Ostersonntag
Festtag der Auferstehung Jesu Christi
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Agnus Dei (lat. Lamm Gottes, oder altgriechisch Ἀμνὸς τοῦ Θεοῦ [Amnòs tou Theou])
ist ein seit ältester Zeit im Christentum verbreitetes Symbol für Jesus Christus.
Als Osterlamm, gekennzeichnet mit der Siegesfahne, ist es ein Symbol für die
Auferstehung Jesu Christi. Es ist häufiger Bestandteil der christlichen Kunst
und ein christliches Symbol in der Heraldik.
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Der Ostersonntag ist im Christentum der Festtag der Auferstehung Jesu Christi, der nach dem Neuen Testament als Sohn Gottes den Tod überwunden hat. Es ist der ranghöchste Feiertag im Kirchenjahr. Mit ihm beginnen das Osterfest und die Osterzeit, zugleich beendet die liturgische Vesper des Ostersonntags das Triduum Sacrum (die heiligen drei Tage). Das Osterdatum wird wie das jüdische Hauptfest Pessach über einen gebundenen Mondkalender bestimmt. Es fällt in den westlichen Kirchen auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond und bestimmt auch die Daten der beweglichen Festtage des Osterfestkreises. Auf den Ostersonntag folgt in vielen Ländern der Ostermontag als gesetzlicher Feiertag. Mit dem Ostersonntag beginnt die Osterwoche, die am Weißen Sonntag endet.
Christi Auferstehung - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Albrecht Altdorfer: Auferstehung Christi (Bildausschnitt),
um 1516, im Kunstgeschichte-Museum in Wien:
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Der Ostersonntag markiert das Ende der Fastenzeit und den Beginn der Osteroktav, die mit dem Weißen Sonntag endet. Nur in diesem Rahmen wird heute noch der Osterdienstag gefeiert. Die Liturgie des Ostersonntags wird durch die Feier der Osternacht eingeleitet. Dieser heute meist am Vorabend nach Einbruch der Dunkelheit gefeierte Gottesdienst geht auf die altkirchliche Ostermatutin als Nachtwache („Vigil“) zurück, in der Ostkirche die Pannychis. Durch die liturgische Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde die Bedeutung der Osternacht als Vigil wieder neu entdeckt. Für die katholische Kirche wurde sie durch Papst Pius XII. ab 1951 reformiert und durch die Liturgiereform 1969 nochmals umgestaltet, nachdem sie seit dem 14. Jahrhundert ein Schattendasein am Morgen des Karsamstags geführt hatte. Mit dem Beginn der Osternacht wechselt die liturgische Farbe zum Weiß der Osterzeit. Während die in der Osternacht gelesenen Schrifttexte das Osterereignis als Erfüllung des Alten Bundes darstellen und die Auferstehung Jesu Christi im Evangelium erst angedeutet wird (etwa Lk 24,1−12 EU, die Botschaft der Engel am leeren Grab), weisen die Schrifttexte des Ostertages bereits über diesen hinweg auf die Bedeutung des Osterfestes für die Kirche hin. In den fünfzig Tagen der Osterzeit vom Ostersonntag bis Pfingsten werden keine Lesungen aus dem Alten Testament vorgetragen, sondern Lesungen aus den Paulusbriefen und der Apostelgeschichte. Als Evangelium am Ostersonntag wird Joh 20,1−18 EU (Entdeckung des leeren Grabes, Maria von Magdalas Begegnung mit dem Auferstandenen), in einer Abendmesse auch Lk 24,13−35 EU (Erzählung der Emmausjünger) gelesen.
Christi Auferstehung - Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Piero della Francesca: Auferstehung Christi, 1463 - 65, Fresko und Tempera,
in der Pinacoteca Comunale in Sansepolcro.
Quelle: Joachim Schäfer; Ökumenisches Heiligenlexikon
Die Auferstehung Jesu Christi ist für die Christen zentraler Glaubensinhalt. Nach der Verkündigung des Neuen Testaments (NT) erstand Jesus Christus, Sohn Gottes, am dritten Tag nach seiner Kreuzigung von den Toten zu neuem, unzerstörbarem Leben und erschien seinen Jüngern in leiblicher Gestalt. Das Neue Testament beschreibt den Vorgang der Auferstehung nicht, sondern setzt ihn als von keinem Menschen beobachtete und beeinflusste, alleinige Tat Gottes voraus (Mk 16,6 EU). Es bezeugt die Folgen dieser Tat für einige der ersten Jünger und andere Menschen, die den auferstandenen Jesus laut einer sehr frühen Osterzeugenliste „gesehen“ haben (1 Kor 15,5-8 EU). Auf diesem Zeugnis beruht der Glaube des Urchristentums an die Messianität Jesu Christi und an die Rettung der seinen Namen bekennenden Getauften zum ewigen Leben (Röm 10,9 EU):

„…denn wenn du mit deinem Mund bekennst: «Jesus ist der Herr»
und in deinem Herzen glaubst: «Gott hat ihn von den Toten auferweckt»,
so wirst du gerettet werden.“


