Pfarrkirche St. Othmar
Othmarkirche Mödling
Pfarrgasse 18, 2340 Mödling
Aufblick zur Pfarrkirche St. Othmar.
Bild: Stauda, August; 1907.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Othmarkirche ist eine dem heiligen Othmar geweihte spätgotische katholische Kirche in Mödling in Niederösterreich. Die Maße der heutigen Kirche betragen 54 m Länge, 23 m Breite und 18 m Höhe, die Firsthöhe beträgt 37 m. Als Baumaterial wurde, wie für den Stephansdom in Wien, Sarmat-Sandstein (Cerithiensandstein) verwendet, ein grober, fossilienarmer Kalksandstein, der als Ablagerung des Jungtertiär-Meeres am Rand des Wiener Beckens entstand.
Geschichte
Mödling, St. Othmar mit Karner, 1824.
Mödlinger Ansichten aus fünf Jahrhunderten.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Baubeginn der Othmarkirche war am 13. Mai 1454 unter Pfarrer Johannes Hinderbach. Eine Inschrift oberhalb des Haupteingangs erinnert daran. Davor waren schon sechs Vorgängerkirchen an der Stelle der heutigen Othmarkirche gestanden. Die älteste nachgewiesene Vorgängerkirche war eine karolingische Kirche aus dem 9. Jahrhundert. An der Stelle der Othmarkirche steht also seit über 1100 Jahren ein Gotteshaus. Pfarrer zur Bauzeit der Othmarkirche war Herzog Przemysl III. von Troppau. Er wohnte im Herzoghof in Mödling, in der heutigen Herzoggasse. Er starb 1493, sein Grabstein befindet sich heute noch an der Nordwand in der Othmarkirche. Als Pfarrkirche gehört sie dem Dekanat Mödling und damit der Erzdiözese Wien an. Nach 69-jähriger Bauzeit war die Kirche im Jahr 1523 fertiggestellt. Sechs Jahre später, im Jahr 1529, wurde sie im Türkenkrieg niedergebrannt. Aus der Zeit vor der Zerstörung sind, außer Mauern und Säulen, das Sakramentshäuschen, der Kopf des Gekreuzigten am großen Kreuz und ein gesticktes Marienbild (heute beim Votivaltar) erhalten geblieben.
Blick auf St. Othmar, um 1850.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Wiederaufbau dauerte über hundert Jahre. Auf einem Plan aus dem Jahr 1610 ist die Othmarkirche ohne Dach als Alte öde Kirchen dargestellt.
Im Jahr 1618 rief Kardinal Melchior Khlesl in einem Erlass zu Spenden für den Wiederaufbau der Kirche auf:

Das mit großen schweren uncosten ansehnlich erbaute gottshaus zu Mödling unterm gebürg, dann alls solches anno 1523 mit aller zugehörung an die statt und stöll gar auferbaut, ist es alssbald darauf in 6 jahren hernach durch den erbfeundt alls er mit aller seiner macht und crafft ins landt gefallen und die statt Wien belagert, in prandt gesteckt und sambt aller kirchen ornat abgebrent worden.

1629 spendete ein Salzburger namens Florianus Ursprunger das Märbelsteinpflaster (Salzburger Marmor) für den Altarraum. Eine Marmortafel an der rechten Säule im Altarraum erinnert daran. Im zweiten Türkenkrieg 1683 wurde die Bevölkerung, die sich in die Kirche flüchtete niedergemetzelt, die Kirche selbst wieder beschädigt, darauf jedoch unter Marktrichter (entspricht Bürgermeister) Wolfgang Ignaz Viechtl zügig wieder aufgebaut. Viechtl war Müller von Beruf, daher befinden sich an der Außenseite der Westwand in großer Höhe zwei Mühlsteine. An seinem ehemaligen Wohnhaus auf dem heutigen Freiheitsplatz ist eine Gedenktafel angebracht. 1690 war die Kirche einschließlich Dachstuhl und Dach wiederhergestellt. Der Dachstuhl ist dreistöckig, 18 m hoch, ganz aus Tannenholz gefertigt, und wurde von Experten als Meisterwerk der Zimmermannskunst bezeichnet. Im 18. Jahrhundert erfolgte die Barockisierung der Othmarkirche. Die Kanzel mit einer Darstellung von Papst Benedikt XIII. und sieben Barockaltäre wurden errichtet, daran erinnert eine Inschrift am Nepomukaltar: unum ex septem altaribus. Fünf dieser Altäre sind heute noch vorhanden, zum Teil mit erneuertem Altarbild. Der Hochaltar wurde 1760 von Maria Theresia gestiftet. 1727 wurde die erste Orgel errichtet. Weiters wurden, für uns heute schwer vorstellbar, die Fenster zum Großteil zugemauert.
