Karmel (Gebirge)
Weingarten Gottes
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Karmel, Karmelgebirge, Blick ins Tal.
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Der Karmel oder Carmel (hebräisch ‏כרמל‎, abgeleitet von kerem el, „Weingarten Gottes“; arabisch ‏جبل الكرمل‎ Dschabal al-Karmal) ist ein Gebirge in Israel. Es ist 23 Kilometer lang und 8 bis 10 Kilometer breit und erhebt sich bis zu einer Höhe von 546 Metern entlang der Mittelmeerküste. Wegen der verhältnismäßig hohen Niederschläge hat das Gebirge eine üppige Vegetation und wurde zum Nationalpark erklärt. Im übertragenen Sinn kann Karmel ein Kloster der nach dem Gebirge benannten Karmeliten oder Karmelitinnen bezeichnen. Das Gebiet des Karmel gehört zu den frühen Siedlungsgebieten der Menschheit.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Skhul Höhle am Berg Karmel.
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Die Kebarahöhle am Berg Karmel.
© Prof. Anna Belfer-Cohen,
archaeology.huji.ac.il
In den Höhlen von Kebara und Skhul wurden Spuren der Neandertaler und des archaischen Homo sapiens aus der Zeit vor etwa 130.000 Jahren (Altsteinzeit) gefunden. Von den Kanaanitern wurde am Karmel der Gott Baal verehrt. Gemäß alttestamentlicher Überlieferung soll David um 1000 v. Chr. das Gebiet in sein Reich eingegliedert haben. Erst später setzte sich der Kult JHWHs gegen die Vorläuferreligion durch. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft über das Karmelgebiet häufig; das Gebiet gehörte unter anderem zum Assyrischen, Römischen, Byzantinischen und Osmanischen Reich. Ab der Kreuzzugszeit ließen sich Christen am Karmel nieder. Seit 1948 gehört das Gebirge zum israelischen Staatsgebiet. Wichtigste Stadt im Bereich des Karmel ist Haifa, das sich an den Nordhängen des Gebirges, dem Karmelkap, über 300 Meter Höhenunterschied vom Meer die Berghänge hinauf erstreckt. Besonders markant ist der Hochhausturm der im Kammbereich liegenden Universität. Touristisch interessant sind außerdem die Drusendörfer Daliyat al-Karmil und Isfiya, die beiden christlichen Karmelitenklöster, das Künstlerdorf En Hod und Zichron Ja’akow, die Stadt, in der der größte israelische Weinproduzent Carmel einen seiner Hauptsitze hat.
Das Gottesurteil auf dem Karmel
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Der Prophet Elias wird von den Raben gespeist.
Gemälde 16. bis 18. Jahrhundert, Süddeutscher Meister.
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Nach dem 1. Buch der Könige stammt Elija aus Tischbe im Ostjordanland, das zum Nordreich Israel gehörte. Er wird daher als Tischbiter bezeichnet, das heißt, er gehört zu den Israeliten ohne Grundbesitz. In 1 Kön 17 EU wird Elija erstmals erwähnt als Prophet, der eine Dürre für das ganze Land ankündet. Elija wandert in dieser Zeit in das Wildbachtal Kerith, das östlich des Jordans liegt. Hier wird er auf wundersame Weise durch Raben ernährt.
 
Das erste Buch der Könige, Kapitel 18,7 -
1Kön18,7   Als nun Obadja unterwegs war, kam ihm Elija entgegen. Obadja erkannte ihn, warf sich vor ihm nieder und rief: Bist du es, mein Herr Elija?
1Kön18,8   Dieser antwortete: Ich bin es. Geh und melde deinem Herrn: Elija ist da.
1Kön18,9   Obadja entgegnete: Was habe ich mir zu Schulden kommen lassen, dass du deinen Knecht an Ahab ausliefern und dem Tod preisgeben willst?
1Kön18,10   So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Es gibt kein Volk und kein Reich, wo mein Herr dich nicht hätte suchen lassen. Und wenn man sagte: Er ist nicht hier, dann ließ er dieses Reich oder Volk schwören, dass man dich nicht gefunden habe.
