Grabeskirche
Kirche vom heiligen Grab
Jerusalem
Grabeskirche Jerusalem © Benshot - Fotolia.com 
Grabeskirche in Jerusalem
Als Grabeskirche oder Kirche vom heiligen Grab wird die Kirche in der Altstadt Jerusalems bezeichnet, die sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu befindet. Die Grabeskirche zählt zu den größten Heiligtümern des Christentums.
Grabeskirche © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Kuppel der Grabeskirche in Jerusalem.
© Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Grabeskirche ist die in westlichen Glaubensrichtungen übliche Bezeichnung, von Orthodoxen Christen wird das Gebäude Auferstehungskirche (Anastasis) genannt. Die Kirche ist der Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des heiligen Grabes. Das „Heilige Grab“ im Innern der Kirche wurde verschiedentlich nachgebaut.
Grabeskirche Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kapelle über dem vermuteten Grab Christi in der Grabeskirche. um 1890
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach dem Zeugnis mehrerer spätantiker Schriftsteller des 4. Jahrhunderts wurden 325 im Gefolge eines Besuchs von Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, in Jerusalem die Stätten von Tod und Auferstehung Jesu Christi unter einem römischen Tempel der Aphrodite aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. aufgefunden. Dies führte zu einer Verbreitung von Kreuzreliquien und einem Wiederaufleben der Verehrung des Grabes, die durch den Bau des darüberliegenden Tempels eigentlich unterbunden werden sollte.
Heiliges Grab © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kapelle des heiligen Grabes zu Jerusalem; um 1850
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Lokalisierung der Grabeskirche als Ort der Kreuzigung Jesu und einiger Ostererscheinungen gilt als durchaus berechtigt. Für diese Annahme sprechen neben der langen Überlieferung und Tradition auch historische und archäologische Hinweise sowie die Tatsache, dass jenes Gebiet zur Zeit Jesu außerhalb der damaligen Stadtmauern, aber bereits zur Zeit Konstantins im Stadtgebiet lag. Wie mehrere Gräber und Grabnischen auf dem Gebiet der Kirche belegen (derzeit sind sieben weitere Gräber bekannt), wurden hier um die Zeitenwende tatsächlich Begräbnisse durchgeführt.
Grabeskirche Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Grundriss der Grabeskirche in Jerusalem und den umliegenden heiligen Stätten.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bereits für den Bau des Aphroditetempels dürfte ein Teil des ursprünglichen Felsens entfernt worden sein. Der Bau der Basilika wurde bald nach 326 von Kaiser Konstantin in Auftrag gegeben, trat an die Stelle des römischen Heiligtums und wurde am 13. September 335 geweiht. Die Anlage, die den Ort des Grabes und den nahebei liegenden Golgota-Hügel einbezog, bestand aus einer Rotunde um die zentrale Verehrungsstätte des durch eine Ädikula ausgezeichneten Heiligen Grabes im Westen, einem Eingangsportikus und einer großen Basilika im Osten (nicht erhalten).
Grabeskirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Inneres der Kapelle des heiligen Grabes zu Jerusalem; um 1850
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der innere, zumindest teilweise nach oben hin offene Raumzylinder der Rotunde wurde im Westen durch einen niedrigeren Umgang auf halbrundem Grundriss mit drei Apsiden und im Osten durch eine aufgeweitete Raumsituation ergänzt, die zum Eingangsportikus überleitete. Innerer Zylinder und Anräume waren durch eine Stützenstellung geschieden, die sich aus vier Pfeilern in den Haupthimmelsrichtungen und je drei monumentalen Säulen auf rechteckigen Postamenten dazwischen zusammensetzte. Die Säulenstellung lässt auf eine konstantinische Stützenfolge von vermutlich 11 Meter Höhe schließen, die im Originalzustand durch ein waagerechtes Gebälk abgeschlossen wurde. Der Golgatha-Felsen, heutzutage innerhalb der Grabeskirche, befand sich unter freiem Himmel zwischen den beiden Gebäuden Rotunde und Basilika. Sie wurden von Eusebius akkurat beschrieben (Vita Constantini III, 34 – 40).
Grabeskirche Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Grabeskirche: Grundriß mit Brustbild des Erzbischofs von Gran,
Graf Leopold Kollonitz von Kollegrád. Stich von Johann Jakob Hofmann, 1696.
Legende: "VERA DELINEATIO FUNDAMENTORUM ECCLESIAE SANCTISSIMI
SEPULCHRI ET MONTIS CALVARIae DOMINI NOSTRI IESU CHRISTI"
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Als nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter 1099 der Bereich östlich der Rotunde um 1160/1170 durch den Anbau der heute noch bestehenden Kirche umgestaltet wurde, war die Anastasis (griechisch für Auferstehung), der Rundbau über dem Grab Christi, selbst von keinen gravierenden Eingriffen betroffen.

