Pfarrkirche Kufstein
Stadtpfarrkirche St. Vitus
Pfarrplatz 2, 6330 Kufstein
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Wolfgang Glock
Stadtpfarrkirche St. Vitus.
Blick über Kufstein aus dem Panoramalift der Festung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Wolfgang Glock
St. Vitus ist die Stadtpfarrkirche von Kufstein. Sie liegt im Zentrum der Stadt am Fuße des Festungsberges und stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Kufstein liegt im Tiroler Unterland und Unterinntal und ist nach Innsbruck die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes. Die Stadt liegt beiderseits des Inns, zwischen dem Hausberg Pendling und dem Maistaller Berg im Westen, dem Thierberg im Norden, dem Kaisergebirge und dem Stadtberg im Osten und dem Kufsteiner Wald im Süden. Die Stadt befindet sich auf rund 500 Meter Meereshöhe am Ausgang des alpinen Inntales und nur wenige Kilometer vom bayerischen Alpenvorland entfernt. Das Gebiet um Kufstein ist schon seit rund 30.000 Jahren besiedelt, wie Funde von knöchernen Pfeilspitzen eiszeitlicher Jäger in der Tischofer Höhle im Kaisertal beweisen. Viele dieser Funde sind im Heimatmuseum auf der Festung Kufstein ausgestellt. Somit ist Kufstein vermutlich das älteste besiedelte Gebiet Tirols. Kufstein wurde im römischen Feldzug gegen die Rätier und Vindeliker 15 vor Christus eingenommen und den römischen Provinzen Rätien und Noricum zugeteilt, als diese in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts gebildet wurden. Die Festung Kufstein (Burg) wurde erstmals 1205 als Besitzung des Bischofs von Regensburg und des Herzogs von Bayern erwähnt.
Geschichte
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kufstein, Hauptplatz von erhöhtem Standort gegen das Schloss (Geroldseck).
In der Mitte der Kirchturm der Stadtpfarrkirche St. Vitalis.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der gotische Bau der St. Vitus-Kirche wurde bis spätestens 1420 vollendet und bildete den Nachfolgebau einer bereits bestehenden Kirche. Es handelt sich dabei um eine dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem Chorabschluss. In den Jahren 1660 bis 1661 wurde die Kirche barockisiert, um sie dem Geschmack der Zeit anzupassen. Die Änderungen dieser Barockisierung sind noch heute sichtbar: Fassade, Turmabschluss, Zwiebelhelm und Außengestaltung sowie Farbgebung entstammen deutlich dem Barock und haben mit der gotischen Erscheinung der Kirche nichts mehr gemein. Auch die Betonung der Fassadenmitte durch einen Risalit und die Unterteilung mittels farblich abgesetzter Pilaster und Lisenen ist charakteristisch für den frühen, noch relativ streng wirkenden Barock.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bau der Heldenorgel in Kufstein, Tirol. Antransport des Spieltisches; 1931.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1840 wurde die Kirche um ein Joch vergrößert. Bei dieser Gelegenheit tauschte man auch das barocke gegen ein klassizistisches Mobiliar. 1929 wurden die Gewölbeabschnitte des Mittelschiffes und das Gewölbe der Empore vom Maler Rudolf Stolz (1874–1960) aus Bozen mit Wandmalereien a secco versehen. 1959 und 1991 fanden umfangreiche Restaurierungen statt.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Weihe der Heldenorgel in Kufstein. Rundfunkübertragung:
Der Salzburger Fürsterzbischof Rieder spricht ins Mikrofon; 1931.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das älteste Mobiliarstück, welches heute in der Kirche zu finden ist, stellt der klassizistische Hochaltar des Tiroler Bildhauers Josef Stumpf dar. Dar Altaraufbau besteht im Wesentlichen aus zwei auf Postamenten stehenden Säulen mit ionischen Kapitellen, welchen einen Dreiecksgiebel tragen. Direkt unterhalb des Giebels findet sich ein ornamentaler Zierfries mit floralen Motiven und Engelsköpfen. Der Giebel selbst trägt in seinem Zentrum das aus dem Barock stammende Symbol für Gott: ein Dreieck mit einem Auge in der Mitte, umgeben von einem Strahlenkranz. Flankiert wird der Altar von zwei Apostelstatuen, welche vermutlich vom Kufsteiner Bildhauer Kaspar Bichler (19. Jahrhundert) stammen. Vom Altar aus gesehen rechts findet sich Petrus, erkennbar an den Schlüsseln in seiner Hand, und links Paulus, zu identifizieren anhand des Schwertes und des Evangeliums in seinen Händen.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Dnalor 01
Innenraum der Stadtpfarrkirche St. Vitus; Blick gegen den Altar.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Dnalor 01
