Geschichte der christlichen Ordensgemeinschaften
Stift Melk © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Melk - Stiftskirche: Ansicht von Süden, im Vordergrund der Ort mit Pfarrkriche.
Gestochen von Matthäus Merian I. 1626
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Während der Zeit der Christenverfolgung war die große Anziehungskraft des christlichen Glaubens unter anderem darin begründet, dass Menschen mit Unbedingtheit und Unbeirrbarkeit ihren Glauben vertraten – das Neue Testament nennt dies „Zeugnis ablegen“ –, selbst wenn sie dafür ihr Leben als Märtyrer oder Blutzeugen verloren. Dies beruhte auf der Naherwartung der Wiederkunft Christi. Man glaubte, dass das Jüngste Gericht innerhalb der ersten oder zweiten Generation nach Jesu Tod kommen werde und dass man sich dafür am besten durch kompromisslose Hingabe an das Gottesreich würdig erweisen konnte. Die Anhänger dieser Strömung suchten eine tiefere Gottesbegegnung und ihr persönliches Heil durch Enthaltsamkeit, Bußübungen, ständiges Gebet und Schweigen zu erlangen.

Bald führte das Bedürfnis, eine tiefere Gottverbundenheit und Spiritualität zu verwirklichen, zur Entwicklung des christlichen Eremitentums, dessen theologische Basis die alttestamentliche „Wüstentheologie“ ist; so bedeutet das Wort „Eremit“ wörtlich „Wüstenbewohner“. Der Begriff nimmt Bezug auf die innere Einkehr in der Wüste, die als Bild nicht nur für Stille und Zurückgezogenheit, sondern auch für den Gehorsam und die Anerkennung Gottes als Herrn steht, wie sie in der 40-jährigen Wanderung der Israeliten in der Wüste nach ihrem Auszug aus Ägypten sowie in den Berufungsgeschichten des Mose und vieler biblischer Propheten zum Ausdruck kommt. So berichten die Evangelien von einem 40-tägigen Aufenthalt Jesu in der Wüste als einem einschneidenden Moment der Entscheidung und Begegnung mit Gott. Das christlich-eremitische Leben entwickelte sich etwa zeitgleich in Syrien und Ägypten. Als erster christlicher Eremit in Ägypten gilt Paulus von Theben; sein Schüler Antonius der Große wurde zu einem der großen Wüstenväter.

Mönche und Nonnen – deren Lebensform sich aus Zusammenschlüssen von geweihten Jungfrauen entwickelt hatte –, die sich dem kontemplativen Leben in Gemeinschaft widmen, nennt man im Unterschied zu den Eremiten (Anachoreten) „Koinobiten“. Um 320 gründete Pachomios (um 292–346) in Oberägypten das erste christliche Kloster. Basilius von Caesarea verfasste um 350 in Anlehnung an Pachomios’ Engelsregel eine Mönchsregel, die heute noch für die Mehrzahl der Klöster der orthodoxen Kirche gilt und auch Grundlage für die von Benedikt von Nursia um 540 verfasste Benediktsregel war. Die Regeln der frühen Mönchsgemeinschaften zielten in der praktischen Verwirklichung des Evangeliums auf ein Gleichgewicht zwischen Gebet und tätiger Arbeit (ora et labora) ab und schrieben ein anspruchsloses, brüderliches gemeinsames Leben vor. Die Benediktiner sind heute noch der größte und bedeutendste Mönchsorden des Abendlandes, der dieses Ideal zu verwirklichen sucht.

Im frühen Mittelalter spielte die Iroschottische Kirche in Europa eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des christlichen Glaubens und des Ordenswesens. Als herausragende Mönche der frühen Zeit sind Patrick und Columban von Iona zu nennen.
Der heilige Severin christianisiert Vindobona - "Der heilige Severinus, aus Afrika kommend, christianisiert Vindobona zum zweiten Male. 454"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Blatt 17 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
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Auf dem europäischen Festland konnten sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter die kirchlichen Strukturen, durch die Wirren der Völkerwanderung, nur langsam entwickeln. Das gilt insbesondere für die zuvor römisch besetzten Gebiete.

