Pfarrkirche Obermillstatt
Pfarrkirche des Hl. Johannes des Täufers
Obermillstatt 38, 9872 Millstatt
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Luftaufnahme von römisch-katholischer Kirche St. Johann Baptist, Friedhof, Pfarrhof
und altem Ortskern in Obermillstatt. Dieses Foto stammt aus dem Film Obermillstatt
Umgebung, DJI-S800 on air von Alexander Glinz (Tmvm77).
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Alexander Glinz / upload Joadl
Obermillstatt ist ein Kirchdorf und eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Millstatt im Bezirk Spittal an der Drau im österreichischen Bundesland Kärnten. Die Gegend um Obermillstatt ist seit mindestens 4000 Jahren besiedelt. Die prähistorischen Fundstellen von Lammersdorf und Sappl - die bisher ältesten in Oberkärnten - sind nur rund eineinhalb Kilometer entfernt. Die in der Gegend vorkommenden Hügelkuppen, wie es sie auch am unteren Ortsrand von Obermillstatt gibt, wurden in prähistorischer Zeit als befestigte Siedlungsplätze genutzt. Die Namensverbundenheit der Orte ist bemerkenswert, zumal wesentlich kleinere Streusiedlungen der Umgebung eigene Ortsnamen haben wie etwa Kleindombra, was soviel wie ein kleiner Eich- oder Sumpfwald bedeutet. Einerseits mag dies mit der Dominanz des Millstätter Klosters zusammenhängen, für das der Ort das unmittelbare landwirtschaftliche Hinterland war. Andererseits gibt es auch Überlegungen, ob das urkundlich erstmals 1070 erwähnte Milistat ursprünglich die Bezeichnung eines älteren Ortes bei Obermillstatt war und von dort ins Tal „gewandert“ ist. Flussnamen gehören zu den ältesten überlieferten Namen. Der Namenskern von Millstatt kommt vermutlich aus keltischer Zeit und bezeichnet eine Stätte an der Mils.
Geschichte
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Das Kirchdorf Obermillstatt um 1910. Die colorierte Litho-Postkarte, Blickrichtung Süden,
zeigt den Ort im Sommer. Korrespondenz-Karte; Sammlung J.P. Adlbrecht.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Um 1205 wird die Plebs sancti Johannis (Pfarre des Hl. Johannes) erwähnt. Aufgrund der Nähe zur Kirche von Millstatt war Obermillstatt lange keine eigenständige Pfarre und wurde daher als Gotteshaus oder Kirche bezeichnet. Daneben ist von Obermillstatt auch in anderem Zusammenhang die Rede. 1463 wird in Millstatt eine Laienbruderschaft gegründet, die auch in Obermillstatt Mitglieder hatte. In der Satzung heißt es: „Stirbt ein elender Mensch aus der Pfarre, so soll für ihn in Millstatt oder bei St. Johann (Obermillstatt) ein Seelenamt gelesen werden.“ 1614 wurde die Obermillstätter Kirche auf Befehl der Obrigkeit renoviert. 1669 ist das Gotteshaus noch als eine der vielen Millstätter Filialkirchen von St. Salvator angeführt, was auch noch 1781 der Fall war. Andere Millstätter Filialen waren Starfach, Münichsberg (Insberg), Lengholz, Obergottesfeld, Penk, Plinz (Platz) und Puch (Oberpuch).
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl © kath-kirche-kaernten Obermillstatt
Obermillstätter Kirche gegen Westen.
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Obermillstätter Kirche gegen Westen.
© kath-kirche-kaernten Obermillstatt
Von 1780 ist überliefert, dass in Obermillstatt fast alle vier Tage ein Gottesdienst gefeiert wurde, außerdem fanden Wettersegenmessen, Trauungen, Begräbnisse und auch die Fronleichnamsprozession statt. Erst im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung erfolgte die Pfarrerhebung. 1782 gibt es die ersten Pläne der Diözese Gurk, bei der „Zukirche Obermillstatt“ eine eigene Pfarre mit eigenem Pfarrer und einen Kaplan zu errichten, da „die gebirgige Gemeinde über 600 Seelen aufweise und von der Mutterkirche weit über eine Stunde entfernt sei; zudem sei das Filialgotteshaus schon vorhanden und haben einen eigenen Gottesacker (vermutlich bestand sie vor Zeiten bereits als eigene Pfarre). Dann könnte auch ein Kaplan zu Millstatt erspart und mit einigen Stiftsmessen hierher übersetzt werden“.
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Kirchenraum mit Barockem Altar von 1720, rechts und links Kirchenbänke.
