Jesuiten
Katholische Ordensgemeinschaft Gesellschaft Jesu (Societas Jesu),
Ordenskürzel: SJ
Jesuiten © Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at
Jesuiten mit P. General,
Gruppenbild, anläßlich 450 Jahre Österreichische Jesuiten; 2013.
© Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at
Als Jesuiten werden die Mitglieder der katholischen Ordensgemeinschaft Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, Ordenskürzel: SJ) bezeichnet, die am 15. August 1534 von einem Freundeskreis um Ignatius von Loyola gegründet wurde. Neben den Evangelischen Räten – Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam – verpflichten sich die Ordensangehörigen auch zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Die Bezeichnung Jesuiten wurde zunächst als Spottname gebraucht, später aber auch vom Orden selbst übernommen.
Jesuiten © Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at / SJ-Bild
Wandgemälde in den Wohn- und Arbeitsräumen des Ignatius in Rom.
© Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at / SJ-Bild
Die Jesuiten gehören zu den Regularklerikern. Sie haben keine besondere Ordenskleidung und kein gemeinsames Chorgebet. Sie leben nicht in Klöstern, sondern in Kommunitäten ohne Klausur. Mitglieder des Ordens tragen hinter ihrem Nachnamen den Namenszusatz SJ (Abkürzung für Societas Jesu). Symbol des Ordens ist das in Majuskeln geschriebene Nomen sacrum IHS (die Anfangsbuchstaben lassen noch die Übernahme aus der griechischen Schrift erkennen), das oft auch als Iesum Habemus Socium (Wir haben Jesus als Gefährten) oder Iesus Hominum Salvator (Jesus, der Erlöser der Menschen) gedeutet wurde. Motto des Ordens ist die lateinische Wendung: Omnia Ad Maiorem Dei Gloriam (Alles zur größeren Ehre Gottes), oft abgekürzt OAMDG oder AMDG.
Papst Franziskus übergibt das Evangeliar an den Ordensgeneral Pater Adolfo Nicolás SJ.
Bei einem Vespergottesdienst haben Jesuiten in Rom vor Papst Franziskus ihr
Gehorsamsversprechen erneuert. Der Papst beschrieb in seiner Predigt sein Ideal
eines Jesuiten, der nur Gott anbete, seine Brüder liebe und ihnen diene.
© Deutsche Provinz der Jesuiten - www.jesuiten.org
Die Exerzitien des Ignatius von Loyola bilden den Kern der Spiritualität des Ordens. In diesen 30-tägigen Geistlichen Übungen betrachtet der Exerzitant (derjenige, der die Übungen durchführt) im Gebet und in der Meditation sein Leben und das Leben Jesu und wird dabei von jenem, der die Exerzitien gibt, begleitet. Heutzutage werden ignatianische Exerzitien auch von Laien und anderen Orden angeboten und durchgeführt.
Gründung
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ignatius von Loyola.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Orden der Jesuiten wurde von Ignatius von Loyola gegründet und wesentlich gestaltet. Ignatius (geboren 1491) stammte aus baskischem Adel, war zunächst Offizier, bis ihm im Alter von dreißig Jahren eine Kriegsverwundung den weiteren Aufstieg in dieser Karriere versperrte. Mystische Erfahrungen nach diesem Lebenseinschnitt brachten ihn auf einen religiösen Lebensweg. In seinem Pilgerbericht bezeichnet er sich als Der Pilger und beschreibt, wie ihn in allem Gott geführt habe. Nach teils abenteuerlichen, teils fruchtbaren Vorstufen studierte er an verschiedenen Orten, seit 1528 in Paris, wo er 1535 zum Magister Artium promoviert wurde. In Paris sammelte er auch Gefährten (wie z. B. Francisco de Xavier und Peter Faber) um sich und verband sich mit ihnen am 15. August 1534 (Tag Mariä Himmelfahrt) auf dem Montmartre durch gemeinsame Gelübde. Die beabsichtigte, gelobte Wallfahrt mit anschließender Seelsorgearbeit in Jerusalem erwies sich als undurchführbar. Stattdessen stellte sich die Gruppe Ende 1537 in Rom Papst Paul III. zur Verfügung. Dieser genehmigte drei Jahre später mit der Bulle Regimini militantis ecclesiae vom 27. September 1540 das bis 1762 geheime Grundstatut der Gemeinschaft (Constitutiones). Damit war die Gemeinschaft