, der zur Verdichtung und Intensivierung der Landesherrschaft beitrug.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt Innenhof der
Kartause und Eingang zur Kirche
"Maria Thron" im August 1973.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt einen Torbogen
der Kartause im August 1976.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Gründung des Klosters, das den Namen Marienthron (Thronus Sancte Marie) erhielt, war wohl schon von längerer Hand vorbereitet worden. Den unmittelbaren Anlass dürfte die plötzliche schwere Erkrankung des Herzogs im März und der Tod Friedrichs des Schönen im Jänner desselben Jahres gegeben haben. Albrechts Entscheidung für den Kartäuserorden war wohl nicht zuletzt unter dem Einfluss der starken Persönlichkeit Gottfrieds, des Priors der von Friedrich dem Schönen gegründeten Kartause Mauerbach bei Wien, eines engen Vertrauten der Herzoge, gefallen. Mönche aus Mauerbach sollten die neue Gründung besiedeln. Zuvor musste indes erst die ganze Klosteranlage von der Kirche bis zu den Zellen der Mönche gebaut werden. Die Kartause Gaming war im Gegensatz zu der bei Kartausen inklusive des Mutterklosters üblichen Zahl von 12 Mönchen von vornherein auf die doppelte Größe, einen Konvent von 24 Mönchen mit einem Prior und dementsprechend vielen Einzelhäusern (Zellen), angelegt.

Am 13. August 1332 legte der Herzog, der an seiner Stiftung lebhaften Anteil nahm, persönlich den Grundstein zum Kloster. Die Bauarbeiten schritten zügig voran. 1337 wurde das Kloster auf dem Generalkapitel der Kartäuser in den Ordensverband aufgenommen; zu diesem Zeitpunkt muss also ein Klosterleben bereits möglich gewesen sein. 1340 wurde der Kapitelsaal geweiht. Am 13. Oktober 1342 fand schließlich als Höhepunkt die feierliche Einweihung der Klosterkirche statt.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den renovierten Innenhof der Kartause im Juni 1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In all den Jahren seit Gründung war der Herzog unentwegt bestrebt, das Stiftungsgut der Kartause zu erweitern und abzurunden. Grenzstreitigkeiten mit benachbarten geistlichen und weltlichen Grundherrschaften waren konsequent einvernehmlich geregelt worden. Die Besitzungen des Klosters mit dem Schwerpunkt im Raum Gaming, dem Markt Scheibbs und dem Lunzer See reichten bis in die Steiermark (Donnersbach), ins niederösterreichische Weinviertel und nach Wien und Baden. Zu den Rechten zählte das Bergregal und sogar das Landesgericht. Gaming war somit eines der reichsten Klöster des Landes. Herzog Albrecht II. verstarb am 20. Juli 1358 und wurde am 23. Juli an der Seite seiner Gemahlin in der Gruft unter dem zweiten Priorat des bedeutenden Kartäuser-Schriftstellers Konrad von Hainburg (1350-1354, 1358-1360) der Kartausenkirche in Gaming bestattet. Der älteste Sohn Albrechts II., Herzog Rudolf IV., bestätigte im gleichen Jahr die Privilegien und Besitzungen des Klosters, verfolgte jedoch sonst, auch auf kirchlichem Sektor, andere Vorstellungen und Ziele. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, wahrscheinlich aber bereits 1352, war die Kartause nicht nur baulich längst vollendet – das Baugeschehen dürfte mit der Weihe der Kirche abgeschlossen gewesen sein –, sondern auch komplett ausgestattet. Mit dieser Kartausengründung ist jedenfalls auch ein Teilaspekt jener Entwicklung vollzogen worden, die nach dem Scheitern der dynastischen Pläne König Friedrichs des Schönen mit Herzog Albrecht II. die ersten Schritte brachte, mit der die Habsburger in den österreichischen Ländern heimisch zu werden begonnen hatten.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt Innenhof und Kirche
"Maria Thron" im April 1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt die Kirche der Kartause
"Maria Thron" im Oktober 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In der Folgezeit kam es zur geistigen Entfaltung des Ordenslebens auch in schriftstellerischer und wissenschaftlicher Tätigkeit mit engsten Beziehungen zur Wiener Universität bis ans Ende des 15. Jahrhunderts. 1371 wurden die Privilegien durch Herzog Albrecht III. bestätigt. Kurz darauf fand die Bestattung der ersten, 1373 verstorbenen Frau von Albrecht III., Elisabeth von Böhmen, statt. 1375 wurde die von Markgraf Johann Heinrich gegründete Kartause Königsfeld bei Brünn mit Mönchen aus Gaming besiedelt. Drei Klafter unterhalb des in situ fast komplett auch heute noch bestehenden polychromierten Kreuzrippengewölbes aus der Erbauungszeit der Klosterkirche (1332-1340), also etwa sechs Meter darunter, wurde 1453 ein spätgotisches (in der älteren Literatur fälschlich als barockes Tonnengewölbe mit Stichkappen bezeichnetes) Kappengewölbe eingezogen. Im Zeitraum von 1451 bis 1457 wurde die der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihte (heute profanierte) Friedhofskapelle im nordöstlichen Bereich des großen Klosterhofes errichtet und mit zwei kleinen, ehemals querhausartig hervortretenden Seitenkapellen als Paraphrase zur großzügigen Chorlösung mit den Doppelkapellen-Paaren der Klosterkirche entsprechend aufwendig gestaltet, wobei diese Seitenkapellen an der Friedhofskapelle heute fehlen.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt die Kirche
"Maria Thron" im Juli 1991.
