Heiliges Kreuz
Gedenktag: 3. Mai (Kreuzauffindung)
Heiliges Kreuz - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Piero della Francesca: Auffindung und Prüfung des wahren Kreuzes, um 1460,
in der Chiesa San Francesco in Arezzo (linker Bildausschnitt).
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Die Reliquie des Kreuzes Christi, auch Heiliges Kreuz genannt, ist nach Auffassung der römisch-katholischen Kirche das Kreuz, an dem Jesus Christus den Opfertod starb. Die Zahl der Kreuzreliquien ist groß; bereits in der Spätantike nahmen verschiedene Orte für sich in Anspruch, das „wahre Kreuz Christi“ zu besitzen, wobei die Echtheit dieser Reliquien bereits damals umstritten war. Festtag des Hl. Kreuzes sind Kreuzerhöhung (lateinisch Exaltatio Sanctae Crucis, der 14. September, in manchen Konfessionen auch andere Tage) und Kreuzprozession (am 1. August, orth.), und ein paar andere bewegliche Feste sowie Karfreitag (Kreuzigung des Herrn), Festtag der Reliquien selbst aber Kreuzauffindung 3. Mai kath..
Geschichte des Heiligen Kreuzes
Heiliges Kreuz - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Piero della Francesca: Auffindung und Prüfung des wahren Kreuzes, um 1460,
in der Chiesa San Francesco in Arezzo (rechter Bildausschnitt).
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Der Überlieferung nach ließ Helena, die Mutter von Konstantin dem Großen, im Heiligen Land nach Gegenständen suchen, die mit dem Leiden und Sterben Christi in direktem Zusammenhang standen. Neben dem Heiligen Kreuz sollen auch die Nägel und das Heilige Grab wiedergefunden worden sein.
Jahr 325:
Die in verschiedenen Quellen des 4. Jahrhunderts berichtete Auffindung des Kreuzes Christi und seiner Grabeshöhle durch Kaisermutter Helena war Anlass zum Bau der Grabeskirche in Jerusalem. Ein Teil des Kreuzes wurde in die Palastkapelle Helenas, Santa Croce in Gerusalemme, nach Rom gebracht, ein anderer Teil zu ihrem Sohn nach Konstantinopel. Ein weiterer Teil blieb in Jerusalem, wo die Pilgerin Egeria im Jahre 383 berichtet:

 „In Jerusalem wird ein vergoldetes Kästchen gezeigt, in dem sich ein Teil des Heiligen Kreuzes befindet; es wird geöffnet, das Kreuzholz herausgehoben und zusammen mit der Kreuzinschrift auf den Tisch gelegt.“
Jahr 614, 22. Mai:
 Der Sassanidengeneral Shahrbaraz eroberte Jerusalem und überführte die Reliquien nach Ktesiphon, wo sie von der christlichen „Königin der Königinnen“, Schirin, in Empfang genommen wurden.
Jahr 628:
Der Sassanidenkönig Chosrau II. unterlag dem oströmischen Kaiser Herakleios. Durch seinen Tod entstanden Machtkämpfe um den Thron. Die Tochter Chosraus II., Boran, schloss mit Ostrom einen Friedensvertrag ab und veranlasste die Rückgabe der Reliquien.
Jahr 630, 21. März:
feierliche Wiederausstellung des Teilstücks des „Heiligen Kreuzes“ in Jerusalem.
Jahr 638:
Eroberung von Jerusalem durch die Muslime. Die byzantinischen Kreuzteile sind seit dieser Zeit verschollen – angebliche Splitter tauchen später in Kreuzfahrerkreisen auf. Anderen Versionen zufolge wurden sie vor den Muslimen nach Konstantinopel in Sicherheit gebracht oder verblieben in Jerusalem.
Jahr 1099:
Jerusalem wurde erobert, und die Kreuzfahrer stießen bei ihrer Suche nach dem „wahren Kreuz“ auf einen syrischen Christen, dessen Familie das Kreuz hütete. Da er sich weigerte, es herauszugeben, trieb man ihm brennende Pinienspäne unter die Nägel und brach ihm Knochen, bis er das Versteck preisgab. Seither wurde das Kreuz bei allen wichtigen Feldzügen und Schlachten gegen die Sarazenen bis zur Schlacht bei Hattin 1187 mitgeführt.