Mödling mit St. Othmar, 1829.
Mödlinger Ansichten aus fünf Jahrhunderten.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Unter Bürgermeister Josef Schöffel wurde anlässlich der Stadterhebung 1875 der Kirchenrestaurierungs-Verein gegründet, die Othmarkirche wurde regotisiert. Die meisten Glasfenster stammen aus dieser Zeit. Die letzte große Renovierung erfolgte 1982 bis 1983. Bei Grabungen wurden die sechs Vorgängerkirchen nachgewiesen. Die liturgischen Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden in zeitgenössischen Werken des Künstlers Hubert Wilfan realisiert. Der Volksaltar zeigt auf der Vorderseite die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen am See von Tiberias (Joh 21). Der Ambo zeigt den Sämann und das Schicksal des Samens, den er ausstreut (Mt 13).
Der Karner
Pfarrkirche St. Othmar mit Karner; Alt, Rudolf von; um 1840.
Mödlinger Ansichten aus fünf Jahrhunderten.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gegenüber dem Hauptportal von St. Othmar steht die Pantaleonskapelle. Der Karner, wie die Pantaleonskapelle urkundlich seit 1346 genannt wird, ist Mödlings ältestes erhaltenes Bauwerk. Er wurde vermutlich nach 1182 errichtet, möglicherweise erst um 1220. Bauherr könnte der Babenberger Herzog Heinrich der Ältere von Mödling gewesen sein, Sohn von Heinrich II. Jasomirgott und Theodora Komnena von Byzanz. Auch Heinrich Jasomirgott war in Mödling als Bauherr tätig, wie eine Inschrift auf dem ehemaligen Armen-Pilgramhaus zeigt, das heute als Pfarrheim genutzt wird. Möglicherweise wurde der Karner erst unter Heinrich dem Jüngeren von Mödling erbaut. Es gibt auch immer wieder Spekulationen, dass der Karner ursprünglich als Kapelle der Tempelritter erbaut wurde. Nach dem Ungarneinfall 1252 unter Bela IV. wurde der Karner wieder aufgebaut, möglicherweise unter Gertrud, der Nichte des Babenbergerherzogs Friedrich II. (der Streitbare). Dabei wurde der Karner um 1 Klafter (1,90 m) aufgestockt. Die Fenster im Hauptraum wurden auf die doppelte Höhe vergrößert, nur das Fenster im Nordwesten (heute durch den Stiegenaufgang halb verdeckt) hat noch die ursprüngliche Höhe. Die Kapitelle der Halbsäulen wurden auf die neue Höhe von ca. 10 m versetzt, ausgenommen das Kapitell links vom Haupteingang, es blieb auf der ursprünglichen Höhe. Jedes dieser Kapitelle ist anders gestaltet. Am Kapitell an der Westseite befindet sich ein Menschenkopf. Am Kapitell an der Apsis (Ostseite) befand sich ein Tierkopf, der leider in den letzten Jahren abgeschlagen wurde. Den Abschluss nach oben bildet ein Lilienfries aus der Zeit nach 1252. Es ist sehr ähnlich dem Lilienfries am Kirchturm (Ost- und Südseite) in Sollenau von 1250. Sollenau gehörte ebenfalls zum Einflussbereich von Gertrud. Acht Meter reicht das Untergeschoß des Karners in die Erde. Acht Meter war er innen vor dem Umbau hoch. Acht Meter ist heute noch der Durchmesser des Innenraumes. Acht Lisenen (Halbsäulen) befinden sich an der Außenmauer.
www.othmar.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Othmarkirche_(Mödling)" der
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