Johannes der Täufer
Gedenktag: 24. Juni
Johannes der Täufer - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Predigt Johannes des Täufers.
Lucas Cranach der Jüngere, 1515–1586; Herzog Anton Ulrich-Museum.
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Johannes der Täufer (griechisch Ἰωάννης ὁ βαπτιστὴς; lateinisch übersetzt Io[h]annes Baptista; ursprünglich wahrscheinlich hebräisch ‏יוֹחָנָן הַמַּטְבִּיל‎ oder ‏יוחנן בן־זכריה‎ Jochanan ben Sacharja) war ein jüdischer Bußprediger, der um 28 in Galiläa und Judäa auftrat. Er wirkte im palästinischen Judentum und hatte auch in der jüdischen Diaspora Anhänger. Seine Historizität ist durch den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus verbürgt. Johannes wird im von Urchristen in griechischer Sprache verfassten Neuen Testament als Prophet der Endzeit und Wegbereiter Jesu Christi mit eigener Anhängerschaft dargestellt. Im Anschluss daran verehren ihn viele Kirchen als Heiligen. Die Mandäer führten ihre Religion auf ihn zurück und sehen ihn als ihren wichtigsten Reformator. Im Koran, der heiligen Schrift des Islam, ist er der drittletzte Prophet vor Isa ibn Maryam (Jesus) und Mohammed (Sure 3,39).
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jesus und Johannes als Knaben.
Stich nach eigener Zeichnung von Johann Josef Langenhöffel.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Von geringem historischen Gewicht dürften die Erzählungen über die Geburt und Kindheit des Täufers in Lk 1–2 EU sein. Hier vermuten manche Theologen Personallegenden aus dem Kreis der Täuferverehrer, die die spätere Bedeutung des Täufers schon auf die Ereignisse um die Geburt und Kindheit des Johannes übertragen und mithilfe alttestamentlicher Motive ausmalend veranschaulichen wollen. Doch sind auch diese Texte für eine historische Rekonstruktion keineswegs unergiebig. Wahrscheinlich stammt Johannes aus priesterlichem Geschlecht: Nach Darstellung des Lukasevangeliums war Johannes der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija und der Elisabet aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5 EU). Da die Priesterklasse Abija eine der unbedeutenderen der 24 Priesterklassen (1 Chr 24,19 EU) war, könnte es sich durchaus um eine zuverlässige Angabe handeln.
Heilige Familie mit Johannes dem Täufer - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Heilige Familie mit Johannes dem Täufer - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Heilige Familie
mit Johannes dem Täufer;
Bronzino, 1540.
Heilige Familie mit Hl. Elisabeth
und Hl. Johannes dem Täufer;
Raphael, 1507.
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Geboren wurde Johannes nach Lk 1,5 EU „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“; dieser regierte von 38 v. Chr. bis 5 v. Chr. In Lk 1,39 EU erfährt der Leser als Wohnort der Elisabet: „eine Stadt im Bergland von Judäa“. Schon diese unpräzise gehaltenen Angaben weisen auf das geringe historische Interesse des Verfassers hin, dem wesentlich an einer Aussage auf der theologischen Bedeutungsebene gelegen ist. Von Lk 1,80 EU ausgehende Spekulationen über einen Qumran-Aufenthalt des jungen Johannes lassen sich historisch nicht verifizieren; bei der Angabe „lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten“ dürfte das den Täufer als Propheten kennzeichnende Motiv des Aufenthalts und Wirkens in der Wüste auf die Zeit vor seiner Berufung vorgezogen worden sein.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die heilige Familie.
Christus; Maria; Johannes; Josef.