Jahr 1187:
nach Aussage mittelalterlicher Quellen geriet das Heilige Kreuz – also vermutlich jenes, das 628 nach Jerusalem zurückgebracht worden war – bei der Schlacht bei Hattin in die Hände der muslimischen Ayyubiden und ist seither verschollen.
Jahr 1204:
Eroberung von Konstantinopel. Hunderte kleinste Holzteile, die vom dort angeblich zerteilten Kreuz stammen sollen, wurden von Kreuzrittern nach Europa gebracht. Die Kölner Königschronik, die Chronica regia Coloniensis, meldete zum Jahre 1204: Nach der Eroberung der Stadt wurden unschätzbare Reichtümer gefunden, unvergleichlich kostbare Edelsteine und auch ein Teil des Kreuzes des Herrn, das, von Helena aus Jerusalem überführt und mit Gold und kostbaren Edelsteinen geschmückt, dort höchste Verehrung erfuhr. Es wurde von den anwesenden Bischöfen zerteilt und mit anderen sehr kostbaren Reliquien unter den Rittern aufgeteilt; später, nach deren Rückkehr in die Heimat, wurde es Kirchen und Klöstern gestiftet.
Heiliges Kreuz - © www.stift-heiligenkreuz.org Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kreuzreliquie von 1182
des Klosters Heiligenkreuz im
Wienerwald, Niederösterreich.
© www.stift-heiligenkreuz.org
Kreuzpartikel in der Wiener
Schatzkammer, SK Inv.-Nr. XIII 21;
Teil der Reichskleinodien.
Quelle: Wikimedia Commons
Als Markgraf Leopold III. im Jahr 1133 das Kloster im Sattelbachtal stiftete, schenkte er den Mönchen aus Morimond eine Reliquie des Kreuzes. Daher nannte er die Neugründung „Kloster Unserer Lieben Frau zum Heiligen Kreuz“, kurz Heiligenkreuz. Die erste, kleine Reliquie wurde am 1. Jänner 1649 bei einem Einbruch in die damalige Kreuzkapelle über dem Karner gestohlen und ist seither verschwunden. Im Jahre 1182 brachte Herzog Leopold V. mit dem Beinamen „der Tugendhafte“ aus Jerusalem ein handgroßes Stück des heiligen Kreuzes mit. Am 31. Mai 1188 vermachte er diese Reliquie in einer feierlichen Schenkung im Taiding von Mautern seinem Lieblingskloster Heiligenkreuz. Leopold V. liegt im Heiligenkreuzer Kapitelsaal begraben und wird auf einem Glasfenster im Brunnenhaus dargestellt. Diese große Reliquie ist bis heute erhalten. Das Holz dieser Kreuzreliquie ist braunrot und in Form eines Doppelkreuzes mit zwei Querbalken zusammengestellt. Der Längsbalken, der aus 5 Einzelstücken zusammengesetzt ist, ist 23,5 cm lang, 1,7 cm breit und 1,0 cm dick. Der obere Querbalken ist 6,2 cm, der untere 10,7 cm lang. Es ist die eindrucksvollste Kreuzreliquie nördlich der Alpen. Auf die schon im Mittelalter einsetzende Verehrung des heiligen Kreuzes weisen neben vielen Dokumenten auch die päpstlichen Ablassbriefe hin, die nicht unwesentlich zum Anwachsen der Wallfahrerströme nach Heiligenkreuz im Wienerwald beitrugen. In der Barockzeit förderte besonders Abt Robert Leeb (1728-1755) die Verehrung des Kreuzes, von ihm ist noch heute die kostbare große Rokokofassung erhalten, in der die Reliquie zu feierlichen Anlässen ausgestellt wird. Abt Robert gründete eine Bruderschaft zu Ehren des Heiligen Kreuzes und ließ auch die barocken Kreuzwegstationen errichten. Unter Abt Robert wurde erstmals das Kreuzerhöhungsfest am 14. September unter zahlreichem Zustrom von Gläubigen auf feierliche Weise begangen. Jeden Freitag ließ er in der Kalvarienkapelle des Kreuzweges eine Heilige Messe feiern.

