Ministrant
Ministrant
Ministrant mit Weihrauchfass als Thuriferar
in der Pfarrkirche der Gemeinde Siezenheim, Salzburg.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ein Ministrant (von lateinisch ministrare ‚dienen‘) oder Messdiener ist ein liturgischer Dienst. Die Voraussetzungen zur Ausübung des Ministrantendienstes sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, als Grundregel gilt meist jedoch, dass ein Ministrant getauft ist und die erste heilige Kommunion bereits empfangen hat. Meist sind es Kinder und Jugendliche, mancherorts, vor allem in Bischofskirchen, auch Erwachsene. Die Ministranten übernehmen in der Liturgie besondere Aufgaben, die überwiegend der Assistenz des Priesters und des Diakons dienen. Die Messdiener tragen beim Gottesdienst ein liturgisches Gewand. Oft absolvieren sie eine Ausbildung, in der sie mehr über die verschiedenen Riten, liturgischen Farben, Zeichen und Symbole erfahren und lernen, wann und wie sie in der Liturgie zur Anwendung kommen. Das Selbstverständnis der Ministranten ergibt sich aus ihrer liturgischen Aufgabe, vor allem dem Dienst in der Heiligen Messe. Sie sind Diener an einem höheren Gut, Jesu Christi selbst, der in der Eucharistie mit seinem Leib und Blut in Erscheinung tritt. Ministranten bilden oft eine feste Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde, mitunter sind sie deren größte Jugendgruppe. Oft treffen sich Messdiener auch zu Gruppenstunden, machen gemeinsame Ausflüge und helfen bei der Organisation von Kirchen- und gemeinnützigen Festen. In einigen Gemeinden gibt es Oberministranten oder Obermessdiener, die vom jeweiligen Pfarrer beauftragt oder von der Ministrantengruppe gewählt sind, die Anliegen der Ministranten in der Gemeinde zu vertreten und die Messdienergruppe zu leiten.
Dienste
Ministranten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Palmprozession in Wien, Kardinal König geht an der Spitze des Zuges,
hinter ihm Ministranten mit Palmkätzchen, an den Straßenrändern
stehen zahlreiche Menschen; 1970.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ministranten übernehmen als Assistenten des Priesters und des Diakons, zum Teil auch als Vertreter der Gemeinde, verschiedene Dienste im Gottesdienst. Die Benennungen der Dienste leiten sich zum Teil aus den früheren niederen Weihestufen des Priesteramtes her.

Während der Eucharistiefeier bereiten die Ministranten als Altardiener zusammen mit dem Zelebranten sowie gegebenenfalls mit dem Diakon den Altar, bringen also Brot, Wein und Wasser zum Altar und helfen dem Priester bei der Händewaschung (Lavabo). Nach der heiligen Kommunion assistieren sie bei der Purifikation der Gefäße und bringen das Messbuch und die liturgischen Gefäße zur Kredenz zurück. Wo es üblich ist, läuten Ministranten vor den Wandlungsworten und zur Elevation die (Altar-)Schellen ("Tintinnabulum") oder schlagen den Gong an. Sie reichen dem Priester oder dem Diakon liturgische Geräte an und halten als Libriferar liturgische Bücher bereit. Mancherorts sammeln sie die Kollekte ein oder sind für das Läuten der „Wandlungsglocken“ während des Hochgebets verantwortlich. Auch das Amt des Lektors kann von einem Ministranten übernommen werden.