1Kön18,11   Und jetzt befiehlst du: Geh und melde deinem Herrn: Elija ist da.
1Kön18,12   Wenn ich nun von dir weggehe, könnte ja der Geist des Herrn dich an einen Ort tragen, den ich nicht kenne. Käme ich dann zu Ahab, um dich zu melden, und könnte er dich nicht finden, so würde er mich töten. Dabei hat dein Knecht doch von Jugend auf den Herrn gefürchtet.
1Kön18,13   Hat man dir denn nicht berichtet, was ich getan habe, als Isebel die Propheten des Herrn umbrachte? Ich habe doch hundert von ihnen, je fünfzig in einer Höhle, verborgen und mit Brot und Wasser versorgt.
1Kön18,14   Und nun befiehlst du: Geh und melde deinem Herrn: Elija ist da. Ahab würde mich töten.
1Kön18,15   Doch Elija antwortete: So wahr der Herr der Heere lebt, in dessen Dienst ich stehe: Heute noch werde ich ihm vor die Augen treten.
1Kön18,16   Obadja kam zu Ahab und brachte ihm die Nachricht. Ahab ging Elija entgegen.
1Kön18,17   Sobald er ihn sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels?
1Kön18,18   Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid.
1Kön18,19   Doch schick jetzt Boten aus und versammle mir ganz Israel auf dem Karmel, auch die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen.
1Kön18,20   Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen.
1Kön18,21   Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort.
1Kön18,22   Da sagte Elija zum Volk: Ich allein bin als Prophet des Herrn übrig geblieben; die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig.
1Kön18,23   Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den andern zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden.
1Kön18,24   Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott. Da rief das ganze Volk: Der Vorschlag ist gut.
1Kön18,25   Nun sagte Elija zu den Propheten des Baal: Wählt ihr zuerst den einen Stier aus und bereitet ihn zu; denn ihr seid die Mehrheit. Ruft dann den Namen eures Gottes an, entzündet aber kein Feuer!
1Kön18,26   Sie nahmen den Stier, den er ihnen überließ, und bereiteten ihn zu. Dann riefen sie vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrien: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort. Sie tanzten hüpfend um den Altar, den sie gebaut hatten.
1Kön18,27   Um die Mittagszeit verspottete sie Elija und sagte: Ruft lauter! Er ist doch Gott. Er könnte beschäftigt sein, könnte beiseite gegangen oder verreist sein. Vielleicht schläft er und wacht dann auf.
1Kön18,28   Sie schrien nun mit lauter Stimme. Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloß.
1 Kön 18,29   Als der Mittag vorüber war, verfielen sie in Raserei und das dauerte bis zu der Zeit, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt. Doch es kam kein Laut, keine Antwort, keine Erhörung.
1Kön18,30   Nun forderte Elija das ganze Volk auf: Tretet her zu mir! Sie kamen und Elija baute den zerstörten Altar Jahwes wieder auf.
1Kön18,31   Er nahm zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, zu dem der Herr gesagt hatte: Israel soll dein Name sein.
1 Kön 18,32   Er fügte die Steine zu einem Altar für den Namen des Herrn, zog rings um den Altar einen Graben und grenzte eine Fläche ab, die zwei Sea Saat hätte aufnehmen können.
1Kön18,33   Sodann schichtete er das Holz auf, zerteilte den Stier und legte ihn auf das Holz.
1Kön18,34   Nun befahl er: Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz! Hierauf sagte er: Tut es noch einmal! Und sie wiederholten es. Dann sagte er: Tut es zum dritten Mal! Und sie taten es zum dritten Mal.
1Kön18,35   Das Wasser lief rings um den Altar. Auch den Graben füllte er mit Wasser.
1Kön18,36   Zu der Zeit nun, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, trat der Prophet Elija an den Altar und rief: Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll man erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue.
1Kön18,37   Erhöre mich, Herr, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, Herr, der wahre Gott bist und dass du sein Herz zur Umkehr wendest.
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"Da kam das Feuer des Herrn herab"
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1Kön18,38   Da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. Auch das Wasser im Graben leckte es auf.
1Kön18,39   Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!
1Kön18,40   Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.