Das Christentum feiert Jesu Auferstehung jedes Jahr zu Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest. Die Historizität der Auferstehung Jesu bzw. Entstehung, Inhalt und Bedeutung des Auferstehungsglaubens werden seit der Neuzeit kontrovers diskutiert.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auferstehung (Dieric Bouts, um 1455).
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Alle Schriften des Neuen Testaments stammen von Urchristen, die von der Auferstehung Jesu Christi überzeugt waren und sie als Ursache und Hauptinhalt ihres Glaubens betrachteten, der alle übrigen Glaubensinhalte trägt. 17 der 27 NT-Schriften erwähnen Jesu Auferstehung, fast alle übrigen setzen sie implizit voraus, auch die vermutete Logienquelle und das apokryphe Thomasevangelium, die sie nicht explizit erwähnen. Kein NT-Zeuge beschrieb den Vorgang selbst, kein NT-Autor beanspruchte fremde, nichtchristliche Zeugen dafür. „Wer den Auferstandenen sah, wurde personal beansprucht“: Daher konnten die Urchristen Jesu Auferstehung nicht distanziert darstellen, sondern nur als von Gott geschenkte wunderbare Erkenntnis gelten lassen, bekennen, verkünden und nacherzählen. Die neutestamentliche Forschung versucht, die Entstehung und Entwicklung dieser Glaubenszeugnisse aufzuhellen. Sie geht davon aus, dass Zeugen der ersten Christengeneration, die Jesus von Nazaret zum Teil noch erlebt und begleitet hatten, schon kurz nach dessen Tod um 30 formelhafte Glaubens- und Bekenntnissätze prägten und überlieferten. Denn Paulus von Tarsus zitierte solche Glaubenssätze aus der Jerusalemer Urgemeinde in seinen erhaltenen Paulusbriefen (entstanden ab 50 n. Chr.) als bereits etablierte urchristliche Überlieferung (Tradition). Diese Sätze gelten als Keimzelle der NT-Entstehung. Längere Ostererzählungen am Ende der Evangelien und Anfang der Apostelgeschichte gelten als jüngere, narrative Entfaltung dieser frühen Glaubenssätze. Sie werden ihrerseits auf einen ersten, schriftlichen Passionsbericht aus der Urgemeinde zurückgeführt, den der Verfasser des Markusevangeliums vorfand, aufnahm und erweiterte (um 70). Die späteren Evangelisten haben diesen erweiterten Bericht in Grundzügen übernommen und jeweils abgewandelt oder ergänzt.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Heiliges Grab (Ettenheim) - Christus mit schlafenden Soldaten. Das Heilige Grab
von Johann Prunner in der katholischen Pfarrkirche St. Bartholomäus Ettenheim, 1778.
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In den Paulusbriefen findet man eingliedrige Formeln mit dem griechischen Verb ἐγείρω (Aktiv „aufwecken“, „aufrichten“, „entstehen lassen“; Passiv: „aufwachen“, „auf(er)stehen“):

„Gott hat Jesus von [aus] den Toten erweckt“:
Röm 10,9 EU; 1 Kor 6,14 EU; 1 Kor 15,15 EU; Eph 1,20 EU.
„Gott, der Jesus von den Toten erweckt hat“:
Röm 4,24 EU; 2 Kor 4,14 EU; Gal 1,1 EU; Kol 2,12 EU.

Hier ist Gott Subjekt, der sich durch sein Auferwecken des getöteten Jesus „definiert“, so dass das Substantiv „der Gott“ in Röm 8,11 EU sogar entfallen kann. Sein Handeln an Jesus erscheint als einzigartige Ausnahme von allen anderen Toten (exklusiv).

Andere Varianten definieren Christus durch Gottes Handeln an ihm:

„...Christus, den Gott aus den Toten auferweckt hat“: 1 Thess 1,10 EU (gilt als älteste schriftliche Auferstehungsnotiz des NT); Kol 2,12 EU.
„Christus wurde auferweckt von den Toten“: Röm 6,4.9 EU.
„der, der [von den Toten] auferweckt ist“: Röm 7,4 EU; Röm 8,34 EU.

Daneben stehen mehrgliedrige Formeln, die das griechische Verb ἀνίστημι (transitiv: „aufrichten“, „aufwecken“; intransitiv: „aufstehen“, „auferstehen“)[5] verwenden und die Auferstehungsaussage mit anderen Aussagen verbinden:

„Er ist auferstanden, er ist nicht hier“: Mk 16,6 EU.
„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen“: Lk 24,34 EU.
„Jesus ist gestorben und auferstanden“:
1 Thess 4,14 EU; 1 Kor 15,3f EU; 2 Kor 5,15 EU.
„...der Menschensohn […] wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“:
Mk 8,31 EU; Mk 9,31 EU; Mk 10,33f EU. Hier handelt es sich um die „Passionssummarien“ der Evangelien, in denen der vorösterliche Jesus in wörtlicher Rede Leiden, Tod und Auferstehung des Menschensohns ankündigt.

Diese Varianten beziehen Jesu Auferstehung auf sein vorheriges Sterben, das ihn mit allen Sterblichen verbindet (inklusiv).
Urchristliches Credo und Zeugenliste
Auferstehung Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Auferstehung Christi; Fasoli, Giuseppe ;Radierung/Punktiermanier.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1 Kor 15,1-8 EU gilt wegen seines Alters und Gewichts als das wichtigste Auferstehungszeugnis des NT. Denn Paulus, der einzige NT-Autor, dessen Identität historisch gesichert ist, führt es als von ihm verkündetes rettendes Glaubensfundament ein:

1 "Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe.
Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht."
2 "Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet,
wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe."
3 "Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden."
"Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf."
 6 "Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich;
die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen."
7 "Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln."
8 "Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‚Missgeburt‘.“

