Franziskanerkloster Schwaz in Tirol
Franziskanerprovinz Austria vom hl. Leopold
Gilmstraße 1, 6130 Schwaz in Tirol
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz.
© Franziskanerprovinz Austria / FJR
Das Franziskanerkloster Schwaz ist ein Kloster der Franziskaner (OFM) in Schwaz in Tirol in Österreich. Die Franziskaner waren schon seit 1471 regelmäßig zur Aushilfe nach Schwaz gekommen. Den Grund für Kirche und Kloster hatte Hans Fieger von Melans zu Friedberg (d.Ä.) von Andrä Stollbrock erworben und 1507 den Franziskanern geschenkt. Am 30. August 1507 wurde die Schenkungsurkunde von Hans Fieger ausgestellt. Am selben Tag fand auch die Grundsteinlegung statt, wie auf der dargestellten Urkunde zu sehen ist.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz und Klosterkirche.
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Die offizielle kirchliche Zustimmung erfolgte einen Monat nach der Grundsteinlegung, am 26. September 1507, im Rahmen eines Festaktes unter der Leitung von Conradus, Abt von St. Georgenberg, Abt Leonhard von Wilten und dem zuständigen Pfarrer Peürl von Vomp. Als Gesandter Kaiser Maximilians wurden der am kaiserlichen Hofe weilende Franziskaner P. Johannes de Donis, resign. Bischof von Großwardein, nach Schwaz gesandt. Nach einem Hochamt in der Vomper Pfarrkirche zog man in einer Prozession nach Schwaz und Prior Baumgartner von St. Georgenberg verkündete, dass kirchlicherseits keine Einwände mehr bestünden und der Bau begonnen werden konnte. Bereits am 23. November 1507 wurde der sich im Bau befindende Haupttrakt des Klosters eingeweiht. Mit dem Bau der Klosterkirche begann man im April 1508. Um das Jahr 1518 wurde an der Nordseite der Kirche noch der Friedhof errichtet.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz - Refektorium.
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Der Bereich oberhalb des Refektoriums, Brüdergang genannt, hat eine große Balkendecke wie der darunter liegende Speisesaal. Im Brüdergang hing von Beginn an ein großes gotisches Kruzifix, welches sich seit den 1990er Jahren in der Bonaventurakapelle befindet. Der große Innenhof war um das Jahr 1730 noch begrünt. Die Klosterchronik erwähnt im Jahr 1699 eine Neugestaltung des Kreuzganghofes mit Blumen, Säulen und Bänken. Schon damals stand die markante Linde auf unserem Kirchenvorplatz. Leider steht auch die alte Weberei im Garten nicht mehr.
Durchaus sehenswert ist auch das alte Refektorium (der Speisesaal), welches sich seit der Anfangszeit nicht sehr verändert hat. Natürlich wurden die Tische und der Holzboden sowie die Vertäfelung im Laufe der Jahrhunderte einige Male erneuert (zuletzt 1961).
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz - Kreuzgang.
