Karmeliterkirche
Pfarrkirche hl.Josef
Karmelitergasse 10, 1020 Wien
Karmeliterkirche © E. Gaube
Karmeliterkirche und Karmeliterplatz.
Die römisch-katholische Pfarrkirche hl.Josef ist eine ehemalige Karmeliterkirche in der Taborstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt.
Geschichte
Karmeliterkirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Karmeliterkirche; Gesamtaufnahme über Eck von links.
Bild: Stauda, August; 1906.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Ursprung führt in das Heilige Land, wo Einsiedlerbrüder nach dem Vorbild des Propheten Elias in den Höhlen des Karmelgebirges zu Ehren Gottes und der Heiligen Jungfrau beteten und fasteten. Zur Zeit der Kreuzzüge um 1200 erhielten die Einsiedlerbrüder ein feste Ordensregel: Stillschweigen, Betrachtung und strenges Fasten zu üben. Um 1235 wurde der Orden nach Europa gebracht und durch die hl. Theresia von Avila reformiert. Sie entfaltete ihre Tätigkeit in der Zeit der Gegenreformation. Nach Wien wurde der Karmeliterorden im Jahre 1360 durch Herzog Rudolf den Stifter berufen. Die Karmeliter erbauten 1386 auf dem Platz Am Hof Kloster und Kirche. Der Ordensblüte folgt jedoch zur Zeit der Reformation ein völliger Niedergang. Schließlich wurden Kirche und Kloster den Jesuiten übergeben.
Karmeliterkirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Karmeliterkirche; Schrägaufnahme von rechts; davor Taborstraße 19 (Pfarrhof).
Bild: Stauda, August; 1902.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Erst durch das Wirken des großen Ordensgenerals P. Dominicus a Jesu Maria, der auf die Schlacht am Weißen Berg großen Einfluss nahm (1620), berief Kaiser Ferdinand II. die Karmeliter wieder nach Wien. Er übergab ihnen 1623 zur Gründung von Kirche und Kloster einen Platz im "Unteren Werd enthalb der Schlagbrücken".
Hier entstand bis 1639 das Kloster und die heutige Pfarrkirche St. Josef. In ihr wurde damals P. Dominicus beigesetzt. Seit 1903 ruhen seine Gebeine in der Karmeliterkirche in Döbling.
Karmeliterkirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Karmeliterkirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Teilaufnahme Pfarrhof/Kloster
Dahinter Turm und Chorwand der
Karmeliterkirche Hl.Josef.
Bild: Stauda, August; 1902.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Aufnahme von rechts gegen
die Karmeliterkirche Hl.Josef.
Bild: Stauda, August; 1902.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die ehemalige Klosterkirche des Karmeliterordens an der Taborstraße und am Karmeliterplatz, ursprünglich geweiht auf die Heiligen Maria und Elisabeth ist nun eine Pfarrkirche hl. Josef. Ferdinand II. stiftete am 7. August 1623 das Kloster, welches 1624 provisorisch errichtet war und Namensgeberin für das Grätzl Karmeliterviertel wurde. Durch die Liechtensteinische Stiftung erfolgte von 1630 bis 1639 (?) durch Carl von S. Joseph (?) ein Neubau. Bei der Türkenbelagerung ging das Kloster in Flammen auf und die Kirche wurde schwer beschädigt.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Karmeliterkirche - Kanzel und Seitenaltar.
Karmeliterkirche © E. Gaube Karmeliterkirche © E. Gaube
Der Dreifaltigkeitsaltar stammt aus
dem Jahre 1702.
Karmeliterkirche - Blick durch das
Kirchenschiff gegen den Hochaltar.
