Stift Göß
Ehemaliges Benediktinerinnen Kloster
Turmgasse 4, 8700 Leoben
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemaliges Benediktiner-Nonnenstift: Hof. Staffage. ;1895.
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Göss ist ein ehemaliges Kloster der Benediktinerinnen (OSB) in Göss, einem Stadtteil von Leoben in Österreich. Heute nicht mehr erhalten sind die Pfarrkirche, der Friedhof und die Bauten westlich der Stiftskirche. Bekannt ist auch das Brunnhöfl, welches noch zum größten Teil erhalten ist. Im Schauraum des Stiftes ist auch ein wiederverwendbarer und nach unten aufklappbarer Josephinischer Sarg von 1784 zu bewundern.
Geschichte
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Goes bey Leoben. L'Abbaye de Goes près de Leoben.
Runk, Ferdinand; Ziegler, Johann; um 1810.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Kloster wurde 1004 durch Adula/Adele von Leoben (sie wurde und wird nach wie vor als die „selige Adula“ bezeichnet, obwohl sie nie seliggesprochen wurde), Gemahlin Pfalzgraf Aribos I., und ihren Sohn Aribo, später Erzbischof von Mainz, auf Aribonengut gegründet und von der Reichsabtei Nonnberg in Salzburg aus mit Benediktinerinnen besiedelt. Die erste Äbtissin war Kunigunde, die Schwester Erzbischof Aribos. Göß war die einzige Reichsabtei (ab 1020 durch Kaiser Heinrich II.) im späteren Habsburgerreich. Stift Göß bildete über Jahrhunderte für den steirischen Adel ein Zentrum für die Erziehung und Versorgung seiner Töchter. Es wurden grundsätzlich nur Nonnen, die aus dem Adel stammten, aufgenommen. 1782 wurde das Kloster aufgehoben. Ab 1783 diente es kurzfristig als Sitz des neu gegründeten Bistums Leoben.
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemalige Stiftskriche innen:
Raum unter der Orgelempore.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Torturm, links und Turm der Alten
Pfarrkirche Heiliger Andreas
rechts von Osten. ;vor 1935.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1827 wurde es von der Vordernberger Radmeisterkommunität ersteigert, die in erster Linie am Forstbesitz interessiert war. 1860 gelangte es an den Grazer Bierbrauer Max Kober (schon 1459 wurde der erste Stifts-Bierbrauer genannt); seitdem befindet sich hier die Brauerei Göss, welcher auch sämtliche ehemalige Stiftsgebäude, abgesehen von der Kirche, dem Glocken- und Uhrturm und dem Pfarrhof, gehören.
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemalige Stiftskirche innen: Fresken über der Sakristeitüre an der
Nordwand des Chores, 14. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bischofskapelle. Detail der Decke.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bischofskapelle. Konsole.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Noch heute zu besichtigten ist die alte Stiftskirche und die Michaelskapelle, die früher dem einzigen Leobner Bischof Graf Alexander Engel von Wagrein als Privatkapelle diente. Sie ist ein romanischer Bau im Zackenstil und mit Wandmalereien, die das Hohelied Salomons darstellen, verziert. Ein weiteres Objekt im Besitz der Pfarre ist der sogenannte „Josephinische Sarg“, ein Sarg der zur Holzersparnis wiederverwendet werden konnte, indem er nach unten hin aufklappbar war und so nur der in Leinen gewickelte Leichnam im Grab blieb, der Sarg wurde wiederverwendet.
Stiftskirche
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemalige Stiftskirche in Leoben-Göß,
Südportal.
Bild: Anrather, Oskar; vor 1990.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemalige Stiftskirche in Leoben-Göß,
Innenansicht.
Bild: Anrather, Oskar; vor 1990.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bei der Stiftskirche des ehemaligen Stiftes Göß handelt es sich um einen großen Bau aus spätgotischer Zeit. Kunsthistorisch interessant sind vor allem die frühromanische Krypta unter dem Chor der Kirche, die frühgotischen Fresken in der Michaelskapelle (im sogenannten Zackenstil) sowie der imposante Dachstuhl der Kirche.
Von der ehemaligen Pfarrkirche, der damaligen Andreaskirche, welche in der Zeit von Kaiser Joseph II. abgetragen wurde, steht heute noch der Glocken- und Uhrturm. Der heilige Andreas, der bei der ehemaligen Pfarrkirche Schutzpatron war, wurde auch der Patron der neuen Stiftskirche. Das Altarbild über dem Hochaltar stammt ebenfalls aus der damaligen Pfarrkirche. Vor der Aufhebung des Klosters befanden sich, so vermuten Forscher, etwa 17 Glocken im Stift. Heute sind es noch fünf, die älteste aus dem 15. Jahrhundert. Eine weitere Glocke befindet sich in der zu Göß gehörenden Friedhofskirche, geweiht dem Heiligen Erhard, und zwei weitere in der Marienkirche Maria Kaltenbrunn und in der Kirche am Kalvarienberg, welche ebenfalls zu Göß gehören.
Gösser Ornat
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Antipendium des ehemaligen Nonnen-Stiftes zu Göss.
Mitte 13. Jahrhundert Leinen, Seidenstickerei jetzt im MAK.
Lithografie 1858. Maß der Darstellung 20.5cm x 40.6cm (Höhe x Breite).
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der berühmte Gösser Ornat, eine wertvolle romanische Seidenstickerei, welcher von der Äbtissin Kunigunde II. gestiftet und zusammen mit ihren Ordensschwestern angefertigt wurde, befindet sich heute in der Schausammlung Romanik Gotik Renaissance im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, MAK Wien. Dieser Ornat aus der Zeit um 1260 ist eines der bedeutendsten und aus so früher Zeit einzig erhaltene Ensemble kirchlicher Gewänder bestehend aus Kasel, Pluviale, Dalmatik, Tunika und einem Antependium. An der technischen, farblichen und stilistischen Einheitlichkeit der Seidenstickerei, die das einfache Leinen gänzlich bedeckt, ist die Zusammengehörigkeit der Ornatteile leicht zu erkennen. Teilweise gravierende Änderungen im Laufe der Jahrhunderte, aber auch die freie Form der ornamentalen Dekoration lassen den Ornat heute besonders bunt und ungewöhnlich dekorativ erscheinen. Ferner erfolgte im Jahre 2006 in der Studiensammlung Textil des MAK die Ausstellung Transformationen des Gösser Ornats, welche das textile Werk unter dem Aspekt der verschiedenen kompositorischen und formalen Bedingungen neu verarbeitete.
Stift Göss © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Siegel des Stiftes Göss aus dem 13. Jhd.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Göß" der
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