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Die Bonaventurakapelle und der Kreuzgang des Klosters (der ja auch als Begräbnisstätte diente) wurden, wie schon erwähnt, am 16. Oktober 1509 eingeweiht. An den Konsolen der Gewölberippen brachte man die Wappen der Fürstentümer und Länder Kaiser Maximilians an. Damit sollte dem Kaiser für seinen Einsatz und seine Fürsorge gedankt werden. Die Fresken wurden in den Jahren 1519-1526 geschaffen (Ein früherer Beginn, ca. 1516, ist auch denkbar). Der Schöpfer dieser Bilder ist der Franziskaner Wilhelm von Schwaben. Wahrscheinlich, so die heutige Meinung, hat er die Fresken aber nicht ganz alleine geschaffen. Auch ist die Detailtreue der Zeichnungen von Bild zu Bild verschieden. Pater Wilhelm könnte also mehrere Helfer gehabt haben. Ein Fresko stellt laut dem Konventprotokoll (Chronik) die Maler dar. In einem Eintrag, heißt es übersetzt: „Drei Maler können gesehen werden in der linken Ecke, wenn man aus der Refektoriumstür hinausgeht“. In früheren Schriften wurden die Brüder Hans und Jakob Rosenthaler, Brüder des Gewerken und Stifters Caspar, als Maler bezeichnet, aber diese Behauptung entbehrt jeder historischen Wahrheit. Tatsächlich sind die Namen der Künstler bis heute unbekannt. Dargestellt ist ein Passionszyklus in 24 Bildern auf einer Fläche von über 200m². Als Vorbilder dieses Passionszyklus dienten Holzschnitte der Meister Hans Schäufelein, Albrecht Dürer und Martin Schongauer. Die Schöpfer der Fresken verlegten die Szenen des Passionszyklus in ihre Zeit, wodurch sehr interessante Details aus jener Epoche zu sehen sind. Das geht von der Kleidung über Alltagsgegenstände bis zu den Waffen. Die "Zeichnungen" wurden dann flächendeckend bemalt. Die Bilder sind nicht chronologisch geschaffen worden, sondern die Reihenfolge bestimmten die jeweiligen Stifter der Bilder (erkennbar an den unteren Ecken der Fresken, soweit noch vorhanden und teilweise auch an den Schlusssteinwappen im Gewölbe). Gleich die ersten drei Fresken im Westgang (Abendmahl, Ölberg, Gefangennahme) wurden von den drei Fieger-Brüdern gestiftet: Sigmund, Christoph und Hans Fieger. Die Ziermalereien am Gewölbe (Ranken und Vogelbilder) entstanden im späten 16. Jh. (Experten gehen auch von einer viel späteren Schöpfung bzw. einer Übermalung/Ergänzung des 19. Jh. aus). Schließlich soll noch erwähnt werden, dass der Kreuzgang lange Zeit als Grabstätte verwendet wurde. Zahlreiche Gebeine liegen noch unter den Steinplatten. Von den Grabplatten hat nur eine Einzige die Zeiten überdauert. Sie liegt am Ende des Südganges und gehört zum Grab des Jörg Scholt, der 1512 verstorben war. Die Künstlerzeichen auf der eingelassenen Erzplatte lassen vermuten, dass Jörg Scholt als Künstler beim Bau beteiligt war.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz - Klosterkirche
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Die Leitung und Planung für den Kirchenbau 1508 wurde wie schon beim Kloster dem Meister Christoph Reichartinger übertragen. Der ausführende Werkmeister war Ulrich Klotz, der selbst auch Steinmetz war. (Er hat u.a. das Refektoriums- und das Sakristeiportal geschaffen). Als Vorlage diente Reichartinger die Hl. Kreuz-Kirche in Augsburg (ehem. Chorherrenstift, im 2. Weltkrieg durch Bombentreffer schwer beschädigt, heute Dominikanerkloster). Am 3. Mai 1515 wurde die neue (noch nicht ganz fertiggestellte) Kirche feierlich eingeweiht. (Das Kirchweihfest wurde früher traditionellerweise immer am dritten Sonntag nach Ostern gefeiert). Die Franziskanerkirche gehört zu den größten gotischen Gotteshäusern Tirols (59 m lang, 20 m breit). Es wurden sechs gotische Altäre errichtet, von denen der Apostelaltar das Werk Hans Malers war. Der Hochaltar stellte im Mittelschrein die Stigmatisation des Hl. Franziskus dar, die Seitenaltäre u.a. Maria Schmerzen, Sippen-, Apostel- und Passionsaltar. (Der Schmerzensaltar wurde von der 1512 gegründeten Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens gestiftet). Im Jahre 1521 kam aus Eichstätt über Passau ein vom schwäbischen Meister Loy Hering gefertigtes Steinkreuz. Es wurde im Langhaus mittlings vor dem Lettner aufgestellt und mit einem Gitter umschlossen. Bereits im Jahre 1585 wurde der Hochaltar auf Betreiben des Provinzials P. Gabriel Raber durch einen Renaissancealtar ersetzt (bzw. der Altar umgebaut). Dieser wurde vom Haller Maler Melchior Ridterl (od. Ritterl) gefaßt. Er stellte, wie sein Vorgängerwerk, wiederum die Stigmatisierung des Hl. Franziskus dar. Dieser Altar ist leider verschollen.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Friedhof des Franziskanerklosters Schwaz.
