Pfingsten
50 Tage nach Ostern
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfarrkirche Maria Gail, Kärnten: Flügelaltar, Anfang 16. Jahrhundert:
Flügelrelief 'Pfingstfest'. Ginhart II / III; 33.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Pfingsten (altgr. πεντηκοστή ἡμέρα pentekostē hēméra ‚fünfzigster Tag‘) ist ein christliches Fest. Gefeiert wird von den Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes (daher als Mysterium oder ikonographisch Aussendung des heiligen Geistes oder auch Ausgießung des heiligen Geistes genannt). Es wird am 50. Tag des Osterfestkreises, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, begangen. Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot (τὴν ἡμέραν τῆς πεντηκοστῆς ‚zum 50. Tag‘) in Jerusalem versammelt waren (Apg 2,1-41 EU). Dieses Datum wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden. Als christliches Fest wird Pfingsten erstmals im Jahr 130 erwähnt.
Pfingsten © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten;
auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder (Mosaik).
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Das christliche Pfingstereignis fand nach Apg 2,1 EU am jüdischen Fest Schawuot statt. Dieses Fest feiert die Offenbarung der Tora an das Volk Israel und gehört zu den Hauptfesten des Judentums. Schawuot bedeutet Wochen und weist mit diesem Namen auf die mit dem fünfzigsten Tag vollendeten sieben Wochen nach dem Pessachfest hin. Bereits aus dieser Tradition stammt der griechische Name pentekostē, aus dem der deutsche Begriff „Pfingsten“ hervorgegangen ist. Schawuot ist gleichzeitig ein Erntedankfest, da es den Abschluss der mit Pessach beginnenden Weizenernte markiert.
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten;
auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
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 Im 2. Kapitel der Apostelgeschichte werden die Erfahrungen der Jünger Jesu beim Pfingstfest, dem jüdischen Schawuot-Fest, in Jerusalem geschildert:

Die versammelten Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt:
„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“  Apg 2,1-4 EU

In einer Predigt des Apostels Petrus wurde das Pfingstereignis gedeutet und in den Zusammenhang der Heilsgeschichte gestellt:

Durch den Propheten Joel hatte Gott vorausgesagt, dass er in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde (vgl. Joel 3,1-5 EU):
„Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen; sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist. In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein.“  Apg 2,14-18 EU
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Altlerchenfelder Kirche; Wien 7: Fresken an der Südwand des Langhauses:
Himmelfahrt Christio und Pfingstfest. Fresken von Karl Mayer; 1880 - 1889.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach der Auferstehung Jesu Christi wurde durch die Geistsendung erwiesen, dass Jesus durch Gottes Handeln zum Herrn und Christus erhöht wurde:
„Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. Nachdem er durch die rechte Hand Gottes erhöht worden war und vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen hatte, hat er ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört. […] Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“  Apg 2,32-36 EU

Auf Nachfrage der Zuhörer nannte Petrus Buße und Taufe als Weg, um den verheißenen Heiligen Geist zu empfangen. Am Pfingsttag befolgten dies dreitausend Menschen:
„Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird. Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden (ihrer Gemeinschaft) etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“  Apg 2,37-42 EU

Das Pfingstfest ist ein Hochfest, an dem das – von Jesus Christus angekündigte – Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird, und zugleich der feierliche Abschluss der Osterzeit („8. Ostersonntag“). Nach dem christlichen Glauben – wie Petrus ihn in seiner Pfingstpredigt zum Ausdruck gebracht hat – folgt auf die Buße (Apg 2,38 EU) die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Das Empfangen des Heiligen Geistes kann durch Handauflegung, wie in Apg 8,15-17 EU, oder auch während der Predigt, wie in Apg 10,44 EU, geschehen. Im Evangelium nach Lukas (Lk 24,49 EU) heißt es, dass der Gottesgeist als „Kraft aus der Höhe“ herabkommen wird. Das Johannesevangelium (Joh 20,19-23 EU) beschreibt, dass der Auferstandene am Abend des Ostertages in die Mitte seiner Jünger kam, sie anhauchte und mit den Worten „Empfanget den Heiligen Geist!“ ihnen den Geist Gottes übertrug. Aus diesem Grund bezeichnet man Pfingsten auch gelegentlich als „Geburtstag der Kirche“.

Als „Pfingstwunder“ bezeichnet man die in der Apostelgeschichte beschriebene wunderbare Fähigkeit der Jünger, in anderen Sprachen zu sprechen und andere Sprachen zu verstehen. Theologisch steht dies für die Mission der Kirche, alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Ethnizität anzusprechen.

Zur Liturgie der römisch-katholischen Kirche gehört das Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes in der Pfingstnovene, den neun Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Das Hochfest selbst beginnt mit der ersten Vesper am Vorabend und endet mit der zweiten Vesper des Pfingstsonntags. Zur Liturgie gehört die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus („Komm, Heiliger Geist“), einer von insgesamt fünf Sequenzen im Kirchenjahr. Der Pfingstmontag wurde in einigen Ländern als zweiter Feiertag und Tag der früheren Pfingstoktav beibehalten, zählt aber liturgisch eigentlich nicht mehr zur Osterzeit, sondern bereits zur Zeit im Jahreskreis. In der außerordentlichen Form des römischen Ritus wird die ganze Pfingstoktav weiterhin begangen.

