Bruder Patrick Zoll SJ
aus dem südlichen Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Interview: Münchner Kirchennachrichten, 23.10.2014
Patrick Zoll SJ über seine Berufung:
"Leben als Diener Gottes"
Patrick Zoll SJ © Bund der Deutschen Katholischen Jugend Erzdiözese Köln - www.bdkj-dv-koeln.de
Patrick Zoll SJ nach der Wahl zum neuen Diözesankaplan auf der außerordentlichen
Diözesankonferenz der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ).
© Bund der Deutschen Katholischen Jugend Erzdiözese Köln - www.bdkj-dv-koeln.de
Pechschwarzer Zopf, Mehrtagebart und G-Shock-Uhr im 90er-Style: Patrick Zoll widerspricht gar sehr den landläufigen Vorstellungen eines Jesuiten. Den Ordenseintritt 1998 schildert der 36-Jährige als eine individuelle Entscheidung.
Seine Eltern, zu denen er ein gutes Verhältnis hat, seien verwundert gewesen. Patrick kennt kein „katholisches Milieu“ aus eigenem Erleben: er stammt aus dem südlichen Nordrhein-Westfalen. Dort ist „man“ – wenn überhaupt – eher evangelisch.
Auf dem Pfarrhof von St. Sylvester wohnen derzeit sieben Jesuiten, darunter Patrick. Er befindet sich in Schwabing, dem kulturellen Herzen Münchens. Heutzutage verhalten sich die Jesuiten nicht mehr ausschließlich nach Vorgaben „von oben“ samt Bestrafung bei Zuwiderhandlungen. Kulturell hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Dadurch reifen tiefere Ordenspersönlichkeiten heran. Menschen mit Autoritätsskepsis finden so weitaus eher eine spirituelle Heimat. Die „Sprachfähigkeit“ jüngerer Mitbrüder sei oft wesentlich ausgeprägter, stellt Patrick fest, obwohl sich auch Angehörige derselben Generation deutlich unterschieden. Dennoch könne ein Ordensleben auch ohne Austritt scheitern. Jugendverbandsarbeit sozialisierte den aufgeräumt wirkenden Oberberger katholisch: Seine Herkunftsfamilie ist kirchlich wenig gebunden und bikonfessionell, die Mutter evangelisch.
Das Vertrauen der Jesuiten ist groß
 Es bestehen keine strengen Anwesenheitsregeln in Patricks Wohneinheit: Grundsätzlich entscheidet die Gemeinschaft über das Gerüst des Tagesablaufs. Wöchentliche Gemeinschaftsabende, die tägliche Messe sowie ein- bis zweitägige Klausuren pro Semester sollen für steten Kontakt sorgen: Sowohl zur geistlichen Ebene der Ordenszugehörigkeit als auch zwischen den Brüdern – Vertrauen und Vertrautsein. Erst bei den Jesuiten wurde er richtig beziehungsfähig, pointiert Patrick. Sexualität begreife er als vor allem „Fruchtbarkeit“. Ein fruchtbringendes erfülltes Leben sei aber auch im Orden möglich.

Ein Spannungsfeld sieht er zwischen dem Ordensgehorsam und dem demokratischen Selbstverständnis moderner Menschen. Die Jesuiten hätten jedoch eine gute Kommunikationskultur, die diese Spannung etwas abfedere. „Schmerzhafte Momente“ der Berufungsgeschichte habe es für den „Idealisten“ im zweijährigen Nürnberger Noviziat kaum gegeben – aber später, an trüben Tagen. Dies liege an der Trauer über die Verengung der eigenen biographischen Perspektive, die sich vor allem im Verzicht auf Familie konkretisiert. In einen Orden wollte er, um in Gemeinschaft leben zu können. Im Wesentlichen komme es darauf an, „den Willen Gottes zu erkennen und ihm Gestalt zu geben“, „eine Gestalt für das eigene Leben zu finden, die Gott dient“.

Das Charisma der Erben des Ordensgründers Ignatius von Loyola ist im deutschsprachigen Raum die Bildung. Obgleich zunehmend Laien in diesen Diensten tätig werden, ziehe das Engagement eine starke Personalbindung auch unter den Brüdern nach sich, erklärt Nachwuchswissenschaftler Zoll.
Auf die Berufung kommt es an
Trotz eines Minus von durchschnittlich 300 pro Jahr gibt es noch immer knapp 17.000 Jesuiten weltweit, davon fast 370 in Deutschland. Neben der deutschen Provinz existieren noch kleinere eigenständige Provinzen in der Schweiz und in Österreich. Mit ihnen gibt es jetzt schon zahlreiche Kooperationen und für die Zukunft stellt sich die Frage, wie man die Strukturen gut an die sinkenden Zahlen anpassen kann. Dennoch hält Patrick zum Nachwuchsmangel fest: „Es kommt auf die eigene Berufung an. Ich bliebe auch Jesuit, wenn ich wüsste, dass ich als Letzter das Licht werde löschen müssen.“

Patrick lebte drei Jahre in Spanien, spricht die Sprache fließend und pflegt Kontakte zu dortigen Mitbrüdern. Die Unterbrechung der Studien- durch Pastoralzeiten empfindet er als „angenehm“ und ergänzt schelmisch: „Ordensangehörige haben ja nicht den Stress, schnell fertig werden zu müssen.“ Seine Sandalen streift er sich während des Gesprächs regelmäßig ab und reflektiert: Christen, Geistliche und erst recht Ordensleute seien in Westeuropa eine immer kleinere Minderheit. Doch Wehleidigkeit halte er für verfehlt, denn Orden und Priestertum seien kein Selbstzweck. Das geistliche Leben müsse für Geweihte und die Menschen in ihrer Umgebung etwas bieten. Sonst sei es „sinnlos“.

Bis zu seinem Terziat, der letzten, vertieften Studierphase während der Ausbildung ab Herbst 2015, feiert Patrick im Wechsel mit dem dortigen Studentenpfarrer in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) an der Leopoldstraße die Heilige Messe. Nach jahrzehntelanger Ausbildung, Selbstprüfung, Einsätzen und Umzügen werde er bald dauerhaft wissenschaftlich tätig sein. Sein Ziel sei es, „die Verwirklichung der Herrschaft Gottes auf der Welt zu befördern“. Garantien auf jene Erfüllung, die er jetzt spürt und für die er sehr dankbar ist, gebe es nicht. Doch da vertraue er auf den Heiligen Geist.
(Münchner Kirchennachrichten, 23.10.2014)
Text auszugsweise aus
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