Eine Kreuzpartikel wurde im unteren Schaft des Reichskreuzes aufbewahrt und ist ein Teil der Reichskleinodien. Sie befindet sich heute in der Wiener Schatzkammer in der Hofburg (SK Inv.-Nr. XIII 21).
Heiliges Kreuz - © www.msc-donauwoerth.de Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kreuzpartikel der Wallfahrtkirche
Hl. Kreuz in Donauwörth;
Herz-Jesu-Missionare.
© www.msc-donauwoerth.de
Kreuzpartikelmonstranz aus dem
Klosterschatz der ehemaligen
Prämonstratenserabtei Rüti.
Quelle: Wikimedia Commons
Seit 1029 befindet sich auch in Donauwörth eine der heiligsten Reliquien der Christenheit, ein Splitter des Heiligen Kreuzes. Die päpstliche Urkunde des Jahres 1049 bestätigt, dass der Klostergründer Mangold I. von Werd diese Kreuzpartikel direkt aus den Händen des byzantinischen Kaisers erhielt, der in Konstantinopel über das von Kaiserin Helena gefundene heilige Kreuz wachte.
Kreuzinschrift
Heiliges Kreuz - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Kreuzesreliquie in der Kirche S. Croce in Gerusalemme in Rom.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
INRI, I.N.R.I bzw. I. N. R. I. sind die Initialen für den lateinischen Satz Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum (auch: J. N. R. J. und Jesus Nazarenus Rex Judaeorum) – „Jesus von Nazaret, König der Juden“. Dieser Satz stand nach Joh 19,19f EU in drei Sprachen (Hebräisch, Lateinisch, Griechisch) auf einer Tafel, die der römische Statthalter Pontius Pilatus oben am Kreuz Jesu anbringen ließ, um den Rechtsgrund seiner Kreuzigung anzugeben. Sie wird daher auch Kreuzestitel (Titulus crucis) genannt. Nach den übrigen Evangelien (Mk 15,26 EU; Mt 27,37 EU; Lk 23,38 EU) lautete die Tafelinschrift nur „der König der Juden“.

Die öffentliche Bekanntgabe der Schuld eines Hingerichteten entsprach damaligem römischem Brauch. Da die Römer jüdischen Vasallenherrschern das Tragen des Königstitels seit 4 v. Chr. verboten hatten und der Ausdruck „König der Juden“ im Neuen Testament nur in Aussagen von Nichtjuden auftaucht, gilt der Titel als historischer Anhaltspunkt für einen möglichen Messiasanspruch Jesu. Der Titulus, also die Inschrift, die über dem Kreuz angebracht wurde ist eine Christusreliquie. Als Christusreliquie oder Herrenreliquie bezeichnet man Reliquien, Gegenstände, die mit dem Leib oder Blut Jesu Christi in Berührung gekommen sind. Diese Reliquien stehen bei vielen katholischen und orthodoxen Christen in hoher Verehrung.
Heiliges Kreuz - Quelle: www.abbe-carmignac.org
Rekonstruktion der Kreuzesinschrift.
Quelle: www.abbe-carmignac.org
Als wichtigste Christusreliquie kann das Holzkreuz Jesu gelten, an dem Jesus Christus starb.  Dort ist „Jesus von Nazareth König der Juden“ in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache zu lesen: INRI. Auch diese Tafel wurde in der Zisterne zusammen mit dem Kreuz Jesu aufgefunden. Die Auffindung des Kreuzes, des leeren Grabes und der Hinrichtungsstätte Golgotha mit den Löchern, in die die Kreuze gestellt waren, durch Kaisermutter Helena war Anlass zum Bau der Grabeskirche in Jerusalem. Etwa zwei Drittel des Kreuzes wurden in die Palastkapelle der heiligen Helena Santa Croce in Gerusalemme nach Rom und später zu ihrem Sohn Konstantin nach Konstantinopel gebracht. Ein Drittel dieser Kreuzreliquie verblieb wahrscheinlich in Jerusalem, wo sie alljährlich beim Hochfest Kreuzerhöhung dem Volk gezeigt wurde. Die Abkürzung geht auf den Text von Joh 19,19 in der lateinischen Vulgata zurück, die sich in der römisch-katholischen Kirche durchsetzte (Joh 19,19 VUL). In den ältesten griechischen Handschriften des Johannesevangeliums lautet der Satz:
Ἰησοῦς ὁ Ναζωραῖος ὁ βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων
(„Jesus, der Nazoräer, der König der Juden“)
Einer kirchlichen Überlieferung nach wurde das Heilige Kreuz im Jahr 325 von Flavia Iulia Helena Augusta, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, zusammen mit drei Nägeln von der Kreuzigung und der Kreuzesinschrift in Jerusalem entdeckt und der größte Teil des Fundes nach Rom in ihren Palast gebracht. Helena vermachte diesen Palast mit dem Namen „Sessorianum“ später der Kirche, so dass daraus die Basilika Santa Croce in Gerusalemme wurde. Dort soll bei Umbauarbeiten 1492 die Reliquie mit der Hälfte der Inschrift und dem Siegel von Papst Lucius II. wiederentdeckt worden sein. Seitdem wurde sie als Originaltitel des Kreuzes Jesu gezeigt. Am 29. Juli 1496 erklärte Papst Alexander VI. sie mit der Bulle Admirabile Sacramentum für echt.
Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Holztafel mit Kreuzesinschrift.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Holztafel besteht aus Nussholz, ist 687 Gramm schwer, 25 Zentimeter lang, 14 Zentimeter breit und 2,6 Zentimeter dick. Sie ist mit drei Zeilen beschrieben. Die erste Zeile enthält sechs nur teilweise erhaltene hebräische Buchstaben. Besser erhalten sind die zweite und dritte Zeile mit der griechischen und lateinischen Inschrift, deren lesbare Wörter lauten:
ΝΑΖΑΡΕΝΥΣ Β
US NAZARENUS RE
Diese beiden Zeilen sind untypischerweise von rechts nach links geschrieben wie das Hebräische oder Aramäische. Am 25. April 1995 fotografierte und wog die Kirchengeschichtlerin Maria-Luisa Rigato von der Gregoriana-Universität in Rom die Tafel. Sie identifizierte die Buchstaben der ersten Zeile als aramäisch ‏ישו נצר מ מ‎ (Jeschu nazara m m), wobei die Abkürzung m m für malkekem stehe: „Jesus Nazara euer König“. Sie hält die Tafel für eine originalgetreue Kopie des ursprünglichen Kreuzestitels. Dieser sei tatsächlich von einem jüdischen Lohnschreiber im Auftrag des Pilatus verfasst worden und somit das erste Stück Literatur über Jesus. Das Holz ist von Insekten und Pilzen zerfressen. 1998 untersuchte Michael Hesemann den Gegenstand und datierte den Schrifttyp der Inschrift in das 1. Jahrhundert. Er stellte seine Ergebnisse in einer Privataudienz auch Papst Johannes Paul II. vor.
Heiliger Nagel
Die Heiligen Nägel gehören zu den bedeutenden Christusreliquien der Katholischen Kirche. Mit diesen Nägeln soll Jesus Christus an das Kreuz geschlagen worden sein. Die Heiligen Nägel stehen im direkten Bezug zum Leiden und Blut Christi und genießen aus diesem Grunde eine besondere Verehrung.

Der Legende nach wurde Jesus Christus mit den Heiligen Nägeln an das Kreuz geschlagen. Nach der Kreuzabnahme sollen die Nägel zusammen mit dem Kreuz vergraben worden sein. Die Auffindung der Heiligen Nägel ist durch Aufzeichnungen Bischofs Gelasius von Caesarea und Rufinus von Aquileia überliefert. Demnach ließ Helena, die Mutter von Konstantin dem Großen, im Heiligen Land nach Gegenständen suchen, die mit dem Leiden und Sterben Christi in direktem Zusammenhang standen. Zusammen mit dem Heiligen Kreuz sollen auch die Nägel im Jahre 325 gefunden worden sein und durch ein Lichtwunder im Beisein Helenas und des historisch nicht nachweisbaren Bischofs Judas Cyriacus von Jerusalem identifiziert worden sein. Helena sandte die Nägel zusammen mit einem Teil des Kreuzes an ihren Sohn Konstantin den Großen. Einen der Nägel ließ er in seine Eiserne Krone einarbeiten, die übrigen in die Zügel seines Zaumzeugs. Später gingen die Heiligen Nägel durch Schenkungen an andere Besitzer über. Insgesamt erheben 29 bis 34 Stätten Anspruch auf den Besitz Heiliger Nägel. Ein Teil dieser Nägel könnte von der Holzkonstruktion des Kreuzes selbst stammen, wie der Fußbank, dem Sitzpflock, oder dem Titulus crucis INRI-Tafel. Die Echtheit der Heiligen Nägel ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Nach de Lorenzi besteht bei den Heiligen Nägeln von Rom und Trier die größte Wahrscheinlichkeit ihrer Echtheit.
