Passion
Passion Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Passionsspiele in Laa an der Thaya 1952;
Generalprobe: Kreuzigungsszene.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Unter Passion (von lateinisch pati „erdulden, erleiden“; passio „das Leiden“) versteht man im Christentum zuvorderst den Leidensweg Jesu Christi, d. h. sein Leiden und Sterben samt der Kreuzigung durch die Römer in Jerusalem. Die Berichte davon in den Evangelien werden als Passionsgeschichte bezeichnet. Die Leidensgeschichte Jesu, seine Passion, beginnt für viele Bibelausleger „mit seiner Menschwerdung“, denn die Geburt im Stall, aber auch die Flucht nach Ägypten sind zwar weihnachtliche Motive, beinhalten aber das Leiden an der Welt und mit der Welt. Die Konflikte, die der erwachsene Jesus von Nazareth vor allem mit den Schriftgelehrten von Jerusalem durchstehen musste, werden in den Evangelien ausführlich berichtet und deuten Jesu langes Leiden an. Alle vier Evangelien räumen der Passion einen breiten Raum ein, ganz besonders aber das Markusevangelium. Deshalb wurde dieses Evangelium schon im 19. Jahrhundert insgesamt als eine „Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung“  bezeichnet. Hinzu kommt: Jesu Verkündigung und sein prophetisches Wirken werden immer wieder von seinem eigenen Volk missverstanden; auch gerät Jesus schon vor der eigentlichen Passion in Trauerzustände. Jesus weint über die Stadt Jerusalem (Lk 19,41-44 EU). Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern Jesu verschärfen sich, die konflikthaften Situationen spitzen sich zu. Am Ende wird Jesus der Gotteslästerung bezichtigt (Mk 14,63f EU):

„63 Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung? Und sie fällten einstimmig das Urteil: Er ist schuldig und muss sterben.“
Markusevangelium 14, 63.64

Damit beginnt in allen biblischen Evangelien der eigentliche Kern der Passionsüberlieferung. Von seinen Anhängern weitgehend verlassen, wird Jesus von den Hohepriestern Hannas und Kajaphas den römischen Behörden von Jerusalem übergeben. Das Todesurteil fällt der römische Prokurator Pontius Pilatus, nachdem er Jesus ein letztes Mal dem Volk präsentiert hat mit den Worten: "Ecce homo". - "Sehet, welch ein Mensch!", auch: "Da, seht ihn euch an, den Menschen!". Die Evangelien des Neuen Testaments schildern ausführlich den Prozess und die anschließende Kreuzigung. Die biblische Passionsüberlieferung endet bei allen vier Evangelisten mit dem gewaltsamen Tod Jesu. Geschildert werden dann noch die Abnahme des Leichnams vom Kreuz und die Grablegung.
Passion Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Passionsspiele Thiersee um 1937.
Darsteller der Passionsspiele (Christus und Apostel) unterwegs im Gelände.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Für Jesu Jünger stellt die Passion, vor allem Jesu ohnmächtiges Leiden und Sterben, ein Problem dar. Wie kann Jesus, wenn er wirklich der Messias, der Christus, gar der Sohn Gottes sein soll, so enden? Warum muss er so jämmerlich sterben? Nach Markus verstanden Jesu Jünger die Verhaftung zuerst nur als Scheitern und als Bedrohung: „Da verließen ihn alle und flohen.“ (Mk 14,50 EU). Auch berichten die Evangelien nach der Kreuzigung Jesu von Flucht- und Angstreaktionen der Jünger. Die systematische Zusammenstellung des biblischen Passionsgeschehens aus allen vier Evangelien nennt sich Passionsharmonie, auch Historie vom Leiden und Sterben Jesu Christi oder lateinisch Summa Passionis (Zusammenfassung der Passion). Es ist der Spezialfall einer Evangelienharmonie, welche darum bemüht ist, die Passion als Zusammenstellung der verschiedenen Passionsgeschichten Jesu aus den vier Evangelien als einem einheitlichen Erzählstrang zu begreifen. Auch die apokryphen Evangelien und pseudepigraphen Schriften, etwa das Petrusevangelium und das Judasevangelium, wissen um die Passion Jesu und interpretieren diese in eigenständiger Weise. Dabei bieten die Spätschriften im Umfeld des Neuen Testaments zahlreiche Details und Ergänzungen zu den vier kanonischen Evangelien:
Das Nikodemusevangelium weiß um die Figur eines Longinus, jenen römische Centurion, der dem gekreuzigten Jesus nach dessen Tod einen Speer, die Heilige Lanze, in die Seite gestochen haben soll. Nach dem Matthäusevangelium sowie dem Markusevangelium bezeugte er - ohne dort namentlich genannt zu sein - die Gottessohnschaft Jesu. Für die Passionsdarstellungen der christlichen Kunst spielt er eine Rolle.
Das Petrusevangelium berichtet, dass die Juden, Ältesten und Priester ihre Schuld am Tode Jesu erkannt hätte. Sie bereuen die Kreuzigung. Petrus und die Jünger verstecken sich aus Angst vor Verhaftung, sie fasten und weinen.
In allen Kirchen wird während der Passionszeit an das Leiden Christi in besonderer Weise gedacht. Dazu gehört unter anderem die Praxis des Fastens und Betens. In Lesungen aus der Bibel, auch in der besinnlichen Lectio divina, nähert man sich der Passion Christi. Aber auch vielfältige Formen der Meditation und Kontemplation helfen, das Passionsgeschehen zu verinnerlichen. Die Passion wird nachempfunden durch Riten und Gebräuche. Es geht der Kirche um die lebendige Vergegenwärtigung des Geschickes Jesu, also darum, dass das einstige Leiden Jesu genauso gut auch in der Gegenwart hätte stattfinden können.
Passion Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Oberammergau: Passionsspiele 1950; Blick auf die Bühne.
Christus wird von Soldaten gefangengenommen.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gemeinsam ist allen Kirchen, dass die Passionszeit mit dem Karsamstag endet und dann ins Osterfest mündet. Der Name Passion ist seit dem 9. Jahrhundert in der westlichen Kirche als Bezeichnung der vorösterlichen Fastenzeit üblich.
Zum österlichen Festkreis gehört in der römisch-katholischen Kirche die Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern. In der Liturgie der katholischen Kirche wird die Passion am Palmsonntag und am Karfreitag von drei Vorlesern im Wechsel vorgetragen. Am Palmsonntag wird die Passion aus einem der synoptischen Evangelien vorgetragen: Lesejahr A: Matthäus (Mt 26,14 EU–27,66 EU), Lesejahr B: Markus (Mk 14,1 EU–15,47 EU), Lesejahr C: Lukas (Lk 22,14 EU–23,56 EU). Am Karfreitag wird stets die Passion nach Johannes vorgetragen (Joh 18,1 EU–19,42 EU).