Lithografie von Rudolf Hoffmann.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Maria mit Christuskind, daneben
Johannes der Täufer, im Hintergrund
hl. Joseph und Hirten. Schabblatt
von Samuel William Reynolds.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach Angaben in Lk beginnt das Auftreten des Johannes „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“ (Lk 3,1 EU), was auf die Jahre 26–29 n. Chr. verweist. Die Unschärfe der Datierung ergibt sich aus der Unsicherheit, ob der Autor das Jahr nach der im Orient gebräuchlichen seleukidischen oder der römischen Zeitrechnung beginnen ließ; außerdem besteht Uneinigkeit darüber, ob die hier benutzte Zählung der Tiberiusjahre mit dem Tod des Augustus (Ende 14 n. Chr.) beginnt oder bereits mit der Einsetzung des Tiberius als Mitherrscher mit Augustus über die Provinzen (Ende 12 n. Chr.). Die biblischen Ortsangaben geben einen widersprüchlichen Befund über den Ort des Auftretens des Täufers: in der Wüste am Jordan (Mk 1,3–5 EU), in der Wüste von Judäa (Mt 3,1 EU), Betanien, jenseits des Jordans (Joh 1,28;10,40 EU) oder in Aenon bei Salim (Joh 3,23 EU).
Der Jordan © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Jordan.
Flusslandschaft mit einem Beduinen, im Wasser kleines Ruderboot. ;um 1900.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Reisegruppen wird in heutiger Zeit sowohl auf der israelischen als auch auf der jordanischen Seite des Jordans die „authentische“ Taufstelle präsentiert. Die besseren Argumente dürfte aber die jordanische Ostseite für sich beanspruchen. Nur dort, im Peräa der Bibel, hatte Herodes Antipas das Recht, den Täufer gefangenzusetzen (Mk 6,17–29 EU; Jos Ant XVIII 5,2); auch alttestamentliche Traditionen scheinen bei der Ortswahl für Johannes eine Rolle gespielt zu haben (Jos 3 und 4 EU; 2 Kön 2,1–18 EU). Erst in späteren Jahrhunderten wurde die Taufstelle vor allem aus praktischen Gründen am westlichen Jordanufer lokalisiert; frühstes Zeugnis für diese Tradition ist das berühmte Mosaik von Madaba (6. Jh.), die älteste erhaltene Karte Palästinas. Etwa um das Jahr 26/27 oder 29/30 n. Chr. begann Johannes der Täufer sein öffentliches Wirken. Sein Hauptwirkungsgebiet war im damaligen Peräa auf der anderen Seite des Jordans gegenüber von Jericho. Er führte ein betont asketisches Leben – laut Mk 1,6 EU soll er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt haben, laut Mt 11,18 EU aß und trank er gar nichts –, predigte im Stil der alten Propheten und taufte. Johannes rief zur Umkehr auf und kündigte das Kommen des Gottesreiches und „eines Stärkeren“ zum endzeitlichen Gericht an (Mt 3,1.11-12 EU; Lk 3,4.15-17 EU). Damit gilt er im Christentum als Wegbereiter der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias und wird mit Elija in Verbindung gebracht.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer predigt.
Radierung nach eigenem Entwurf von Nicolaes de Bruyn; 1619.
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Die Anhängerschaft von Johannes war zahlreich, darunter zeitweise auch Jesus von Nazaret, der sich durch ihn taufen ließ. Johannes und Jesus gehören mit ihrer Gerichtsbotschaft zur prophetischen Tradition Israels und standen damit außerhalb der jüdischen Gruppen ihrer Zeit, die auch keine Taufe kannten. Jesus scheint mit Billigung des Johannes am Jordan getauft zu haben (Joh 3,22 EU; Joh 4,1–2 EU). In der späteren Geschichte findet man die Johannesjünger unter dem Namen Mandäer wieder. Ein anderer Teil der Anhängerschaft des Johannes schloss sich nach dessen Tod Jesus von Nazaret an (z. B. Apg 19,1–7 EU). Auf die Frage von im Dienste der Herodesdynastie stehenden jüdischen Soldaten: Was sollen wir tun? antwortete Johannes: Tut niemandem Gewalt an, erpresst niemanden und begnügt euch mit eurem Solde (Lk 3,14 EU). Viele dieser Soldaten wurden Anhänger des Johannes.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jesus, Johannes der Täufer,
die Heilige Maria und
der Heilige Joseph.
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Die Heilige Familie mit
Lamm und Johannes.
