Stift Millstatt
Ehemaliges Benediktiner bzw. Jesuitenkloster
Mit dem Jesuitenverbot von 1773 aufgehoben
Stiftgasse 1, A-9872 Millstatt
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemaliges Stift Millstatt.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Millstatt ist ein ehemaliges Kloster in Millstatt am See in Österreich. Stiftskirche und Millstätter Kreuzgang gehören insbesondere durch ihre überreiche Tiersymbolik zu den repräsentativen romanischen Bauwerken Kärntens. Das Stift wurde vor 1122, vermutlich um 1070, gegründet und von den Benediktinern (OSB) verwaltet. 1469 übernahm der Orden der St.-Georgs-Ritter das Stift; nach seinem Verfall 1598 wurde es den Jesuiten (SJ) übereignet. Die endgültige Aufhebung erfolgte 1773 unter Joseph II. Die Kirche gehört heute der Pfarre, alle anderen Gebäude des ehemaligen Klosters sind unter staatlicher Verwaltung (Österreichische Bundesforste). Das Kloster war über Jahrhunderte geistiger und kultureller Mittelpunkt Oberkärntens. Es zählte mit seinen Besitzungen rund um den Millstätter See, im Görtschitztal, in Friaul und in Salzburg zu den bedeutendsten in Kärnten.
Geschichte
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Benediktinerkloster Millstatt: Kreuzgang(Anfang 12. Jahrhundert).
Durchblick durch einen Arm gegen einen Stiegenaufgang.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Millstatt ist eine Gründung der Brüder Aribo II., eines vormaligen Pfalzgrafen, und Poto (auch Boto) aus dem bayerischen Geschlecht der Aribonen. Eine Gründungsurkunde ist nicht erhalten, das Gründungsjahr kann nur indirekt erschlossen werden. In einer Traditionsnotiz wird ein Rechtsgeschäft des Aribo mit Erzbischof Gebhard von Salzburg, unter anderem auch den Zehent für Aribos zwei Kirchen in Millstatt (due ad Milstat site) betreffend, erwähnt. Gebhard, der von 1060 bis 1088 amtierte, hat um 1070 umfangreiche Zehentregulierungen vorgenommen. Da er als Gegner des Königs Heinrich IV. zwischen 1077 und 1086 geächtet war und sich in dieser Zeit in Schwaben aufhielt, Aribo hingegen ein Anhänger Heinrichs war, bleiben für die Gründung nur die Jahre 1060 bis 1077 und 1086 bis 1088, wobei die Forschung eher zu dem früheren Zeitfenster tendiert.

Aribo und Poto werden auch im Totenbuch von Millstatt aus dem 13. Jahrhundert als Gründer bezeichnet: Aerbo com. palatinus et fundator huius ecclesie und Poto com. et fundator huius ecclesiae. Der im selben Totenbuch bereits im 12. Jahrhundert als Gründer erwähnte Herzog Domitian (Domitianus dux fundator huius ecclesiae) wird hingegen von einigen Historikern ins Reich der Legenden verwiesen. Es wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass lange vor dem von Aribo und Poto gegründeten Kloster bereits zur Zeit der Karolinger ein Kloster in Millstatt existiert hat
Benediktinerkloster (um 1070 bis 1469)
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Stift Millstatt: Gesamtansicht. Volkmann, Samuel; um 1870.
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Der erste urkundlich fassbare Abt ist Otto I., der von 1122/24 bis 1166 nachhaltig wirkte und zuvor Prior des Stifts Admont war. Lange galt Gaudentius aus dem Kloster Hirsau im Schwarzwald als erster Abt, der zwischen 1091 und 1105 zum Abt von Millstatt gewählt worden sein soll. 1122 stellte der Pfalzgraf Engilbert, ein Bruder des ersten Grafen von Görz, Meinhard I., das Kloster unter den Schutz des Papstes. Davor war es ein Eigenkloster der Stifterfamilie gewesen. Die von Papst Calixt II. ausgestellte Urkunde, in der er Millstatt „sub beati Petri patrocinio“ (unter den Schutz des Heiligen Stuhles) nimmt, ist zugleich die älteste erhaltene Urkunde, das Kloster betreffend. Zugleich wurde es als Benediktinerkloster genannt, war aber wohl schon als solches gegründet worden.

