Pfarrkirche Haslach an der Mühl
Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus
Kirchenplatz 1, 4170 Haslach
Pfarrkirche Haslach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche Haslach (Heiliger Nikolaus).
Nahaufnahme mit Turm von der Süd-West Seite; um 1895.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Pfarrkirche von Haslach gilt als einer der bedeutendsten Kirchenbauten der Spätgotik im Oberen Mühlviertel, wobei der Chor als ältester Bauteil um 1400 errichtet wurde, das Langhaus entstand um 1500. Das spätgotische, einschiffige und vierjochige Langhaus prägt den wehrhaften Charakter der Kirche, während sich im Inneren eine einheitliche, neogotische Ausstattung findet. Die Kirche liegt südlich des Marktplatzes über dem Steilhang zur Steinernen Mühl. Dies lässt vermuten, dass sie von Anfang an in die Befestigungsanlagen der jungen Siedlung einbezogen war. Der Wehrcharakter der ganzen Anlage ist auch heute noch erkennbar. Der Turm ist einer der wenigen freistehenden Kirchtürme im Land, vergleichbar mit dem Bergfried einer Burg. Für den Fall einer Belagerung galt er als letzter Zufluchtsort.
Geschichte
Pfarrkirche Haslach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche Haslach.
Übersicht mit Pfarrkirche nach Umbau des Glockenturms; um 1910.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Zeitpunkt der Erbauung der ersten Kirche ist nicht feststellbar, darf aber mit der Entstehung des Ortes um 1250 angenommen werden. Die heutige Kirche wurde in zwei Abschnitten erbaut, die sich im äußeren Erscheinungsbild heute noch deutlich voneinander abheben. Der ältere Teil ist der Altarraum, vermutlich in der Zeit von 1350 - 1450 entstanden. 100 Jahre später (1450- 1500) wurde das Langhaus errichtet und mit dem bereits vorhandenen Wehrturm durch einen gedeckten Gang in der Höhe der Empore verbunden. Der Turm blieb in seinem schmucklosen Charakter (geschlossener Wehrgang, Schießscharten und stumpfes Zeltdach) unverändert. Erst 1906 wurde er durch den Linzer Dombaumeister Matthäus Schlager erhöht(63m) und der einstige Wehrgang wurde zu einer Galerie geöffnet. Durch das Einsetzen der vier Ecktürmchen sowie durch das hohe Pyramidendach erhielt er die neugotische Form. Als 1680 der Markt brannte, kam die Kirche zwar sehr schwer zu Schaden, an der Bausubstanz änderte sich aber glücklicherweise wenig. 1981 erfolgte eine umfassende Innenrenovierung mit der Neugestaltung des Altarraumes.

Wuchtig erhebt sich die Pfarrkirche am Südrand des Marktes. Langhaus und Presbyterium sind durch Strebepfeiler zwischen den Fenstern gegliedert. Am Langhaus sind sie dreifach abgetreppt und mit schönen Abdecksteinen geschmückt. Über ihnen zieht sich das ebenfalls in Stein gehauene Gesimse um die Kirche. Besondere Leistungen der Steinmetzkunst sind die beiden Portale an der West- und Nordseite der Kirche. Jedes von ihnen besitzt zudem eine netzrippengewölbte Vorhalle. Nach altem Brauch lag auch in Haslach der Friedhof einstens um die Kirche. Erst im Jahre 1846 wurde er endgültig geschlossen und an den Ortsrand verlegt. Die ehemalige Friedhofsanlage ist an der Süd- und Ostseite der Kirche unberührt erhalten. Daran erinnern noch am deutlichsten das frühere Beinhaus, die dazugehörige Lichtsäule (Totenleuchte) und die zahlreichen Grabsteine aus dem 15.-18. Jh. an der Kirchenmauer. Das Beinhaus liegt an der Südseite der Kirche, der Abgang ist mit einem barocken Gitter abgeschlossen. Davor steht die Lichtsäule aus dem 15. Jh. Sie ist an dem in Stein gehauenen Wappen als Stiftung der Fleischhauer und Bratlbrater zu erkennen. Die Inschrift wurde erst 1652 an der Säule angebracht. In einem kleinen Anbau an der Südseite befindet sich die Statue des Schmerzensmannes (19. Jh.). Einen besonderen Akzent setzt das große Passionskreuz mit den Leidenswerkzeugen des Herrn an der Ostseite der Kirche (19.Jh.). Im Norden steht der wuchtige, freistehende Turm, an dessen Ostseite sich ein gotisches Wappengrabsteinfragment des Steinmetzers Kajetan Getzinger (Ende 16. Jh.) befindet. Die Nordseite des Turmes bildet den Hintergrund für das Denkmal der Gefallenen der beiden Weltkriege. Die schmerzhafte Muttergottes im Flammenschwert von Adolf Wagner von der Mühl (1928) mahnt an die Gefallenen des ersten Weltkrieges.