Mindestens die Verse 3 bis 4 gelten als Zitat des ältesten urchristlichen Glaubensbekenntnisses, das Paulus von der Urgemeinde wohl bei einem ersten Jerusalembesuch 46 oder 48 n. Chr. übernommen hatte (Gal 1,18-19 EU). Es war in Jerusalem wahrscheinlich ursprünglich Aramäisch verfasst und mit der Liste schon schriftlich fixiert worden. Es bekennt stellvertretenden Sühnetod, Grablegung und Auferweckung Jesu am „dritten Tag“ als „schriftgemäß“, das heißt als gottgewollte Stationen der biblischen Heilsgeschichte, die biblische Verheißungen erfüllen. Diese Stationen bildeten für die Urchristen eine untrennbare und unumkehrbare Einheit, die auch die Gliederung des vormarkinischen Passions- und Osterberichts bestimmte.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Frauen am leeren Grab (russische Ikone, 17. Jh.).
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Damit hatten Urchristen aus der Urgemeinde in den Folgeversen 5 bis 7 eine Liste der Empfänger einer Jesuserscheinung in zeitlicher Reihenfolge verbunden. Jedes Versglied wird mit dem Passivpartizip „er erschien / wurde gesehen von…“ (griechisch ὤφθη, ophtae) eingeleitet. Das Wort bezeichnet hier kein gewöhnliches Sehen, sondern eine nur von Gott ermöglichte visionäre Enthüllung von irdisch unzugänglicher Wahrheit (Offenbarung). Die Septuaginta verwendet es oft für Erscheinungen Gottes (Ex 16,10 EU; Jes 33,10-11 EU; Jes 35,2 EU; Jes 66,18 EU; Ps 838 EU; Ps 101,17 EU und öfter). Besonders die jüdische Apokalyptik führt Traumvisionen („Gesichte“) erzählerisch aus, in denen die Endzeitereignisse vorweggenommen werden. Auf eine nur von Gott her mögliche Wahrnehmung und endgültige Enthüllung verweisen auch die Engelsbotschaft in Mk 16,8 („Dort werdet ihr ihn sehen…“) und Eigenaussagen des Paulus in Gal 1,12.16 und 1Kor 9,1 („Habe ich nicht Jesus, unsern Herrn, gesehen?“).

Die Art dieser Wahrnehmung wird nicht ausgeführt. Alles konzentriert sich auf ihren Inhalt: den zuvor gekreuzigten und begrabenen, nun auferweckten Jesus. Deutlich ist, dass reale, sinnliche Erfahrungen gemeint sind. Das passive Sehen war offenbar ein Erkennen und Wiedererkennen, das denen, die Jesus vor seinem Tod gekannt und zum Teil begleitet hatten, seine wahre, bisher verborgene Identität endgültig aufdeckte. Es bezeichnet also eine personale, das ganze bisherige Leben der Empfänger umstürzende Begegnung mit Jesus Christus. Er war für sie nun unwiderruflich der unerwartet von Gott zu unzerstörbarem neuen Leben Erweckte.
 
Erstanden ist der heil'ge Christ
 Erstanden ist der heilge Christ, alleluia
der aller Welt ein Tröster ist alleluia.
Und wär er nicht erstanden, alleluia
so wär die Welt vergangen, alleluia.
Paulus und viele seiner Adressaten kannten den historischen Jesus nicht, so dass er in Vers 6 wahrscheinlich den Hinweis auf noch lebende Zeugen einer Jesuserscheinung ergänzte, die befragt werden konnten. Indem er sich selbst in Vers 8 als letztes Glied in die Zeugenliste einreihte, stellte er heraus, dass der Auferstandene selbst ihn trotz seiner Vergangenheit als Christenverfolger ebenso wie die Apostel der Urgemeinde zur universalen Völkermission beauftragt habe. So ist der älteste authentische Schriftzeuge des NT zugleich der einzige, der in Ich-Form von einer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtete. Im Galaterbrief hatte Paulus Jahre zuvor betont, er habe seine Berufung zum Völkerapostel unabhängig von der Urgemeinde erhalten und diese erst später besucht: Das erhärtet die Echtheit seiner eigenen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und zugleich deren Übereinstimmung mit den früheren Jesusvisionen der Urchristen, deren Glaubensbekenntnis Paulus dann übernahm. Anschließend behandelte er das Thema Auferstehung in einem grundlegenden theologischen Traktat (1 Kor 15,12-58 EU).
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Engel öffnet das Grab Jesu; Benjamin Gerritsz Cuyp.
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Die „Erzähltradition“ besteht aus zusammenhängenden Texten, die die Ereignisse im Anschluss an Jesu Tod ausführen und dabei Texteinheiten zur Auffindung seines leeren Grabes und zu seinen Erscheinungen miteinander kombinieren:

Mk 15,42-16,8: Die Erzählung von der Grablegung Jesu und Entdeckung seines leeren Grabes durch einige Frauen ist der wohl älteste narrative Ostertext im NT. Er schloss wohl einen vormarkinischen Passionsbericht ab, der die formelhaft vorgeprägten Stationen des Leidensweges Jesu ausführte.
Die Erzähleinheiten Mt 27,57-28,20 und Lk 23,50-24,53 übernehmen und variieren die Grabauffindungsgeschichte, verbinden sie mit einer Kollektivvision des Zwölferkreises und einem universalen Missionsauftrag Jesu.
Joh 19,38-21,25 bietet eine eigene Version von Grab- und Erscheinungstradition und erweitert diese um eine den Synoptikern unbekannte Begegnung Jesu mit Simon Petrus und sechs weiteren Jüngern aus dem Zwölferkreis.
PetrEv 8,28–11,49 aus dem apokryphen Petrusevangelium ist der einzige urchristliche Text, der den Vorgang der Auferstehung selbst beschreibt. Jesu Gegner, Juden und Römer, beobachten hier seine Bestattung und die Versiegelung seines Grabes; sie werden Zeugen seiner Auferweckung und eines Dialoges mit Gott, worauf er ihnen aus dem Grab heraus erscheint. Einige Textdetails (eine Grabwache, Grabsiegel - vgl. Mt 27,65-66 EU; ein Centurio - vgl. Mk 15,39 EU) zeigen, dass der Autor synoptische Motive kannte, auf eigene Weise verknüpfte und variierte. Daher gilt dieser Text als späte apologetische Legende, die indirekt die getrennte Entstehung von Grab- und Erscheinungsüberlieferung bestätigt.
Die Erscheinungen Jesu
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Auferstehung Christi; Raffaellino del Garbo, 1510.
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Erzähltexte von Erscheinungen des auferweckten Jesus gegenüber einzelnen oder einigen seiner ersten Anhänger findet man in:

Mt 28,9-10 EU: Jesus erscheint zwei Frauen beim Grab und beauftragt sie, die Jünger nach Galiläa zu senden. Dabei fallen die Frauen auf die Knie und fassen seine Füße.
Mt 28,16-20 EU: Jesus erscheint den Elf (ohne Judas Ischariot) in Galiläa und beauftragt sie zur weltweiten Mission, Taufe und Lehre zum Halten seiner Gebote. Er sagt ihnen seine Gegenwart bis zum Weltende zu.
Lk 24,13-35 EU: Jesus erscheint zwei Jüngern bei Emmaus auf dem Weg nach Galiläa, erklärt ihnen anhand der Bibel den Sinn seines Leidens und isst mit ihnen. Sie erkennen ihn erst am Brotbrechen.
Lk 24,36-49 EU: Jesus erscheint allen elf Aposteln in Jerusalem, überwindet ihren Unglauben, indem er sich anfassen lässt, seine Wundmale an Händen und Füßen zeigt und etwas isst, erklärt seine Passion mit der Bibel und beauftragt sie zur weltweiten Mission.
Joh 20,11-18 EU: Jesus erscheint Maria Magdalena in weißem Gewand vor dem leeren Grab. Er lässt sich nicht berühren. (Seine Worte sind als „noli me tangere“ aus dem lateinischen Text bekannt und bezeichnen auch das entsprechende Bildmotiv.)
Joh 20,19-23 EU: Jesus erscheint den elf Jüngern in Jerusalem, überwindet ihren Unglauben durch Zeigen der Wundmale an Händen und Seite (Speerstich), beauftragt sie zur Gemeindegründung, verleiht ihnen den Heiligen Geist und gibt ihnen die Vollmacht, Sünden zu erlassen.
Joh 20,24-29 EU: Jesus erscheint Thomas und lässt sich von ihm anfassen, um seinen Unglauben zu überwinden.
Joh 21,1-14 EU: Jesus erscheint sieben der erstberufenen Jünger am See Genezareth, als diese von erfolglosem Fischfang zurückkehren, und feiert mit ihnen ein Mahl.
Laut Apg 1,1-11 EU erschien Jesus in den seiner Auferstehung folgenden vierzig Tagen noch weitere Male in Jerusalem. Er wiederholt und bekräftigt den Missionsauftrag der Apostel, bevor er seine Jünger mit der Himmelfahrt endgültig verlässt. Danach beginnt der Zwölferkreis, seine Auferstehung öffentlich zu verkünden. Damit beginnt die Missionsgeschichte der Urchristen.
Apg 9,1-9 EU ist die einzige Jesuserscheinung nach der Himmelfahrt und letzte aller Jesuserscheinungen. Der Text führt die Bekehrung und Berufung des Christenverfolgers Paulus vor Damaskus aus, die dieser in seinen Briefen nur erwähnt, aber nicht näher beschreibt. Dieser Fremdbericht wird als Eigenbericht in Apg 22,6-11 EU und Apg 26,12-18 EU wiederholt und abgewandelt.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Auferstehung Christi; Meister von Hohenfurth, circa 1350.
Gemälde zur Serie der neun Tafelbilder zum Leben Christi gehörig, urspr. für das
Zistersienser Kloster Vyšší Brod.
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Die narrativen Erscheinungstexte bestätigen also
vier Jesuserscheinungen aus der Zeugenliste:


die des Petrus, ohne sie auszuführen (Lk 24,34 EU; indirekt Mk 16,7 EU),
die der elf erstberufenen Jünger (Mt 28,16-20 EU; Lk 24,36-49 EU; Joh 20,19-23 EU),
die vor „allen Aposteln“ (ausgeführt in Form der Himmelfahrt),
die des Paulus (Gal 1,12.15 EU; Apg 9 EU).

Die Begegnung Jesu mit Jakobus und mit den „500 Brüdern“ werden nicht narrativ ausgeführt und nirgends sonst erwähnt. Die Jesuserscheinungen für die zwei Emmausjünger, Maria Magdalena und die anderen Frauen, Thomas und sieben Jünger wiederum fehlen in der Zeugenliste. Sie gelten daher als wahrscheinlich erst von den Evangelisten Lukas und Johannes oder einem Johannesredaktor komponierte Texte.

Mk 16,9-20 EU zählt die Erscheinungen vor Maria Magdalena, den zwei Emmausjüngern, den Elf, Thomas und den sieben Jüngern auf: Dies gilt als Versuch eines späteren Redaktors, die frühen Angaben der Zeugenliste mit den späten Erscheinungstexten von Lukas und Johannes auszugleichen.