Im Hintergrund der Hauptaltar und die Kanzel.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Von den Pfarrangehörigen wurde im April 1783 die Bestellung eines eigenen Geistlichen mehrfach erbeten, was sich jedoch bis 1787 verzögerte. Dann erst erfolgte die „Überstellung“ dieses ersten Kaplans Martin Mayr von Millstatt nach der „Lokalie“ Obermillstatt, mit dem Gehalt von 200 Gulden (fl.) wozu noch 100 fl. aus dem Religionsfonds beigesteuert wurde. Eingeleitet wurde die Abtrennung von Millstatt bereits 1773, und 1783 wurde das Kirchenvermögen von jenem zu Penk getrennt. Für die Errichtung des Pfarrhofes wurden am 23. Juli 1787 900 fl. bewilligt, wobei es hieß, dass dieser „Pfarr- und Kuratiestandort“ gut, groß und geräumig gebaut werde. Verzögerungen ergaben sich dann aus der Einstellung sämtlicher Kirchen- und Pfarrhofbauten 1788 in Österreich, die erst wieder aufgenommen werden konnten, als ein neuer Religions-Fonds 1789 seine Arbeit aufnahm. Im Pfarrhof fand dann auch bis 1880 der Volksschulunterricht statt.
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Die Kanzel und der südlicher Seitenaltar der Kirche in Obermillstatt.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Die gegenwärtige denkmalgeschützte Kirche ist ein einfacher einschiffiger Bau des 17. Jahrhunderts und hat einen mit Kreuzrippengewölbe gedeckten, rechteckigen Chor. Das flachgedeckte Langhaus wurde 1935 unter dem langjährigen Pfarrer Richard Pichler erhöht und gewölbt. Am südöstlichen Eck steht ein wuchtiger Turm mit außerordentlich großem Zwiebelhelm mit einem Durchmesser von 8,5 Meter. Der derzeitige Hauptaltar hat einen Opfergang, gedrehte Säulen und Figuren des Hl. Ignatius von Loyola und Francisco de Xavier aus der Zeit um 1720, wie die verzierte Kanzel. Über dem Mittelbild mit der Taufe Christi ist ein Aufsatzbild mit der Hl. Dreifaltigkeit angebracht. An jeder Längsseite sind kreuzgewölbte Kapellen angebaut. Der Marienaltar in der Beichtkapelle entstand etwa um 1750, wo es eine Mauernische mit dem Johanneskopf gibt. In der nördlichen Kapelle befinden sich der Pestaltar, eine frühbarocke Arbeit von 1686, und zwei Bilder mit je sieben Nothelfern (etwa 1750). Der alte schlichte, gotische Messkelch mit der Aufschrift „Johannes Haberler, presbyter ordinis Sancti Georgii professus dedit hunc calicem anno di. 1517“ (Johann Haberler, Priester und Ordensmann des Hl. Georgs, hat diesen Kelch im Jahr des Herrn 1517 gespendet) ist gegenwärtig im Stiftsmuseum Millstatt ausgestellt.
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Chor mit Orgel der Kirche.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Bis 1844 war in Obermillstatt eine bereits hundert Jahre alte, kleine einmanualige Orgel ohne Pedal, ein Positiv im Einsatz, die um 25 Gulden an die Pfarre Millstatt für die Domitiani-Kapelle verkauft wurde. Der Orgelbauer Bartholomäus Herbiger fertigte 1843 bis 1844 im Gastzimmer des ehemaligen Gasthauses „Rainer“ (später Volksschule, derzeit Heimatmuseum) eine mechanische Schleifladenorgel mit 5 Manual- und 2 Pedalregistern um 360,- fl. an. Die Einweihung fand 1844 durch Hochwürden Rudolf Gussenbauer statt. Kurat war zu dieser Zeit Valentin Ferman. Der Erste Weltkrieg forderte von den Obermillstättern nicht nur Menschenopfer, sondern auch Metallabgaben. Während im nahen Matzelsdorf die Kirchglocken abgeliefert werden mussten, waren es in Obermillstatt die Orgelpfeifen aus Zinn.
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Obermillstatt, ein Dorf in der Gemeinde Millstatt am Millstätter Berg (Hochplateau) über
dem Millstätter See in Kärnten. Ansicht gegen Norden. Der Hügel im Vordergrund ist der
Lärchriegel, dahinter die Millstätter Alpe. Ganz rechts die katholische Kirche, circa 1950.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Joadl
Auf Befehl der K&K-Heeresverwaltung wurden am 28. Jänner 1918 die insgesamt 17 kg schweren Prospektpfeifen abmontiert. Durch die schlechte wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg (Inflation) reichten die Sammelerlöse erst 1921, um die Wiederherstellung der Orgel durch die Salzburger Firma Mauracher zu finanzieren. Ab Oktober 1922 ertönte wieder Kirchengeläute im Ort, da die vier neuen Glocken, hergestellt von den Böhlerwerken, aufgezogen wurden. Nach der Kirchenrenovierung von 1936, bei der die Raumhöhe um zwei Meter angehoben wurde, baute der Orgelbauer Alois Fuetsch aus Lienz / Osttirol die alte mechanische Schleifladenorgel in eine pneumatische Orgel (op. 51) mit 9 Manual- und 1 Bassregister um und platzierte sie in einer dafür konzipierten Dachkammer oberhalb des Chorraumes.
