Mönchtum
Mönch © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Savonarola predigt gegen den Luxus
Ludwig von Langenmantel, Franz-Hanfstaengl-Kunstverlagsanstalt;
Fotografie eines Gemäldes (1881) von Ludwig von Langenmantel.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Begriff Mönchtum bezeichnet die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten religiös geprägten Lebensformen. Das Mönchtum ist eine von asketischen Idealen bestimmte Lebensweise, um in Abkehr von der Welt den weltlichen Zielen zu entsagen und das eigene Leben einem spirituellen Ziel zu widmen.

Das Wort Mönch kommt aus dem griechischen μοναχός, monachos, das abgeleitet ist vom griechischen monos „allein“. Der Mönch bzw. sein weibliches Pendant, die Nonne, ist ein asketisch lebendes Mitglied einer Religion, das sich zeitweise oder auf Lebenszeit in den Dienst seines Glaubens stellt.

Ein Hauptziel des Mönchtums ist das mystische Streben nach der diesseitigen Vereinigung mit der allumfassenden Gottheit bzw. das Erreichen der vollkommenen inneren Leere mit der unmittelbaren Erfahrung einer göttlichen transzendenten Realität, die die gewöhnliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen übersteigt. Diesem Ziel können z. B. ekstatische Hingabe, Meditation, Gebet, Askese, Fasten, aber auch Kasteiung, Selbstgeißelung und Kampftechniken dienen.

Ein Mönch kann allein als Einsiedler (Eremit) leben, entweder abgeschlossen für sich in der Nähe der menschlichen Siedlungen oder weit weg in der Wildnis der Wälder oder in der Einsamkeit der Wüste. Die irischen und gallischen Mönche des 5. und 6. Jahrhunderts errichteten Einsiedeleien auf entlegenen Inseln. Buddhistische Mönche in Tibet praktizieren auch das Reklusentum, bei dem sie sich in eine Höhle einmauern lassen, die nur mit einer Durchreiche für Essen mit der Außenwelt verbunden ist. Andere Mönche, die sogenannten Koinobiten, führen ein mehr oder weniger zurückgezogenes gemeinschaftliches Leben (griechisch κοινὸς βίος) in Klöstern.

Als Vita contemplativa versteht man das mönchische Ideal eines zurückgezogenen Lebens allein oder in Gemeinschaft, wie es schon im buddhistischen Mönchtum seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. ausgeübt wurde und es auch die christlichen Eremiten und geweihten Jungfrauen des 3. und 4. Jahrhunderts n. Chr. führten. Die Vita contemplativa verlangt die Abkehr von den Dingen der Welt und die Hinwendung zur betrachtenden Anbetung Gottes im fürbittenden Gebet. Die Vita activa dagegen betont in der Lebensführung den Aspekt tätiger Nächstenliebe.

Akedia beschreibt in den Erfahrungen der ersten christlichen Einsiedler die Auswirkungen von trübsinnigen Gedanken, die als persönlichkeitsgefährdend gelten und depressiv machen. Der Schriftsteller Euagrios Pontikos sah in der Depression ein Übermaß an Verstimmtheit, Ekel und Überdruss. Er schrieb von einer gefährlichen Erschlaffung der Seelenkräfte, die den Mönch dem Wahnsinn und dem Scheitern seiner Bemühungen ausliefern. Die christlichen Mönche entwickelten, ausgehend von der Lebensweise des Heiligen Antonius, ein Programm, das Arbeit und Gebet in gesundem Verhältnis gegenüberstellt. Die Arbeit schützte den Mönch vor übertriebener Nabelschau und diente zwei Zielen: beim Gebet die Gedanken zu sammeln und nicht abschweifen zu lassen und zweitens zum Erwerb des Lebensunterhalts.
Mönch © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mönch auf Mauerrest im Klostergarten sitzend
Pichier, Paul ;1902 - 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Eng verbunden mit der Frage des Lebensunterhaltes ist die Frage des Besitztums. Die frühen Einsiedler besaßen, was sie zum Leben brauchten. In den Klöstern sind die Besitztümer, Zugewinn und Ertrag Gemeinschaftsgut, von dem dem einzelnen Mönch soviel gegeben wird, wie er zum Leben braucht.
Christentum