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Von der gotischen Grundausstattung ist in der Franziskanerkirche nur sehr wenig erhalten, so etwa eine spätgotische Skulptur der "Mater Dolorosa" aus dem frühen 16. Jh. und das ausdrucksvolle Steinkruzifix des Loy Hering (laut Prof. Ulrich Söding stammt es vom Augsburger Meister Gregor Erhart). Drei Tafelbilder des Apostelaltars, die Tafelbilder des Passionsaltars und fünf Bilder des Annaaltars (Sippenaltar) sind heute auf Schloss Tratzberg. Zwei weitere Tafelbilder aus dem Apostelaltar des Hans Maler (Marter der Apostel Bartholomäus und Andreas) befinden sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Sie wurden um 1816 verkauft bzw. geraubt. Ihre letzten Tafelbilder verkauften die Franziskaner vermutlich um das Jahr 1840. Neben der Schmerzensgruppe blieben nur zwei gotische Reliefs (ca. 1520) dem Kloster erhalten, denn sie waren im Altar der Bonaventurakapelle eingearbeitet worden.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster Schwaz mit Gartenanlage 1883.
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1696 wurde wiederum ein neuer Hochaltar und neue Seitenaltäre errichtet (so u.a. ein neuer Schmerzensaltar, 1700-1705 und wahrscheinlich auch den Franziskus- und den Antoniusaltar ), diesmal von den Franziskanern selbst, nämlich dem Tischler Frater Felizian Griessauer und dem Maler Frater Lukas Plazer. Letzterer schuf u.a. das Hochaltarbild "Allerheiligen des Seraphischen Ordens", welches heute im Seitenschiff hängt, und die Medaillons des ehemaligen Seitenaltars Maria Schmerzen. Die größten Veränderungen fanden im Jahre 1735 unter der Leitung von Baumeister Jakob Singer statt. Guardian P. Theophilus Perkhofer war von der Provinzleitung damit beauftragt worden. Die drei rückwärtigen Fenster im Presbyterium dürften zu dieser Zeit zugemauert worden sein. Der Lettner und die Rippengewölbe wurden entfernt und das Gewölbe von Jakobs Bruder Hans Singer und Jakobs Sohn Kassian mit feinen Stukkaturen geschmückt. Es war auch der junge Absamer Bildhauer Johann Michael Fischler an der Gotisches Kreuz von Loy Hering mit Barockaltar und Figuren von J.M. FischlerAusstattung der Kirche beteiligt.
Das Heilige Grab
im Schwazer Franziskanerkloster
Text: Wolfram Köberl
Als krönenden Abschluss der Barockisierung schuf Christoph Anton Mayr ein großes Heiliges Grab für die Schwazer Klosterkirche. Dieses wurde am 18. April 1764 zum ersten Mal aufgestellt. Als theologischer Berater diente dem Künstler der ebenfalls als Maler tätige Pater Cyrill Oberberger († 1767). Die Bruderschaft der sieben Schmerzen Mariens hatte dazu 200 Gulden gewährt, was aber nicht ausreichte, sodass das Kloster noch eine „nicht so kleine Summe" beisteuern musste. Der hohe weite gotische Chorschluß ist vollkommen ausgefüllt mit einem mehrstöckigen Gebäude (die bemalte Fläche beträgt etwa 160 Quadratmeter), einem riesigen Aufgebot von Säulen, Ornamenten, Blumengirlanden, Figuren und Kartuschen. Und doch ist die architektonische Grundform verhältnismäßig streng.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR   Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Impressionen von der Grabaufstellung, Kulissen anbringen links unten.
Oben und rechts unten das fertige Heilige Grab.
 © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Der Beschauer, zunächst verblüfft vom Aufwand und wohl auch von der Brillanz solcher Darbietung, hätte gewiss Mühe, sich in der lkonologie (Bildsprache) zurechtzufinden, kämen ihm nicht die deutschen Bibeltexte, auch sie in ungewöhnlicher Fülle, zu Hilfe.
Konventarchiv
Jedes Kloster besitzt ein eigenes Konventarchiv. Auch im Schwazer Franziskanerkloster hat sich eine solche historische Sammlung erhalten. Nachdem durch den Brand des Marktes Schwaz 1809 viele Dokumente verschiedenster Institutionen unwiederbringlich verloren gegangen waren, ist das Konventarchiv des hiesigen Franziskanerklosters zum historischen Gedächtnis von Schwaz und seiner Umgebung geworden. Im Jubiläumsjahr 1907 wurde in der Bibliothek ein eigener Archivschrank für die wertvollen Dokumente errichtet. Hier sind die Handschriften und Urkunden untergebracht.
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Psalmen-Handschriftfragment - 15. Jhdt.
© Franziskanerprovinz Austria / FJR
So manche "Schwazer Archivalien", wie etwa die Stiftsurkunde des Schwazer Klosters, das Geschäftsbuch der Schwazer Tuchmacherei, Nachlässe von Schwazer Mitbrüdern, Fotoalben mit Aufnahmen des Klosters, "die Regesten von Schwaz" und "die Geschichte des Schlosses Freundsberg" des Schwazer Historikers Alois Markart, befinden sich im Haller Provinzarchiv.
Franziskanerbibliothek seit 1507
ca. 45.000 Bände, theologische Zeitschriften (laufend bis 2006)
Inkunabeln: 477 Titel in 327 Bänden, Manuskripte
Sammelgebiete: (Franziskanische) Theologie, Tirolensien, Geschichte, Recht ...
Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR   Franziskanerkloster © Franziskanerprovinz Austria / FJR
Franziskanerbibliothek
Manuskript (ca. 1430)
© Franziskanerprovinz Austria / FJR
Legende des Hl. Franziskus von
Bonaventura, Nürnberg 1511
kolorierter Holzstich, in Schwaz
vom Gewerken Kaspar Rosenthaler.
© Franziskanerprovinz Austria / FJR
Von Anfang an wurde im Kloster auch eine - für damalige Verhältnisse - große Bibliothek eingeplant. Das zeigt schon die auffwendige Gestaltung des Portals durch einen Augsburger Steinmetz. Auffallend ist vor allem der reiche Bestand an Inkunabeln (467 Titel). Da das Schwazer Kloster das Glück hatte, im Laufe seiner nun fast 500-jährigen Geschichte nie aufgehoben und beim Stadtbrand 1809 verschont geblieben zu sein, besitzt es einen umfassenden, durch alle Jahrhunderte reichenden Bestand an Theologischer Literatur. Zwei Gründe sind für diesen Umstand ausschlaggebend:

1. Das Kloster war seit 1580 immer als Standort für die ordensinterne Ausbildung der Kleriker vorgesehen, so dass alle Sparten der Theologie in der Ausstattung gleichmäßig berücksichtigt wurden. Das brachte es mit sich, dass man bemüht war, in der Bibliothek immer am theologisch „neuesten Stand“ zu sein, so dass auch zeitlich gesehen kaum größere Lücken vorhanden sind. Außerdem war im Kloster (vor allem im 17. und 18. Jh.) auch das Noviziat der Tiroler Franziskaner stationiert. Diesem Umstand verdankt die Bibliothek auch eine verhältnismäßig reiche Ausstattung an aszetischer (spiritueller) Literatur.

2. Einen bedeutenden Zuwachs (ca. 1/3 des Bestandes vor 1800) verdankt die Bibliothek der Tatsache, dass das Franziskanerkloster in Innsbruck durch Josef II. aufgehoben wurde. Ein Großteil der Bibliothek des Innsbrucker „Hofklosters“ wurde nach Schwaz gebracht.
Text auszugsweise aus
Franziskanerprovinz Austria vom hl. Leopold
www.franziskaner-schwaz.at
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