Bei feierlich gestalteten Gottesdiensten tragen Ministranten als Thuriferar das Weihrauchfass und als Navikular das Schiffchen. Als Ceroferare tragen sie Kerzen und Leuchter, als Kruziferar das Vortragekreuz. Sie tragen das Weihwassergefäß mit dem Aspergill und reichen es dem Priester oder Diakon an (Weihwasserträger). Vielerorts übernehmen sie auch das Tragen von Vortragefahnen. In Pontifikalämtern halten sie als Signiferi Mitra (Mitrafer) und Stab des Bischofs (Baculifer), solange er diese Insignien nicht benötigt. Erfahrene Ministranten amtieren in größeren Gottesdiensten als Zeremoniar, der die anderen anleitet. Ähnliche Aufgaben haben Ministranten bei besonderen Gottesdiensten etwa im Triduum Sacrum, an Weihnachten und Fronleichnam, bei Pontifikalämtern, bei Prozessionen, im feierlichen Stundengebet und bei den sogenannten Kasualien wie Taufe, Brautmesse und Begräbnisfeier.
Gewänder
Ministranten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ministranten in Reichraming 1953.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In der Regel tragen Ministranten als Untergewand einen roten oder schwarzen Talar bzw. statt des Talars einen Rock und einen dazugehörigen Kragen. Regional schließt man sich der liturgischen Farbe des Tages an, benutzt also auch grüne und violette Gewänder; wenn die liturgische Farbe des Tages weiß ist, wird ein rotes Untergewand getragen. Darüber trägt man immer das weiße Chorhemd, oft nicht ganz richtig auch Rochett genannt, das an das Taufkleid erinnert. Über dem Chorhemd wird mancherorts noch ein Kragen oder eine Mozetta in rot, schwarz oder der liturgischen Tagesfarbe getragen. Statt Talar und Chorhemd kann auch ein knöchellanges weißes Gewand, die Albe, getragen werden, das die Beziehung zum Taufkleid besonders deutlich macht. In manchen Pfarreien tragen die Ministranten ein Zingulum in der liturgischen Farbe. Auch können ein Kreuz oder eine Plakette die Ausstattung ergänzen.
Geschichte
Ministranten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ministranten - Heiligenblut, Spittal/Drau; 1951.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ministranten verdeutlichen, dass der Priester den Gottesdienst nicht allein feiert. So schreibt bereits der Apostel Paulus im ersten Brief an die Korinther:

„Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen, ein anderer deutet es. Alles geschehe so, dass es aufbaut. (1 Kor 14,26 EU)“

Texte aus dem zweiten und dritten Jahrhundert berichten von den sonntäglichen Versammlungen der Christen, in denen eine Aufgabenteilung praktiziert wurde: Während der Bischof der Liturgie vorstand und die Gebete sprach, umstanden ihn die Priester, die zusammen mit den Diakonen die Eucharistie bzw. die Agape austeilten. Lektoren lasen die biblischen Texte und Kantoren übten ihren Dienst als Vorsänger aus. Die Aufgaben, aus denen später der Dienst der Ministranten hervorging, wurden in der römischen Kirche von Akolythen „Altardienern“ übernommen. Diese brachten die Gaben zum Altar und halfen dem Priester oder Bischof während der Eucharistiefeier.
Ab dem 8. Jahrhundert war der Ministrantendienst in der Heiligen Messe unerlässlich, da es für Priester üblich wurde, täglich die Heilige Messe zu feiern. Weil dies durch wachsende Priesterzahlen als Feier mit der Gemeinde kaum noch möglich war, kam es zur Einführung der Privatmessen, bei denen der Priester allein „die Messe las“. Die Synoden von Mainz 813 und Paris 829 verordneten, dass für die Feier einer Messe wenigstens ein Ministrant anwesend sein musste, der die fehlende Gemeinde vertrat.
Ministranten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Transport der Pummerin von Linz nach Wien; Priester und Ministranten in Erlauf; 1952.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gab es in der Frühen Kirche noch eine Aufteilung der verschiedenen Dienste auf die Anwesenden (vgl. Niedere Weihen), brachte das Mittelalter eine Reduzierung der Rollen in der Messe: Altardiener blieben die einzig aktiven Mitfeiernden. Auch in den Gemeindemessen verringerte sich die Teilnahme der Gemeinde: Aufgrund der lateinischen Sprache war den meisten Laien ein bewusster Mitvollzug nicht möglich. Nicht mehr die Texte der Liturgie wurden von der Gemeinde mitgebetet, sondern die Gemeinde betete im Gottesdienst oft etwas ganz Anderes, z. B. den Rosenkranz, während Priester und Ministranten im Altarraum die Heilige Messe feierten. Diese Entwicklung – hin zu einer deutlichen Trennung von Priestern und Laien im Gottesdienst – lässt sich heute an vielen älteren Kirchenbauten, besonders an Kloster- und Stiftskirchen, ablesen: Die Kirche wurde durch einen Lettner zweigeteilt in den Chorraum („Herrenkirche“) einerseits und das Kirchenschiff („Leutekirche“) andererseits. Ministranten waren jahrhundertelang eine Stufe auf dem Weg zum Priesteramt. Das änderte sich auch mit der Neuordnung der liturgischen Dienste durch das Konzil von Trient (1545–1563) nicht.