Heiliger Nagel © www.irene-kohlberger.at
Heiliger Nagel; Der Nagel mit einer Länge von Länge:21,4 cm
wird im Domschatzmuseum zu Trier ausgestellt.
© www.irene-kohlberger.at
Reliquien der Heiligen Nägel finden sich heute an verschiedenen Orten:

Der Legende nach besitzt der Trierer Dom seit dem 4. Jahrhundert einen von Kaiserin Helena geschenkten Heiligen Nagel. Erzbischof Egbert von Trier (977-933) ließ von einem Goldschmied ein prunkvolles Reliquiar anfertigen, das den Nagel passgenau aufnahm. Der Reliquienbehälter ist allseitig mit Edelsteinen und Emailleplatten verziert. Die äußere Gestalt des Reliquiars gibt die Form des Nagels wieder und gilt somit als sprechendes Reliquiar, das dem des Lesens unkundigen Betrachter Auskunft über seinen Inhalt gibt. Das Reliquiar hat einen aufklappbaren Deckel, der es ermöglicht, die Reliquie zu berühren oder den Gläubigen zu zeigen. Die Reliquie wurde im Andreas-Tragaltar aufbewahrt und bei Prozessionen mitgeführt und bei Heiltumsweisungen gezeigt, wo sie mehrfach Blinde geheilt haben soll. Zudem wurde die Reliquie des Heiligen Nagels bei Eidelsleistungen verwendet.
Die Bamberger Nagel-Reliquie wird in der sogenannten Nagelkapelle im Bamberger Dom aufbewahrt. Wie der Nagel nach Bamberg kam ist nicht überliefert. Die Reliquie wird erstmals 1260 in einer Rechnung erwähnt und befindet sich seither nachweislich im Bamberger Domschatz. Der Nagel hat eine Länge von etwa 11 cm, Kopf und Spitze sind abgebrochen. Im Jahr 1652 soll ein blind geborener Bauer nach der Berührung des heiligen Nagels sehend geworden sein.
Unter der Gewölbespitze des Mailänder Doms wird in einem eigenen Tabernakel ein heiliger Kreuznagel aufbewahrt, der einmal jährlich zur Anbetung hervorgeholt wird.
In der römischen Pilgerkirche Santa Croce in Gerusalemme befinden sich ein Heiliger Nagel neben kleinen Teilen des Kreuzes Christi, dem Kreuztitulus und weiteren Christusreliquien. Der Nagel hat einen vierkantigen, mäßig dicken Schaft, der sich zur Spitze hin verjüngt. Die Spitze ist abgebrochen und der Nagel hat eine Länge von etwa 12 cm, mit Spitze wären es etwa 16 cm. Der Kopf ist stark gewölbt. Dieser gleicht dem Nagel aus dem Trierer Dom am ehesten.
Nach der Abschrift einer Urkunde soll der Nagel der Schatzkammer von Wien von König Konrad III. an Papst Innozenz II. übergeben worden sein. Die erste sichere Erwähnung der Wiener Nagel-Reliquie erfolgte in einem Reisebericht des sächsischen Gesandten Johann Sebastian Müller aus dem Jahre 1260. Lange Zeit galt, dass der in der Heiligen Lanze aus den Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reichs eingearbeitete Nagel vom Kreuz Christi stammte, jedoch enthält die Lanze möglicherweise nur einen kleinen Partikel aus einem dieser Nägel. Die Reliquie wird in der Schatzkammer zu Wien aufbewahrt.