Vorläufer im Judentum: Die Essener und die Therapeuten
Die um 150 v. Chr. bis 70 n. Chr. wirkenden Essäer oder Essener können als Vorläufer des späteren frühchristlichen Mönchtums angesehen werden. Sie lebten getrennt vom Tempeljudentum und in Anlehnung an Jer 31,31–34 EU als neuer Bund in klösterlicher Einsamkeit. Sie forderten Askese und Gütergemeinschaft, ähnlich den ägyptischen Therapeuten bei Alexandria, bei denen es auch weibliche Mitglieder gab. Ein eigentliches jüdisches Mönchtum konnte sich daraus nicht entwickeln, da sich, aus historischen Zwängen (Verfolgung und Zerstreuung) heraus, das Judentum auf die Stärkung der Gemeinschaft durch gesellschaftlichen und familiären Zusammenhalt konzentrieren musste.
Johannes und Jesus
Der bekannteste Asket im Neuen Testament ist Johannes der Täufer. Er lebte, wie später die ersten christlichen Mönche, in der Wüste und ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig.

Jesus fastete zeitweilig selbst, z. B. während seines vierzigtägigen Wüstenaufenthaltes, erließ aber keine allgemeinen Gebote zu Fasten- und Enthaltsamkeitstechniken.
Frühchristliche Askese
Tertullian (um 160–220/30) entfaltete systematische Anweisungen für ein asketisches Leben, wobei hauptsächlich die Ehelosigkeit als wirksames Instrument angesehen wurde. Er scheint sich seit etwa 207 den Montanisten, einer christlichen Sekte aus Kleinasien, angeschlossen zu haben oder hegte zumindest starke Sympathien für diese Gruppe. Die Montanisten forderten eine strenge Askese, verschärftes Fasten, die Auflösung der Ehe und die Bereitschaft zum Martyrium.

Origenes (185–253/254), der große christliche Theologe des 3. Jahrhunderts, stellte in seinen Werken den geistlichen Kampf um das Ideal der Jungfräulichkeit heraus; nur der wahre Asket werde sich Gott nähern. Ob er sich in strenger, missverstandener Auslegung von Mt 19,12 EU selbst entmannt hat, ist umstritten. Tatsache ist jedoch, dass die Selbstentmannung gängige Praxis unter asketischen Christen war und 325 auf dem Konzil von Nicäa scharf verurteilt wurde.
Frühes Mönchtum
Admont, Handschrift © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Admont, Handschrift © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Admont, Handschrift 13 (33)
folio 1: Schreibender Mönch.
Beschr. Verz. d. ill. Hss ... Figur 39.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Admont, Handschrfit 88, Codex 34,
folio 2 Darstellung des Nikolaus
von Lyra als schreibender Mönch.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Athanasius (um 300–373), der Bischof von Alexandria, beschrieb in der von ihm verfassten Vita Antonii das Leben des heiligen Antonius (um 251–356), der im Christentum als Mönchsvater angesehen wird. Antonius ging als junger Mann in die Einsamkeit der ägyptischen Wüste, um als Anachoret ein strenges asketisches Leben zu führen. Athanasius berichtet allerdings, dass sich Antonius bei bereits asketisch lebenden Männern Rat holte und von ihnen verschiedene asketische Techniken erlernte, was bedeutet, dass es, wie oben beschrieben, bereits eine verbreitete asketische Tradition im Christentum gab. Bereits um 305 sammelten sich um Antonius Nachahmer, die seine Lebensweise als Vorbild sahen, und bildeten so erste Mönchsgemeinschaften. Auf Antonius wird auch die mönchische Lebensweise des ora et labora, des Wechsels zwischen Meditation und Arbeit, zurückgeführt.