1Kön18,41   Dann sagte Elija zu Ahab: Geh hinauf, iss und trink; denn ich höre das Rauschen des Regens.
1Kön18,42   Während Ahab wegging, um zu essen und zu trinken, stieg Elija zur Höhe des Karmel empor, kauerte sich auf den Boden nieder und legte seinen Kopf zwischen die Knie.
1Kön18,43   Dann befahl er seinem Diener: Geh hinauf und schau auf das Meer hinaus! Dieser ging hinauf, schaute hinaus und meldete: Es ist nichts zu sehen. Elija befahl: Geh noch einmal hinauf! So geschah es siebenmal.
1Kön18,44   Beim siebten Mal meldete der Diener: Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand, steigt aus dem Meer herauf. Darauf sagte Elija: Geh hinauf und sag zu Ahab: Spanne an und fahr hinab, damit der Regen dich nicht aufhält.
1Kön18,45   Es dauerte nicht lange, da verfinsterte sich der Himmel durch Sturm und Wolken und es fiel ein starker Regen. Ahab bestieg den Wagen und fuhr nach Jesreel.
1Kön18,46   Über Elija aber kam die Hand des Herrn. Er gürtete sich und lief vor Ahab her bis dorthin, wo der Weg nach Jesreel abzweigt.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Engel weckt Elia in der Wüste, erste Hälfte 17. Jahrhundert.
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Elija muss nach dieser „Machtprobe” aus Israel fliehen, da die Königin Isebel ihn hinrichten lassen will. Er flieht nach Be’er Scheva im Süden Judas. Dann flieht er in die Wildnis und hat Depressionen. Ein Engel bittet ihn, zum Berg Horeb zu reisen.
Berg Karmel
"Führe mit dem Stab dein Volk auf die Weide,
die Schafe, die dein Erbbesitz sind,
die einsam lagern in der Wüste, mitten auf dem Karmel"
(Micha 7,14a)
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Alte Ruine des ersten Karmeliterklosters am Karmel.
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Das fruchtbare und vegetationsreiche Karmelgebirge bei Haifa im Norden Israels ist der geographische Entstehungsort des Karmelitenordens. Der Begriff Karmel, der im Deutschen mit „Baumgarten“ oder „fruchtbarer Garten“ übersetzt werden kann, wurde bereits zu biblischen Zeiten als Symbol für die Schönheit und Lebensfülle, die von Gott kommt, verwendet. Im Hohenlied beispielsweise, das in der Tradition des Karmel immer wieder aufgegriffen wurde, um das Liebesverhältnis zwischen Gott und Mensch darzustellen, vergleicht der Liebhaber das Haupt seiner Geliebten mit der Schönheit des Karmel (Hld 7,6). Und der Prophet Jesaja verheißt der Wüste und dem ausgetrockneten Land die „Pracht des Karmel“ und damit reiche Fruchtbarkeit. Entsprechend will der Orden des Karmel mit seiner reichen spirituellen Tradition auch heute Gelegenheiten bieten, inmitten der modernen Wüsten unserer Zeit Gottes Gegenwart aufzuspüren. Wo Menschen zutiefst die sein dürfen, die sie sind, können sie sich öffnen für die Erfahrung der Schönheit und Liebe Gottes, dem die unstillbare Sehnsucht des menschlichen Herzens gilt. Mehr noch als ein äußeres Gebilde symbolisiert „Karmel“ somit den Ort der Gottesbegegnung im menschlichen Herzen.
Text auszugsweise aus
www.karmeliten.de/karmel
Der Berg Karmel in der Bibel
P. Roberto Fornara
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Schrein des Bab auf dem Berg Karmel.
Die Hängenden Gärten der Bahai gelten als Friedenssymbol und Ort der Ruhe
inmitten der Großstadt Haifa am Karmel. Sie gehören zu den meistbesuchten
touristischen Anziehungspunkten Israels.
