Paulus von Tarsus
Gedenktag: 29. Juni
Paulus von Tarsus © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Paulus von Tarsus © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Heiliger Apostel Paulus
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Paulus von Tarsus (griechisch Παῦλος, hebräischer Name שָׁאוּל Scha’ul (Saul), lateinisch Paulus; * um 5 vermutlich in Tarsus/Kilikien; † um 64, vermutlich in Rom) war nach dem Neuen Testament (NT) ein erfolgreicher Missionar des Urchristentums und einer der ersten Theologen der Christentumsgeschichte. In der katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen, der koptischen und armenischen wie auch der anglikanischen Kirche wird er als Heiliger verehrt; die Evangelischen Kirchen erinnern ebenfalls mit Gedenktagen an ihn. Im Neuen Testament werden Paulus dreizehn Briefe namentlich zugeschrieben. Für mindestens sieben davon – Röm, 1 Kor, 2 Kor, Gal, Phil, 1 Thess, Phlm – erkennt die heutige historisch-kritische Forschung seine Autorenschaft an. Sie wurden in den Jahren zwischen 50 und 60 verfasst und sind die Hauptquelle für Biografie, Theologie und Missionstätigkeit des hl. Paulus.

Von den paulinischen Missionsreisen berichtet außerdem die Apostelgeschichte (Apg) des Lukas. Sie wurde einige Jahrzehnte nach den geschilderten Ereignissen verfasst und will in erster Linie eine idealtypische Ausbreitung des christlichen Glaubens darlegen. An historischen Abläufen ist sie weniger interessiert. Deshalb gilt sie nicht durchgehend als historisch verlässlich. Dennoch bestätigt und ergänzt sie einige biografische und theologische Angaben der Paulusbriefe.
Schließlich existieren einige der paulinischen Theologie nahestehende Briefe: Eph, Kol, 2 Thess, 1 Tim, 2 Tim, Tit und Hebr. Sie wurden zwischen 70 und 100 von einer Schülergeneration des Paulus verfasst und ermöglichen Rückschlüsse auf die Auffassung und Wirkung seiner Theologie.
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Paulus predigt in Athen
Holloway, Thomas ;Zeichnung und Kupferstich/Radierung von Thomas Holloway nach einem Teppichkarton von Raffaello Santi für einen Wandteppich in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.
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Nach Apg 22,3 EU stammte Paulus aus einer Familie von Pharisäern aus Tarsus in der damaligen römischen Provinz Kilikien, einem Landstrich in der heutigen Südtürkei im Grenzgebiet zu Syrien. Diese Hafenstadt war damals ein bedeutendes Handelszentrum mit einer größeren jüdischen Diasporagemeinde, wie es sie in vielen Küstenstädten des Mittelmeerraums gab. Wie die Familie des Paulus nach Tarsus kam, ist ungeklärt. Die Eltern des Paulus sollen nach der historisch nicht belegten Überlieferung des Kirchenvaters Hieronymus aus dem galiläischen Gischala stammen und seien, als die ganze Provinz von römischer Hand verwüstet wurde, in die Stadt Tarsus in Kilikien verschlagen worden. Der noch ganz junge Paulus habe das Schicksal seiner Eltern geteilt.

Paulus wurde schon in seiner Jugend zu einem Toralehrer ausgebildet. Er war Pharisäer und nahm sein schriftgelehrtes Studium wohl nicht in der jüdischen Diaspora, sondern in Judäa und Jerusalem auf. Obwohl in Tarsus geboren, wuchs er laut Apg 22,3 EU in Jerusalem auf und wurde dort vom damals berühmten Rabbiner Gamaliel I. unterrichtet. Seine Briefe zeigen sowohl solide Kenntnisse des Tanach als auch hellenistischer Rhetorik, Redeformen und Briefschemata. Seine Schriften gebrauchen viele Begriffe der griechischen Umgangssprache, besonders die der Stoa. Diese Ausdrucksweise wurde im Mittelmeerraum überall verwendet und verstanden. Die Sprache des Paulus ist in hohem Maße von der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der heiligen Schrift, geprägt. Gelegentlich hat er auch auf den ihm vertrauten hebräischen Urtext zurückgegriffen.
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Paulus und Barnabas verweigern das Opfer in Lystra.
Teppichkarton von Raffaello Santi für einen Wandteppich in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, wiedergegeben in einem (zum Wandteppich seitenrichtigen) Kupferstich/Radierung nach eigener Zeichnung von Nicolas Dorigny.
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Wie der Jude Paulus mit den ersten Christen in Berührung kam, geht aus der Apostelgeschichte und den paulinischen Schriften nicht hervor. Den Korinthern berichtet er, dass er die Gemeinde Gottes verfolgt habe (1 Kor 15,9 EU). Er erwähnt in aller Offenheit, dass er christliche Gemeinden verfolgt habe, um sie zu zerstören (Gal 1,13 EU). Er trat mit Eifer für das jüdische Gesetz ein (Phil 3,5-6 EU) und wandte sich mit Feindschaft gegen den Glauben und die Lebensweise der ersten Christenheit. Er hatte den Versuch unternommen, den christlichen Gemeinden die Möglichkeiten zu nehmen, sich zu bilden und zusammenzufinden.

