Jesuitenkirche
Universitätskirche
Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Jesuitenkirche Wien.
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Die Jesuitenkirche ist eine frühbarocke römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Sie befindet sich am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz neben der alten Universität, weshalb sie auch als Universitätskirche bekannt ist. Österreich gehört mit etwa 70 Jesuiten (Stand 2014) zu den kleinen Provinzen des Ordens. Zentren der Präsenz des Ordens sind Wien, wo sich das Provinzialat befindet, und Innsbruck. In Wien arbeiten Jesuiten unter anderem an der Jesuitenkirche und am Kardinal König Haus (Bildungs- und Exerzitienhaus) Wien-Lainz.
Geschichte
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Wien, Jesuitenkirche und alte Universität. Karl Wenzel Zajicek, 1860–1923.
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Im Jahre 1623 erhielten die Jesuiten die philosophischen und theologischen Lehrstühle an der Universität Wien. Im Gegenzug wurden sie unter anderem verpflichtet, eine repräsentative Kirche zu errichten. Der Bau wurde im Frühbarock von einem unbekannten Baumeister - zwischen 1623 und 1631 - in einfacher Ausstattung errichtet, entsprechend der damaligen Kriegszeit. Geweiht wurde die Kirche den Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver, gestiftet wurde sie von Kaiser Ferdinand II..
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Fassade der Jesuitenkirche.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
1703 holte Kaiser Leopold I. den in Rom bereits berühmten Maler und Bildhauer Andrea Pozzo für die Umgestaltung der Kirche nach Wien. Der Jesuit Pozzo fügte die beiden Türme hinzu und brachte die Fassade in die gegenwärtige Form. Das Innere wurde ebenfalls opulent eingerichtet. Über den acht Seitenkapellen zog Pozzo Emporen ein, die miteinander verbunden sind und von geraden und geschwungenen Säulen, von Stuckmarmor überzogen, getragen werden. Die Orgel wurde in eine zweigeschossige Empore über dem Eingang integriert. Ebenfalls von Pozzo stammt der Maria Himmelfahrt gewidmete Hochaltar.
Jesuitenkirche © Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at
Blick durch das Kirchenschiff gegen den Hochaltar.
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Pozzo, vor allem für seine perspektivisch illusionistische Malerei bekannt, gestaltete auch die Decke der Kirche. Besonders die Trompe-l’œil-Scheinkuppel vermag das Auge zu täuschen und dem Betrachter einen räumlich-realistischen Eindruck der Kuppel zu vermitteln. Noch heute ist im Boden des Langhauses ein Stein farblich markiert, von dem aus die Scheinkuppel am besten auf den Betrachter wirkt. Selbst über der mit Stoffen behangenen Marienkrone hat Pozzo einen Effekt eingebaut. So scheint es, dass das Kreuz auf der Krone von Händen, welche aus dem Deckenfresko herausragen, umklammert wird.
Jesuitenkirche © Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at
Die Scheinkuppel vom Architekt, Bildhauer und Maler der Kirche,
dem Jesuiten Andrea Pozzo.
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Pozzo schuf eine Rauminstallation, wie man heute sagen würde. Einen neuen Raum in der Schale des alten. Unter einer gemalten Scheinkuppel entstand eine Art Zuschauerbereich mit mächtigen Bänken. Vorne wurde ein Hochaltar errichtet, der große Ähnlichkeit mit einer Guckkastenbühne hat. Das Bild der Himmelfahrt Mariens empfängt von März bis Oktober an Vormittagen direktes Sonnenlicht durch ein Fensterband hinter dem Rahmen. Während der Messfeier schien sich die Szene vor den Augen der Kirchenbesucher "live" zu ereignen. Die Vermittlung des Glaubens durch Erfahrungen mit allen Sinnen war typisch für die Seelsorge der Jesuiten. Warum kommen die Menschen heute immer noch in die Jesuitenkirche? Wegen der Schönheit des Raumes und der in ihm gefeierten Gottesdienste. Zeitgenössische Kunst verbindet sich hier mit der Pflege der klassischen Wiener Kirchenmusik. Jeden Sonntag feiert eine große Gemeinde, die aus ganz Wien zusammenkommt, gemeinsam mit Chor und Orchester die heilige Messe. Die Vermittlung des Glaubens durch Erfahrungen mit allen Sinnen ist auch heute typisch für die Seelsorge der Jesuiten und aller, die den großen Raum dieser Kirche mit Musik erfüllen. Einer Musik, die ausstrahlt.
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Hochaltar der Jesuitenkirche.
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Nach der Aufhebung des Jesuitenordens ging die Kirche in den Besitz des Staates über. Nach der Wiederzulassung sind ab 1856 wieder Jesuiten in der Kirche tätig. Unter der Kirche befindet sich eine Gruft, in der nach wie vor die verstorbenen Mitbrüder des Jesuitenklosters beigesetzt werden, so u.a. 2013 der Philosoph Johannes Schasching. Die Gruft ist zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglich.
Jesuitenkirche © Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu - www.jesuiten.at
Die Deckenfresken der Jesuitenkirche.
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Die Orgel wurde 2003 bis 2004 von dem Freiburger Orgelbauer Hartwig Späth erbaut. Das Instrument hat 41 Register (2745 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Die Disposition orientiert sich an französisch romantischen Orgeln im Stile von Aristide Cavaillé-Coll, insbesondere an dem Instrument der Orgel von 1880 in St. François-de-Sales in Lyon. Die Spieltrakturen sind mechanisch, der Spieltisch ist einem Cavaillé-Coll-Spieltisch nachempfunden.
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Blick gegen die Orgelempore der Jesuitenkirche.
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Das Orgelgehäuse, das sich mit einer Höhe von über 12 Metern über zwei Emporen erstreckt, ist ebenfalls neu erbaut worden, wobei in weiten Teilen Elemente des historischen Gehäuses verwandt wurden.
Jesuitenkirche - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / GuentherZ
Die Gruft unter der Jesuitenkirche.
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Maria steht für die Kirche, für das Menschengeschlecht. Ihr Sieg ist der Sieg des erlösten Menschen. Strahlend und glanzvoll wird dieser Sieg vorgetragen. Nicht bloß in den Bildern, sondern auch im Gebauten selbst, in den Farben, den Verzierungen, der Ausstattung. Der Raum verkündet den Sieg im Glanz des Goldes, in der Wärme seiner von Fleischtönen und Ocker dominierten Farben. Die Kostbarkeit der Dekoration bis hin zu feinsten Intarsien, die Kolossalordnung der Architektur, die Säulenordnungen der Seitenkapellen, alles vergegenwärtigt einen Sieg, der – und das zeigt sich nun –, doch etwas ganz anderes ist als jene Siege, die mit der Entstehung der Kirche geschichtlich verbunden sind. Damals wurde der Sieg des Katholizismus und des Hauses Habsburg über Protestantismus und Osmanen, über die Feinde des Reiches gefeiert. Durch die Zeit hin bis heute feiert der Raum dieser Kirche die Überwindung der Macht des Todes, die Auferstehung des Fleisches, den Sieg des Kleinen und Schwachen.
www.jesuitenwien1.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Jesuitenkirche_(Wien)" der
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