Stich von Jakob Felsing.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Herodes Antipas war verheiratet mit Phasaelis, der Tochter des Nabatäer-Königs Aretas IV. Später vermählte er sich noch mit Herodias, der Frau seines Halbbruders Herodes Boethos, der im Neuen Testament "Philippus" genannt wird (wohl ein Beiname). Dies führte zu Spannungen mit seiner ersten Frau. Diese verlegte daraufhin ihren Wohnsitz nach Machaerus, einer Grenzfestung von Antipas am Toten Meer. Von dort floh sie zu ihrem Vater (ca. 34/35 n. Chr.), wie der Geschichtsschreiber Josephus in Jüd. Alt. XVIII,5,1-2 berichtet. Die Beziehung zwischen Herodes Antipas und Aretas war bereits wegen Landstreitigkeiten belastet, die Heirat mit Herodias kränkte Aretas zusätzlich. Ein Waffengang schien unausweichlich. Nach den Evangelien wurde Johannes ins Gefängnis geworfen, kurz nachdem er Jesus getauft hatte, d.h. zu Anfang der öffentlichen Wirksamkeit Jesu (Mt 4,12; Mk 1,14; Lk 3,19-20).
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Hl. Johannes der Täufer als Knabe
mit Lamm und Kreuzstab. Stich von
Paul Gleditsch nach einem Gemälde
von Bartolomé Estéban Murillo, 1861.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer in der Wüste.
Lithografie nach einer Zeichnung
von Antonio Nardello, nach einem
Gemälde von Tiziano Vecellio.
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Grund dafür war nach den Evangelien, dass Johannes den Herodes Antipas dafür kritisiert hatte, dass er die Frau seines Bruders geheiratet hatte (Mt 14,4 EU; Lk 3,19); nach Flavius Josephus war der Grund seiner Inhaftierung, dass Herodes fürchtete, „das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben“ (Ant. Jud. 18,5,2). Er hielt ihn auf der Festung Machaerus am Toten Meer gefangen. Nach einer längeren Gefangenschaft erfolgte die Hinrichtung des Johannes noch zu Lebzeiten Jesu (vgl. Mt 14,6-12; Mk 6,21-29). Beides ist demnach noch vor dem Tode Jesu zu datieren, den die meisten heutigen Chronologen ins Jahr 30, manche auch ins Jahr 33 datieren. Demnach setzt man die Gefangennahme des Johannes etwa um 27/28 bzw. 30/31 an und den Tod des Johannes um 28/29 bzw. 31/32. Eine gewisse Schwierigkeit für diese von den Evangelien her erschlossene Chronologie kann man in der Darstellung des Geschichtsschreibers Josephus in den Antiquitates Judaicae sehen.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Josephus berichtet wie die Evangelien, dass Herodes Antipas seine Frau verstieß, um die Frau seines Bruders heiraten zu können (wenn die Evangelien darin recht haben, dass Johannes’ Kritik daran der Grund für seiner Inhaftierung war, müsste er bald danach ins Gefängnis gekommen sein). Weiter berichtet Josephus aber, dass die verstoßene Frau zu ihrem Vater, dem Nabatäerkönig Aretas, floh, und dass dieser wegen der Schmach seiner Tochter, aber auch wegen Grenzstreitigkeiten einen Krieg mit Herodes anfing, und zwar nach dem Tod des Tetrarchen Philippus (der sich auf 33/34 datieren lässt). In diesem Krieg erlitt das Heer des Herodes eine Niederlage, und darin sahen die Juden eine Strafe Gottes für die Hinrichtung Johannes’ des Täufers. – Diese Darstellung der Ereignisse kann den Anschein erwecken, als habe man die Gefangennahme und die Hinrichtung des Johannes unmittelbar vor dem Krieg zwischen Aretas und Herodes anzusetzen und folglich erst nach 33/34. Aber gewöhnlich wird diese Schlussfolgerung, die entweder die etablierte Chronologie Jesu (wonach dieser 30 oder 33 gestorben ist) oder die chronologische Koinzidenz des öffentlichen Wirkens von Johannes und Jesus in Frage stellen würde, nicht gezogen. Josephus scheint hier, wie er es oft tut, im Rückblick (sein Bericht stammt aus dem Jahre 94 n.Chr., also lange nach den Ereignissen, und über 20 Jahre nach dem frühesten Evangelium, dem Markusevangelium) einige um etliche Jahre auseinander liegende Geschehnisse summarisch so zusammenzufassen, als würden sie unmittelbar aufeinander folgen. Somit bleibt als wahrscheinlicher zeitlicher Ansatz für die Gefangennahme Johannes Täufers im Einklang mit der heutigen Forschung ca. 27/28 oder ca. 30/31 bestehen.