Erbvögte des Klosters blieben bis zu ihrem Aussterben 1389 die Grafen von Görz, die allerdings „um das Wohl der ihnen anvertrauten Kirchen nicht sehr besorgt waren“. Die Spannungen mit den Görzer Vogtherren könnten auch Anlass für die Niederschrift einer Domitian-Legende gewesen sein, mit der sich das Kloster als Stiftung des früheren Landesfürsten ausgeben wollte. Das Kloster erhielt im 12. Jahrhundert zahlreiche päpstliche Privilegien, wurde jedoch nicht exempt, was sich auch im Visitationsrecht des Salzburger Erzbischofs widerspiegelte. Die aus dem Reformkloster Admont berufenen Äbte Otto und Heinrich II. (1166 bis nach 1177) brachten Millstatt sowohl zu wirtschaftlicher als auch zu kultureller Bedeutung, die bis ins 15. Jahrhundert hinein bestehen bleiben sollte. In dieser Zeit bestand ein bedeutendes Skriptorium im Stift, in dem zahlreiche Handschriften entstanden sind, darunter die Millstätter Handschrift.
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Ehemaliges Stift Millstatt: Kloster äusserer Hof.
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1177 stellte Papst Alexander III. dem Kloster Millstatt ein Privileg aus, in dem der Inhalt der Urkunde von 1122 bestätigt wurde. In dieser Urkunde wird auch der Besitz des Klosters erwähnt, der sich noch weitgehend mit dem Stiftungsgut decken dürfte: Ausgedehnte Besitzungen in Kärnten und Friaul (San Foca) dürften aus dem Besitz von Aribo stammen, die Besitzungen in Salzburg (Pinzgau) von Poto.

Einen Höhepunkt erreichte das Kloster Mitte des 13. Jahrhunderts unter Abt Otto III. 1245 erhielt der Abt von Erzbischof Eberhard von Salzburg die Pontifikalien (Infel, Ring, Dalmatika und Sandalen) verliehen sowie das Recht, alle Pontifikalgeschäfte zu verrichten mit Ausnahme jener, die der heiligen Salbung bedurften. Zu dieser Zeit umfasste der Konvent rund 150 Mitglieder.
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Außenansicht des Kreuzgangs in Millstatt.
Aus dem Album: "Sr. Kais. Hoheit Kronprinz Rudolf. Bilder aus Kaernten".
Reiner, Johann; um 1875.
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Unter Abt Rudolf ab 1247 kam es zu ersten bekannten Missständen, die 1287 zu einer Visitation des Klosters im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg führten. In der Reformationsurkunde wurde das Verbot ausgesprochen, Klostergut ohne Erlaubnis zu verkaufen, und es wurde befohlen, die aufgezeigten Missstände abzustellen. Der frühere Abt Rudolf wurde an eine entfernte Kirche des Klosters versetzt, „damit er nicht durch verbotene nächtliche Zusammenkünfte seinen Mitbrüdern Ursache und Gelegenheit zur Sünde geben könnte“. Ein Mönch wurde des Mordes angeklagt, zwei weitere versetzt. Zur Hebung des Klosterlebens wurden zwei Prediger aus einem anderen Kloster nach Millstatt versetzt. Zwischen 1274 und 1291 wurde das Kloster durch einen Brand zerstört und um 1291 unter Abt Otto IV. wiederaufgebaut.
Nachdem der letzte Graf von Cilli, Ulrich II. von Cilli, im Jahr 1456 ermordet worden war, brachte Kaiser Friedrich III. die Vogtei in seinen Besitz. Friedrich mischte sich persönlich sogar bei der Besetzung einzelner Pfarren ein. 1457 stellte er eine Urkunde in Millstatt aus, er kannte das Kloster und wohl auch die Unfähigkeit des Abtes Christoph II. persönlich. Zu diesem Zeitpunkt war das Kloster nur noch von weniger als zehn Mönchen bewohnt und durch Misswirtschaft, die sich in hohen Schulden und baulichem Verfall äußerte, geprägt. Auf Betreiben Friedrichs wurde das Benediktinerkloster am 14. Mai 1469 durch den päpstlichen Kommissär Bischof Michael von Pedena aufgelöst und gleichzeitig der erste Hochmeister des Georgsordens in sein Amt eingeführt. Ein Frauenkloster ist in Millstatt urkundlich ab 1188/1190 fassbar. Es unterstand dem Männerkloster und war deshalb sicher ein Benediktinerinnenkloster, wenn dies in den wenigen Urkunden auch nie ausdrücklich erwähnt wird. Im Gegensatz zum Männerkloster gab es in den vielen Reformationsurkunden nie Klagen über das Nonnenkloster. Aus den Namen der Nonnen lässt sich ableiten, dass sie vorwiegend ministerialer und bürgerlicher Herkunft waren. Aus dem Jahr 1450 stammt noch ein Pfründenverzeichnis des Nonnenklosters, bei der Aufhebung des Männerklosters 1469 wird das Nonnenkloster schon nicht mehr erwähnt.
