Heilige und Selige
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Heiligenskulpturen.
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Als Heiliger wird ein Mensch bezeichnet, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich angesehen wird. Die Anerkennung eines Heiligen kann religiösen oder politischen Autoritäten vorbehalten sein oder sich in der Akklamation und Verehrung durch das gläubige Volk vollziehen; eine wichtige Rolle kann dabei das Auftreten übernatürlicher Phänomene (Wunder) im Zusammenhang mit dem Heiligen spielen. Die darauf folgende – zumeist posthume – kultische Verehrung eines Heiligen bezeichnet man als Heiligenverehrung.

Im allgemeinen Sprachgebrauch verweisen die Begriffe des Heiligen und der Heiligenverehrung gemeinhin auf die entsprechenden christlichen Vorstellungen. Auch wenn die Begriffe eng mit der christlichen Volksreligiosität assoziiert werden, so sind doch beide Phänomene in anderen Weltreligionen ebenso zu finden.
Die christliche Theologie ist geprägt von einem Doppelkonzept von Heiligkeit: Das Heilige schlechthin ist Gott selbst, jedoch nicht im Sinne einer transzendenten Statik, also eines Zustandes in göttlichen Sphären ohne Auswirkung auf das Diesseits. Vielmehr wird Gottes Heiligkeit als immanente Dynamik verstanden, die alle irdischen Dinge für sich aussondern kann und damit Grund ihrer Heiligkeit ist. Im Neuen Testament wird diese Sicht modifiziert.
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Heiligendarstellung - Kirchenfenster.
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Nun ist es Jesus Christus, der in seiner einzigartigen Beziehung zum Vater durch seinen Tod und seine Auferstehung Heiligkeit in denen bewirkt, die ihm nachfolgen. Christliche Heiligkeit tritt in zwei Komponenten auf. Einerseits erwählt sich Gott sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ein „heiliges Volk“: Das Volk Israel und das so bezeichnete „neue heilige Volk“ der Kirche. Andererseits tritt auch immer das Konzept der individuellen Heiligkeit einer Einzelperson auf, die durch die Verwirklichung der Nachfolge Christi einen besonderen Grad der Gnade und des angebotenen Heils erreicht hat. Die individuelle Heiligkeit ist dabei aber stets nur Manifestation einer Heiligkeit als Glied der Kirche, die in ihrer Gesamtheit ja die „communio sanctorum“, also die „Gemeinschaft der Heiligen“, darstellt. Christliche Heilige im umgangssprachlichen Sinn zeichnen sich also dadurch aus, dass sie bereits eine höhere Stufe der Gnade erreicht haben, die aber prinzipiell für jeden Gläubigen als Glied der Kirche möglich ist. Der Theologe Wolfgang Beinert drückt es kompakt so aus: „Sie [die Heiligkeit des Einzelnen] wird in der Taufe begründet als seinshafte Qualität und entfaltet sich in der personalen Annahme des göttlichen Rufes durch Übernahme der Gesinnung Jesu in einem moralisch heiligen Leben.
Geschichte
Heilige © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gruppenbild "Die Stellvertreter Jesu Christi auf Erden,
vom heiligen Petrus bis auf unsere Zeit,
nach den Mosaikgemälden in der Sanct-Paulus-Kirche zur Rom"
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Die frühchristliche Heiligenverehrung schloss sich an die aus dem jüdischen Glauben bekannten Formen an. Dort waren seit langem der Hohepriester als „amtlicher Fürbitter“ der Menschen, die Mittlerschaft der Engel zwischen Gott und den Menschen, die Verehrung großer Gestalten der Vergangenheit sowie das Martyrium bekannt. Die hohepriesterliche Mittlerfunktion wurde ganz auf Christus übertragen und erst nach der theologischen Klarstellung früher Väter der Kirche, dass die Verehrung anderer Menschen, die Christus nachgefolgt waren, die Einzigartigkeit der Mittlerfunktion Christi nicht beeinträchtige, begann die Urkirche Märtyrer und die Apostel anzurufen. Der erste Beleg einer Märtyrerverehrung ist der um 160 geschriebene Bericht über Polykarp von Smyrna, in der westlichen Kirche breitete sich die Märtyrerverehrung wahrscheinlich während der Verfolgungen im 3. Jahrhundert aus und verband sich unter dem Einfluss Tertullians zu einer Verehrung der Märtyrer als Heiliger. Anfänglich war diese Verehrung auf den Todestag und die Grabstätte des Märtyrers beschränkt, mit dem Aufkommen der Reliquienverehrung vervielfachten sich aber die räumlichen und zeitlichen Möglichkeiten der Verehrung. Der erste greifbare Beleg des Verständnisses der Heiligen als Fürsprecher bei Gott findet sich in einem Graffito an der römischen Kirche San Sebastiano aus dem Jahr 260.