Herodes © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Herodes © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Herodes der Große, König von Juda.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach Mk 6,17–29 EU und Mt 14,3–12 EU soll die Tochter von Herodes’ Frau Herodias, von dieser dazu angestiftet, von Herodes den Kopf Johannes des Täufers als Belohnung für einen Tanz gefordert und erhalten haben. Der Name Salome der Tochter wird in den Evangelien nicht genannt, wohl aber bei Flavius Josephus (Jüd. Alt. XVIII 5,4), der jedoch den konkreten Anlass für die Hinrichtung nicht erwähnt. Über ihren Ort schweigen wiederum die Evangelien; nach Josephus geschah sie auf der Festung Machaerus am Toten Meer, welche die Grenze zwischen dem Territorium von Antipas und dem von Aretas sicherte (Jüd. Alt. XVIII 5,2). Die Hinrichtung erfolgte, wie oben erläutert, wahrscheinlich im Jahre 28/29 oder 31/32 und nach den Evangelien am Geburtstag des Herodes Antipas, den man bis heute nicht kennt. Ein kirchlicher Gedenktag „Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers“ wird am 29. August gefeiert.[14] Unklar ist aber, ob dies dem historischen Todestag oder dem Weihetag der byzantinisch-fränkischen St. Johannes-Kathedrale in Samaria entsprechen soll, in der sich das Grab des Täufers befinden soll. Im Winter 34/35 oder 35/36 n. Chr. kam es zum Krieg. Die vorangegangene Exekution von Johannes dem Täufer hatte zur Folge, dass ein Teil der jüdischen Soldaten – nämlich die Anhänger von Johannes – Antipas die Unterstützung im Krieg gegen Aretas versagte. Herodes Antipas verlor den Krieg. Mit Hilfe der Römer konnte er jedoch seine Macht behaupten. Er musste aber als Kompensation die Stadt und Region Damaskus an Aretas abgeben (von 37 bis 39 n. Chr.). Das jüdische Volk interpretierte die Niederlage von Herodes Antipas gegen Aretas als Strafe Gottes dafür, dass er zuvor Johannes den Täufer hatte hinrichten lassen.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Taufe Christi.
Kupferstich von Paul Gleditsch
nach Gemälde von Guido Reni.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Taufe Christi
Radierung von Blau,
Anfang 19.Jh.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer ist einer der bedeutendsten Heiligen der orthodoxen, der katholischen und auch der evangelischen Kirchen. Er gilt als letzter und größter der Propheten, als adventlicher Wegbereiter Jesu und als Vorbild des Asketen.