Für die Aufgaben der Ministranten als Vertreter der Gemeinde im Altarraum bedurfte es einer besonderen Ausbildung. Seit Beginn des Mittelalters wurden Jungen in Chorschulen aufgenommen, in denen sie für ihren Dienst in der Messe vorbereitet wurden. Diese „Chorknaben“ wurden als potenzieller Priesternachwuchs gesehen. So kam es, dass Ministranten bereits früh in den Stand der Kleriker bis zum Subdiakonat aufgenommen wurden.
Ministranten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ministranten in Mariazell.
Bild: Weber, Harry; um 1955.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Idealbild des Ministranten vom Mittelalter bis in die Neuzeit war das des „Klerikerministranten“, der sich bereits als Kind oder als Jugendlicher auf die Priesterweihe vorbereitete, in die Liturgie eingeführt wurde und Latein lernte. Das Konzil von Trient in der Mitte des 16. Jahrhunderts behandelte diese Frage, als es die Dienste in der Liturgie neu ordnete. Schließlich legte die Synode von Aix 1585 fest, dass eine schriftliche Erlaubnis des Bischofs nötig war, um als Laie am Altar zu ministrieren. Die Unsicherheit über den Umgang mit Ministranten, die nicht dem Klerus angehörten, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert, auch wenn die Weisung der Synode von Aix bei weitem nicht überall aufgenommen wurde. Auch im Codex Iuris Canonici wird es vermieden, sich eindeutig gegen Laienministranten auszusprechen. 1947 schaffte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Mediator Dei Klarheit, indem er erstmals offiziell von Ministranten sprach, die sich nicht im Klerikerstand befanden. Damit war der Grundstein für die heutige Form des Ministrantendienstes gelegt, zu dem grundsätzlich jeder geeignete und getaufte Katholik zugelassen werden kann. Ab diesem Jahr entwickelte sich der Ministrantendienst zu seiner heutigen Form: Erstmals wurde offiziell von Ministranten gesprochen, die keine Kleriker, d.h. nicht auf dem Weg zum Priesterberuf waren. Allerdings unterschied man noch zwischen ministri „Dienern“ im Klerus-Stand, und Ministranten „Dienenden“, mithin Laien. Das Zweite Vatikanische Konzil wertete den Dienst der Ministranten auf: Ministranten üben demnach „einen wahrhaft liturgischen Dienst“ (vere ministerium liturgicum) aus und heißen daher heute gleichfalls ministri. Innerhalb des Ministrantendienstes werden weiterhin nach Aufgaben unterschieden: Ceroferar, Akolyth, Thurifer und Lektor. Der Ceroferar trägt Kerzen oder Leuchter, der Akolyth versieht den Altardienst, der Thurifer trägt im feierlichen Hochamt und bei Prozessionen das Weihrauchfass. Der Lektor trägt mit Ausnahme des Evangeliums die biblischen Lesungen vor, manchmal auch die Fürbitten. Das Zweite Vatikanische Konzil gab den Weg frei für grundlegende Änderungen im Gottesdienst: Die Heilige Messe wird meist in der jeweiligen Landessprache gefeiert, und der Priester steht meist während der Eucharistiefeier am sogenannten „Volksaltar“. Ziel dieser Erneuerung war die „tätige Teilnahme“ (participatio actuosa) aller am Gottesdienst. Jeder sollte verstehen und mitvollziehen können, was gefeiert wurde. Ministranten übernehmen in der Liturgie auch stellvertretend für die Gemeinde bestimmte Aufgaben. Wenn Ministranten zur Gabenbereitung Brot, Wein und Wasser zum Altar bringen, zeigt dies an, dass die Gemeinde insgesamt ihre Opfergaben zusammen mit ihren Sorgen, Bitten, Dank und Freude zum Altar bringen. Bei Prozessionen verdeutlichen Ministranten, dass die Kirche als „pilgerndes Gottesvolk“ unterwegs zu ihrem Herrn Jesus Christus ist. Bei allen Aufgaben tragen Ministranten dazu bei, die Bedeutung des Gottesdienstes als Handlung der Kirche zu unterstreichen.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Ministrant" der
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