Mit dem Wandel des Christentums zur Staatsreligion des Römischen Reiches weitete sich auch der Heiligenbegriff, da das Martyrium wegen der abgestellten Verfolgungen nun nicht mehr höchstes Zeugnis eines christlichen Lebens sein konnte. Nach und nach wurden – unter dem bestimmenden Einfluss Clemens’ von Alexandria – sogenannte „confessores“, also Bekenner, die zwar verfolgt worden, aber dem Martyrium entgangen waren, und Menschen mit einem „engelgleichen Leben“, deren radikal asketisch-jungfräuliches Leben als ständiger Kampf gegen die Verführungen des Satans verstanden wurde, in den Kreis der verehrungswürdigen „Heiligen“ aufgenommen.
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Heilige; Steinrelief, Reims.
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Seit dem Frühmittelalter wurden zunehmend entweder große Lichtgestalten der Christenheit (Kirchenlehrer, Könige, sog. „Ritter- und Soldatenheilige“ usw.) oder Menschen, die ein Alternativkonzept zum alltäglichen christlichen Leben boten (Franziskus, Benedikt), vom Volk regional als Heilige verehrt. Bei den sog. „Adelsheiligen“, also Herrschern, Bischöfen oder Ordensgründern, ging die Initiative der Verehrung in den meisten Fällen von deren Nachfolgern im Amt oder Mitgliedern ihrer Dynastie aus, die dadurch auch sich selbst eine stärkere Legitimität zu verschaffen hofften. Die kirchliche Anerkennung folgte im Allgemeinen erst später. Um von offizieller Seite Beliebigkeit und Ausufern der Heiligenkulte zu verhindern, bemühten sich die Päpste, das alleinige Recht zur Heiligsprechung und damit die Kontrolle der Heiligenverehrung zu erlangen, zumal diese aufgrund ihrer Bedeutung für die Beglaubigung politischer und dynastischer Legitimität und nicht zuletzt auch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für die Kult- und Wallfahrtsorte auch einen gewichtigen machtpolitischen Faktor darstellte. Im Jahr 993 fand die erste päpstliche Heiligsprechung (Ulrich von Augsburg) statt, im Verlauf des 11. und 12. Jahrhunderts konnten sich die Päpste schließlich gegen die konkurrierende Instanzen der Synoden und Ortsbischöfe durchsetzen. Alexander III. dekretierte 1171 die alleinige Zuständigkeit des Papstes für Heiligsprechungen. Aber allgemein verbindlich wurde diese Alleinzuständigkeit erst durch den Liber Extra von 1234, einem Nachtrag zum Decretum Gratiani. Die christliche Theologie unterscheidet gemäß der sachlichen und terminologischen Klärung des Zweiten Konzils von Nicäa im Jahre 787 die Anbetung (griech. λατρεια, lat. adoratio), die allein Gott vorbehalten ist, von der Verehrung (griech. δουλεια, lat. veneratio), die den Heiligen und ihren Reliquien zukommt. Die sogenannte Dulia ist grundsätzlich von der Latrie, der Anbetung, zu unterscheiden. Innerhalb der Dulia, der Verehrung, wird noch die Hyperdulia („Hochverehrung“) unterschieden, die ausschließlich der Jungfrau Maria zukommt.
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Heilige; Steinrelief, Reims.
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Das Konzil von Trient legte 1563 die römisch-katholische Dogmatik in der Frage der Heiligenverehrung genauer fest: Da die Heiligen im Himmel mit Christus herrschten, sei es „gut und nützlich“, sie demütig um Beistand anzurufen, um von Gott durch den alleinigen Erlöser und Heiland Jesus Christus Wohltaten zu erlangen (DH 1821). Ziel der Heiligenverehrung ist damit Gott. Das Zweite Vatikanischen Konzil bestätigte diese Lehre und verwies nochmals darauf, dass die Fürbitte der Heiligen bei Gott nicht „heilskonstitutiv“ wie die hohepriesterliche Mittlerfunktion Christi sei (LG 48–69). Die apostolische Konstitution Lumen gentium führt aus, dass die Heiligen „zwar Schicksalsgenossen unserer Menschlichkeit“ seien, dennoch aber „vollkommener dem Bilde Christi gleichgestaltet“ würden. Wie die christliche Gemeinschaft unter den Erdenpilgern uns näher zu Christus bringt, so verbindet auch die Gemeinschaft mit den Heiligen uns mit Christus, von dem als Quelle und Haupt jegliche Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst ausgehen. (LG 50). Das Direktorium über die Volksfrömmigkeit und Liturgie hält fest, die Heiligenfeste verkündigten Christus „in seinen Knechten“, indem sie als Feste der Glieder des Leibes Christi, dessen Haupt, Christus selbst, verherrlichten. öffentlich verehrt werden darf. Voraussetzung sind entweder das Martyrium oder ein heroischer Tugendgrad und (im Falle das es sich nicht um einen Märtyrer handelt) der Nachweis eines Wunders, das auf die Anrufung des Seligen und dessen Fürsprache bei Gott bewirkt wurde. Im Unterschied zur Heiligsprechung wird bei der Seligsprechung nur die Verehrung durch die Ortskirche gestattet.
Selige
Eine Seligsprechung oder Beatifikation (v. lateinisch beatus ‚selig‘, ‚glücklich‘, facere ‚machen‘, ‚tun‘) ist in der römisch-katholischen Kirche ein kirchenrechtliches Verfahren, bei dessen Abschluss der Papst nach entsprechender Prüfung erklärt, dass ein Verstorbener als Seliger bezeichnet werden und als solcher öffentlich verehrt werden darf. Voraussetzung sind entweder das Martyrium oder ein heroischer Tugendgrad und (im Falle das es sich nicht um einen Märtyrer handelt) der Nachweis eines Wunders, das auf die Anrufung des Seligen und dessen Fürsprache bei Gott bewirkt wurde. Im Unterschied zur Heiligsprechung wird bei der Seligsprechung nur die Verehrung durch die Ortskirche gestattet.