Pfarrkirche Obermillstatt - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
Kriegerdenkmal für die 64 im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Gemeinde an der Kirche.
"In Liebe u. Dankbarkeit gedenkt Obermillstatt seiner im Weltkrieg 1914-18 verlorenen Söhne"
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)  / Joadl
In den 1970er Jahren wurde eine Restaurierung mit dem Argument abgebrochen, dass das Instrument nicht mehr zu retten sei. 1979 wurde ein Orgelkomitee unter Hermann Stellmann gegründet, das unterschiedlichste Spendenaktionen durchführte. Die Chorempore wurde 1980-81 umgebaut und Platz für eine neue Orgel geschaffen. 1983 wurde die neue Orgel (Gesamtkosten 1,1 Mio. öS) von der Firma Pirchner aus Steinach am Brenner (Schleierelemente von Josef Huber / Millstatt, Marmorierung und Vergoldung von Campidell / Feistritz a.d. Drau) eingeweiht. Die Pirchner-Orgel mit 862 Pfeifen ist als mechanische Schleifladenorgel mit 14 barocken Registern, die auf 2 Manualen und das Pedal verteilt sind, konzipiert. Die Koppeln waren mechanisch, das ursprüngliche Oberwerk war mit einem Schwellwerk und mit einem Tremulanten ausgestattet. 2006 wurde die Orgel von Orgelbauer Lenter aus Sachsenheim (Deutschland) umfassend generalsaniert.
www.kath-kirche-kaernten.at/obermillstatt
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Obermillstatt" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Grabeskirche Jerusalem  
Zentralfriedhof Wien  
Kirchen in Wien:  
Stephansdom  
Virgilkapelle  
Karlskirche  
Ruprechtskirche  
Kapuzinerkirche  
Peterskirche  
Votivkirche  
Maria am Gestade  
Dominikanerkirche  
Franziskanerkirche  
Franz-von-Assisi-Kirche  
Mariahilferkirche  
Jesuitenkirche  
Johann-Nepomuk-Kirche  
Klosterkirche BBW  
Spitalskapelle BBW  
Schottenstift  
Minoritenkirche  
Servitenkirche  
Kirche Maria vom Siege  
Pfarrkirche St. Thekla  
Pfarrkirche St. Brigitta  
Pfarrkirche Oberlaa  
Pfarrkirche Krim  
Heiligenstädter Pfarrkirche  
Pfarrkirche Grinzing  
Kalvarienbergkirche  
Josefskirche  
Karmeliterkirche Wien 2  
Karmeliterkirche Wien 19  
Kirche am Steinhof  
Karl-Borromäus-Kirche  
Wotrubakirche  
Donaucity-Kirche  
Salvatorkirche (Altkath.)  
Niederösterreich:  
Stift Heiligenkreuz  
Stift Melk  
Basilika Maria Taferl  
Othmarkirche Mödling  
Pfarrkirche Bruck/Leitha  
Weissenbach a. d. Triesting  
Martinskirche Drosendorf  
Pfarrkirche Zellerndorf  
Steiermark:  
Dom zu Graz  
Basilika Mariazell  
Basilika Mariatrost  
Benediktinerstift Admont  
Wallfahrtskirche Frauenberg  
Pfarrkirche Liezen  
Pfarrkirche Pürgg  
Pfarrkirche Gröbming  
Pfarrkirche St. Marein  
Pfarrkirche Wenigzell  
Pfarrkirche Maria Lankowitz  
Kärnten:  
Wallfahrtskirche Maria Saal  
Wallfahrtskirche Maria Schnee  
Pfarrkirche Gurk  
Pfarrkirche Heiligenblut  
Pfarrkirche Obermillstatt  
Pfarrkirche Sternberg  
Salzburg:  
Dom zu Salzburg  
Franziskanerkirche  
Basilika Maria Plain  
Maria Kirchental  
Stille Nacht Kapelle  
Dreifaltigkeitskirche  
Pfarrkirche Liefering  
Filialkirche Gois  
Oberösterreich:  
Alter Dom Linz  
Neuer Dom Linz  
Stiftskirche Mattighofen  
Pfarrkirche Hallstatt  
Pfarrkirche Haslach  
Pfarrkirche Spital am Phyrn  
Pfarrkirche Waldzell  
Burgenland:  
Dom zu Eisenstadt  
Basilika Frauenkirchen  
Basilika Güssing  
Basilika Maria Loretto  
Tirol:  
Innsbrucker Dom  
Pfarrkirche Kufstein  
Seekirche Seefeld  
Karlskirche Volders  
Vorarlberg:  
Basilika Rankweil  
Pfarrkirche Lech  
Kirchen in der Slowakei:  
Martinsdom  
St. Elisabeth Kirche  
ALABO - KIRCHENMUSIK
DOMBUCHHANDLUNG FACULTAS - WIEN  
Schott - Tagesliturgie  
Stift Heiligenkreuz - Chant  
Oase des Friedens  
  www.gaube.at - Erhard Gaube
 
design by gaube