Nach glücklicher überwindung der Gefahr stellte man 1723 eine Dreifaltigkeitssäule auf dem Platz vor der Kirche auf. 1783 erhob Kaiser Josef II. in Verfolgung des Josefinischen Staatsgedankens, dem auch die Kirchenreform dienen sollte, die Karmeliterkirche zur Pfarrkirche. Die neue Pfarre übernahm einen Teil der alten Leopoldstadt zur Seelsorge, es kam jedoch in den folgenden Jahren zu Veränderungen des Pfarrgebietes. Es wurde mit St. Leopold und St. Johann Nepomuk geteilt.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Eingangsportal der Karmeliterkirche.
Schwere Bedrängnisse traten im 19. Jahrhundert ein, zunächst zur Zeit der napoleonischen Kriege 1805 und 1809. Eisstoß und überschwemmungen der Donau richteten im März 1830 schweren Schaden an; auch die Pfarrkirche St. Josef wurde teilweise überflutet. 1831/32 kam es zu einer Choleraepidemie, welcher 63 Pfarrangehörige zum Opfer fielen. Die Anzahl der Priester und Brüder ging in diesen Jahren so stark zurück, dass der Wiener Konvent 1840 nach Linz überstellt und ein Teil des Klostergebäudes als Altersheim für Frauen eingerichtet wurde, betreut von Barmherzigen Schwestern aus Zams in Tirol.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Karmeliterkirche
Auch während der Kämpfe im Revolutionsjahr 1848 wurde die Kirche schwer beschädigt und 1871 bei einer überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen. 1901 übersiedelten die verbliebenen Karmeliter nach Döbling. Das alte Klostergebäude wurde der Gemeinde Wien übergeben und 1910 demoliert, jedoch entstand gleichzeitig - an den Chor der Kirche anschließend - das heutige Pfarrhaus. Bei dieser Gelegenheit wurde die ehemalige Hauskapelle an die Taborstrasse verlegt. Das ehemalige Klostergebäude wurde von 1904 bis 1906 abgerissen. Im 2. Weltkrieg erlitten Turm und Kirche bei den Bombenangriffen schweren Schaden, der 1961 ganz behoben werden konnte.
Karmeliterkirche © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Karmeliterkirche; Blick auf die Fassade des Karmeliterklosters;
rechts ein Teil der Fassade der Karmeliterkirche.
Bild: Stauda, August; 1902.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der frühbarocke Kirchenbau hat ein Langhaus mit niedrigen Seitenkapellen unter einem Pultdach und einem Querschiff, wobei ein hohes Langhausdach die Vierungskuppel verdeckt. Die schlichte östliche Langhauswand liegt in der Flucht der Taborstraße. Die repräsentative turmlose Kirchenfassade zeigt in Richtung Innere Stadt zum Karmeliterplatz und trägt ein Wappen des Hauses Liechtenstein. Ein schlichter Kirchturm steht westlich der Sakristei.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Der Hochaltar der Karmeliterkirche.
Der Hochaltar ist ein riesiger, reich geschmückter Nischenbaldachin, der dem hl. Josef geweiht wurde. Das Altarblatt ist ein Frühwerk des Malers Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) und stellt die Vision der hl. Theresia 1563 im Josefskloster von Avila dar. Die Gottesmutter bedeckt sie als Zeichen ihres besonderen Schutzes mit einem weißen Mantel. Gott Vater und Sohn blicken huldvoll aus der Glorie auf die Reformatorin herab. Oben schwebt, vom Hauptbilde getrennt, die dritte göttliche Person, von Engeln umgeben. Die Hochaltarstatuen stellen (von der linken Seite nach rechts) dar: den hl. Cyrillus, den Bischof von Alexandrien (gest. 1234), den dritten General des Ordens, rechts neben ihm den Propheten Elisäus im Ordenskleid der Karmeliten. Rechts vom Tabernakelaufbau steht der Prophet Elias; auch er ist mit dem Karmelitenhabit bekleidet, weil er als Stammvater des Ordens gilt. Rechts außen steht der hl. Andreas Corsini (gest. 1373), Bischof von Fiesole.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Blick durch das Längsschiff gegen den Hochaltar.