Die katholische Kirche pflegt den Brauch der Vergegenwärtigung der Passion Jesu in der Kreuzwegandacht, die sowohl in der Fastenzeit als auch im Kirchenjahr, vor allem freitags allein oder in Gemeinschaft gebetet werden kann. Die Leidensgeschichten von Märtyrern und Heiligen werden als Passio bezeichnet.
Passionswerkzeuge und Passionsreliquien
Passion Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Passionsspiele in Laa an der Thaya 1952;
Generalprobe: Christus trägt das Kreuz.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mit Passionswerkzeugen (auch: Leidenswerkzeuge, lateinisch: Arma Christi - ‚Waffen Christi‘) werden Objekte bezeichnet, die in Beziehung zum Leiden und Sterben Jesu Christi stehen. Seit dem späten Mittelalter wird auch die Darstellung der Leidenswerkzeuge in der christlichen Ikonographie üblich. Ab dem ausgehenden 14. Jahrhundert sind sie vermehrt Gegenstand der Andachtsliteratur und der Frömmigkeit. Dargestellt werden unter anderem:
das Kreuz mit dem Titulus crucis, meist INRI
die Dornenkrone Christi
die Geißelsäule
der mit Essig oder Galle getränkte Schwamm an einem Rohr
das Schweißtuch der Veronika
Diese Objekte hängen eng mit den Passionsreliquien und Christusreliquien zusammen, die an verschiedenen Stellen gesammelt wurden.
Passionsspiele
Passion Christi © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
St. Margarethen - Passionsspiele im Steinbruch.
Blick aus dem Zuschauerraum gegen die Bühne; 1962.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Als Passionsspiel werden geistliche Dramen um die Passion, das Leiden und Sterben Jesu von Nazaret bezeichnet. Karfreitagsspiele und Passionsspiele waren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit in ganz Europa verbreitet. Bekannte Passionsspiele sind u. a. die Waaler Passionsspiele in Waal (die ältesten in Bayerisch-Schwaben), die Oberammergauer Passionsspiele und die Erler Passionsspiele in Erl.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Passion" der
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