Karmeliten
Beschuhte Karmeliten und Karmelitinnen (Teresianischer Karmel)
Ordo Carmelitarum Calceatarum
Ordenskürzel: OCC oder OCarm
Unbeschuhte Karmeliten und Karmelitinnen (Barfüßer oder Discalceaten)
Ordo Carmelitarum Discalceatarum
Ordenskürzel: OCD oder OCarmD
Karmeliten - © Fotograf Michael Kasiske / www.erzbistum-koeln.de
Unbeschuhte Karmeliten Michaelsberg Siegburg.
© Fotograf Michael Kasiske / www.erzbistum-koeln.de
Karmeliten sind die Mitglieder des römisch-katholischen Ordens der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel (lat. Ordo Fratrum Beatissimae Mariae Virginis de Monte Carmelo), der um das Jahr 1150 am Karmelgebirge im Heiligen Land gegründet wurde und der Tradition des Eremitentums entspringt. Die Mitglieder des in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gegründeten weiblichen Ordenszweiges werden Karmelitinnen genannt. Der Orden spaltete sich im Zuge der Reformbewegung des 16. Jahrhunderts (siehe Teresianischer Karmel) in Karmeliten und Karmelitinnen von der alten Observanz (auch Beschuhte oder Calzeaten genannt, lat. Ordo Carmelitarum Calceatarum Abk. OCarm oder OCC) und Unbeschuhte Karmeliten und Unbeschuhte Karmelitinnen (auch Barfüßer oder Discalceaten, lat. Ordo Carmelitarum Discalceatarum, Abk. OCD oder OCarmD).
Frühe Geschichte
Karmelgebirge © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Elias' Opferstätte im Karmelgebirge, Palästina; um 1900
Stelle zwischen Nazareth und Haifa.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstand eine Niederlassung von Kreuzfahrern oder Pilgern in der Nähe des Eliasbrunnens auf dem Berge Karmel in Palästina. Nach Berichten mancher Historiker wird der heilige Berthold von Kalabrien als Gründer angesehen. Die Gemeinschaft nannte sich Orden der Brüder der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Die ersten Brüder lebten noch ohne Ordensregel in asketischer Lebensweise als Eremiten, aber in einer lockeren Gemeinschaft. Der Prophet Elija war für die Brüder Vorbild.
Karmel - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Berg Karmel, Foto aus dem Jahr 1894.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Etwa 1206 oder 1214 wandten sie sich an Albert, den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, damit er ihnen eine Regel gebe. Diese Regel war auf eine rein kontemplatives Lebensweise zugeschnitten. Sie wohnten in einer Klosteranlage, in der jeder sich in einer Zelle allein dem Gebet und der Arbeit widmete. Das Vorrücken der Muslime im 13. Jahrhundert erzwang 1238 die Auswanderung der Karmeliten nach Europa. Papst Innozenz IV. änderte 1247/53 die Regel so, dass ein Bettelorden entstand, der den Brüdern neben dem immer noch als Ideal verfolgten Eremitentum auch die Tätigkeit als Seelsorger und wissenschaftliches Studium ermöglichte.
Karmeliten - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Karmeliten müssen Palästina verlassen. Gemälde um 1520 von Jörg Ratgeb.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Schon im 13. Jahrhundert schlossen sich auch Frauen dem Orden an: Einige zogen als Klausnerinnen in bestehende Männerklöster, andere lebten in Beginenkonventen, beispielsweise in Nordfrankreich, in Italien und Spanien. Papst Nikolaus V. bestätigte 1452 einen eigenen Ordenszweig. Johannes Soreth, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts Generalprior des Ordens war, sammelte zunächst in den Niederlanden Beginengruppen zu den ersten Konventen der Karmelitinnen.