Das Altargemälde stammt vom Tiroler Künstler Josef Arnold dem Älteren (1788–1879) und zeigt den Titelheiligen der Kirche (Hl. Vitus) als Märtyrer vor Maria und Christus. Als Märtyrer weist ihn neben dem Lorbeerkranz über seinem Haupt auch eines seiner Attribute aus – der Kessel mit siedend heißem Öl. Arnolds Stil ist eine Mischung aus klassizistischen und romantischen Elementen: Kleidung, Haltung, Mimik und Gestik der Figuren erinnern an Heinrich Friedrich Füger, das Kolorit hingegen an die Nazarener. St. Vitus beherbergt neben dem Altarbild noch zwei weitere Gemälde Josef Arnolds d.Ä. Zum einen eine Darstellung der Madonna mit der Heiligen Barbara und der Heiligen Katharina von Alexandrien am linken Seitenaltar, zum anderen ein Gemälde des Heiligen Sebastian, dessen Wunden gerade von der Witwe des Märtyrers Kastulus gepflegt werden, am rechten Seitenaltar. Alle drei Gemälde stammen aus der Zeit um 1840.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Mittelschiff und Altar. Altar mit dem Gemälde Josef Arnolds.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Von den Wandmalereien des Künstlers Rudolf Stolz aus dem Jahr 1929 im Gewölbe erhielten sich jene vom ersten bis zum dritten Joch im Mittelschiff, zwei in der Empore und eine unterhalb der Empore im Eingangsbereich. Das erste Joch des Mittelschiffes zeigt vier alttestamentliche Propheten: Daniel, David, Jeremia und Jesaja. Jeder der Propheten hält ein Spruchband in Händen, darauf Zitate aus der Bibel.
Daniel:
„Siebzig Jahreswochen sind festgesetzt“
David:
„Kommet lasset uns frohlocken dem Herrn unserem Heiland“
Jeremia:
„O ihr alle die ihr vorübergehet, schauet,
ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze“
Jesaja:
„Siehe die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären,
sein Name wird sein Emanuel“
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Gewölbejoch: Die Propheten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Das zweite Joch zeigt die vier Evangelisten anhand den ihnen zugeordneten Symbolen und namentlicher Inschriften. Zudem finden sich darüber verschiedene Darstellungen. Im Zentrum dieses Joches, eingelassen in ein Loch, findet sich eine Heiliggeist-Taube, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. Über dem Evangelisten Markus (Löwe) findet sich der Heilige Johannes der Täufer, ihm gegenüber – oberhalb des Evangelisten Lukas (Stier) – sein Vater, Zacharias. Über dem Evangelisten Matthäus (geflügelter Mensch) erkennt man Maria an der Wiege Christi, hinterfangen vom bethlehemitischen Stern und als Letztes, ihr gegenüber, oberhalb des Evangelisten Johannes (Adler) Christus mit einem offenen Buch in der Hand, auf welchem die griechischen Buchstaben Alpha und Omega zu lesen sind. Die griechischen Buchstaben beziehen sich auf einen biblischen Vers nach Off. 22,13:
„Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte,
der Anfang und das Ende“
.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Gewölbejoch: Die Evangelisten.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Im Gewölbe des dritten Joches des Mittelschiffes schließlich findet sich eine chiffrierte Darstellung der Vier letzten Dinge. Eine ausgemergelte, in ein Totenlinnen gehüllte Gestalt, die einem Grab zu entschweben scheint, steht für den Tod. Ein Posaune blasender Engel verweist auf das Jüngste Gericht (s. Off. 8,6–11,19). Der auferstande Christus mit der Siegesflagge in der Hand repräsentiert den Himmel. Der Erzengel Michael, welcher gerade den Drachen, Sinnbild Luzifers und alles Bösen, überwindet, verweist auf die Hölle. Auf dem Schild des Erzengels stehen die Worte „Wer ist wie Gott“ geschrieben – die Bedeutung seines ursprünglich hebräischen Namens.
Pfarrkirche St. Vitus, Kufstein - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Gewölbejoch: Die vier letzten Dinge.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Historien d'art
Im Gewölbe der Orgelempore finden sich weiters die Darstellung eines Harfe spielenden und eines Geige spielenden Engels. Unterhalb des Geige spielenden Engels steht in einem Spruchband „Preiset den Herrn ihr Engel des Herrn“ (Dan 3,59) und unterhalb des Harfe spielenden Engels „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Lk 2,14; s. auch Vulgata, Lk 2,14: „Gloria in excelsis Deo“). Das letzte Wandgemälde des Rudolf Stolz findet sich im Bereich des Haupteingangs der Kirche, unterhalb der Empore. Es zeigt Christus umgeben von zwei Müttern und sieben Kindern. Ansonsten finden sich innerhalb der Kirche St. Vitus noch zwei mittelalterliche Grabplatten mit Reliefdarstellungen der Verstorbenen und ihrer Wappen darauf.
www.kufstein-stvitus.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "St._Vitus_(Kufstein)" der
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