Flavia Iulia Helena
Heiliges Kreuz - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Helena mit dem Kreuz, Cima da Conegliano 1495, National Gallery of Art, Washington.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Flavia Iulia Helena (* 248/250 in Drepanon, heute Karamürsel, in Bithynien; † vermutlich am 18. August um 330 in Nikomedia, heute Izmit), auch Helena von Konstantinopel, war die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, von dem sie zur Augusta ernannt wurde. In der katholischen und der orthodoxen Kirche wird sie als Heilige verehrt. Nach der Legende veranlasste Helena Grabungen, bei denen unter anderem Reste des Kreuzes Christi sowie der Ort des Heiligen Grabes gefunden wurden. Helena ließ die aufgefundenen Reste des Kreuzes Christi in drei Teile teilen. Ein Drittel des Kreuzes blieb in Jerusalem, ein Drittel nahm die Kaisermutter mit nach Rom, und ein Drittel sandte sie ihrem Sohn nach Konstantinopel.
Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Auffindung des wahren Kreuzes
Illustration.
Biblioteca Capitolare, Vercelli, 825.
Die Auffindung des wahren Kreuzes
 Jan van Eyck, 1422-24.
Turin-Mailänder Gebetbuch
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ob die heute bekannten Reliquien tatsächlich zum Kreuz Jesu gehörten oder auch nur echt in dem Sinne sind, dass sie überhaupt aus der Zeit um 33 n. Chr. stammen, ist umstritten. Über dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle ließen Helena und ihr Sohn Konstantin eine Basilika errichten, die sogenannte Grabeskirche. Auch die Geburtskirche in Betlehem und die später zerstörte Eleona- (also Helena-)Basilika auf dem Ölberg gehen auf Helena zurück. Zudem ist sie auch Stifterin vieler anderer Kirchenbauten in und um Jerusalem sowie an anderen Orten.
Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auffindung des Heiligen Kreuzes
durch Kaiserin Helena in Jerusalem.
Caula, Sigismondo; 1637-1724.
Gemälde der heiligen Helena
von Lucas Cranach dem Älteren,
1472 - 1553; Cincinnati Art Museum.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Helena werden zudem die Auffindung und Mitnahme der Reliquien der Heiligen Drei Könige zugeschrieben. Zunächst waren die Reliquien im Familienbesitz und wurden später an Bischof Eustorgius verschenkt. Sie kamen schließlich nach Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Kölner Dom verbracht wurden. Die erhaltenen Gewebe zeigen große Ähnlichkeit mit Vergleichsstücken aus Syrien zur Zeitenwende.
Kreuzauffindung
Heiliges Kreuz - Quelle: www.stadtbild-deutschland.org / Markus
Kreuzesprobe durch die Kaiserin Helena, Deckengemälde von C.T. Schäffler,
Langhaus der Malteserkirche Hl. Kreuz (ehem. Jesuitenkirche), Landsberg / Lech.
Quelle: www.stadtbild-deutschland.org / Markus
Kreuzauffindung ist der Name eines am 6. März bzw. 7. Mai im orthodoxen liturgischen Kalender und früher am 3. Mai im katholischen liturgischen Kalender gefeierten Festes. Im Zuge der Neuordnung des liturgischen Kalenders durch das Motu Proprio Rubricarum Instructum des heiligen Papstes Johannes XXIII. wird das Fest Kreuzauffindung, ab dem früher der Wettersegen gespendet wurde, in der katholischen Kirche (außer teilweise in der außerordentlichen Form des römischen Ritus) nicht mehr begangen. Die Legende der Kreuzauffindung ist in drei unterschiedlichen Versionen überliefert. Die ursprüngliche Version ist die Helena-Legende, deren Existenz seit den 390er Jahren belegt ist. Demnach reiste Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin ins Heilige Land. Das Kreuz Christi wurde um das Jahr 325 nach Hinweisen des Bischofs bei auf Weisung der Kaiserin hin durchgeführten Grabungsarbeiten unter einem heidnischen Tempel gefunden. Von den drei Kreuzen wurde das Kreuz Jesu nach dem Bericht des Ambrosius von Mailand durch den Titulus identifiziert, nach mittelalterlichen Legenden durch eine Totenerweckung bei Berührung des Kreuzes. Einen Teil der Kreuzreliquien nahm die hl. Helena nach diesen Berichten mit nach Konstantinopel, der Rest soll in Jerusalem verblieben sein
Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Ausgrabung des Kreuzes durch Kaiserin Helena.