Um 320/25 gründete Pachomios (um 292/98–346) in Oberägypten die ersten christlichen Klöster, wo viele Mönche hinter abgeschlossenen Klostermauern ein gemeinsames (koinobitisches) Leben führten. Das Koinobion wurde von einem Abbas (Abt) genannten Vorsteher geführt und richtete sich nach gemeinsamen Regeln. Pachomios ist somit auch der Verfasser der ersten Klosterregel des christlichen Mönchtums, der so genannten „Engelsregel“. Seine Schwester war etwa zeitgleich die erste Vorsteherin einer Gemeinschaft von geweihten Jungfrauen.

Es gibt bei Johannes Cassianus (um 360–435) Berichte über andere Lebensweisen im frühen christlichen Mönchtum, zum Beispiel über die Sarabaiten genannten Mönche, die in kleinen Gruppen gemeinsam ohne vorgesetzten Abt in Dörfern oder Städten wohnten und ihrem Broterwerb nachgingen, ohne auf ihr Einkommen zu verzichten. Cassianus berichtete auch von Wandermönchen, die sich nicht an eine Einsiedelei oder an ein Kloster banden, sondern in der Heimatlosigkeit ihr Heil suchten. Die Popularität des ägyptischen Mönchtums erleichterte die Weiterverbreitung nach Palästina, Syrien, Kleinasien, unter anderem durch Hieronymus, der später selbst ein großer Förderer des Mönchtums und der geweihten Jungfrauen wurde. Spätere Auswüchse des Mönchtums waren beispielsweise in Syrien die Säulenheiligen mit ihrem berühmtesten Vertreter Symeon Stylites der Ältere.

Einer der bedeutendsten Vertreter und der Begründer einer Klosterregel für das östliche (orthodoxe) Mönchtum ist Basilius von Caesarea (um 330–379). Seine Kombination von Askese und Studium, wie er sie in seinen ὅροι κατὰ πλάτος und anderen Schriften beschreibt, bestimmt bis in die Gegenwart das Klosterleben der Ostkirche und hat auch Benedikt von Nursia und damit viele Orden des Westens beeinflusst. In der Anfangszeit des westlichen Klosterlebens spielten Augustinus von Hippo, Martin von Tours, Hilarius von Lerinus, Johannes Cassianus und später die irischen Wandermönche eine besondere Rolle.
Mittelalter und Neuzeit
Seit dem frühen Mittelalter ist das Mönchtum des Abendlandes von der Regula Benedicti des Benedikt von Nursia geprägt. Die benediktinischen Gelübde – Stabilitas loci (Ortsbeständigkeit), Conversio morum (Bekehrung der Sitten, tägliche Umkehr) und Gehorsam – schließen sinngemäß die Beachtung der Evangelischen Räte (Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam) ein. Weiterhin gibt Benedikt in seiner Regel Anweisungen für ein geordnetes religiöses Leben in Gemeinschaft und einen zweckdienlichen Tagesablauf. Für eine Rückbesinnung auf die Einhaltung der Regeln und die geistlichen Ziele sorgten die Zisterzienser und die Cluniazensische Reform. Im hohen Mittelalter gaben der heilige Franz von Assisi und der heilige Dominikus durch die Gründung von Bettel- und Predigerorden dem Mönchtum neue Impulse, die bis heute ein reiches Ordensleben begründen. Heutzutage unterliegt das katholische Mönchtum − wie alle Institute des geweihten Lebens − zusätzlich zur jeweiligen Ordensregel auch kirchenrechtlichen Bestimmungen.
Mönch © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zwei Mönche beim Chorgebet
Pichier, Paul;1902 - 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im östlichen christlich-orthodoxen Mönchtum spiegelt die Gründung der Klosterrepublik Athos in Nordgriechenland im 9. Jahrhundert die große Bedeutung, die das Mönchtum im byzantinischen Reich genoss, wider. Hier und in den orientalischen Klöstern, u. a. im Katharinenkloster auf dem Berg Sinai oder dem Antoniuskloster in Ägypten, hat sich die orthodoxe Klosterkultur über die Jahrhunderte der Islamisierung hinaus erhalten.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Mönchtum" der
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