Die Kirchenväter griffen Johannes den Täufer als eine der maßgeblichen Gestalten der Evangelien auf, und rangen um ein theologisches Verständnis von ihm, das sich mit der Christologie, die sich seit der Abfassung neutestamentlicher Schriften entwickelt hatte, vereinbaren ließe. Insbesondere die Taufe Jesu durch Johannes zwang Kommentatoren der Evangelien durch die Kirchengeschichte hindurch, hohe Christologie (Jesus als präexistenter Gottessohn) zu verbinden mit der Bitte Jesu, sich einer Taufe durch Johannes zu unterziehen. In der apokryphen Literatur befinden sich viele Beispiele für legendenhafte Ausschmückungen und erbauliche Frömmigkeitsliteratur, die die Kindheit Johannes des Täufers zum Gegenstand haben.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Quellen für mögliche Informationen zu Johannes dem Täufer sind die vier Evangelien des NT, die Apostelgeschichte des Lukas und der Abschnitt Antiquitates Judaicae XVIII 5, 2 von Flavius Josephus. Ihre Darstellungen unterscheiden sich stark und spiegeln Aussageabsichten der Verfasser:

Nach Mk 1,2–15 EU erscheint Johannes als Vorläufer und Wegbereiter Jesu, den das Markusevangelium als Sohn Gottes und Menschensohn darstellt. Texte wie Mt 3,7–10 EU par. Lk 3,7–9 EU sowie Mt 3,11f. EU par. Lk 3,16f. EU sind wort- und bildgewaltige Drohpredigten, die das nahe Endgericht Gottes verkünden. Sie lassen Johannes als apokalyptischen Bußprediger erscheinen. Sie werden der hypothetischen Logienquelle Q zugeordnet, die aus übereinstimmenden Texten der Synoptiker erschlossen und deren schriftliche Fixierung oft auf 40 bis 60 datiert wird. Lk 1,5–2,29 EU, ein Teil der Weihnachtsgeschichte, stellt die Ereignisse vor Johannes' und Jesu Geburt weitgehend parallel dar: Ihre Geburten werden von einem Engel als Gottes Erwählung und Sendung zur endgültigen Befreiung ganz Israels angekündigt. Die Jesus-Begebenheiten überbieten jedoch jeweils die Johannes-Begebenheiten. In Joh 1,7-18 EU und Joh 1,19-36 EU erscheint der Täufer hauptsächlich als erster und entscheidender Zeuge für Jesus, des fleischgewordenen Logos und Überwinders des gottfeindlichen Äons. Bei Flavius Josephus erscheint Johannes als asketisches Vorbild, der die Vorschriften der Tora für einen Nasiräer einhält und Juden zu wiederholten Reinigungsbädern anhält. Die Endgültigkeit seiner Taufe als letzte Chance zur Umkehr, die die urchristlichen Texte betonen, fehlt hier.
Reliquien
Caravaggio - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Salome mit dem Haupt von Johannes dem Täufer; Caravaggio, cirka 1607.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Es gibt mehrere Orte, die beanspruchen, das Haupt des Heiligen als Reliquie zu besitzen. Zum einen die Kirche San Silvestro in Capite in Rom, daneben auch die Kathedrale von Amiens. Der dortigen Überlieferung zufolge brachte der Domherr von Picquigny Wallon de Sarton 1204 die Kopfreliquie als Kriegsbeute vom Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel mit und übergab sie seinem Onkel, dem Bischof Richard de Gerberoy in Amiens Aber auch die Omayadden-Moschee (in vorislamischer Zeit die Johanniskathedrale) in Damaskus und die dem hl. Johannes geweihte Kirche im jordanischen Madaba beanspruchen, das Haupt des Täufers zu verwahren. 2010 wurde bei Ausgrabungen auf der Schwarzmeerinsel Sweti Iwan im Kirchenaltar des ehemaligen kaiserlichen Johannes der Täufer Klosters ein Reliquiar mit der Inschrift Johannes der Täufer gefunden. In der Urne wurden Zahn, Hand-, Fuß- und Kieferknochen sowie Tierknochen entdeckt. Bulgarische Archäologen wollen die Reliquien, die im 4. Jahrhundert n. Chr. von Konstantinopel nach Sosopol gelangten, Johannes dem Täufer zuordnen. Im Juni 2012 veröffentlichten Tom Higham von der University of Oxford und Hannes Schroeder von der Universität Kopenhagen die Ergebnisse ihrer DNA-Analyse, nach der alle Überreste von ein und demselben Mann aus dem Nahen Osten stammten, und datierten diese auf das erste Jahrhundert nach Christus.
Topkapi Palast © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ansicht des Topkapı-Palasts (Alter Serail); 1918.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Reliquien werden in der Kirche der heiligen Cyrill und Methodius im naheliegenden Sosopol aufbewahrt. Im Topkapi-Palast in Istanbul wird im Pavillon Emanat-ı mukaddese ein goldenes Armreliquiar ausgestellt, das die Knochen des rechten Unterarms Johannes des Täufers enthalten soll. Die Reliquie wurde von Mehmet II. bei der Eroberung Istanbuls 1453 erbeutet. Ebenso wird ein Stück des Schädels von Johannes gezeigt.
