Hexenverfolgung
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Inquisition - Hexenverbrennung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hexenverfolgungen fanden in Mitteleuropa vor allem während der Frühen Neuzeit statt und sind aus globaler Perspektive bis in die Gegenwart verbreitet.

Grundlage für die gegenüber dem Mittelalter deutlich verstärkte massenhafte Verfolgung in einigen Regionen war ein anderer Umgang mit Magie. Das Hexenbild des späten Mittelalters sowie das der frühen Neuzeit war eine Konstruktion von Intellektuellen, die volkstümliche Zaubereitraditionen und -merkmale mit der Lehre vom Teufelspakt verband und zusammen mit den Straftatbeständen der Apostasie und der Häresie als „Superverbrechen“ verfolgte. Hexenprozesse waren keine notwendige Folge eines magischen Weltbildes, das lange zuvor den Glauben an den Teufelszauber der Hexen ebenso umfasste wie tatsächlich geübte Volksmagie. Erst als einzelne Aspekte des Magieglaubens in das Strafrecht der frühmodernen Staaten übertragen wurden, kam es zur massenhaften Verfolgung. Ein Interesse an der Verfolgung von Hexen beziehungsweise Deutungsmuster, die persönliches Unglück wie regionale Missernten und Krisen auf Magie zurückführten, war in breiten Bevölkerungskreisen vorhanden. Hexenverfolgungen wurden teilweise aktiv wie auch gegen den Willen der Obrigkeit eingefordert und praktiziert. Frauen stellten in Mitteleuropa die Mehrzahl der Opfer wie auch der Denunzianten von Hexerei und Hexen. In Nordeuropa waren Männer stärker betroffen. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Konfessionszugehörigkeit und Hexenverfolgung liegt nicht vor.
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Probe des glühenden Eisens. Bei dieser Form des Ordals musste ein glühendes
Eisen angefasst und ein Stück weit getragen werden. Ausschnitt aus einer Seite des
Rituale in der Stiftsbibliothek Lambach. Cml LXXIII. f. 64v, 72r (Ende des 12. Jahrhunderts).
Aus: Peter Dinzelbacher — Das fremde Mittelalter. Essen: Magnus Verlag 2006.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Obwohl die juristische Verwendung des Begriffs „Hexe“ erst Anfang des 15. Jahrhunderts eingeführt wurde, ist der Glaube an Zauberer bereits in den alten Hochkulturen nachzuweisen. Magische Praktiken wurden sorgfältig beobachtet und oft als Schwarze Magie gefürchtet. Sowohl in Babylonien (Codex Hammurapi: Wasserprobe) als auch im Alten Ägypten wurden Zauberer bestraft. Das Alte Testament verbietet Zauberei ((Lev 19,26 EU)) und fordert zur Verfolgung von Zauberern auf ((Ex 22,17 EU)). Hexen im Sinne der Frühen Neuzeit kennt die Bibel aber nicht. Nach dem Zwölftafelgesetz der Römer wurde negativer Zauber mit dem Tod bestraft (Tafel VIII). Allerdings kam es niemals zu einer gezielten Verfolgung von vermeintlichen Hexen wie später in der Frühen Neuzeit. Die alte Kirche war an Verfolgungen nicht beteiligt und lehnte die mit Hexerei verbundenen Ansichten und Praktiken als Aberglaube (Canon episcopi) ab. Die weit verbreitete Meinung, Hexenverfolgungen seien hauptsächlich eine Erscheinung des Mittelalters gewesen, ist ebenso falsch wie die Meinung, die großen Wellen neuzeitlicher Hexenverfolgung seien vorrangig von der kirchlichen Inquisition angestrebt oder ausgeführt worden. Die vorchristlichen Germanen kannten die Verbrennung von Schadenzauberern seit frühester Zeit. Im karolingischen Frühmittelalter gab es jedoch keine Hexenverfolgung. Die ersten Belege für den deutschen Begriff „Hexe“ finden sich, wie Oliver Landolt zeigen konnte, in den Frevelbüchern der Stadt Schaffhausen aus dem späten 14. Jahrhundert. In Luzern erscheint der Begriff erstmals zwischen 1402 und 1419.
Inquisition
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Flugblatt "Zauberey", Hexensabbath, Kupferstich, Radierung; 1626.
Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten.
Katalogband 1994, Michael Heer/Matthäus Merian d.Ä.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Erste Verurteilungen von Hexen gab es im 13. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Inquisition, wobei jedoch die Zielsetzung der Inquisition zu beachten ist: Zielten die in der Frühen Neuzeit dominierenden Hexenprozesse weltlicher Gerichte auf die Bestrafung vermeintlich Schuldiger ab, strebte die Inquisition die Umkehr und Rekonziliation der Beschuldigten an, was sich in der weniger häufigen Anwendung der Todesstrafe ausdrückte. Darüber hinaus war das Hauptaugenmerk der Inquisition nicht auf Hexen, sondern auf Häretiker gerichtet. Diese Priorität wird deutlich in der Anweisung Papst Alexanders IV. vom 20. Januar 1260 an die Inquisitoren, Hexen seien nicht aktiv zu verfolgen, sondern auf Anzeigen hin festzunehmen. Prozesse gegen Hexen sollten bei Zeitmangel zurückgestellt werden, die Bekämpfung von Häresien habe Vorrang. Die staatliche spanische Inquisition, gegründet im späten 15. Jahrhundert, lehnte Hexenverfolgung ausdrücklich ab. Die im 16. Jahrhundert folgende römische Inquisition schritt wiederholt gegen Hexenverfolgungen ein.
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hexentanzplatz in Trier (Flugblatt, 1594).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Hexenverfolgungen in Europa fanden überwiegend in der Frühen Neuzeit statt, von 1450 bis 1750. Ihre Höhepunkte erreichten sie zwischen 1550 und 1650 - in Österreich bis 1680. Am stärksten waren West- und Mitteleuropa betroffen.