Reformbewegungen
Karmel - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Karmelitinnen vom Karmel Regina Martyrum in Berlin.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Der Orden breitete sich im 14. Jahrhundert über ganz Europa aus. In der Folge gab es mehrere Ansätze zu Reformen, um den Orden wieder dem eremitischen Ideal anzunähern, die jedoch meist scheiterten. Im Spätmittelalter verfiel der Orden wie viele andere durch Vernachlässigung des Gebets, Lockerung des Armutsgebots sowie durch Vernachlässigung des Gemeinschaftslebens. Während des Abendländischen Schismas kam es zur Parteienbildung unter einem je eigenen Generalprior. Generalpriore wie Nikolaus Audet, Johann Baptist Rossi und Johann Baptist Caffardo bemühten sich um Reformen, doch hatten sie in der Zeit des Humanismus und der Reformation keinen durchgreifenden Erfolg. Die einzige durchgreifende Reform war die der hl. Teresa von Ávila und des hl. Johannes vom Kreuz. Diese kehrten zur eremitischen Lebensweise des Ordens zurück. Vorbild und Ratgeber war für Teresa dabei auch Petrus von Alcantara, der in ähnlicher Weise den Franziskanerorden zu seinen Ursprüngen zurückführte.
Karmelitinnen - © Josef Weber - Katholisches Bildungswerk Ollern
Karmelitinnen Maria Jeutendorf.
© Josef Weber - Katholisches Bildungswerk Ollern
Teresa nahm die ältere Regel des hl. Albert von 1247 zur Grundlage ihrer Neugründung und ergänzte diese durch eigene Vorschriften, beispielsweise zu Bußübungen und dem Abhalten einer gemeinsamen Rekreation zweimal am Tage. Den ersten Konvent, den sie dem Patrozinium des hl. Josef unterstellte, gründete Teresa 1562 in Ávila. In Duruelo de la Sierra wurde 1568 mit Hilfe des hl. Johannes vom Kreuz auch ein Kloster für Brüder gegründet. 1565 bestätigte der Papst die Regel Teresas, doch brachen heftige Spannungen zwischen den Unbeschuhten (Discalceaten) und dem Karmeliten der alten Observanz aus. Die Reformgegner gingen so weit, den hl. Johannes monatelang einzukerkern. 1580 wurde eine eigene Provinz der Unbeschuhten gegründet, 1593 trennten sich die Discalceaten endgültig von den Beschuhten.
Neuzeit und Gegenwart
Karmeliten © Karmel Mater Dolorosa Maria Jeutendorf / jeutendorf.karmel.at
Treffen von Karmelitinnen und Karmeliten aus aller Welt, 2003 in Rom.
© Karmel Mater Dolorosa Maria Jeutendorf / jeutendorf.karmel.at
In der Reformationszeit und durch die Türkenkriege verloren die Karmeliten ihre nordeuropäischen Provinzen. Viele Häuser erhielten keine Almosen mehr und gerieten in existentielle Not. Die Häuser der oberdeutschen Provinz in Sachsen konnten nur mit Mühe erhalten werden, wobei die Provinziale Andreas Stoß und Eberhard Billick heftige Auseinandersetzungen mit den Reformatoren führten. Mit der Eroberung Südamerikas kamen auch Karmeliten als Missionare nach Panama, Kolumbien und Brasilien. In Rom eröffneten die Karmeliten ein Missionsseminar. Auch nach Persien, dem Fernen Osten und nach Afrika wurden beschuhte und unbeschuhte Karmeliten entsandt. Die Französische Revolution und die Säkularisation führten zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa zur Aufhebung zahlreicher Klöster sowohl des männlichen wie des weiblichen Ordenszweiges. Bruder Johannes von Frascati konnte den Orden 1827 in Palästina wiedererrichten.
Heutige Verbreitung
Karmeliten © Gemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten / www.karmel-michaelsberg.de
Übergabe einer restaurierten Monstranz an die Unbeschuhten Karmeliten.
© Gemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten / www.karmel-michaelsberg.de
Zum Karmelitenorden der alten Observanz gehören heute weltweit etwa 2000 Ordenspriester und Brüder, zu den Karmelitinnen alter Observanz etwa 900 Nonnen. Dem Orden sind außerdem etwa 3000 Schwestern in selbständigen Kongregationen angeschlossen. Zu den unbeschuhten Karmeliten und Karmelitinnen, auch Teresianischer Karmel genannt, gehören etwa 4000 Patres und Brüder sowie etwa 13.000 Nonnen, dazu kommen zahlreiche angeschlossene Institute des dritten Ordens.
Die erste Niederlassung in Deutschland bestand 1249 in Köln. Bis Ende 2012 gab es in Deutschland zwei Provinzen, in denen es insgesamt dreizehn Männer- und zwei Frauenklöster gab. Am 28. Dezember 2012 wurde die Vereinigung der Ober- und der Niederdeutschen Provinz vollzogen. Sitz der neuen Provinz ist Bamberg.
Karmeliten © Teresianischer Karmel in Österreich / http://www2.karmel.at
Unbeschuhte Karmeliten beim Plenarrat 2011 im Haus am Sonntagberg.
© Teresianischer Karmel in Österreich / www2.karmel.at
 Aktuell (Stand: 28. Dezember 2012) existieren in der deutschen Provinz acht Standorte: Bamberg (Provinzialsitz), Mainz, Springiersbach bei Bengel, Straubing, Marienthal bei Hamminkeln, Erlangen, Köln und Duisburg. Den acht Klöstern gehören 73 Patres an. Derzeitiger Provinzial ist Pater Dieter Lankes OCarm. Die Leitung der bisherigen Oberdeutschen Provinz befand sich in Bamberg (Niederlassung 1273–1802 und seit 1903). Dazu gehörten Niederlassungen in Straubing (seit 1368), Ohrdruf (1991–2007), Kloster Spriengiersbach (seit 1922), Beilstein (Mosel) (1636–1803), Bad Reichenhall (1934–2009), Fürth (1951–2010), Erlangen (seit 1967) und Mainz (1285–1802 und seit 1924); das Mainzer Kloster ist zugleich das gesamtdeutsche Ausbildungshaus. Außerdem waren die Karmelitinnen in Erlangen an diese Provinz angeschlossen.
Karmelitinnen © Karmelitenkloster Würzburg / http://www.reuerer.de
Begegnung mit dem Provinzrat der Brüder..
© Karmelitenkloster Würzburg / http://www.reuerer.de
Die Niederdeutsche Provinz hatte bis zur Vereinigung mit der Oberdeutschen Provinz ihr te bis zur Vereinigung mit der Oberdeutschen Provinz ihr Provinzialat in Duisburg. Neben dem Ausbildungshaus in Mainz gehörten zur Provinz die Konvente in Köln, Wegberg und Marienthal bei Hamminkeln. Das aufgelöste Augustiner-Eremiten-Kloster wurde 1986 von den Karmeliten wieder besiedelt. Die Karmelitinnen vom Karmel „Mutter vom guten Rat“ in Essen-Schuir (vormals in Duisburg) waren an die Niederdeutsche Provinz angeschlossen. Der Teresianische Karmel verbreitete sich in Deutschland erst im 17. Jahrhundert. Die Provinz mit Sitz in München besteht aus 50 Brüdern in sieben Konventen und etwa 300 Schwestern in 21 Klöstern. Siehe auch Unbeschuhte Karmeliten und Unbeschuhte Karmelitinnen. Konvente beider Ordenszweige gibt es weltweit, vor allem in Spanien, Italien und im spanischsprachigen Südamerika. Im niederländischen Nimwegen betreuen Karmeliten die Titus-Brandsma-Gedächtniskirche, die dem seligen Karmeliten Titus Brandsma geweiht ist.