Die Ordensgemeinschaften Irlands hatten entsprechend auch während der Völkerwanderung stabile und gefestigte Strukturen. Mönche hatten eine hohe gesellschaftliche Stellung inne, da sie von Adel und Bevölkerung als Vertreter des neuen Glaubens und zugleich als legitime Nachfolger der keltischen Druiden anerkannt wurden. Wissen der heidnischen Priesterschaft, beispielsweise über die Natur und das inselkeltische Recht der Brehons konnten so in die Klosterkultur integriert werden. Daraus resultierte eine gesellschaftlich und wirtschaftlich solide Basis, worauf die Klöster ihren Glauben entfalten und ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten ausbauen konnten. So erblühten die Klöster Irlands in der Spätantike und im Frühmittelalter. Die Klöster waren kulturelle und religiöse Zentren und legten großen Wert auf das Studium der Bibel. So bekam Irland über Jahrhunderte hinweg den Ruf als „Insel der Heiligen und Gelehrten“, weshalb fränkische Herrscher wie Karl der Große irische Gelehrte an ihren Hof holten. Die iroschottische Kirche wurde jahrhundertelang zentral von ihren Klöstern geprägt. Anders als in den römisch besetzten Gebieten Englands und des Festlands gab es in Irland keine Diözesen. Die Äbte ernannten vielmehr in ihrem Kirchensprengel den Bischof und waren ihm vorgesetzt, bisweilen übten sie auch beide Ämter aus.
Der heilige Rupert und seine Gefährten Gisselarius und Gunibald errichten auf dem Standort der heutigen Ruprechtskirche ein Bethaus. - "3te Christianisirung / Ano. 627. Der Schottische Heilige, Rupert, samt seinen Jüngern Giselarius und Cunibald; kommen aus Baiern, nach dem Nordgau errichten auf der Stätte, wo gegen wärtig deß Heiligen altes Gottes haus steht - ein hölzernes Betthäuslein, und predigen den ganz heidnischen Awaren, daß Wort deß ewigen Heils -"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen von Karl Ruß. Blatt 30 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
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Vor diesem Hintergrund war es möglich eine weitreichende Missionstätigkeit zu entwickeln, die immer eng an das Mönchstum geknüpft blieb und bereits im 7. Jahrhundert sehr erfolgreich war. Die Mönche missionierten zunächst in Schottland, wobei das Jahr 563 als Beginn gilt, als Columban auf der Insel Iona ein Kloster gründete. Sie weiteten die iro-schottische Mission danach auf das europäische Festland aus. 590 brach erstmals ein Mönch, Columban der Jüngere (†615), von den Inseln auf, um auf dem europäischen Festland zu missionieren. Er begann seine Missionstätigkeit auf fränkischem Gebiet, missionierte in Frankreich, Italien und der Schweiz und gründete drei Klöster: Luxeuil, Bregenz und Bobbio. Nachfolger Kolumbans war sein Schüler Eustasius (†629), der 615 Abt im Kloster Luxeuil wurde. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz waren Gallus (†645) und Kilian (†689) tätig. Infolge von Columbans Festlandsmission kam es im 7. Jahrhundert zu rund 300 Klosterneugründungen. Den iroschottischen Mönchen gelang es mit Hilfe des fränkischen Adels auch auf dem Lande erfolgreich zu missionieren und in ländlichen Gebieten Klöster zu gründen, während das Christentum zuvor vor allem in den Städten verbreitet war. Das iroschottische Mönchstum und die Regel Columbans wurden so in Europa weit verbreitet. Durch Beschluss des Konzils von Autun (um 670) wurde zwar versucht die Regula Benedicti für alle Orden verbindlich einzuführen, tatsächlich blieben aber beide Regeln bis 817 (Reform Benedikts von Aniane), vorwiegend in Mischform, verbreitet. Als letzter wichtiger Vertreter der iro-schottischen Mission gilt Virgil, der um 750 Bischof in Salzburg wurde. Iroschottische Klöster prägten somit durch ihre frühe Missionstätigkeit die Verbreitung des christlichen Glaubens und des Mönchtums in Europa nachhaltig.
Auf dem Weg nach Palästina beten Konrad III. und Herzog Heinrich II. mit Teilnehmern des Zweiten Kreuzzuges am Grab von Leopold III. - "1147 König Konrad der Staufer, der Helden Jüngling Barbarossa, Jasomirgott und sein gelehrter Bruder Otto von Freisingen, und ihr edler Feind Herzog Welf von Baiern, betten am Grabe, der herlichen Kaisersdochter und Gemahlin Agnes von Leopold deß Heiligen. Mit dem Kreutze bezeichnend, hinziehend nach Palestina. "
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen von Karl Ruß. Blatt 51 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
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Im Zuge der Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts gewann das so erneuerte Mönchtum (speziell Cluny und seine Tochtergründungen) entscheidenden kirchenpolitischen Einfluss und stellte eine Reihe von Päpsten. Später war es die von dem Cluniazensermönch und Prediger Bernhard von Clairvaux inspirierte Reformbewegung der Zisterzienser, die die benediktinische Lebensweise wieder zu ihrer alten Strenge zurückführen wollte. Durch vielfache Klostergründungen und Rodungen in bis dahin wenig besiedelten oder unzugänglichen Waldgebieten wurden besonders die Zisterzienser im 12. Jahrhundert zu einem Motor der siedlungsgeschichtlichen Dynamik in vielen Gebieten Europas.
Heinrich I. umgürtet Stephan den Heiligen in Gegenwart von Bischof Adalbert von Prag mit dem Schwert. - "998 Heinrich der erste, Sohn deß erlauchten Leopold deß Babenbergers, umgürtet den ungarischen Fürsten Sohn Stephan den heiligen daß Schwert in gegenwart deß heiligen Adalbert, der Böhmische Bischof und Märtirer war sein Taufpathe "
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen von Karl Ruß. Blatt 42 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
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Zur Betreuung der Pilger aller Religionen in Jerusalem entstand dort im 11. Jahrhundert ein Hospitalsorden, dessen Aktivitäten 1099 erstmals dokumentiert sind und der 1113 als Johanniterorden von der Kirche anerkannt wurde. Ihm folgten mehrere Ritterorden, zur Pflege der Pilger als Hauptaufgabe trat deren Schutz und die Verteidigung der Pilgerstätten im Heiligen Land.