Endeten Hexenprozesse im Mittelalter nur selten mit der Hinrichtung, stand auf Hexereidelikte in der frühen Neuzeit fast überall die Todesstrafe. Die Prozesse waren Ausdruck einer Massenhysterie und kamen vor allem aufgrund von Verdächtigungen und Denunziationen aus der Bevölkerung zustande: Man warf vermeintlichen Anhängern der sogenannten Hexenlehre Straftaten im Zusammenhang mit Zauberei vor. Bei den Prozessen handelte es sich nur zum Teil um Aktionen der Kirche oder der Inquisition gegen Häretiker. Vielmehr wurden die Verfahren in erster Linie von weltlichen Institutionen angestrengt und vor staatlichen Gerichten verhandelt.
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hexenverbrennung, 1555.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Michael Hochgeschwender hält insbesondere konfessionelle Gegensätzen für die Ursache des Hexenwahns. Er sieht die Verfolgungen, die zu Beginn der Neuzeit in Europa und später auch auf dem Gebiet der heutigen USA stattfanden, als gut vergleichbar an. Hier wie dort seien konfessionelle Konflikte auch genutzt worden, um Familien- und Vermögenskonflikte auszutragen oder Konkurrenten und unliebsame Außenseiter auszuschalten. Hexenverfolgungen seien geradezu typische Folgeerscheinungen konfessioneller Spaltungen. Anders als im konfessionell gespaltenen Mitteleuropa der Nach-Reformationszeit seien sie daher in Südeuropa kaum oder nur in gemäßigter Form aufgetreten.
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Autodafé auf der Plaza Mayor in Madrid (Gemälde von 1683).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
In Mitteleuropa kam es während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 vermehrt zu Hexenprozessen. Der Krieg hatte Felder verwüstet, Häuser zerstört und die Bevölkerung dezimiert; Seuchen im Gefolge des Krieges und Missernten im Zuge der sogenannten Kleinen Eiszeit, die allmählich ihrem Höhepunkt entgegenstrebte, forderten weitere Todesopfer. Viele Menschen Menschen sahen die Häufung von Katastrophen als Folge magischer Praktiken und denunzierten ihnen verdächtige Personen als Hexen. Bei den spätesten Verfolgungswellen im 17. Jahrhundert, etwa bei den Hexenprozessen von Salem in Massachusetts nahmen die Verfolger Beschuldigungen durch Kinder ernst, die einer Massenhysterie erlegen waren.