Die Erscheinungstexte treffen keine Aussagen über Jesu Gestalt. Erst sein Handeln und Sprechen deckt den Empfängern auf, wer er ist. In Lk 24,39 EU und Joh 20,20.27 EU lässt er sich physisch berühren, um ihren Unglauben zu überwinden. Dieses Motiv widerspricht der Auffassung, er sei nur als Geist ohne Körper auferstanden und zuvor nicht wirklich gestorben. Daneben tritt das Motiv des gemeinsamen Mahls, das an das letzte Mahl Jesu mit den Jüngern vor seinem Tod erinnert: Erneut schenkt er ihnen, die ihn vor dem Tod verraten, verlassen und verleugnet hatten, Anteil an der Sündenvergebung. Die Paulusvision betont das Motiv des Himmelslichtes, in dem der zu Gott erhöhte Menschensohn erscheint, das den Empfänger blendet und zum Bekennen des eigenen Unrechts führt. So fallen Selbstoffenbarung, Vergebung, Christus- und Selbsterkenntnis in den Erscheinungstexten zusammen.
Das leere Grab
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die drei Frauen am Grab, mit dem Engel, Albani-Psalter, 12. Jahrhundert.
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Erzählungen vom Auffinden des leeren Grabes Jesu in Jerusalem findet man in:

Mk 16,1-8 EU: Das Grab ist offen; in ihm begegnet den Frauen ein Engel mit der Osterbotschaft, die auf Jesu Erscheinungen in Galiläa hinweist. Die Frauen fliehen und sagen aus Furcht niemandem etwas.
Mt 28,1-8 EU: Ein Engel öffnet das Grab vor den Augen der Frauen. Jesus erscheint ihnen auf dem Weg nach Galiläa und wiederholt die Engelsbotschaft. Die Frauen erzählen diese den Jüngern weiter „mit Furcht und großer Freude“.
Lk 24,1-12 EU: Das Grab ist offen; zwei Engel verkünden die Osterbotschaft mit Jesu eigenen Worten. Die Frauen geben diese weiter, aber die Jünger glauben ihnen nicht.
Joh 20,1-10 EU: Nur Maria Magdalena geht zum Grab, findet es offen, teilt dies Petrus und dem Lieblingsjünger mit. Diese laufen um die Wette zum Grab und finden es leer, darin die Schweißtücher Jesu.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Hans Memling: Hl. Veronika mit dem Schweißtuch, um 1470.
Nach der christlichen Überlieferung hat Veronika ihr Tuch Jesus von Nazaret auf
dessen Weg nach Golgota gereicht, um Schweiß und Blut von dessen Gesicht
abzuwaschen. Dabei soll sich das Gesicht Jesu auf wunderbare Weise auf dem
Schweißtuch als sogenanntes Veronikabild eingeprägt haben.
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Das leere Grab ließ sich nach Eigenaussage der Texte verschieden deuten und rief von sich aus noch keinen Glauben an Jesu Auferstehung, sondern zunächst Furcht, Ratlosigkeit, Trauer und Unverständnis hervor (Mk 16,8 EU; Lk 24,4 EU; Joh 20,2.9.11.15 EU). Erst die Jesuserscheinungen weckten Glauben und Freude (Joh 20,20 EU), die auch in spätere Varianten der Grabgeschichte eindrang (Mt 28,8 EU). So bestätigte das leere Grab für die Urchristen nachträglich den unabhängig davon entstandenen Auferstehungsglauben. Da die Zeugenliste (1 Kor 15,5-8 EU) keine Frauen, keine Orts- und Zeitangaben und kein leeres Grab, die älteste Version der Grabgeschichte (Mk 16,1-8 EU) dagegen keine Männer und keine Jesusvisionen enthält, gelten Jesuserscheinungen und Grabgeschichte als unabhängig voneinander entstandene Traditionen, die erst später variabel miteinander verknüpft wurden.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die erste Fotografie des Turiner Grabtuchs – Negativ (links, seitenverkehrt) und Positiv;
überraschend war 1898 das viel deutlichere Negativbild. Es wird von vielen Gläubigen
als das Tuch verehrt, in dem Jesus von Nazaret nach der Kreuzigung begraben wurde,
und hat eine Reihe von Christusdarstellungen inspiriert.
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Mk 16,1-8 gilt gemäß der Zwei-Quellen-Theorie als die älteste Version der Grabfindungsgeschichte. Sie schloss vermutlich den vormarkinischen Passionsbericht ab, den Markus in sein Evangelium aufnahm; dann enthielt dieser noch keine Erscheinungstexte. Die übrigen Evangelisten haben diese Textvorlage abgewandelt, um den Fund des leeren Grabes je auf ihre Weise mit ihnen bekannt gewordenen Jesuserscheinungen zu verbinden. Die Matthäusversion macht die Zusammenkunft der Jünger in Galiläa mit einer ergänzten Jesuserscheinung vor den Frauen plausibel. Die Lukasversion erklärt die Gründung der Urgemeinde in Jerusalem damit, dass die Jünger schon vor ihrem Aufbruch nach Galiläa vom leeren Grab erfuhren und aufgrund einzelner Jesuserscheinungen unterwegs nach Jerusalem umkehrten. In der Johannesversion entfällt die Engelsbotschaft beim Grab, da die Jünger hier in Jerusalem geblieben sind und Marias Entdeckung selbst überprüfen, bevor Jesus erscheint.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die drei Marien am Grab Christi; Adam Elsheimer, circa 1603.
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Ob die Grabgeschichte historische Erinnerung enthält, ist stark umstritten. Oft wird schon die älteste Version als spätere Legende beurteilt, die den Glauben an Jesu Auferstehung nachträglich verteidigen sollte. Hauptargumente dafür sind:

Die Formeltradition und die Paulusbriefe (1 Kor 15,4) erwähnen Jesu Begräbnis, aber kein leeres Grab.
Der Glaube an Jesu Auferweckung könnte auch ohne Fund seines leeren Grabes entstanden sein. Denn manche damaligen Juden glaubten laut Mk 6,14, Jesus sei der von den Toten wiedererweckte Johannes der Täufer, den seine Jünger begraben hatten (Mk 6,29). Jesus selbst glaubte laut Mt 12,18ff., die Erzväter seien auferstanden; ihre Gräber wurden jedoch damals verehrt.
Nur die Markusversion erwähnt die nachträgliche Salbung des Leichnams Jesu, den Josef von Arimathäa schon gesalbt hatte, als Grund des Grabbesuchs der Frauen. Das erscheint untypisch für jüdische Begräbnissitten; ein Salbenkauf vor Tagesanbruch erscheint unglaubwürdig.
Zahl und Namen der Frauen sind uneinheitlich überliefert.
Motive wie der schwere Stein und das Schweigen der Frauen betonen den Wundercharakter der Auferweckung Jesu, deren Geschehensein erzählerisch also schon vorausgesetzt wird. Auch die Engelsbotschaft setzt Jesuserscheinungen in Galiläa schon voraus.
Der Text enthält Züge einer apokalyptischen Epiphanie mit einem Deute-Engel und greift auf Engelsmotive zu Beginn des Markusevangeliums und auf Jesu eigene Ankündigung seines Wiedererscheinens (Mk 14,28) zurück. Das spricht für den Evangelisten Markus als Autor.
Für einen historischen Kern werden angeführt:
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Grab Christi.
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Die Glaubensaussage „Jesus wurde von den Toten auferweckt“ bedeutet biblisch und bei Paulus eine restlose Verwandlung des sterblichen Körpers. Dieser Glaube schloss die Annahme eines leer gewordenen Grabes notwendig ein, auch wenn diese unausgesprochen blieb.
Das leere Grab wurde übereinstimmend am Tag nach dem Sabbat gefunden, der nach jüdischer Zählung der dritte angebrochene Tag seit Jesu Tod war.
Das entspricht 1 Kor 15,4.
Mk 16,1-8 hängt literarisch unlösbar mit Jesu Grablegung (Mk 15,42-47) zusammen. Beide Texte gehören zum vormarkinischen Passionsbericht und führen das Urcredo (1 Kor 15,3-5: „gestorben, begraben und am dritten Tage auferweckt“) erzählerisch aus. Zudem bestätigen Schweigen und Flucht der Frauen Jesu Ankündigung des Unglaubens (Mk 14,27) und die Flucht seiner männlichen Jünger (Mk 15,40). Eben weil dieser Unglaube historisch ursprünglich war, erwähnen urchristliche Auferstehungsformeln das leere Grab nicht und formten spätere Grabberichte dieses Motiv in einem längeren Überlieferungsprozess zur Auferstehungsfreude um.
Nach allen Evangelien fanden Frauen das Grab, die zu den ersten Begleitern Jesu aus Galiläa gehörten und den Urchristen namentlich bekannt waren. Zeugenaussagen von Frauen galten im damaligen Judentum wenig oder nichts. Die Urchristen haben das Zeugnis von Frauen nur weitergegeben, weil es historisch war.
Der Fund des leeren Grabes wurde unabhängig von den Jesuserscheinungen überliefert und erst später mit diesen verbunden: Es muss sich also um eine sehr frühe eigenständige Überlieferung handeln.
Die Urchristen haben keinen Grabkult entwickelt, obwohl dieser in Jerusalem damals gerade für Märtyrer stark gepflegt wurde. Dies erklärt auch das Schweigen des Paulus vom leeren Grab.
Sie hätten Jesu Auferweckung in Jerusalem unmöglich verkünden können, wenn es dort ein volles Jesusgrab gegeben hätte.
Jüdische Betrugsvorwürfe gegen die Urchristen in und außerhalb des NT setzen ihrerseits voraus, dass Jesu Grab tatsächlich leer war.
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der Wettlauf der Jünger Petrus und Johannes zum Grab
(Gemälde von Eugène Burnand von 1898).
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Die Evangelien stellen die Ereignisfolge bis zu Jesu Bestattung weitgehend im Konsens dar. Ihre Passions- und Ostererzählungen gelten als erzählerische Entfaltung des urchristlichen Credos (1 Kor 15,3-5 EU) mit seiner Abfolge „gestorben - begraben - auferweckt (- erschienen)“. Die spezifischen Evangelientexte zum Grab Jesu und seinen Erscheinungen enthalten aber viele verschiedene, zum Teil widersprüchliche Details. Deshalb ist der vermutete historische Verlauf bis heute umstritten; manchmal wird er für nicht rekonstruierbar gehalten. Nach dem ältesten Passionsbericht (Mk 11-16), dessen Ereignisfolge die Synoptiker übernahmen, starb Jesus in Jerusalem während eines Pessach nachmittags am Vortag eines Sabbat (Freitag). Josef von Arimathäa nahm seinen Leichnam mit Erlaubnis des römischen Statthalters Pontius Pilatus vom Kreuz, wickelte ihn in ein Leintuch, legte ihn in ein Jerusalemer Felsengrab und verschloss es mit einem schweren Stein. Die männlichen Jünger waren laut Mk 14,50 EU schon bei Jesu Festnahme am Vorabend geflohen; einige davon waren laut Lk 24,13 EU unterwegs nach Galiläa, andere blieben laut Joh 20,2-3 EU in Jerusalem. Nur einige Frauen aus dem Anhängerkreis Jesu aus Galiläa beobachteten seine Kreuzigung und Bestattung. Einige dieser Frauen, darunter zumindest Maria Magdalena (Mk 16,1 EU; Joh 20,1 EU), suchten das Grab frühmorgens am Tag nach dem Sabbat auf, um Jesu Leichnam einzubalsamieren (Mt 28,1 EU: um nach dem Grab zu sehen). Konsens besteht im NT darin, dass dieser „dritte Tag“ (1 Kor 15,4 EU; gezählt von Jesu Todestag an) das Datum der Auferweckung Jesu war. Die Fortsetzung variieren die Synoptiker mit legendarischen Motiven von ein oder zwei Engeln, die den Frauen in oder vor dem Grab die Botschaft, Jesus sei auferweckt, verkünden. Bei Mk und Mt kündigen sie zudem