Ein großer, übersichtlicher und wohlgegliederter Raum empfängt den Besucher. Auch in der Wirkung des Innenraumes ist die Baugeschichte abzulesen. Der ältere Teil, das Presbyterium, ist niedriger und schlichter ausgeführt. Der Raum hat zwei Joche und besitzt einen Fünfachtelschluss. Halbsäulen gliedern die Wände, die ein einfaches Kreuzrippengewölbe tragen. Die Einfachheit dieses Raumes entspricht dem Stilgefühl seiner Erbauungszeit (1350 - 1450). Deutlich hebt sich davon das vierjochige, einschiffige Langhaus ab, das nicht nur wesentlich höher ist, sondern sich auch durch die besondere Qualität seiner Steinmetzarbeiten auszeichnet. Über Sockel erheben sich reichgegliederte Wandpfeiler, die in der Höhe des Gewölbeansatzes besonders schön gestaltet sind. Darüber weitet sich das überaus dekorative Gewölbe. Die lastende Wucht wird in einen lockeren Formenreichtum aufgelöst. Aus den Wandpfeilern treten Rippen hervor, die Kreise (Fischblasen) bilden und sich an der höchsten Stelle des Gewölbes treffen. In diesen Kreisen sitzen Rauten, die durch weitere Rippenteile miteinander verspannt sind. Gekrümmte und gebogene Rippenteile bilden eine zusätzliche Gliederung des Gewölbes. Den Übergang vom Langhaus ins Presbyterium bilden zwei Triumphbögen, ein niedriger zum Altarraum gehörig und ein hoher mit Spitzbogen am Beginn des Langhauses. Die Achse des Altarraumes ist gegenüber dem Langhaus leicht nach Norden verschoben. Den Abschluss des Langhauses nach Westen bildet eine imposante Emporenanlage. Ihre Vorderfront ruht auf drei Spitzbögen, dahinter findet man reines Netzrippengewölbe. Auf der Empore überraschen zwei Portale mit überaus reichen Steinmetzarbeiten. Jenes an der Westseite ist von der Orgel verdeckt. Das Portal an der Nordseite führte einst über den längst abgebrochenen Gang hinüber in den Turm.

Von der einstigen Barockausstattung der Pfarrkirche sind nur noch bescheidene Reste erhalten. In den Jahren 1896 - 1901 wurde die Kirche, dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend, neugotisch ausgestattet (drei Altäre und die Kanzel). Die Arbeiten entstammen der sehr produktiven Werkstätte des Josef Kepplinger in Ottensheim. Der Schrein des Hochaltars birgt in der Mittelnische die Gestalt des Hl Nikolaus, Bischof von Myra (gest. um 350), mit jenen drei Mädchen, die in seiner Legende eine besondere Rolle spielen. In den beiden schmäleren Seitennischen sehen wir links den hl. Norbert von Xanten, Erzbischof von Magdeburg (gest. 1134). Das weiße Ordenskleid lässt ihn als Prämonstratenser erkennen, deren Gründer er war. Die Monstranz zeigt ihn als besonderen Verehrer des Altarsakramentes. In der rechten Nische steht die Gestalt des hl. Augustinus, Bischof von Hippo in Nordafrika (gest. 430). Das brennende Herz in seiner Hand ist ein Hinweis auf seine Gottesliebe. Die von ihm verfasste Ordensregel wurde auch vom hl. Norbert übernommen und zur Grundlage des Ordens gemacht. Im oberen Teil des Altares stehen die Heiligenstatuen von Petrus und Paulus, Altmann und Leopold. Den Abschluss bildet eine Dreifaltigkeitsgruppe. Der Altar hat auf Höhe der Leuchterbank Flügeln, die geöffnet Szenen aus dem Leiden Jesus darstellen. Geschlossen zeigen sie Melchisedek und Elias. Die beiden Seitenaltäre sind als Gegenstücke aufgebaut. Zur Linken der Marienaltar: in der Mitte die Gottesmutter, darunter im Relief eine Darstellung der Heiligen Familie, flankiert von den Statuen der hl. Katharina und der hl. Barbara, darüber die hl. Anna und der hl. Joachim. Zur Rechten der Herz-Jesu-Altar: in der Mitte die Statue mit dem Herzen Jesu, darunter im Relief die Übergabe des Rosenkranzes a den hl. Dominikus, daneben die Statue des hl. Josef und des hl. Florian, darüber der hl. Antonius und der hl. Aloisius. Auf Höhe der Leuchterbank ist bei geöffneten Flügeln eine Weihnachtskrippe zu sehen. An der Kanzelbrüstung sind symbolische Darstellungen der drei göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz), Hoffnung (Anker) und Liebe (Herz) angebracht. Am Schalldeckel der Kanzel Statuen von Jesus und den vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes). Der Volksaltar und der Ambo, beide Granit, wurden von Jakob Kopp aus Linz anlässlich der Kirchenrenovierung und Altarraumgestaltung 1981 geschaffen. Sie fügen sich wohltuend in den Raum ein. Die Südseite des Presbyteriums schmückt ein großes, barockes Kreuz. Es hing bis 1981 über dem Triumphbogen und wurde von Jakob Kopp restauriert. Über der Türe zum Beichtraum hängt eine barocke Wappenkartusche von Siard Dengler (1763-1797), Abt von Schlägl. Die Brüstung der Westempore ziert eine reizvolle Immaculatastatue mit Rokkoko-Baldachin. Dieses Werk ist ein wertvolles Denkmal der barocken Kircheneinrichtung. In der Mitte der Nordwand hängt das ehemalige barocke Hochaltarbild mit der Darstellung des hl. Nikolaus. Es ist das Werk eines unbekannten Meisters aus Budweis aus dem Jahre 1696. Die Gestalt des Heiligen und einige Szenen aus seinen Legenden zeigen ihn als Nothelfer in verschiedenen Anliegen. Die Orgel auf der Westempore wurde vom Linzer Orgelbauermeister Bruno Riedl 1973 gebaut. Sie besitzt 24 Register, wobei zwei als spanische Trompeten horizontal gelagert sind. Die Verglasung der einfachen, gotischen Maßwerkfenster geschah durch die Glasmalerei Penner und Schürer in Linz (1896).
www.dioezese-linz.at/Haslach
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Pfarrkirche Haslach"
Aus dem Kirchenführer der Pfarre Haslach
Herausgeber: Röm.kath Pfarramt Haslach.
Text und Gestaltung: Roswitha Leitner und Benedikt Pendlmayr.
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