als Orden anerkannt. Ignatius wurde zum ersten Oberen gewählt und leitete den rasch wachsenden Orden von Rom aus bis zu seinem Lebensende am 31. Juli 1556. Darüber hinaus war die Ordensgründung Teil einer katholischen Erneuerungsbewegung, die eine Reform der Kirche von der inneren Erneuerung und einer persönlichen Christusbeziehung erwartete, ähnlich wie dies auch Martin Luther wollte. Von den Ordensmitgliedern wurde die Unterwerfung unter die Heilige Schrift und die Lehre der katholischen Kirche erwartet. So erklärte Ignatius: „Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es die Kirche so definiert.“ In anderer Fassung ist übersetzt: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, dass das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." Aufgrund des absoluten Gehorsams, seiner straffen Hierarchie und einer größtmöglichen persönlichen Flexibilität und Unabhängigkeit (ignatianisch: Indifferenz) konnte der Orden schnell wachsen und in vielen Ländern aktiv werden.
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jesuiten-Kirche und Haus zu Prag; nach 1871.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ignatius erwirkte 1547 unter dem Druck der kirchenpolitischen Umstände und einiger Mitbrüder von Papst Paul III. ein Dekret, das einen weiblichen Zweig des Jesuitenordens verhindern sollte (siehe auch Enzyklika Regimini militantis ecclesiae). Mary Ward gründete gleichwohl 1609 das Institut der Englischen Fräulein, und zwar von vornherein mit der Absicht, für diesen Orden die Konstitutionen zu übernehmen, die Ignatius für die Gesellschaft Jesu verfasst hatte. Dies wurde ihrem Orden jedoch erst nach langem Bemühen im Jahr 2003 vom Vatikan gestattet. Der Orden, der bis dahin im kirchenamtlichen Sprachgebrauch "Institutum Beatae Mariae Virginis" (Abkürzung IBMV), "Institut der Seligen Jungfrau Maria", hieß, ist seither als weibliches Gegenstück zum Jesuitenorden anerkannt. Seit 2004 trägt er den Namen Congregatio Jesu, der sich an die Selbstbezeichnung der Jesuiten, Societas Jesu, anlehnt.

In Europa hatten Jesuiten einen bedeutsamen Anteil an der Gegenreformation, der katholischen Reaktion auf die von ihr als Häresie betrachtete protestantische Reformation. Der Orden gründete dazu in für den katholischen Glauben gefährdeten Ländern zunächst Ordenshäuser. Wo dies nicht möglich war, wie zum Beispiel in Irland, England oder in einer Anzahl deutscher Territorien, wurde das entsprechende Ordenshaus in Rom eröffnet, und die Patres reisten zum Teil illegal ins Land. Da der Orden keine verbindliche Tracht hatte, konnte das oft unbemerkt gelingen.
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ansicht der Jesuiten Kirche in Posen; um 1810
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Von den Ordenshäusern aus entfalteten die Jesuiten eine rege Tätigkeit, die vor allem die Predigt und die Seelsorge einschließlich der Beichte umfasste. Hier entwickelten sie eine besondere Kasuistik, die bei der Zumessung von Bußen für Sünden auch die mildernden Umstände bei der Begehung berücksichtigten. Da sie häufig die Seelsorger und Beichtväter von Königen und Fürsten waren, übten sie auch einen gewissen politischen Einfluss aus. Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld der Jesuiten war ihrem Gelübde gemäß die Bildung der Jugend: Die von den Jesuiten gegründeten Schulen und Universitäten wie z. B. die Universität in Dillingen und im damals polnisch-litauischen Wilna sollten Gewähr dafür bieten, dass kommende Generationen fest verwurzelt im katholischen Glauben heranwuchsen. Die Jesuiten setzten sich dafür ein, den katholischen Glauben durch prunkvolle Zeremonien zu zelebrieren, förderten in diesem Kontext auch die barocke Baukunst. Im Zuge der gegenreformatorischen Propaganda förderten sie das Barocktheater und entwickelten mit dem Jesuitentheater eine eigene Tradition. Als größter Erfolg der gegenreformatorischen Anstrengungen des Ordens wird Polen angesehen.