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Im NT wird der Berg Karmel nicht erwähnt: kein Ereignis der Evangelien wird mit ihm in Verbindung gebracht, obwohl die Tätigkeit Jesu sich über ganz Galiläa erstreckt. In den zahlreichen Parabeln verwendet Jesus nie diesen Berg als Symbol, ebensowenig erwähnen ihn die Paulusbriefe und die übrigen neutestamentlichen Schriften. (Neuere und neueste Studien haben zwar zu beweisen versucht, daß der Karmel ein neutestamentlicher Ort ist; es ist jedoch nicht gelungen, überzeugende und stichhaltige Beweise dafür zu erbringen.)
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Impression am Karmelgebirge.Impression am Karmelgebirge.
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In der Sicht des AT hingegen nimmt der Karmel eine einigermaßen bedeutende Stellung ein. Die biblischen Landschaften, die diesen Namen tragen, sind einerseits die bedeutendste Gebirgskette im Norden Palästinas und andererseits ein Dorf in Judäa, etwa zehn Kilometer von Hebron entfernt, das auch den umliegenden Hügeln den Namen gibt. Für uns ist nur das erste von Bedeutung: der Berg als Schauplatz bedeutender alttestamentlicher Ereignisse, der schon in den biblischen Büchern zu einem Symbol und zu einer Metapher wurde. Es handelt sich um den Ort, an dem sich die ersten karmelitanischen Einsiedler niederließen und der in der Geschichte des geistlichen Schrifttums des Ordens eine große Bedeutung erlangen wird. Es kann nicht geleugnet werden, daß - innerhalb des Alten Testaments - die Geschichte des Karmel fast ausschließlich mit den Ereignissen der beiden Propheten Elija und Elischa in Verbindung gebracht wird.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Machtprobe zwischen Eliah und Ahab am Berg Karmel.
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Die gesamte christliche Überlieferung hat darauf hingewiesen, daß der Berg in Palästina und der Elijanische Zyklus zusammengehören. Schon Gregor von Nyssa konnte darum schreiben: "Elija lebte auf dem Berg Karmel, der berühmt und von Glanz umgeben ist, vor allem wegen der Kraft und der Hochschätzung dessen, der hier gelebt hat" (PG, XLVI, 594). Wir wollen jedoch diesen Hinweis zunächst übergehen, da wir ihn an anderer Stelle ausführlich behandeln. Was uns jetzt beschäftigen soll, sind die Texte im Alten Testament, in denen das Wort "Karmel" verwendet wird, um die Wichtigkeit und Bedeutung hervorzuheben, vor allem wenn es (wie bei vielen anderen Orten und Dingen in Palästina), als sprachlicher Ausdruck oder Symbol verwendet wird, um etwas anderes besser erklären zu können.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Statue des ein Flammenschwert in der Hand haltenden Propheten Elia im
Außenbezirk des Heiligtums von El-Muhraqa auf dem „Horn des Karmel“.
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Eine erste Überlegung liegt nahe, wenn wir von "Berg" als einer geographischen Wirklichkeit sprechen und bedenken, welche Bedeutung diesen Orten in allen Religionen - und ganz besonders im Altertum - zukam. In allen Kulturen - vor allem in den alten - war der Berg immer etwas Heiliges, Sakrales, ein Ort, an dem man sich Gott unmittelbar nahe wußte, vielleicht wegen der Höhe oder wegen der Unzugänglichkeit an manchen Stellen. Die Archäologie und andere ergänzende Wissenschaften konnten beweisen, daß der Berg Karmel schon im Altertum als sakraler Ort bekannt war. (Es ist sicher allen bekannt, daß mit dem Berg Karmel nicht ein einsamer Berggipfel gemeint ist, sondern daß es sich um eine ca. 25 km lange und ca. 6 km breite Gebirgskette handelt.) Die Tatsache, daß in der Zeit der Elija-Erzählungen keine menschlichen Bewohner auf dem Berg nachgewiesen werden konnten, wäre ebenfalls ein Beweis für die Heiligkeit des Ortes (die ersten besiedelten Gebiete waren vorzugsweise die Ebenen und die Küste, wenn auch bei der Eroberung des Landes das Gebirge Juda als erstes bevölkert wurde). Weitere Dokumente bezeugen, daß der Berg auch in den folgenden Epochen eine Kultstätte war.