St. Georgs-Ritterorden (1469–1598)
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Ehemaliges Stift Millstatt: Blick in den inneren Hof.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Gründung des St. Georgs-Ritterordens geht auf ein Gelübde zurück, das Friedrich III. während der Belagerung der Wiener Hofburg durch aufständische Bürger 1462 abgelegt hatte. Für den Fall der Abwendung dieser Gefahr gelobte er die Gründung eines geistlichen Ritterordens vom Hl. Georg nach dem Vorbild der deutschen Johanniter und Templer, der in erster Linie mit der Bekämpfung der Türken beauftragt werden sollte. Trotz der weitläufigen Besitzungen steckte der Orden von Beginn an in finanziellen Nöten: Die Benediktiner hatten Schulden sowie stark vernachlässigte Bauten hinterlassen, so dass die Mittel der St. Georgsritter anfangs gerade für die laufenden Kosten ausreichten, an die Aufstellung einer Kampftruppe war zunächst jedoch nicht zu denken. So zählten die Georgsritter im Jahr 1471 erst elf Mitglieder. Als dringendste Maßnahme angesichts der herannahenden Türken wurde aber zunächst die Instandsetzung der Gebäude sowie der Ausbau der Anlage zu einer Festung angesehen.
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche Salvator und Allerheiligen:
Pfeiler im Langhaus mit Fresken,
Anfang 15. Jahrhundert.
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Pfarrkirche Salvator und Allerheiligen:
Pfeiler im westlichen Langhaus.
Domitiansfresko, Anfang 15. Jhdt.
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Militärisch war ein Ritterorden als Schutz gegen Überfälle nicht mehr zeitgemäß. Zudem blieb die Zahl der St. Georgsritter, trotz Bemühungen auch durch Friedrichs Nachfolger Maximilian I., ihm weitere Mitglieder zuzuführen, gering, so dass der Orden nie zu militärischen Aktionen gegen die zwischen 1473 und 1483 fünf Mal plündernd in Kärnten einfallenden Osmanen in der Lage war. Nicht nur die Millstätter Bauern fühlten sich den „Rennern und Brennern“ von ihrer Herrschaft schutzlos ausgeliefert und sahen dies als Bruch des Treueverhältnisses zwischen Grundherren und Untertanen – Zins und Robot gegen militärischen Schutz – an. Schließlich entlud sich der Unmut in der angrenzenden Grafschaft Ortenburg im Kärntner Bauernaufstand von 1478 unter der Führung von Peter Wunderlich. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, Wunderlich bei Gmünd gefasst und beim Litzelhof bei Lendorf hingerichtet.
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Westlicher Klosterhof.
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Maximilian, der dem St. Georgs-Ritterorden ab 1511 selbst angehörte, war der letzte Förderer des Ordens. Unter dessen zweitem Hochmeister Johann Geumann (1508–1533) erreichten Bau- und Kunstschaffen des Klosters in Millstatt und den dazugehörigen Kirchen wie Matzelsdorf zwar nochmals einen Höhepunkt, aber nach Maximilians Tod im Jahr 1519 zeigte dessen Nachfolger Karl V. wenig Interesse für den Orden. In einer Petition beklagte sich Geumann 1521,

das Stift sei „ain öd pawfellig closter. Alls khain ansehen hab vnd mit dem paw dhain (kein) enndt nehmen will.“


und es seien an die 180 Personen, beschäftigt mit Bauarbeiten, Küchendienst, Schul- und Gottesdienst zu versorgen. Über seine Untergebenen im Stift schrieb er um 1528:

 „… die Mitglieder sind meineidige Buben, die den Wein lieben und leichtfertigen Weibern nachlaufen, die völlig frei sein wollen, vom Reichen stehlen sie den Nachlass, den Armen lassen sie ohne Sakrament sterben, es wäre das Beste, alle auf lebenslänglich einzusperren.“

Nachdem Geumann gestorben war, wurden das Kloster und seine Besitztümer noch stärker vernachlässigt, der Orden löste sich bei schwindendem Besitzstand nach und nach auf.