Den Prozessen im Heiligen Römischen Reich lag die peinliche Halsgerichtsordnung Karls V. zugrunde, die sich allerdings auf das Delikt des „Schadenzaubers“ beschränkte und vorsah, dass Hexerei mit einer Buße für den tatsächlichen Schaden zu bestrafen sei. Allerdings wurde der Gerichtsordnung des (katholischen) Kaisers in protestantischen Territorien nur unvollständig Folge geleistet. In protestantischen Regionen wurde diese Vorschrift verschärft, weil Hexerei einen Bund mit dem Teufel darstelle und somit immer des Todes würdig sei.
Inquisition © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
16.2.1566: Versammlung des Adels im Hôtel Cuylenburg in Brüssel zur
Unterzeichnung eines Protests gegen die Einführung der Inquisition
in den Spanischen Niederlanden.
Radierung (Mischtechnik) von Friedrich Oldermann nach einem Gemälde von
Edouard de Biefve, auf Grund einer Zeichnung von Charles Billoin.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ein wichtiges Element des Hexenprozesses war das Geständnis, welches auch durch Androhung oder Durchführung der Folter angestrebt wurde. Angeklagte sollten eingestehen und Reue zeigen sowie Mitverschwörer verraten. So zog ein Hexenprozess gegebenenfalls etliche andere nach sich. Es gibt Hinweise darauf, dass beispielsweise in deutschen Hexenprozessen des 17. Jahrhunderts gezielt Adlige in die Verfolgung einbezogen wurden in der vergeblichen Hoffnung, den Prozesswellen ein Ende zu machen.
Hexenverfolgung - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Darstellung des Inquisitionstribunals durch Francisco José de Goya y Lucientes (1746 - 1828).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Zwar versuchte die Halsgerichtsordnung die Folter streng zu reglementieren und verzichtete auf Gottesurteile. Der Beweis der Schuld galt nur bei einem Geständnis des Angeklagten als geführt, welches ohne Folter wiederholt werden musste. Dieser relative Fortschritt wurde jedoch in der Praxis oft konterkariert: Man griff auf den Hexenhammer zurück, der von „Unterbrechung“ und „Fortführung“ der Folter sprach, um eine ergebnislos abgebrochene Folter wieder aufnehmen zu können. Auch der Verzicht auf Gottesurteile wurde auf Seiten der Protestanten durch die sogenannten Hexenproben aufgehoben, am bekanntesten die Wasserprobe und der Kesselfang, die es auch noch als Gottesurteile gab, sowie als neue Elemente die Wiegeprobe, das Stechen von Muttermalen („Hexenmalen“), das Vorlesen lassen von Jesu Leidensweg etc.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Hexenverfolgung" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Urchristentum
Christenverfolgung  
Severin von Noricum  
Die Römer in Wien  
Mönchtum  
Ökumenisches Konzil  
Reichskirche  
Christenverfolgung  
Katholische Mission  
Orthodoxe Mission  
Morgenländisches Schisma  
Kreuzzüge  
Investiturstreit  
Hexenverfolgung  
Reformation  
Erste Türkenbelagerung Wien  
Konzil von Trient  
Seeschlacht von Lepanto  
Gegenreformation  
Zweite Türkenbelagerung Wien  
Erstes Vatikanische Konzil  
Lourdes  
Fátima  
Zweites Vatikanische Konzil  
Papstbesuche in Österreich  
Hauriets aquas  
Laudato si’  
Bibel und Archäologie:  
Qumranschriften
Turmbau zu Babel
Sintflut
Arche Noah
Sodom und Gomorrah
Moses - Schilfmeer
Die Bundeslade
Karmel Gebirge
Schweißtuch der Veronika
Grabeskirche
Turiner Grabtuch
Heiliges Kreuz
Christliche Symbole
   
 
Katholisches Fernsehen  
 
Granatapfel
Granatapfel
Das Magazin der
Barmherzigen Brüder
www.granatapfel.at
 
  www.gaube.at - Erhard Gaube
 
design by gaube