Paulus vertrat bis zu seiner Bekehrung den Pharisäismus, der verlangte, dass auch Proselyten (zum Judentum übergetretene Nichtjuden) zu beschneiden seien (vgl. Apg 15,5 EU). Er verstand sich als „Eiferer für das Gesetz“ (Gal 1,14 EU), der dessen Vorschriften auch gegenüber Mitjuden vorbildlich erfüllt habe (Phil 3,6 EU). In diesem Streben wurde er ein erbitterter Gegner der hellenistischen Judenchristen, die in der jüdischen Diaspora missionierten und dabei neugetauften Heidenchristen die Befolgung der Tora erleichterten, indem sie auf deren Beschneidung verzichteten.

Laut Lukas bezeugte Paulus im Auftrag des Sanhedrin die vorschriftsmäßige Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus (Apg 7,58 ff. EU). Dieser erscheint als Wortführer jener Gruppe von Hellenisten, die in der Jerusalemer Urgemeinde als erste mit der Heidenmission begannen, den Tempelkult ablehnten und dadurch in Konflikt mit den sadduzäischen Tempelpriestern gerieten.
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Heiliger Apostel Paulus
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Paulus selbst erwähnt seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus mehrmals (Gal 1,15-19 EU; Phil 3,7–12 EU; 1 Kor 15,8–9 EU; 2 Kor 4,1.5–6 EU), schildert aber nur die Inhalte und Wirkungen, nicht den Vorgang: Gott habe schon vor seiner Geburt entschieden, ihm seinen Sohn zu offenbaren und ihn zum Völkerapostel zu berufen (Gal 1,15 EU). Er betont, er sei seinem Auftrag drei Jahre lang gefolgt und habe erst dann die Jerusalemer Urgemeinde besucht (Gal 1,17-19 EU). Man nimmt an, dass er dort das schon fixierte urchristliche Glaubensbekenntnis mit der Liste der Auferstehungszeugen übernahm, das er in 1 Kor 15,3–7 EU zitierte und ergänzte:

„Zuletzt von allen ist er auch von mir, einer Missgeburt, gesehen worden.
Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin,
ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“


Paulus stellte seine Berufung also in die Reihe der älteren Christuserscheinungen, von denen ihm die Augenzeugen bei seinem ersten Jerusalembesuch berichteten. Welcher Art diese waren, erfährt man nicht. Der formelhafte Ausdruck ōphthē (ὤφθη ‚gesehen worden‘, ‚erschienen‘) verweist auf Visionen, die wie in der jüdischen Apokalyptik als von Gott offenbarte Vorwegnahme endzeitlicher Ereignisse erfahren und weitergegeben wurden (zum Beispiel Dan 7,1–14 EU). Denn Paulus schloss hier sein berühmtes Kapitel über die Totenauferstehung an, einen Glauben, den er mit Pharisäern, Zeloten und Essenern teilte.

Gottes Berufung, Erkenntnis Jesu Christi als Sohn Gottes, Selbsterkenntnis als Sünder, der besondere Auftrag zur Völkermission und die Gewissheit der endzeitlichen Totenerweckung bildeten für Paulus also eine untrennbare Einheit. Er betonte daher, dass das von ihm verkündete Evangelium „nicht menschlicher Art“ sei (Gal 1,11 EU), sondern eine unmittelbar von Gott geoffenbarte an ihn gerichtete Botschaft.

Die Apostelgeschichte beschreibt die äußeren Umstände seiner Berufung mit einem Erzählbericht (Apg 9,1–18 EU) sowie zwei stilisierten Eigenreden des Paulus (Apg 22,6–16 EU und Apg 26,12-18 EU). Darin wird erzählt, dass Paulus auf einer Reise nach Damaskus von einem himmlischen Licht umstrahlt wird und die Stimme Jesu hört, der ihn fragt, warum er ihn verfolge. Paulus verliert daraufhin sein Sehvermögen, wird nach Damaskus geführt und lässt sich dort taufen, nachdem er wieder sehend geworden war. Damit stellt die Apostelgeschichte seine Berufung auch metaphorisch als Bekehrungserlebnis dar.
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Begegnung von Papst Leo dem Großen mit dem Hunnenkönig Attila.
Mailand : Lissant, Antonio Fontana ;Verteidigung von Rom durch Leo I. gegen den
Einfall der Hunnen; In den Verhandlungen des Papstes mit Attila erschienen die
schwerterschwingenden Apostel Petrus und Paulus, die dem Papst den Rücken stärkten
und den Hunnen zu einer Abkehr von Italien bewegt haben sollen.
Kupferstich von Pietro Anderloni nach dem Fresko von Raffael in der Stanza di Eliodoro im Vatikan.
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Gemäß seinem Selbstverständnis als Völkerapostel, d. h. als mit der Mission unter Nichtjuden Beauftragter, wollte Paulus das Evangelium Jesu Christi so weit wie möglich ausbreiten. Die Apostelgeschichte berichtet von mehreren Reisen des Apostels, die üblicherweise in "Missionsreisen" eingeteilt werden, was aber der Darstellung der Apostelgeschichte nicht ganz entspricht.