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Die Kirche Stella Maris Karmeliterkloster bzw Kloster "Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel"
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Eine Inschrift vom Ende des 4. Jh. v. Chr. z. B. spricht vom Karmel als von einem dem Zeus geweihten Berg. Ein Fuß als Votivgabe vom 2.-3. Jh. n. Chr., bei archäologischen Ausgrabungen auf dem Berg Karmel gefunden. Der engravierte Text preist die Gottheit als "Zeus Carmelus Helipolitanus". Die Geschichtsschreiber Tacitus und Sueton bestätigen, daß es einen dem Zeus geweihten Altar gegeben hat und daß eine Votivgabe, d. h. ein Fuß, gefunden wurde, der Zeus gewidmet ist und die Inschrift trägt: "Zeus Carmelus Heliopolitanus (2. - 3. Jh. n. Chr.) Diese Notiz beweist, daß der Berg im Lauf der Jahrhunderte ein Kultort geblieben ist. Nach Meinung der Gelehrten könnte man auch Nachforschungen anstellen über das griechische Gegenstück des im Altertum verehrten Baal, der in der Bibel neben JHWH erwähnt wird (vgl. 1 Kön 18,20-40; 2 Kön 4,25).
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Die Kirche Stella Maris Karmeliterkloster bzw Kloster "Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel"
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Über die genaue Etymologie des Wortes "Karmel" und seine genaue Bedeutung sind sich die Philologen noch immer nicht einig. Die überwiegende Mehrheit der Gelehrten meint, daß das hebräische Wort "Karmel" etwas zu tun hat mit der Wurzel "krm" (der nur ein "l" hinzugefügt wird, was in der hebräischen Sprache nicht selten vorkommt) - damit wäre eine gewisse Verwandtschaft aufgezeigt mit dem anderen Wort "kerem", was "Weinberg" heißt. Daß aber "Karmel" ausdrücklich "Weinberg" bedeutet oder - wie die Übersetzer zuweilen empfehlen - "Garten, Gartenanlage", steht mit einer aufmerksamen Lektüre der biblischen Texte, in denen das Wort vorkommt, nicht immer im Einklang. Mehrere Jahrhunderte hindurch - vor allem in der geistlichen Tradition des Ordens - bevorzugte man die Hypothese, die den Ursprung des Wortes "Karmel" als eine Zusammensetzung von "kerem" + "´el" (der Name für Gott, daher "Weinberg", "Garten" Gottes) erklärte. So sympathisch diese Erklärung auch sein mag, grammatikalisch ist sie absolut unhaltbar, ebensowenig beim vergleichenden Studium verschiedener Texte. Schon Origenes (dem Hieronymus zum Teil folgte) hat Phantasie-Behauptungen aufgestellt. Er hat zwei irgendwie ähnliche Wortstämme zusammengeschoben und dem Karmel dann die unverständliche und phantastische Erklärung gegeben: "Wissenschaft der Beschneidung".
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kuppel der Kirche Stella Maris.
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Es ist das Verdienst von Pater Joüon, der in seiner philologischen Analyse mit mehr Sachlichkeit arbeitet, und vor allem von P. E. Friedmann, der mit mehr Feingefühl an die (Welt der) Exegese und an die hebräische Kultur herangeht, die Nachforschungen ins rechte Licht zu rücken. Das hebräische Wort "karmel" wäre nach diesen beiden Gelehrten gleichbedeutend mit einer besonderen Art von Vegetation. Diese befindet sich zwischen "midbar" (d. h. Steppe, eine eher trockene und fast wüstenähnliche Zone) und dem "ya´ar" (einen Wald mit hohen Bäumen, wie z. B. die Berge des Libanon mit ihren Zedern). Der biblische Hebräer bezeichnet also mit "Karmel" ein Gestrüpp, eine Waldung mit reicher Vegetation, die aber vor allem aus Sträuchern und kleinen Bäumchen besteht. Diese Erklärung von P. E. Friedmann paßt übrigens genau zu dem Bild, das die Vegetation auf dem Berg Karmel bietet. Wer diese Region besucht hat, wird sich an die typischen Pflanzen und Gewächse am Mittelmeer erinnern, vor allem an Sträucher und wilde Früchte. Auch heute noch befinden sich hier sehr wenige Wohnhäuser, und die Dörfer der Drusen sind ebenso selten, denn der Erdboden bietet wohl Weide für das Vieh, ist aber für den Ackerbau nicht geeignet.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Altar der Kirche Stella Maris am Beerg Karmel. Das Heiligtum von Stella Maris
wurde zwischen 1827 und 1836 erbaut.