Literatur und Drama
Salome © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
"Salome" von Richard Strauss - Bühnenbild Palast des Herodes.
Neueinstudierung in der Oper. Spielleitung Erich von Wymetal; 1938.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Johannes der Täufer und die mit ihm in Verbindung stehenden Figuren und Stoffe, namentlich Herodes, Herodias und Salome, waren von großem Einfluss in der Literatur, Dramatik und Musik, so z. B. für Oscar Wildes Drama Salome und die darauf aufbauende Oper Salome von Richard Strauss sowie die Erzählung Herodias von Gustave Flaubert, auf der das Libretto für Jules Massenets Herodiade beruht.
Salome © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Salome © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Marie Gutheil-Schoder - Titelrolle in 'Salome' von Richard Strauss; 1918.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg, die am Johannistag (24. Juni) sowie am Vorabend dieses Festtags spielt, wird in zahlreichen allegorischen Anspielungen auf religiöse und biblische Figuren und Ereignisse verwiesen. So erweist sich die Hauptperson der Handlung, der Nürnberger Dichter Hans Sachs, als Personifikation des biblischen Propheten Johannes des Täufers. Andere Figuren illustrieren Begebenheiten aus dem Alten Testament (Adam und Eva und der Sündenfall), insbesondere auch Hans Sachs' Lehrling David: der biblische König David als Stammvater und – wie Johannes der Täufer – Vorläufer Christi und vieles mehr.
Darstellung
Seine Attribute in der Ikonographie sind das Fellgewand, der Kreuzstab oder ein Lamm sowie der Zeigegestus auf Jesus, oft verbunden mit dem Spruchband „Ecce Agnus Dei” („Seht das Lamm Gottes“). Meist wird der Heilige mager, mit langen Haaren und teils mit Flügeln dargestellt, um seine asketische und engelsgleiche Lebensweise zu betonen.
Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Johannes der Täufer © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt eine Steinskulpur
(hl. Johannes Täufer mit Lamm?)
in einer Hausniesche im August 1961.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Schnitzstatuen und Haupt des
Hl. Johannes, 17. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Als Johannesknabe erscheint er häufig zusammen mit dem etwa gleichaltrigen Jesusknaben und Maria. Johannes der Täufer erscheint auf der Ikonostase in orthodoxen Kirchen in der Regel an zentraler Stelle als Teil der Deësis, oder direkt rechts neben der zentralen Christus-Ikone, die Gottesmutter links von Christus. Einige orthodoxe Kirchen stellen statt Johannes den heiligen Nikolaus an dieser Stelle dar. Taufkapellen sind häufig Johannes dem Täufer geweiht. Als Johannisschüssel werden seit dem Mittelalter verbreitete Darstellungen mit dem Haupt des heiligen Johannes des Täufers auf einer Schüssel bezeichnet. Sie wurden vom Volk verehrt und besonders bei Kopfleiden in Hospitälern zur Schmerzlinderung herumgereicht. Johannes ist Schutzheiliger des Johanniter- bzw. Malteserritterordens.
Sein Gedenktag wird am 24. Juni gefeiert.
Auch sein Todestag am 29. August ist ein Gedenktag.
Er wird außerdem als Patron
von Jordanien, Malta, Burgund und der Provence, von Florenz, Amiens und Québec; der Schneider, Weber, Gerber, Kürschner, Färber, Sattler, Gastwirte, Winzer, Fassbinder, Zimmerleute, Architekten, Maurer, Steinmetze, Restauratoren, Schornsteinfeger, Schmiede, Hirten, Bauern, Sänger, Tänzer, Musiker, Kinoinhaber; der Lämmer, Schafe und Haustiere; der Weinstöcke; gegen Alkoholismus, Kopfschmerzen, Schwindel, Angstzustände, Fallsucht, Epilepsie, Krämpfe, Heiserkeit, Kinderkrankheiten, Tanzwut, Furcht und Hagel; und des Bistums Gurk-Klagenfurt verehrt.
Attribute sind Fellgewand, der Kreuzstab oder ein Lamm
sowie der Zeigegestus auf Jesus.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Johannes_der_Täufer" der
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