Den österlichen Festcharakter bringt die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil neu formulierte Präfation der heiligen Messe am Pfingstsonntag zum Ausdruck:

„Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast. Am Pfingsttag erfüllst du deine Kirche mit Leben: Dein Geist schenkt allen Völkern die Erkenntnis des lebendigen Gottes und vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens. Darum preisen dich alle Völker auf dem Erdenrund in österlicher Freude.“
Pfingstbrauchtum
Unter dem Pfingstbrauchtum versteht man Bräuche, die zum Pfingstfest praktiziert werden. Seinem historischen Ursprung nach ein Erntedankfest, reflektiert Pfingsten im europäischen Raum entweder das in der Bibel überlieferte Geschehen oder es hat jahreszeitliche Bezüge als Frühlingsbrauchtum. Während Feste wie Weihnachten oder Ostern einen großen Reichtum an Bräuchen aufweisen, haben sich im Zusammenhang mit dem Pfingstfest verhältnismäßig wenige Bräuche entwickelt.
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Sobotka-Feier, Sprung über das Feuer. Brauchtum zu Pfingsten
bzw. am 24. Juni (Tag des Heiligen Johannes d. Täufers)
Öl auf Holz, Malerei in Schwarz, Grau und Weiß, von Zygmunt Ajdukiewicz.
Vorzeichnung zum "Kronprinzenwerk" (Die österreichisch-ungarische Monarchie
in Wort und Bild, Wien 1886-1902), Bd. Galizien, 1898.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Aus vorchristlicher Zeit stammende und teilweise bis in die Gegenwart praktizierte Bräuche, die mit der rituellen Ablösung des Winters durch eine neue Wachstumsperiode zu tun haben, werden häufig im Zusammenhang mit dem christlichen Pfingstfest betrachtet. Das liegt daran, dass viele christliche Feiertage im Zuge der Christianisierung ehemals heidnische Feste abgelöst haben. Umgekehrt wurden weltliche Bräuche in ein „christliches“ Gewand gekleidet, zeitlich verlegt, beziehungsweise christlichen Festen angegliedert. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten „Pfingstreiter“ und damit verbundene Reiterspiele. Sie haben ihren Ursprung in Heerschauen, wie sie im antiken Rom am 1. März (dem Beginn des neuen Kalenderjahres und der warmen Jahreszeit) durchgeführt wurden. Nördlich der Alpen fanden sie jedoch wegen des späteren Beginns der warmen Jahreszeit erst am 1. Mai statt. Da die Kirche bestrebt war, diese militärischen Veranstaltungen in den kirchlichen Festkreis zu integrieren, bot sich ihr mangels religiöser Bezüge nur die Einbindung in das zeitlich benachbarte Pfingstfest an. Dabei waren die weltlich geprägten Turniere den Kirchenvertretern jedoch ein Dorn im Auge. Ein päpstliches Verbot im frühen 14. Jahrhundert führte einerseits dazu, dass die Turniere auf die Fastnachtszeit verlegt wurden und andererseits die Heerschauen eine Umwandlung in Reiterprozessionen oder Umritte erfuhren.
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ringen beim Pfingstbründl. Obersteirischer Pfingstbrauch, bei dem aus
Waldquellen "Heiligengeisttau" getrunken und mit in den Boden gesteckten
Weidenkreuzen geopfert wird und die Burschen miteinander ringen.
Deckfarbenaquarell von Gabriel von Hackl, signiert. Vorzeichnung zum „Kronprinzenwerk“
(Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 1886–1902), Bd. "Steiermark".
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Laut Apostelgeschichte wurde an Pfingsten der Heilige Geist – sichtbar durch Feuerzungen – offenbart. In manchen Kirchen wurden diese durch rote Blütenblätter, die aus dem Gewölbe heruntersinken, dargestellt. Pfingstfeuer, die meist im Süden Deutschlands entzündet werden, gelten als Zeichen der Erleuchtung und als Symbol für den Heiligen Geist Einen besonderen Brauch im Zusammenhang mit dem Feuer pflegte man im Salzburger Land. Dort wurden in vielen Kirchen aus dem so genannten „Heiliggeistloch“ brennende Wergflocken auf die Kirchenbesucher gestreut und von den Männern mit ihren Hüten aufgefangen. Diese „Werchflocken“ sollten vor Unwetter schützen. In diesen Zusammenhang gehört auch die Pfingstkerze auf dem Frühstückstisch. An ihr kann jedes Familienmitglied seine eigene Kerze anzünden und vor sich hinstellen.
Pfingsten © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Feldbach in der Steiermark. Bezirkslandjugendtreffen zu Pfingsten 1953.
Wettbewerbe am Nachmittag: Landjugendgruppe Kirchbach zeigt einen Schuhplattler.
United States Information Service (USIS)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Ein mittelalterlicher Pfingstbrauch war das so genannte „Heilig-Geist-Schwingen“, bei dem lebende Tauben in der Kirche freigelassen wurden, eine hölzerne Taube beim Pfingsthochamt über den Köpfen der Gläubigen an einer Schnur kreiste oder eine geschnitzte Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke herabgelassen wurde. Die Gemeinde empfing die herabschwebende Taube mit Weihrauch und Gebet. In Süddeutschland kennt man noch das Aufhängen von Heiliggeisttauben in den Wohnstuben. Die Herstellung aus Zirbenholz gehört dort zur Volkskunst.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Pfingsten" der
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