Jesuserscheinungen in Galiläa an. Bei Lk und Joh entfällt dieser Hinweis, da Jesus hier nahe bei und in Jerusalem erscheint. Alle Evangelien setzen also nachösterliche Jesuserscheinungen voraus und verknüpfen sie auf verschiedene Weise mit der Entdeckung des leeren Grabes. Alle berichten von einer Erscheinung Jesu vor dem versammelten Elferkreis. Nach Lk 24 EU und Joh 20 EU sahen die Elf Jesus noch am gleichen Tag der Nachricht vom leeren Grab in Jerusalem. Mt lässt das Datum wegen der Lokalität Galiläa offen. Zumindest die im NT mehrfach bezeugten Jesuserscheinungen der Zeugenliste, vor allem die vor Simon Petrus und Paulus, gelten meist als glaubwürdige (innere und/oder äußere) Erfahrung. Da nach 1 Kor 15,6-7 EU noch weitere Zeugen den Auferstandenen sahen, ließ die Urgemeinde das Ende der Osterzeit unbestimmt. Erst Paulus sah sich nach 1 Kor 15,8 EU als letzten durch eine Jesuserscheinung legitimierten Apostel.
Alte Kirche
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Auferstehung Christi; Raphael (1483–1520).
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In der Alten Kirche wurde die Auferstehung Jesu Christi vor allem im Gottesdienst gefeiert, weniger theoretisch reflektiert. Aussagen der Kirchenväter zu diesem Thema haben ihren „Sitz im Leben“ meist in der liturgischen Praxis. Sie führten etwa aus, dass der Gottesdienst an jedem Sonntag stattfindet, weil Jesus an einem Sonntag von den Toten auferstanden sei. Oder sie berechneten die Fastenzeit, die mit dem Ostergottesdienst endete. Dabei setzten sie die Auferstehung Jesu Christi als selbstverständliche Tatsache und Glaubensgrundlage voraus. Weil darüber in der Alten Kirche Konsens sogar mit der Gnosis bestand, fehlte zur theologischen Reflexion nur über dieses Thema der Anlass. Stattdessen deuteten die Kirchenväter die Auferstehung Jesu Christi häufig als Auftakt der Auferstehung der Menschen zur Unvergänglichkeit (etwa im Ersten Clemensbrief 24,1), sahen ihren Sinn und ihr Ziel also in der Überwindung des Todesschicksals der Menschen durch Christus. An seiner Auferstehung erhält der Mensch nach Ignatius von Antiochien besonders durch die als „Unsterblichkeitsmedizin“ bzw. „Gegengift gegen das Sterben“ verstandene Eucharistie Anteil. Die allgemeine Auferstehung als Frucht und Folge der Auferstehung Jesu Christi bildete das zentrale, von vielen Kirchenvätern breit ausgeführte Thema der altkirchlichen Theologie. Im siebten Jahrhundert verurteilte die elfte Synode von Toledo in einem Glaubensbekenntnis den Adoptianismus und verwendet die Formulierung, Christus sei "aus eigener Kraft" von den Toten erstanden.
Mittelalter und Reformation
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Auferstehung Christi mit dem Heiligen Leonhard von Noblac und Lucia;
Giovanni Antonio Boltraffio, 1492; Gemäldegalerie, Berlin.
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In der Scholastik, für die der satisfaktorische Gehalt des Jesusgeschehens zum Leitmotiv wurde (z.B. in der Frage des Anselm von Canterbury: „Cur Deus homo“ (lat.) - „warum wurde Gott Mensch?“), lag zunächst weniger die Auferstehung als der Tod und die Zwei-Naturen-Lehre Jesu Christi im theologischen Interesse. So wurde die Auferstehung in großen theologischen Werken wie den „Sentenzen“ des Petrus Lombardus (1158) nicht explizit thematisiert. Thomas von Aquin fügt das Thema hundert Jahre später in seinem eigenen Sentenzenkommentar ein und beschreibt in seinem Hauptwerk „Summa theologiae“ den „Vollendungscharakter der Auferstehung für Jesus selbst“, mit der „die Auferstehung aller bereits eingeleitet“ ist, da Christus durch sie den Tod seiner Macht beraubte, die Glaubenden damit von der Furcht vor dem Tod befreite und mit Hoffnung erfüllte. In der mittelalterlichen Predigt hingegen war die Auferstehung durchaus Thema, geriet jedoch gern zu spekulativen Ausschmückungen und zerfaserte in spitzfindigen theologischen Kleinfragen. Dagegen setzte Martin Luther neu ein, indem er Kreuz und Auferstehung Jesu als Einheit versteht und in ihrer Aufeinanderbezogenheit als „Heilsereignis“ verkündet.
Gegenwärtige kirchliche Positionen
Ostersonntag - Jesus Christus - Auferstehung; Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Darstellung des Auferstandenen von Albin Egger-Lienz, 1923/1924.
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Kardinal Joseph Ratzinger erklärte 1982, dass „alle christliche Theologie, soll sie ihrem Ursprung treu bleiben, zuinnerst und zuerst Theologie der Auferstehung sein [muss]. Sie muss Theologie der Auferstehung sein, bevor sie Theologie der Rechtfertigung des Sünders ist; sie muss Theologie der Auferstehung sein, bevor sie Theologie der metaphysischen Gottessohnschaft ist. Sie kann und darf auch Theologie des Kreuzes jeweils nur als und in Auferstehungstheologie sein.“ Der Katechismus der Katholischen Kirche (1997/2003) beschreibt die Auferstehung Jesu Christi als gleichzeitig geschichtliches und transzendentes Ereignis und als Werk der Dreieinigkeit: Sie sei durch den Willen des Vaters (Apg 2,24 EU), durch die göttliche Macht Jesu Christi (Joh 10,17-18 EU) und das Wirken des Heiligen Geistes (Röm 6,4 EU) geschehen.
Osterbrauchtum
Ostern © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Ostereier.
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Ein Osterei ist ein gefärbtes, oft mit Motiven bemaltes oder verziertes Ei; gewöhnlich ein hartgekochtes Hühnerei, das traditionell zu Ostern verschenkt oder gegessen wird.