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Wallfahrt Kirchenruine bei Bertioga
Ruine der Jesuitenkirche Ermida Santo Antônio de Guaíbe mit der übriggebliebenen
und nirgendwohin führenden Steintreppe mit Steinkreuz.
Bild Heydecker, Joe J.; 1961-07
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzten verstärkte Angriffe auf den Jesuitenorden ein, bei denen die Verschwörungstheorien jeweils aktualisiert und auf die spezifische Situation des Landes zugeschnitten wurden. Vor allem die Vertreter des Absolutismus in Portugal, Frankreich und Spanien störten sich an der autonomen Stellung des international tätigen Orden. in Territorialkonflikt zwischen dem ebenfalls bourbonisch regierten Herzogtum Parma und dem Kirchenstaat bot schließlich Spanien, Frankreich und Portugal einen Hebel, um verstärkten Druck auf die päpstliche Kurie auszuüben, den verhassten Orden gänzlich aufheben zu lassen. Nach zähen Verhandlungen fügte sich Clemens XIV. und hob am 21. Juli 1773 durch das Breve Dominus ac Redemptor den Orden auf. 1814 wurde die Gesellschaft Jesu von Papst Pius VII. kraft der Bulle Sollicitudo omnium ecclesiarum vom 7. August 1814 wieder zugelassen. Trotz immer neuer Vertreibungen und Verbote wuchs der Orden schnell wieder zu alter Größe.
Der Orden als Bildungsinstitution
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemaliges Jesuiten College.
Eingang zum Le Prytanée National Militaire
Bild Heydecker, Joe J.; 1940
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Jesuiten spielten lange eine große Rolle im Bildungssystem Europas. Die Anregung zur Einrichtung von jesuitischen Bildungsstätten ging auf Ignatius von Loyola selbst zurück, der 1551 vorschlug, dort außer Theologie, auch Logik und die antiken Klassiker zu lehren; später kamen noch Mathematik, Astronomie, Physik und Philosophie hinzu. Im 17. Jahrhundert verbreitete der Orden das Thesenblatt, die großformatige und in Kupfer gestochene Ankündigung der akademischen Disputatio, im gehobenen katholischen Bildungswesen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in ganz Europa zahlreiche Schulen, an denen z. B. die Söhne von Adligen, aber auch Angehörige niedrigerer sozialer Klassen unterrichtet wurden.
Jesuiten in Österreich
Jesuiten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jesuitenkirche Judenburg; ehemalige Augustiner Klosterkirche.
Blick gegen Chor und linke Seitenkapellen.
Bild Österreichische Lichtbildstelle
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Österreich gehört zu den kleinen Provinzen des Ordens. Zentren der Präsenz des Ordens sind Wien, wo sich das Provinzialat befindet, und Innsbruck. In Wien arbeiten Jesuiten unter anderem an der Jesuitenkirche und am Kardinal König Haus (Bildungs- und Exerzitienhaus) Wien-Lainz. In Innsbruck betreut der Orden vor allem das internationale Theologenkonvikt Canisianum sowie in Kooperation mit Nichtjesuiten die Theologische Fakultät der Universität. Weitere Standorte sind Graz, Linz und Steyr. Einzelne Jesuiten arbeiten auch in diözesanen Einrichtungen (z.B. Exerzitienreferat, Ordensvikariat), in Priesterseminaren, in der Gefängnis-, Hochschul- und Pfarrseelsorge. Die Ausbildung des Ordensnachwuchses findet im Noviziat in Nürnberg statt, die Studien an verschiedenen europäischen Studienorten des Ordens.
www.jesuiten.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Jesuiten" der
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