Seit einer Renovierung 1555 wechselte die Kontrolle über die Kirche zwischen den Franziskanern und den Orthodoxen, je nachdem, welche Konfession für bestimmte Zeit einen Ferman von der Hohen Pforte erhalten konnte, oft durch offene Bestechung. 1767, als man genug von den begleitenden Streitereien und Unruhen hatte, erließ die Hohe Pforte einen Ferman, der die Kirche zwischen den Parteien aufteilte. Ein anderer Ferman von 1852 bestätigte das Arrangement und ließ es zu einer permanenten Regelung werden.

Heute ist die Grabeskirche in der Hand sechs christlicher Konfessionen: Die Hauptverwaltung der Kirche haben die Griechisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische Kirche, vertreten durch den Franziskaner-Orden, und die Armenische Apostolische Kirche inne. Im 19. Jahrhundert kamen die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche hinzu.
Grabeskirche Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jerusalem - Teilansicht von Süden.
Vorne: Teil der Grabeskirche. ;1931-02-06
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bedeutendste Stätte der Grabeskirche ist die Grabeskapelle (Heiliges Grab, Aedicula), der überlieferte Ort des Grabes Jesu. Sie wird von einer Rotunde umgeben. Die Grabeskapelle bildet die 14. Station des Kreuzweges. Überbaut ist das Grab im Stile eines türkischen Kiosks. Seit einem Erdbeben verhindern stählerne Stützen den Einsturz der eigentlichen Grabeskapelle.
Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ansicht von Jerusalem; um 1850
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Neben der Grabeskapelle beinhaltet die Grabeskirche zahlreiche weitere christliche Heiligtümer. Am Salbungsstein beim Eingang der Kirche soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein. Je nach Zählung gilt dieser Ort als 13. Kreuzwegstation. Eine andere Zählung nennt Stabat Mater, wo sich heute ein franziskanischer Altar einschließlich Madonnenfigur befindet, als 13. Station. Rechts des Eingangs liegt der Kalvarienberg oder Golgotafelsen – die Stelle, an der Jesus am Kreuz gestorben sei. Hier stehen der römisch-katholische Kreuzannagelungsaltar (11. Kreuzwegstation) und der griechisch-orthodoxe Kreuzigungsaltar (12. Kreuzwegstation).
Grabeskirche Jerusalem © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jerusalem - Teilansicht vom Turm der Erlöserkirche (von Südosten).
Im Vordergrund die Grabeskirche. ;1931-02-06
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Unterhalb des Kalvarienbergs befindet sich die griechisch-orthodoxe Adamskapelle. Hier soll der Schädel Adams gelegen haben. Die Legende besagt, dass das Blut Jesu durch Felsritzen auf den Schädel geflossen sei und so Adam von der Erbsünde befreit habe. Ein Fels mit teilweise rötlicher Färbung, welcher neben der Adamskapelle zu sehen ist, soll diese Geschichte belegen.

Im Zentrum der Kirche, von der Rotunde her zugänglich, liegt das Mittelschiff mit Altar. Es wird als Katholikon bezeichnet und ist unter Kontrolle der griechisch-orthodoxen Kirche. An dieser Stelle befand sich nach mittelalterlicher christlicher Auffassung der Nabel der Welt. Über der Vierung sitzt eine Kuppel, die nach dem Erdbeben von 1927 gänzlich erneuert wurde.
Auf tieferem Niveau als der Kircheneingang befinden sich die armenisch-orthodoxe Helenakapelle und die römisch-katholische Kreuzauffindungskapelle. In Letzterer, einer ehemaligen, direkt in den Felsen geschlagenen Zisterne, soll der Fundort des Kreuzes von Jesus liegen.

Seitlich des Altars der St. Helena-Kapelle führt eine weitere Treppe hinab zur St. Vartankapelle. Diese ist allerdings in aller Regel für Besucher unzugänglich. Entdeckt wurde dieser Ort bei Restaurierungsarbeiten in den späten 1970er Jahren. Bemerkenswert ist die St. Vartanskapelle zum einen, weil dort die mutmaßlich letzten Reste einer hadrianischen Stützmauer zu finden sind und zum anderen, dass darauf ein Graffito angebracht ist, das ein römisches Segelschiff zeigt und die Unterschrift (übersetzt) „Gott, wir haben uns auf den Weg gemacht“. Allgemein wird angenommen, es handle sich um die Inschrift eines frühchristlichen Pilgers des 2. Jahrhunderts. Die Datierung schwankt allerdings zwischen spätem 1. und frühem 4. Jahrhundert.

Im Jahre 2014 errichtete die Orgelbaufirma Rieger (Österreich) eine neue Chororgel für die Grabeskirche. Das Instrument hat 15 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Grabeskirche" der
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