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Das Bild zeigt eine Fensterscheibe
aus der Kartause Gaming im Mai 1979.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1451 bis 1458 war die Wirkungszeit des aus Straßburg stammenden Priors Nikolaus III. Kempf, der zuvor an der Wiener Universität zum Magister graduiert worden und als Universitätsprofessor ebendort tätig war. 1458 bis 1483 erfolgte die Wirkungszeit des aus dem reichen und hochangesehenen Geschlecht der Phantzagel stammenden Priors Sigismund, der gleichfalls Magister der freien Künste war. Unter seinem Priorat erlebte die Kartause die absolute Höchstzahl an Professen (39), wobei noch weitere (13) hinzuzuzählen sind, die, entweder als Prioren, oder als Hospitanten in anderen Kartausen tätig waren. Nicht weniger als neun Gaminger Professen standen damals in anderen Kartausen als Prioren vor. Zum Unmut des Mutterklosters, La Grande Chartreuse bei Grenoble, war damals die Kartause Gaming größer als jenes Stammhaus. 1585, 1591 und 1597 kam es zur Errichtung der Arkadenbögen am Osttrakt des Prälatenhofes. Errichtung des inneren Portals zum Kartäuserkeller im Westflügel des Prälatenhofes. Als Höhepunkt der Unruhen seitens der lutherischen Untertanen wurde Prior Paulinus Maringius zweimal gedemütigt. Nach der Rebellion tritt wieder allmählich Beruhigung ein und nach dieser konsolidierenden Phase nahm das Klosterleben wieder neuen Aufschwung.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Innenhof der Kartause im März 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1609 bis 1640 fand ein umfassender Umbau und Ausstattungstätigkeiten unter dem Prior Hilarion Danichius (Danisius) statt: Errichtung der Arkaden und des Mittelrisalites am Westflügel des Prälatenhofes (1625), Umgestaltung der Hoffassaden im Prälatenhof und im Bibliothekshof, Errichtung der neuen Bibliothek (Portal 1619 datiert), Vergrößerung von vier Zellenhäusem am Südende des Westflügels im großen Klosterhof durch Umwandlung zu Doppelzellenhäusern, Errichtung eines neuen Kirchenportales aus Peutenburger Marmor (1632 datiert), Stuckdekor im Prälatensaal (etwa um 1630/40). 1670 erfolgte die Erhebung der Prioren von den Kartausen in den Prälatenstand (jedoch ohne Pontifikalien) durch Kaiser Leopold I. Der Einfluss auf die gesamte Region war enorm. Wenn der geistliche Sitz in Gaming war, so war der weltliche in Scheibbs. Im Schloss Scheibbs war der Sitz des Priors, und von 1678 bis 1684 wurde ein Kloster mit zugehöriger Kirche errichtet. Auch die Pfarre Scheibbs wurde von Gaming mitbetreut. Außerdem wurde die Pfarrkirche in St. Anton/Jeßnitz errichtet, wo noch heute sich die ursprünglichen Altäre aus der Gaminger Klosterkirche befinden.
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt Innenhof der Kartause im September 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Kartause Gaming wurde durch ein am 27. Jänner 1782 von Prior Stephan Braun entgegengenommenes Dekret von Kaiser Joseph II. aufgehoben. Am 26. Jänner 1782 traf abends die Aufhebungskommisson in Gaming ein. Nachdem die Kartäuser das Kloster verlassen hatten, setzte bald eine Verwahrlosung und ein Verfall des Gebäudes ein. Schwer wurde die Klosterkirche in Mitleidenschaft gezogen. Alles was brauchbar und an Einrichtungen disponibel war, wurde in alle Richtungen verschleppt. Diese Umstände der Aufhebung erscheinen in ihrer Härte heute unverständlich. Man setzte sich bedenkenlos über die Ordensregeln hinweg und entließ Mönche, die schon durch viele Jahre ein Eremitenleben geführt hatten, in eine ihnen fremd gewordene Welt. Noch ärmer waren die Klosterbediensteten, sie wurden zu obdachlosen Bettlern. Durch die Aufhebung der Kartause Gaming war nicht nur den Bewohnern des Klosters, sondern vielen anderen Menschen großer Schaden zugefügt worden. In der Folge versteigerte man das Wirtschaftsgebäude ebenso wie das Vieh. Das Dienstpersonal wurde - weil überflüssig - größtenteils entlassen. Das Klostergebäude selbst ging in wenigen Jahren dem Verfall entgegen, da zu seiner Erhaltung nichts mehr getan wurde.
Revitalisierung
Kartause Gaming © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche von Gaming, Langhausgewölbe.
Bild: Anrather, Oskar.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Am 5. August 1983 verkaufte das Stift Melk die Kartause Gaming (ohne Wald) an Architekt Walter Hildebrand, der seit dieser Zeit mit großem finanziellen Einsatz und persönlichem Engagement die Kartause renoviert hat und mit Ausstellungen und Veranstaltungen wissenschaftliche Aktivitäten gesetzt hat. 1985 wurden die Gebeine der Stifter rückgeführt.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Kartause_Gaming" der
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