Jesuiten (1598–1773)
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Pfarrkriche Hl. Salvator und Allerheiligen:
Kreuzgang (Anfang 12. Jahrhundert). Türbogenöffnung.
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Am 26. Juli 1598 wurde das wahrscheinlich leerstehende, von den Georgsrittern verlassene Stift Millstatt, durch Erzherzog Ferdinand II. den Jesuiten (SJ), einem 1534 gegründeten und 1540 durch den Papst bestätigten Orden übertragen.
Die Jesuiten entfalteten schon bald eine rege Tätigkeit in Millstatt, sie führten mit rücksichtsloser Konsequenz die Gegenreformation aus.
Im Gegensatz zu früher bestanden die Jesuiten auf einer genauen Erfüllung der Abgabeverpflichtungen, was die Untertanen nicht gewohnt waren. Die Proteste gipfelten im Bauernaufstand (Millstätter Handel) von 1737.
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Stiftshof in Millstatt. Torbogen zum Kreuzgang. 1895.
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Im Spannungsfeld zwischen katholischem Adel, der aus Gründen des Machterhalts ein vehementes Vorgehen gegen die Protestanten forderte, und den Eigeninteressen der Jesuiten als Grundherrn, wirtschaftlich starke Untertanen zu haben, konnten die Jesuiten nicht bestehen. Kaiserin Maria Theresias setzte sich ab 1753 mit der Gründung von Missionsdistrikten über die protestierenden und auf ihre Autonomie pochenden Jesuiten hinweg und ließ Missionsstationen mit von Millstatt unabhängigen Geistlichen einrichten. Mit dem so genannten Jesuitenverbot, das durch eine päpstliche Bulle am 21. Juli 1773 von Clemens XIV. ausgesprochen wurde, wurde auch der Millstätter Jesuitenorden aufgehoben. Damit war das Ende des Stifts Millstatt als Kloster besiegelt.
Baugeschichte
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Blick von erhöhtem Standort über die Dächer des ehemaligen Stiftes auf die
Kirche (von Nordosten). Im Hintergrund der See.
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Funde einzelner Flechtwerksteine und Reliefplatten sprechen für eine karolingische Kirchengründung bereits im ausgehenden 8. oder im frühen 9. Jahrhundert. Weder der Zeitpunkt ihrer Errichtung noch ihre Form und Lage konnten bis heute eindeutig geklärt werden. Auch von der ersten Klosterkirche, die um 1070 oder bald danach gebaut wurde, sind keine gesicherten Reste mehr zu sehen. Fest steht aber, dass in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, vor der Zeit des Baus des Klosters, in Millstatt bereits zwei Kirchen existierten, die sich im Besitz des Pfalzgrafen Aribo II. († 1102) befanden.
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Äußerer Hof mit 1000jähriger LInde.
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Ehemaliges Stift, Torturm. ;um 1890
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Nach einem Großbrand, der zwischen 1288 und 1290 stattgefunden haben muss, wurde unter Abt Otto IV. 1291 das Klostergebäude neu errichtet. Bei den Schäden des starken Erdbebens vom Jänner 1348, bei dem es u. a. zum Bergsturz am Dobratsch kam, sind keine Schadensberichte aus Millstatt überliefert. Wichtigste Aufgabe der St.-Georgs-Ritter war der Ausbau der Stiftsanlage zu einer Festung. Sie errichteten westlich des alten Klostergebäudes ein Ordensschloss, das einen zweigeschossigen Arkadenhof einschließt. Weiters entstanden die insgesamt vier Schutztürme, von denen je zwei an der Westseite des neu erbauten Schlosses sowie an der im Süden vorgebauten Front des Stifts gebaut wurden. Zwei Reliefsteine mit dem Wappen Siebenhirters und der Jahreszahl 1497, die im ersten Stock der Südfront des Stiftshofs angebracht wurden, zeigen das Jahr des Abschlusses der Bauarbeiten an. Im Gegensatz zu den Georgsrittern haben die Jesuiten an der Bausubstanz nicht mehr viel verändert. An das nördliche Seitenschiff wurde die heutige Annakapelle angebaut (1632) und 1633 wurden die Reliquien des Domitian mit seinem Hochgrab in diese Kapelle übertragen. 1648 wurde eine Neuausstattung der Stiftskirche vorgenommen, wobei die meisten der Fresken übertüncht und farblose Fenster eingesetzt wurden. Alte Statuen, Altäre, Gestühle und die Kanzel wurden entfernt und durch Einrichtungen in schwungvollem, barockem Stil ersetzt; Prunkstück der neuen Ausstattung war der neue Hochaltar. 1670 erhielten die Türme ihre für das Barock charakteristische Zwiebelform.