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Die wenigen vorhandenen Äcker sind nur der zähen und harten Arbeit der Menschen zu verdanken. Die häufigen Regenfälle hingegen haben immer das Wachstum einer üppigen, prachtvollen Vegetation gefördert. Die Bibel selbst bezeugt die verschiedenen Arten von Vegetation. Die drei erwähnten Ausdrücke kommen immer wieder vor, so daß man bei bestimmten Texten fast den Eindruck hat, als handle es sich um eine literarische Form. In Jes 32,15 z. B. bezeichnen die drei Vegetationsformen eine ständig fortschreitende Herrlichkeit und Fruchtbarkeit: "Dann wird zum Fruchtgarten die Steppe; der Fruchtgarten aber gilt als Wald." Ein Text, der sich in der christlichen Tradition großer Beliebtheit erfreute - und vor allem in der marianischen Spiritualität des Karmel (der berühmte lateinische Ausdruck "caput tuum ut Carmelus"), ist die Stelle im Hohelied 7,6. Der Bräutigam beschreibt die Schönheit seiner Geliebten auf typisch orientalische Art und verwendet dabei Vergleiche aus der Natur. Im Vers 6 erklärt er: "Dein Haupt gleicht oben dem Karmel; wie Purpur sind deine Haare." Einige Exegeten wollen den Parallelismus zwischen den beiden Vergleichen hervorheben (Karmel/Purpur) und lesen auch im ersten Fall nicht "karmel", sondern "karmil" (Purpur): diese unpassende Wiederholung hat jedoch nicht viel Sinn. Der Hinweis auf geographische Gegebenheiten scheint demgegenüber ganz natürlich.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Megadim Felsen am Berg Karmel, 30km westlich von Nazareth.
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Beim Vergleich mit der Geliebten wurden nämlich bis zu dieser Stelle geographische Symbole herangezogen, und die Beschreibung, die bei den Füßen begann, ist nun bis zur Nase gekommen (Vers 5). Für einen guten Kenner der Erdkunde Palästinas war es ziemlich leicht, an die Nase eines Mädchens zu denken, wenn er die eigenartige Form des Karmelvorgebirges betrachtete, das bei Haifa steil abfällt. (Tatsächlich nennen die Araber den Karmel "anf el-jebel", "die Nase des Gebirges".) Es lag ebenso nahe, an die Haare der Geliebten zu denken, wenn man die üppige und dichte Vegetation sah, die den süd-östlichen Abhang des Karmel bedeckt. Das Eigenartige eines solchen Vergleiches darf uns nicht schockieren, denn die biblische Dichtkunst ist von unseren lyrischen und ästhetischen Empfindungen Lichtjahre entfernt. (vgl. Hld 4,1: "Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die herabzieht von Gileads Bergen"!) Wir kehren zu unserem Text zurück und stellen fest, daß die griechische Übersetzung (Septuaginta) und die lateinische (Vulgata) diese geographischen Vergleiche wortwörtlich übersetzen.
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Berg Karmel
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 Die hebräische Überlieferung hat den genannten Vers 7 immer erklärt und ihn mit dem Berg Karmel und mit dem Propheten Elija in Verbindung gebracht, indem sie unter Hinweis auf Alliterationen und Wortspiele eine allegorische Auslegung bevorzugte: "Es sprach der Heilige - Er sei gepriesen - zu Israel: Dein Haupt (ro´shek) über dir ist wie der Karmel: die Armen (rashim) in deiner Mitte sind Mir teuer wie Elija, der auf den Berg Karmel stieg" Cant. Rabba VII; 6,1). Andererseits ist ein solcher Vergleich der biblischen Ausdrucksweise nicht ganz fremd. Es kann sich - wie es tatsächlich in unserem Fall zutrifft - um ein Wortspiel handeln mit dem zweifachen Sinn des Ausdrucks ro´sh (Haupt: als Kopf eines Menschen oder als ein Vorgebirge). Das Wort "ro´sh hakkarmel" wird mehrmals verwendet, um das Vorgebirge des Karmel (das bei Haifa steil abfällt) oder irgendeinen Gipfel des Gebirgszuges zu bezeichnen. In ihrem feinen, poetischen Einfühlungsvermögen spielen die biblischen Autoren also mit dem Bild des Karmel, wenn sie die Vorstellung von Schönheit und Fruchtbarkeit beschreiben wollen.