In der ersten Missionsreise besuchte er zusammen mit Barnabas und seinem Neffen Zypern, sowie anschließend die Heimat des Prokonsuls Sergius Paullus, dessen Familie in Antiochia bei Pisidien beheimatet war. Durch Verfolgungen gezwungen, reiste er auch noch in weitere Städte und kehrte schließlich mit Barnabas nach Antiochia am Orontes zurück.

Die "zweite Missionsreise" besteht aus einer Reise zu den in der ersten Reise gegründeten Gemeinden in Galatien und anschließend nach Griechenland, einem längeren Aufenthalt in Korinth und dann einer Reise nach Jerusalem und Antiochia am Orontes. Letztere beschreibt Lukas nur kurz, diese Reise bildet zusammen mit dem Anfang der "dritten Missionsreise" einen kurzen Bericht über eine Reise von Korinth in den Osten und zurück nach Ephesus, das auf der Hinreise kurz besucht wurde.

Die "dritte Missionsreise" besteht vor allem aus einem dreijährigen Aufenthalt in Ephesus. Daran schließt sich eine Rundreise durch Griechenland an sowie eine Reise nach Jerusalem, bei der offenbar eine in den Briefen des Paulus erwähnte Kollekte überbracht werden soll (was aber von Lukas nicht gesagt wird). Die Pläne von Paulus sahen eine Weiterreise nach Rom und von dort die Mission des westlichen Mittelmeerraumes bis Spanien vor (Röm 15,22 f. EU). In Jerusalem wurde er jedoch von den römischen Behörden verhaftet und nach längerem Hin und Her nach Rom überstellt, wo er vermutlich das Martyrium erlitt.
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Heiliger Apostel Paulus
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Paulus beschreibt in seinen Briefen öfter persönliches Leiden, das er als Folge seiner Christusverkündigung deutet. Er stieß demnach bei Juden und Römern/Hellenisten immer wieder auf starke Ablehnung, die bisweilen zu „Aufruhr“ führte: So überlebte er diverse körperliche Auseinandersetzungen, Steinigungsversuche und Strafgeißelungen (vgl. 2 Kor 11,24 f. EU; Apg 14,19 EU). Dies könnte ihn dauerhaft körperlich beeinträchtigt haben.

Im Römerbrief, dem letzten der echten Paulusbriefe, zeigte sich Paulus besorgt darüber, dass er bei seiner geplanten Reise nach Jerusalem zur Übergabe einer Kollekte an die dortige Urgemeinde von Juden verfolgt, aber auch von Judenchristen abgelehnt werden könnte (Röm 15,30 ff. EU).

Seiner Befürchtung gemäß wurde Paulus in Jerusalem von Diasporajuden angeklagt, er habe einen Nichtjuden mit in den Tempel gebracht: Darauf stand nach der geltenden sadduzäischen Toradeutung die Todesstrafe, die die Römer bei solchen religiösen Vergehen zuließen. Anlass für diese Beschuldigung war eine Auslösungszeremonie für Nasiräer, die Paulus nach jüdischer Sitte bezahlen wollte, um für die Juden seine Treue zum Judentum zu demonstrieren. Um ihn vor jüdischer Lynchjustiz zu schützen, griff die römische Wache ein und nahm ihn in Schutzhaft (Apg 21,27–36 EU). Nach einer mehrjährigen rechtlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Paulus den römischen Statthaltern die Christusbotschaft verkündete und als römischer Bürger an den Kaiser appellierte (Apg 25,9 ff. EU), wurde er schließlich gefangen nach Rom gebracht, um dort seinen Rechtsanspruch vorzutragen.

Nach einer zuerst im 1. Clemensbrief mitgeteilten Notiz soll Paulus mit Petrus den Märtyrertod erlitten haben. In den Ende des 2. Jh. entstandenen Paulusakten heißt es, er sei in Rom unter Kaiser Nero durch das Schwert hingerichtet worden. Möglicherweise fand er im Zuge von Neros Christenverfolgung im Jahr 64 den Tod. Eine Kreuzigung wäre ihm dann als römischem Bürger erspart geblieben.
Sein Grab soll sich in Rom unter der Kirche San Paolo fuori le mura befinden.
Sein Gedenktag wird am 29. Juni Peter und Paul (zusammen mit Petrus) gefeiert. Ein besonderer Gedenktag in der römisch-katholischen ist Pauli Bekehrung, der 25. Januar, der an das Erlebnis seiner Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus erinnern soll.
Erst vom 13. Jahrhundert an findet sich die Darstellung mit dem Schwert,
dem Attribut für sein Martyrium.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Paulus_von_Tarsus" der
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