Hausaltar der Kreuzlegende; Adam Elsheimer 1578 - 1610.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Weitere geschichtliche Hintergründe sind auch unter Kreuzerhöhung zu finden. Hiervon abgeleitet sind die Protonike-Legende und die Legende um einen Märtyrer namens Judas Cyriacus. In der Legende des Judas Cyriacus findet nicht Helena, sondern der Jude Judas das Kreuz. Nach der Entdeckung konvertiert er zum Christentum, gibt sich den christlichen Beinamen Cyriacus und wird später Bischof von Jerusalem. Im Mittelalter war diese Version sehr beliebt, denn sie besitzt einen explizit antijüdischen Unterton. Von beiden Versionen weicht die Protonike-Legende deutlich ab, denn in ihr wird das Geschehen vom 4. in das 1. Jahrhundert vorverlegt. Hauptfigur ist diesmal Protonike, eine dem römischen Kaiser Claudius angedichtete Gattin. Der Name Protonike bedeutet „erster Sieg“ und steht für den Sieg des Christentums über die Heiden und besonders über die Juden. Protonike reist mit ihren beiden Söhnen und einer jungfräulichen Tochter nach Jerusalem, wo sie den Berg Golgota und das Kreuz Jesu zu sehen wünscht. Das Jerusalemer Kirchenoberhaupt erklärt ihr, der Golgota befinde sich in jüdischem Besitz, die Juden würden sie als Christen unterdrücken und ihnen den Zugang nicht gestatten. Protonike befiehlt den Oberen der Juden, den Golgota an die Christen zu übergeben. Als dies getan ist, geht Protonike dorthin und findet in Jesu Grab drei Kreuze. Beim Betreten der Grabstätte fällt die jungfräuliche Tochter sofort tot um. Daraufhin sagt ihr ältester Sohn, dass es Christus nicht zulassen würde, dass jemand, der an ihn glaubt, seinetwegen stirbt.
Heiliges Kreuz - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auffindung des Kreuzes Christi durch die hl. Helena (Mitte), Judas Cyriacus knieend.
Darstellung: Geschichte des Judas Cyriacus (Saint Quiriace), des Patrons der Kirche.
Bleiglasfenster der Kapelle Saint-Quiriace in der Stiftskirche Saint-Quiriace in Provins,
einer Gemeinde im Département Seine-et-Marne (Île-de-France).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / GFreihalter
Also nimmt Protonike eines der Kreuze, legt es auf den toten Körper des Mädchens und betet. Als dies ohne Wirkung bleibt, versucht sie dasselbe erfolglos mit dem zweiten Kreuz. Erst als sie das dritte Kreuz nimmt und über ihre tote Tochter hält, kehrt diese augenblicklich ins Leben zurück. Damit ist das Kreuz Christi identifiziert. Protonike lässt eine Kirche über dem Ort erbauen und kehrt nach Rom zurück. Dort erzählt sie Claudius von den Ereignissen, worauf der Kaiser alle Juden auffordert, Italien zu verlassen. Die Protonike-Legende ist nur in syrischer und später in armenischer Sprache überliefert, von den beiden anderen sind Fassungen auf Latein, Griechisch und Aramäisch bekannt. Zu einer späteren Zeit, möglicherweise im 5. Jahrhundert, wurde die Protonike-Legende in die Doctrina Addai integriert. Dies ist die Gründungslegende von Edessa (heute Şanlıurfa), mit welcher die Stadt zu einem der bedeutendsten christlichen Zentren erklärt werden sollte. Die älteste erhaltene Textfassung von der Auffindung des Kreuzes Christi ist die Trauerrede des Bischofs Ambrosius von Mailand auf den römischen Kaiser Theodosius I. im Jahr 395. Eine um 390 von Bischof Gelasius von Caesarea († 395) in griechischer Sprache niedergeschriebene Version ging verloren. Von ihr fertigte Rufinus von Aquileia Anfang des 5. Jahrhunderts eine lateinische Übersetzung, die er in seine Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica) aufnahm. Dieser Text von Rufinus bildet den Ausgangspunkt für die weitere Überlieferung der Helena-Legende in lateinischer und griechischer Sprache.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Heiliges_Kreuz" der
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