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Ausläufer des Karmelgebirges.
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Wegen der reichen Vegetation, wegen seiner grünen Bäume und Sträucher, wegen der Vielfalt von Blumen, Pflanzen und Tieren ist der Karmel in der Bibel ein Land von großer und seltener Schönheit. Die Propheten weisen häufig auf diesen Zusammenhang hin. Besonders typisch ist die Stelle bei Jes 35,1-2. Der Dichter will mit eindrucksvollen Bildern den herrlichen Triumph Jerusalems und die Freude über die Rückkehr nach Zion schildern und schreibt: "Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes." L. Alonso Schöckel bemerkt zum Ausdruck "blühen": Es ist dies die Freude der Vegetation, die in Formen und Farben zum Ausdruck kommt. Die Pracht der Bäume und Pflanzungen ist wie ein Widerschein der Herrlichkeit und Schönheit des Herrn."
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Impression am Karmelgebirge.
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Wenn die Menschheitsgeschichte und die gesamte Natur für den Israeliten vor allem eine Theophanie, eine Offenbarung Gottes, sind, oder noch besser: eine Gotteserscheinung, ein Hindurchschimmern Seiner Schönheit und Seines Glanzes, dann versteht man auch, daß der Schriftsteller zum "Karmel" greift, weil dieser das natürlichste Bild ist, das ihm zur Verfügung steht, um den Glanz göttlicher Herrlichkeit zu besingen. Es wäre noch darauf hinzuweisen, daß die Pracht und die Schönheit des Karmel und seine Vegetation Symbol sind, um die Schönheit des neuen Jerusalem zu schildern. Die wirkliche geographische Landschaft übersteigt also den Glanz und die Schönheit der heiligen Stadt. Wahrlich, der Prophet dürfte nichts Strahlenderes gekannt haben als den Karmel in der Fülle seiner Prachtentfaltung! Als Landschaft von seltener Schönheit wird der Berg Karmel auch zum Symbol üppiger Fruchtbarkeit, reizvoller Anmut und beglückenden Gedeihens wegen seiner an Vegetation reichen Höhenzüge, wegen der dichten Wälder und des Reichtums an verschiedenen Gewächsen.
Karmel - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Das Karmel Gebirge mit dem Berg Karmel in Israel.
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Es handelt sich nicht um eine Feststellung in absolutem Sinn, denn - das wurde schon betont - die Hügel des Karmel sind z. B. nicht für Ackerbau geeignet, sondern bieten vor allem Weideplätze. Bei Jer 50,19 lesen wir: "Israel aber bringe ich zurück auf seinen Weideplatz; es soll auf dem Karmel und im Baschan weiden." Die Bodenbeschaffenheit dieses Gebietes ist nämlich so, daß die Pflanzenwelt eher spontan und wild gedeiht - ohne Zutun des Menschen. Jesaja warnt sein Volk vor einer rein menschlichen Bündnispolitik und fordert es auf, umzukehren und sein Vertrauen allein auf den Bund mit Gott zu setzen. In wenigen Versen beschreibt er sodann die überreichen Früchte der Bekehrung und die Ausgießung des Geistes: "... dann wird die Wüste zum Garten (karmel), und der Garten (karmel) wird zu einem Wald. In der Wüste wohnt das Recht, die Gerechtigkeit weilt in den Gärten (karmel)" (Jes 32,15-16). In Jes 29,17 lesen wir: "Nur noch kurze Zeit, dann verwandelt sich der Libanon in einen Garten (karmel), und der Garten (karmel) wird zu einem Wald.
Text auszugsweise aus
www.karmel.at/berg/elija
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