Der Teresianische Karmel
Karmeliterinnen - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Teresa von Ávila.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Teresianische Karmel ist ein Reformzweig der Karmeliten. Dieser Reformzweig entstand 1568 aus einer Erneuerungsbewegung der spanischen Heiligen Teresa von Avila (1515–1582) und Johannes vom Kreuz (1542–1591). Diese versuchten, den Karmel zu seinen Quellen zurückzuführen und weiterzuentwickeln. Der Reformzweig wird auch als Unbeschuhte Karmeliten (Discalceaten) bezeichnet, doch gehören dazu nicht nur die Unbeschuhten Karmeliten, sondern auch die Unbeschuhten Karmelitinnen, verschiedene Kongregationen des Dritten Ordens, Säkularinstitute und die Laienbewegung der Skapulierbruderschaft. Der Orden der Unbeschuhten Karmeliten wird international mit den Initialen OCD (für lateinisch: Ordo Carmelitarum Discalceatorum) bezeichnet. Der ältere Zweig des Ordens, die Karmeliten, hat das Kürzel O. Carm. Die Laiengemeinschaft der Karmelitanischen Familie ist die Teresianische Karmel-Gemeinschaft TKG. Sie wird im internationalen Schriftverkehr mit den Initialen OCDS (lateinisch: Ordo Carmelitarum Discalceatorum Saecularis) bezeichnet. Ihrer persönlichen geistlichen Eigenart entsprechend, begann Teresa von Ávila die Erneuerung des Ordens im 16. Jahrhundert mit sich selbst. Sie legte ein Gelübde ab, immer dem vollkommeneren Weg zu folgen, und beschloss, die Regel so vollkommen wie nur möglich einzuhalten.
Karmeliterinnen - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz..
Kirchenfenster im Convento de Santa Teresa in Avila.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Eine Gruppe von Schwestern versammelte sich im September 1560 in Teresas Zelle. Inspiriert von der Tradition des Karmels und der Reform der Unbeschuhten des Petrus von Alcantara, schlugen sie die Gründung eines Klosters vor, in dessen Regel sich eremitische (Meditation, Leben und Arbeiten in der Stille und möglichst in der Einsamkeit der eigenen Zelle) und gemeinschaftliche Elemente (gemeinsames Stundengebet und gemeinsame Rekreation zweimal täglich) vereinen sollten. Am 24. August 1562 wurde das Kloster, das dem heiligen Josef geweiht war, gegründet. 1568 gründete Teresa von Ávila in Duruelo mit dem heiligen Johannes vom Kreuz den ersten Konvent der „Unbeschuhten Brüder“. Zu den Heiligen und Seligen, die aus dem Orden der Unbeschuhten Karmeliten hervorgegangen sind, gehören: Therese von Lisieux, Elisabeth von der Dreifaltigkeit, Teresa de Los Andes, die Märtyrinnen von Compiègne und Edith Stein. Die bekannteste deutsche Karmelitin ist die hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein); wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde sie am 9. August 1942 in einer Gaskammer des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ermordet. Edith Stein ist Mitpatronin Europas.
Die Unbeschuhten Karmeliten
Karmeliterinnen - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Unbeschuhte Karmelitinnen in Argentinien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Unbeschuhten Karmeliten (Ordenskürzel: OCD) sind der männliche Zweig der Reformbewegung des Teresianischen Karmels. Der Orden wurde von Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz im Jahr 1568 in Duruelo (Spanien) begründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Karmelitenkloster Döbling in Wien erbaut. In Wien begannen die Karmeliten 1622 in der Leopoldstadt, siehe dazu die Karmeliterkirche und das Karmeliterviertel und der Karmelitermarkt. Das Karmelitenkloster Maria Schnee wurde 1840 in Graz begonnen. Das erste Karmeliterkloster in Graz am Karmeliterplatz wurde im Zuge des Josephinismus 1789 profanisiert und wird heute als Steiermärkisches Landesarchiv genutzt.
www2.karmel.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Karmeliten" der
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