Das Tabernakel zeigt in einem Relief das Opfer Abrahams. Der Aussetzungsthron wird von einem zierlichen Baldachin überwölbt, auf dem das Lamm Gottes liegt. Interessant sind die beiden Marmorportale links und rechts vom Hochaltar mit ihren reich verzierten eisernen Gittertüren. An der Grenze zwischen Chor und Langhaus erheben sich die Standbilder des hl. Johann Nepomuk und des Bischofs und Nothelfers Erasmus. Sein Symbol ist die Welle mit den Gedärmen.
Karmeliterkirche © E. Gaube Karmeliterkirche © E. Gaube
Die Kanzel der Karmeliterkirche.
Die Kanzel stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An der Brüstung hält ein Engel ein Buch, in dem die Worte stehen: "Wer aus Gott ist, hört aus Gottes Wort." Rechts sehen wir den hl. Hieronymus mit der Bibel in der Hand, die er in die lateinische Sprache übersetzt hat, links den größten Kirchenlehrer des Frühchristentums, den hl. Augustinus. Das Relief an der Tür stellt P. Dominicus a Jesu Maria dar. Den Schalldeckel krönt das Standbild der hl. Jungfrau, flankiert links und rechts durch die hl. Theresia und den hl. Johannes vom Kreuz.
Karmeliterkirche © E. Gaube Karmeliterkirche © E. Gaube
Rechter Querschiffaltar. St.-Albert-Altar.
Der rechte Querschiffaltar mit dem Bilde der Vermählung Josefs mit Maria stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Tabernakel aus dem 18. Jahrhundert zeigt in einem Relief die Anbetung der hl. Drei Könige und in einer Glasvitrine das von den Karmeliten hochverehrte Prager Jesulein. Die Statuen stellen St. Johann den Evangelisten, Johannes den Täufer und St. Florian dar. Dieser Altar wurde 1659 von Erzherzog Leopold Wilhelm gestiftet. Der St.-Albert-Altar wurde 1658 von der Familie des Freiherrn von Heberstein gestiftet. Das Altarblatt zeigt die Gottesmutter, wie sie dem Gesetzgeber des Ordens, dem hl. Albert, das Jesuskind in die Arme legt; oberhalb eine von zwei Engeln gehaltene Inschrift: Hl. Albert, Schützer der Unfruchtbaren und Fieberkranken. Darunter ein Mariahilfbild, nach dem der Altar auch als Mariahilf-Altar benannt wird. Der Heilige mit dem Buche, den Regeln der Karmeliten, ist der hl. Brokard, der andere der hl. Angelus von Jerusalem. Das Relief an der Altarspitze zeigt den hl. Michael.
Karmeliterkirche © E. Gaube Karmeliterkirche © E. Gaube
Altar des hl. Johannes vom Kreuz. Der Skapulier-Altar.
Der Skapulier-Altar. Sein Altarblatt zeigt die hl. Theresia betend vor der Gottesmutter. Engel halten der Heiligen Skapuliere entgegen. Es ist mit 1667 signiert. Das Unterbild stellt die hl. Ordensmutter mit einem Buch dar. Das Relief auf dem obersten Teil des Altars zeigt den Papst beim Empfang einer Gesandtschaft der Karmeliten. Die beiden Medaillons links und rechts zeigen das eine das Schweißtuch Veronikas, das andere die Pieta. Links und rechts vom Haupteingang befinden sich Weihwasserbecken mit den Wappen des Grafen Erdödy Pillsy und des Fürsten Liechtenstein. Den Altar des hl. Ordensvaters Johannes vom Kreuz, der auch wegen der der Mariazeller Muttergottes nachgebildeten Statue in der Vitrine "Mariazeller-Altar" genannt wird, schmückt ein Gemälde (angeblich von Johann Ignaz Bendel), in dem ein Engel diesem geistig hochstehenden, körperlich aber unscheinbaren Mann ein Kreuz zeigt, einen Hinweis auf seinen Beinamen. Das Relief darüber zeigt die Verkündigung an Maria. Links und rechts stehen die Statuen des hl. Josef mit dem Jesuskind und der hl. Anna mit ihrem Töchterchen Maria als kleinem Mädchen, wie es von ihrer Mutter unterrichtet wird, und eine Vision der hl. Theresia.
