Klostergeschichten
Mönchsleben © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
"Mönchsleben"
Lithografie von Franz Heinrich nach einem Gemälde von Adolf Henning; 1843.
SOCIETÁ TRIESTINA DI BELLE ARTI - Premio secondo per l'anno 1843
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Bereich Klostergeschichten soll einen kleinen Einblick in das Leben und die aktuelle Arbeitswelt der Ordensbrüder und Schwestern verschiedener Orden vermitteln. Einige Berichte sind mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Granatapfel" der Barmherzigen Brüder entnommen.
Granatapfel: Ausgabe April 2015
Wir leben in der Welt
Pater Imre Kozma OH.
© Barmherzige Brüder Wien
Pater Imre Kozma wurde 1963 zum Priester geweiht. Ein Weiterstudium in Rom erlaubten ihm die kommunistischen Machthaber nicht, eines in Budapest verwehrte ihm die Amtskirche. So wirkte er in verschiedenen Pfarren, wo er sich hauptsächlich den Armen widmete und die Pfarrcaritas aufbaute. 1989 gründete er den Malteser-Caritasdienst in Ungarn. 1998 bat er um Aufnahme in den Orden der Barmherzigen Brüder und 2003 legte er seine Feierliche Profess ab. Auch als Barmherziger Bruder setze er seinen Einsatz für den Nächsten konsequent fort. Sein jahrzehntelanges und unermüdliches Engagement für gesellschaftlich Benachteiligte, Not leidende sowie alte oder kranke Menschen wurde mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen und Ehrungen gewürdigt (Barmherzige Brüder Wien).
Über die Rolle der Ordensleute in der heutigen Welt predigte Pater Imre Kozma bei der Ersten Profess von Frater Damian Ende Jänner. Wir bringen einen Ausschnitt aus der interessanten Predigt.
TEXT: PATER IMRE KOZMA
Der Schlüsselbegriff im Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens „Perfectae Caritatis“ ist der Geist der Erneuerung, der nicht nur zu mehr Eifer bei der Ausübung der Tugenden anregt, sondern auch eine neue Sichtweise anzeigt und zur Entwicklung eines neuen Stils des Gemeinschaftslebens ermutigt.

Früher bestanden die Konstitutionen mehrheitlich aus Sammlungen von Vorschriften des kanonischen Rechts. Heute wird die spirituelle Dimension – die Verwurzelung in der Heiligen Schrift, in der Theologie, in der Lehre der Gründer, in den Ordenstraditionen stärker betont.

Früher galt als vorrangiges Ziel eine individuelle Form der Nachfolge Christi, das Streben nach der individuellen Heiligkeit des Lebens. Heute betont man eher die gemeinschaftliche Perspektive. Man erachtet die Verwirklichung der Heiligkeit des Lebens im Rahmen der Gemeinschaft als wünschenswert.

Ein neuer Gesichtspunkt ist die Hinwendung zur „Welt“. Wir leben in der Welt. Wir müssen die Sorgen und Befürchtungen, die Freuden und Hoffnungen dieser Welt kennen und auf die Herausforderungen dieser Welt eine Antwort geben.
Charismatisch, prophetisch und missionarisch
Aus der Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils gehört das Ordensleben zum Mysterium der Kirche. Die Mönche legen mit ihrem charismatischen, prophetischen und missionarischen Engagement ein Zeugnis über die Gegenwart und das Wirken des Geistes ab.
Papst Benedikt XVI. und Pater Imre Kozma OH.
© Malteserorden Ungarn - www.maltai.hu
Charismatisch: Die für das Himmelreich angenommene Ehelosigkeit ist ein eschatologisches Zeichen, das die letzten Zeiten in der gegenwärtigen Geschichte sichtbar macht. Das mit dem Gelübde der Keuschheit Gott geweihte Leben setzt die Liebesfähigkeit des Menschen frei, erweitert sein Herz und umarmt solidarisch alle, die in Einsamkeit leben, die die Atmosphäre des innigen Familienlebens, die Wärme gelungener menschlicher Beziehungen nicht kennen, sondern nur die Verbitterung der Geschiedenen, Erfolglosen, Ausgebeuteten. Voraussetzungen für diese Leben sind eine reife Persönlichkeit, eine ausgeglichene Gefühlswelt, Kommunikationsfähigkeit, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Körper und Seele.

Prophetisch: Der Prophet ist kein Wahrsager, er war immer „Mund Gottes“, Vermittler der Botschaften des Herrn und Deuter der gegenwärtigen Geschehnisse im Lichte des Glaubens. Die prophetische Mission des Mönchtums ist heute die Deutung der Geschehnisse der Gegenwart, die kritische Unterscheidung der gesellschaftlichen Phänomene, eine Antwort auf die Herausforderungen der Welt mit mutigem Engagement.

Eine besondere prophetische Rolle ist das im Geiste des Evangeliums ausgeübte Armutsgelübde. Die Ordensarmut protestiert gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit der modernen Konsumgesellschaft. Die freiwillige Armut stellt Verzicht und Askese sowie Kampf gegen alles dar, was die Armen erniedrigt und ausbeutet.

Wir müssen ehrlich gestehen: Weder die einzelnen Brüder noch unsere Gemeinschaften sind wirklich arm. Es ist verständlich, dass wir zur Veranschaulichung der individuellen und gemeinschaftlichen Armut nach neuen Ausdrucksformen suchen: Teilen, Einfachheit, verantwortungsvoller Umgang mit Geld und Arbeitsmitteln, Solidarität, Verzicht.

Missionarisch: Wir leben in einer Welt, deren grundsätzliche Erfahrung im schrecklichen Satz von Sartre formuliert ist: „Die Hölle, das sind die anderen!“ Das brüderliche Gemeinschaftsleben ist dazu berufen, darauf eine Antwort zu geben: Es ist möglich, in einer brüderlichen Gemeinschaft zu leben! Der „andere“ ist zwar nicht der „Himmel“, aber er hat die gleiche Berufung bekommen, auch er teilt das Charisma der Nachfolge Christi mit den Brüdern.

Die Ordensgemeinschaft ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der großen Gemeinschaft der Kirche bewusst. Sie ist ein Zeichen dafür, dass das christliche brüderliche Leben möglich ist.
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Text auszugsweise aus
Barmherzigen Brüder Österreich
www.barmherzige-brueder.at/granatapfel
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