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Ehemaliges Stift Millstatt: Aufblick vom inneren Hof zu den Kirchentürmen.
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Ein einschneidendes Ereignis für die Millstätter Jesuitenresidenz war das gewaltige Erdbeben mit fast dreiwöchigen Nachbeben im Jahre 1690. Die Litterae Annuae der Jesuiten berichten dazu: „Um fünf Uhr Nachmittags, während man die Vesper sang, erzitterte unter höllischen unterirdischen Lärm die Erde in der ganzen Gegend von einem Beben, wie man es seit Jahrhunderten nicht gehört hatte. Beim ersten Stoß stürzte der gemauerte Portikus für die Schiffe an der Seeseite ein. Von den hohen Türmen fiel eine steinerne Säule herab. An den Türmen selbst zeigten sich beträchtliche Klüfte.“ Die Behebung der Erdbebenschäden dauerte vier Jahre und erforderte umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Stiftskirche und den Ordensgebäuden.
Kirche St. Salvator und Allerheiligen
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Seitenkapelle in der Pfarrkirche von Millstatt. um 1910.
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Die ehemalige Stifts- und heutige Pfarrkirche ist eine ursprünglich im romanischen Stil erbaute, dreischiffige Pfeilerbasilika. Sie misst 66 m in der Länge und 21 m in der Breite, ist aber aufgrund des später eingezogenen Gewölbes an ihrer höchsten Stelle nur 12 m hoch.

Der Eintritt in den Kirchhof vor dem Westportal der Kirche wird von einem Portal mit Fresken aus der Zeit um 1490 bis 1500 gesäumt, die vermutlich aus der Schule des Malers Thomas von Villach stammen. Links des Kirchhofportals befindet sich ein spätbarocker Bildstock mit einer geschnitzten Kreuzigungsgruppe, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand. Rechts vom Portal wurde 1932 ein Kriegerdenkmal ebenfalls als Bildstock gestaltet. Zwischen Kirchhofportal und Kirche sowie entlang der Nordwand und hinter dem Bau ist ein Friedhof angelegt, der 1953 aufgelassen wurde, aber bis heute gepflegt wird. Der Kirchhof wird durch eine Wehrmauer abgeschlossen, deren Schießscharten aus der Ordensritterzeit stammen.
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Pfarrkirche. Innenansicht. Blick vom
Eingang gegen den Hochaltar.
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Pfarrkirche Salvator und Allerheiligen:
Taufkapelle: Fresko von Meister
Friedrich von Villach. 1428.
Darstellungen aus der Passion.
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Der wuchtige Westbau der Kirche wurde im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet. Einer Umschrift in der Tür ist zu entnehmen, dass Abt Heinrich I., der dem Kloster ab 1166 vorstand, der Auftraggeber des Westbaus mitsamt der Vorhalle, des Portals sowie des Turmpaares war. Auf dem zweigeschossigen Unterbau des Gebäudes setzen die beiden Türme auf, die um 1670 mit den für das Barock typischen Zwiebeldächern bekrönt wurden. Das um 1170 entstandene und wohl im 13. Jahrhundert erweiterte Westportal ist mit zahlreichen Motiven, die zur Dämonenabwehr und -bannung angebracht wurden, reich an symbolträchtiger Formenvielfalt. Der linke der beiden Türflügel der 1464 gestifteten Holztür trägt die älteste Darstellung des Stifts- bzw. heutigen Gemeindewappens. Die im Innenraum eher gedrückt wirkende Pfeilerarchitektur im Westteil weicht im Ostteil einer höheren und schlankeren Architektur einer Staffelhalle. Das so genannte Weltgerichtsfresko in der Stiftskirche ist ein ca. 6 m breites und 4 m hohes Fresko im Renaissance-Stil. Es wurde von einem unterstützenden Mitglied des St. Georgsritterordens in Auftrag gegeben und von Urban Görtschacher um 1519 angefertigt.