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Deckengewölbe der Karmeliterkirche.
Der nächste Altar ist eine Stiftung der Gräfin Anna von Harrach aus dem Jahre 1657. Das Altarbild zeigt den Tod der Namenspatronin der links und rechts stellen den hl., Leopold, Markgrafen von Österreich und den hl,. Kaiser Heinrich dar. Das ovale Herz-Jesu-Bild ist in seiner Art ungewöhnlich, da es Jesus als Jugendlichen darstellt, der mit der Hand auf sein heiligstes Herz hinweist.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Karmeliterkirche - Blick gegen die Orgelempore über dem Haupteingang.
Der Dreifaltigkeitsaltar, der letzte und schönste Altar im Querschiff, stammt aus dem Jahre 1702. Er wurde von seiner Stifterin, der Kaiserin Eleonore, für das Gnadenbild "Maria mit dem geneigten Haupte" bestimmt. Das Bild der heiligen Dreifaltigkeit wird von acht Medaillons mit der Darstellung freudiger Ereignisse aus dem Marienleben umrahmt. Darunter ist die älteste Kopie des Gnadenbildes angebracht; das Original wurde am 14. September 1901, nachdem es fast 250 Jahre diesen Platz eingenommen hatte, mit den Gebeinen des hier in der Gruft bestatteten ehrwürdigen P. Dominicus Jesu a Maria in die neuromanische Karmelitenkriche zur hl. Familie nach Döbling überführt. Diesen schönen mit Glaseinlagen geschmückten Altar zieren Engelstatuen, und zwar rechts der Engel, der unsere Stammeltern aus dem Paradies trieb und die gefallene Menschheit auf die verheißene Gottesmutter hinweist. Auf der anderen Seite St. Michael im Kampfe mit dem Satan. Darunter kniet zu Maria gewendet der hl. Simon Stock (gest. 1265), dem sie in der Zeit großer Bedrängnis als Zeichen ihres besonderen Schutzes das Skapulier verliehen hat. Die Tür des Tabernakels, die bereits den beginnenden Klassizismus zeigt, ziert ein Relief mit der Szene, wie sich Jesus den Emausjüngern beim Brotbrechen zu erkennen gibt.
Die Kreuzwegbilder an den Pfeilern stammen von Historienmaler Josef Keßler (1879).
Karmeliterkirche © E. Gaube
Karmeliterkirche - Blick gegen die Orgelempore über dem Haupteingang.
Die Orgel ist eine der hervorragendsten Barockorgeln, die Wien besitzt. Sie ist das einzige Werk Wiens aus der theresianischen Epoche, dem stilwidrige Änderungen auf klanglichem Gebiet oder sonstige nachteilige Eingriffe erspart geblieben sind. Es dürfte ein Werk eines böhmischen oder mährischen Meisters sein. Auf ihr spielte schon der Lehrer Beethovens, Johann Georg Albrechtsberger.
Karmeliterkirche © E. Gaube
Wandbild an der Langhausseite der Karmeliterkirche; Taborstraße.
Karmeliterkirche © E. Gaube Karmeliterkirche © E. Gaube
Die geöffnete Kapelle an der Langhausseite der Karmeliterkirche; Taborstraße.
Im Jahre 1910 wurde an der Langhausseite der Taborstraße eine Kapelle angebaut.
www.st-leopold.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Karmeliterkirche_(Leopoldstadt)" der
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