Als Reaktion auf die sozialen Spannungen in der hochmittelalterlichen Gesellschaft, die von einer wachsenden Bedeutung der Städte und den Umbrüchen der entstehenden Geldwirtschaft geprägt war, kamen im 13. Jahrhundert die so genannten Bettelorden oder Mendikanten (vor allem Franziskaner und Dominikaner) auf. Ähnlich wie viele außerhalb der Kirche angesiedelte und von dieser als Häretiker bekämpfte Bewegungen, die den offensichtlichen Widerspruch zwischen dem Leben der reichen und mächtigen Kirchenfürsten und der von Jesus vorgelebten evangelischen Armut brandmarkten, stellten diese neuen Gemeinschaften die Armut und Bedürfnislosigkeit Jesu in den Mittelpunkt ihres Lebens, das sich nun nicht mehr in der Abgeschiedenheit der Klöster abspielte, sondern vornehmlich in den Städten und mitten unter der Bevölkerung.
Karl der Große zwingt die besiegten Awaren, den christlichen Glauben anzunehmen, und lässt die Peterskirche bauen. - "Karl der Große und sein Sohn Ludwig von Aquitanien zwingen die besiegten Awaren, die Taufe zu nehmen, Karl lässt zugleich die St. Peters-Kapelle bauen. 791."
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen von Karl Ruß. Blatt 31 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832.
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Die Predigt war die Hauptaufgabe der Brüder, die so in Konkurrenz zu den Vertretern häretischer Armutsbewegungen traten und diese durch überzeugendes Auftreten und eine vorbildhafte Lebensweise zu verdrängen suchten. Während sich die Dominikaner besonders der Erneuerung der Priesterausbildung, der theologischen Wissenschaft und der Katechese widmeten, stand bei den Franziskanern die Seelsorge und die konsequente Beachtung des Armutsideals im Vordergrund. Beide Gemeinschaften sind als kirchliche Antworten auf die damaligen akuten Gefährdungen der Kirche durch Zeitströmungen zu begreifen. Auch die Karmeliten (eigentlich ein Eremitenorden) und die Augustiner-Eremiten (Mitte des 13. Jahrhunderts aus norditalienischen Mendikantengruppen entstanden) gehören zu den Bettelorden.

Im 18. Jahrhundert führte die Aufklärung dazu, dass viele Fürsten, auch Kirchenfürsten, dem Ordensleben kritisch gegenüberstanden, sofern es nicht mit einer humanistischen oder sozialen Komponente verbunden war.

Nach der Säkularisation dagegen fand in der katholischen Kirche ein großer Neuaufbruch des Ordenslebens statt. Soziale Missstände wie mangelnde Krankenpflege, Volksbildung und Kinderfürsorge wurden aufgegriffen, indem Weltpriester an vielen Orten Frauengemeinschaften gründeten, die häufig die Drittordensregel des hl. Franz von Assisi oder die Regel der Vinzentinerinnen annahmen.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Ordensgemeinschaft" der
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