Das Färben von Eiern zu Ostern ist eine weitverbreitete christliche Tradition, die von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa bekannt ist. In zahlreichen Spielen für Kinder sind die bunt gefärbten Ostereier begehrte Gewinne; am Morgen des Ostersonntags dürfen die Kinder versteckte Ostereier suchen. Das christliche Osterfest entspringt dem jüdischen Pessach-Fest. Zum Seder-Mahl gehören auch Eier, wobei aber kein Zusammenhang zwischen dem Ei beim Seder und den Ostereibräuchen nachgewiesen ist.
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Ostereier.
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Der Ursprung der christlichen Eiersitte ist nicht bekannt. Es wird dabei immer wieder auf die symbolische Deutung des Eies in der Antike sowie in anderen Kulturen und Religionen hingewiesen. In der Gegenwart kommen gefärbte Eier in der Sitte des Nouruz-Festes im iranischen Raum vor, vor allem bei Zoroastriern und Jesiden.

In der christlichen Theologie wird seit alters auf die Eisymbolik Bezug genommen; im Mittelalter ist die Deutung des Eies auf die Auferstehung Christi bekannt. Allgemein gilt in der europäischen Kunstgeschichte das Ei als Symbol für die Auferstehung – auf Marienbildern kommt es im Hintergrund oder als Randmotiv als Hinweis auf die jungfräuliche Geburt vor. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens führt die Volkssitten um das Ei zu Ostern auf die seit dem 12. Jahrhundert von der Kirche eingeführte „benedictio ovorum“ zurück, die diesen so gesegneten Eiern im Volksglauben vielerlei Kräfte zuwachsen ließ. Erste Erwähnungen von gefärbten Ostereiern in Deutschland stammen aus dem 16. Jahrhundert. Eine frühe Erwähnung des Brauches, die Eier für Kinder zu verstecken, stammt aus dem Tagebuch des Abtes Jakob vom Kloster Schuttern (Ortenaukreis) für das Jahr 1691.
Ostern © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Osterhasendarstellung.
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Kindern wurde – je nach Gegend – erzählt, dass diese Eier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen stammen. Auch den Glocken auf ihrer Rückkehr vom Flug nach Rom in der Osternacht wurden die Eier zugeschrieben. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt.

Der Osterhase ist im Brauchtum ein vorgestellter Hase, der zu Ostern Eier bemalt und im Garten versteckt. Die Ostereier werden am Morgen des Ostersonntags von den Kindern gesucht. Der Osterhase wird zum ersten Mal von dem Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau im Jahr 1682 in der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ erwähnt. Er schildert für Oberdeutschland, Pfalz, Elsass und angrenzende Gebiete sowie Westfalen den Brauch, dass der Osterhase die Eier in Gärten im Gras und Gesträuch versteckt, wo sie zur Freude und Belustigung der Erwachsenen von den Kindern gesucht werden. Dass der Osterhase die Eier verstecke, nennt er „eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“.
Schokolade Osterhasen.
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Die Verbindung des christlichen Osterfestes mit dem Ei als Symbol ist für verschiedene europäische Länder spätestens aus dem Mittelalter bekannt, möglicherweise auch früher anzusetzen. Es gibt daneben seit Ambrosius auch eine ältere Deutung des Hasen als Auferstehungssymbol. Die vielfältige christliche Hasensymbolik fand im Mittelalter in vielen Bildwerken ihren Ausdruck, siehe Hase in der Kunst. Die Verbindung des Hasen mit dem österlichen Eierbrauch ist jedoch noch unklar, auch wenn die Fruchtbarkeit der Hasen für sich allein eine enge Verbindung zum Frühling hat. Folgende Hypothesen werden gerne angeführt:

Einige frühe bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild – eine Darstellung von drei Hasen mit lediglich drei Ohren insgesamt, bei denen aufgrund der „Doppelverwendung“ von Ohren dennoch jeder Hase zwei Ohren hat; dies ist heute ein bekanntes Symbol für die Dreieinigkeit (die ursprüngliche Bedeutung ist unklar). Eventuell könnte man von dieser Darstellung auf den Hasen als Eierlieferant gekommen sein.
An einer Stelle der Bibel, dem Ps 104,18 EU, wird in älteren Übersetzungen von „Hasen“ gesprochen. Grund dafür war die lateinische Übersetzung von Spr 30,26 EU, in der Hieronymus das hebräische „schafan“ (Klippschliefer) mit „lepusculus“ (Häschen) übersetzte. Seit der Spätantike wurde diese Stelle als Symbol für den schwachen Menschen (Hase) interpretiert, der seine Zuflucht im Felsen (Christus) sucht. Diese Auslegung begründete die Hasensymbolik in der christlichen Ikonographie.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Ostersonntag" der
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