Eine Heilig- oder Seligsprechung bedeutet nicht, dass eine Person „in den Himmel versetzt“ wird, sondern mit ihr bekundet die Kirche das Vertrauen, dass der betreffende Mensch die Vollendung bei Gott bereits erreicht hat. Sie hat somit auch liturgische Bedeutung, sodass nun nicht mehr für den Seligen, sondern mit ihm gebetet und er um seine oder ihre Fürsprache bei Gott angerufen werden kann.

Die Seligpreisungen sind Teil der Bergpredigt Jesu nach Matthäus 5 und Lukas 6. In ihnen preist Jesus die geistlich und körperlich Armen, Leidtragenden, Hungernden, Weinenden, die um Christi willen Verfolgten und nach Gerechtigkeit Dürstenden ebenso wie Barmherzige, nicht Verdammende, Vergebende, Sanftmütige, Friedfertige und Menschen mit reinem Herzen glücklich und verheißt ihnen das Reich Gottes als vollkommene Lebenserfüllung, derer sie sich schon jetzt freuen können. Nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche sind Selige solche, die nach ihrem Tod unmittelbar in die ewige Anschauung Gottes gelangt sind.

Eine Seligsprechung war ursprünglich ein diözesaner Heiligsprechungsprozess. Als verehrungswürdiger galten jedoch jene Verstorbenen, die in das Martyrologium Romanum, den römischen Heiligenkalender, aufgenommen worden waren. In späterer Zeit wurden auch die diözesanen Seligsprechungen vom Heiligen Stuhl übernommen.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Heiliger" der
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