Kapellen
Die Annenkapelle schließt an den nördlichen Nebenchor an. Sie wurde ursprünglich 1632 für die Aufbewahrung der Reliquien des Domitian errichtet. Die Loretokapelle stammt aus der Gotik (14. Jahrhundert); an ihrer Stelle befand sich vermutlich bereits zur Zeit der Benediktiner eine Kapelle. Sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts umgebaut, als Vorbild diente die Casa Santa in Loreto. Der Eingang zweigeschossigen Gebäudes befindet sich am Nord-Chor, die Kapelle ist aber auch von der Hauptkirche aus zugänglich. Die Domitianskapelle besteht im Kern aus romanischem Gemäuer und wurde unter Hochmeister Geumann (1508–1533) umgebaut und danach mehrmals umgestaltet (1632, 1641/42, 1716). Die Kapelle ist ein dreijochiger, breiter Raum mit einem Netzrippengewölbe, dessen Wandpfeiler barock ummantelt sind. Es gibt vier Spitzbogenfenster.
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Damitianskapelle: 1516 errichtet.
Inneres: Blick über Bankreihen,
achsial gegen Altar, 1715
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche Salvator und Allerheiligen:
Blick in das nördliche Seitenschiff.
Standort neben der Kanzel
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
  Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Grabmal eines Grossmeisters
des St. Georgs-Ritterorden.
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Kalvarienbergkapelle:
Kreuzigungsgruppe, 18. Jhdt.
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Die Siebenhirterkapelle schließt an das nördliche Seitenschiff der Kirche an. Sie wurde um 1500 erbaut und besitzt ein Sternrippengewölbe. Der Marienaltar stammt aus dem Jahr 1650 und enthält ein Bild, auf dem die Gottesmutter dem heiligen Dominikus den Rosenkranz überreicht. Die Geumannkapelle wurde 1505 erbaut, wovon eine Inschrift im Scheidbogen zeugt. Ihr Netzgewölbe ist mit Rankenmalereien überzogen. Der barocke Johannesaltar ist mit 1650 bezeichnet, über dem Altarbild, das die Taufe Christi im Jordan zeigt, ist eine Johannesschüssel mit dem Haupt des Täufers angebracht (um 1520).
Kreuzgang
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Inneres des romanischen Kreuzganges (Anfang 12. Jahrhundert).
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Der Kreuzgang ist eine rechteckige Anlage. Der an die Kirche angrenzende Flügel ist eingeschossig, die anderen drei sind zweigeschossig. Zum Hof hin befinden sich gekuppelte Rundbogenfenster mit einer Mittelsäule. Im Nordflügel gibt es ein spitzbogiges Portal, im Ost- und Westflügel barocke Rundbogenportale. Die Gewölbe sind Sterngratgewölbe aus der Zeit um 1500, im Südflügel ist es ein Springgewölbe.
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kreuzgang in die Kirche.
Figurendetail 12. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kreuzgang in die Kirche.
Figurendetail 12. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Ehemaliges Stift Millstatt © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kreuzgang in die Kirche.
Figurendetail 12. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kreuzgang in die Kirche.
Figurendetail 12. Jahrhundert.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Kreuzgangsportal befindet sich in der Nordostecke und diente früher als Mönchspforte zur Kirche. Unter Verwendung hochromanischer Skulptur wurde es um 1500 spätgotisch umgestaltet. Zwei ehemalige Pfeilerfiguren, wohl vom damals abgetragenen Lettner, dienen jetzt als Türsturzatlanten: links der heilige Paulus, rechts der Erzengel Michael, beide aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Zwei Freisäulen stützen das Gewölbe der Kreuzgangecke. Im Kreuzgang befinden sich einige Wandgemälde aus dem 15. und 16. Jahrhundert, so eine Madonna mit Kind, Szenen aus der Georgslegende und eine Madonna mit Heiligen.
Stiftsmuseum
Das Stiftsmuseum Millstatt wurde 1981 von Franz Nikolasch gegründet. Es bietet einen Überblick insbesondere über die Geschichte des Stifts, aber auch über die Entwicklung des Marktes Millstatt und seiner Umgebung. Das Museum beherbergt zahlreiche Originalwerke und Faksimiles aus der Zeit der Benediktiner, der St. Georgsritter und Jesuiten. Darunter befindet sich ein Gebetbuch Maximilians I. mit Zeichnungen von Dürer, Altdorfer und anderen Künstlern. In einer Kerkerzelle lassen Kritzelinschriften in den Wänden Rückschlüsse auf deren Verwendung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ziehen. Ein Bereich des Museums widmet sich den neolithischen und bronzezeitlichen Funden der Umgebung etwa vom Millstätter Berg, wobei der Weihealtar an eine Wassergottheit, die Darstellung der Ausgrabungen der frühchristlichen Kirche in Laubendorf bzw. der Wallanlage am Hochgosch beim Egelsee besonders hervorzuheben sind.
www.stiftsmuseum.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Millstatt" der
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