Prämonstratenser
Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis
(Weißer und Kanonischer Orden von Prémontré)
Ordenskürzel: OPraem
Prämonstratenser © Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten - www.stift-wilten.at
Konventamt am Fest der Taufe des Herrn, den 8. Jänner 2012 in der Stiftskirche Wilten.
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Die Prämonstratenser (lateinisch Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis, „Weißer und Kanonischer Orden von Prémontré“), mit dem Ordenskürzel O.Praem., sind der größte römisch-katholische Orden regulierter Chorherren. Der Orden ist ein Zusammenschluss selbständiger Klöster und wurde im Jahr 1120 von Norbert von Xanten mit dreizehn Gefährten in Prémontré bei Laon, auf Fernbesitz der Abtei Prüm, gegründet. Vor allem in Belgien und den Niederlanden werden die Prämonstratenser nach ihrem Gründer auch Norbertijnen („Norbertiner“) genannt. Der weibliche Zweig sind die Prämonstratenserinnen. Der weltliche Zweig sind die Prämonstratensertertiaren.
Prämonstratenser © Prämonstratenserkloster Roggenburg / www.opraem.de
Zeitliche Profess am 06.06.2015 im Rahmen eines Pontifikalamtes zu Ehren
des Ordensgründers, dem Hl. Norbert von Xanten.
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Die Prämonstratenser gehören zur großen Familie der Regular-Kanoniker oder der regulierten Chorherren. Sie leben nach dem Vorbild und der Regel des hl. Augustinus. Der Prämonstratenser-Orden wurde im Jahr 1121 vom hl. Norbert von Xanten (1080-1134) in Prémontré (daher der Name "Prämonstratenser") bei Laon in Nordfrankreich gegründet. Es gab damals eine große Krise in der Kirche: Lauheit und Gleichgültigkeit bei vielen Christen, Weltgeist und eigensüchtige Lebenshaltung bei vielen Geistlichen. Die Gregorianische Reform, die sich an den Namen des Papstes Gregor VII. (1073-1085) knüpft, wollte das ganze kirchliche Leben erneuern durch die Wiederherstellung der priesterlichen Spiritualität und die Zusammenführung des Klerus zum gemeinsamen Leben. Der hl. Norbert war einer der entschiedensten Vertreter dieser Reformbewegung. Er wollte in seinem Orden die vita apostolica verwirklichen, d. h. man wollte so leben wie die christliche Urgemeinde in Jerusalem (Apg 4,31-33). Augustinus (354-430) galt als der beste Bewahrer der apostolischen Überlieferung. Die Klerikergemeinschaft, die mit ihm gemeinsam im Bischofshaus von Hippo in Nordafrika lebte, wurde zum Vorbild für alle späteren Kanoniker-Gemeinschaften.
Gründung
Prämonstratenser - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ordensgründer Norbert von Xanten.
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Der Ordensgründer Norbert von Xanten war einer der im 12. Jahrhundert recht zahlreichen Wanderprediger, die in Nachahmung des Lebensstils Jesu und seiner Jünger besitzlos umherzogen. Zahlreiche Anhänger, Männer wie Frauen, schlossen sich Norbert an. Mit ihnen gründete er 1120 im Tal von Prémontré bei Laon eine Gemeinschaft, die sich am Ideal des gemeinsamen Lebens im Stil der Urkirche orientierte und aus der sich bald auf der Grundlage der Augustinusregel eine klösterliche Gemeinschaft entwickelte. Norbert selbst behielt sein Leben als Wanderprediger bei und gründete weitere Klöster.

Eine Besonderheit – in dieser Zeit allerdings nicht einzigartig – der ersten prämonstratensischen Gemeinschaften war, dass es sich bei ihnen um Doppelklöster handelte, in denen also Frauen und Männer, wenn auch in zwei voneinander organisatorisch getrennten Konventen, lebten. Obwohl Norbert mit Bernhard von Clairvaux befreundet und von den Idealen der Zisterzienser beeinflusst war, machen u. a. die Doppelklöster deutlich, dass es sich bei den Prämonstratensern im Ursprung um eine sehr eigenständige Bewegung handelte. Ein weiterer Unterschied zu den an der Benediktsregel orientierten Mönchsorden ist, dass die Prämonstratenser das kontemplative monastische Leben mit der nach außen gerichteten Seelsorge verbanden (vita mixta).
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Ordensgründer Norbert von Xanten.
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Der junge Orden erlebte eine schwere Krise, als Norbert sein armes, aber auch von allen Institutionen unabhängiges Leben als Wanderprediger aufgab und 1126 Erzbischof von Magdeburg wurde. Norbert reagierte auf die Enttäuschung, die sein Sinneswandel unter seinen Anhängern hervorgerufen hatte, indem er seine dominierende Stellung in der Bewegung, deren alleiniger Leiter er bisher war, aufgab. Jeder Konvent durfte sich einen eigenen Oberen wählen. Besondere Bedeutung gewann der erste Abt von Prémontré, Hugo von Fosses, ein alter Weggefährte Norberts. Erst durch Hugos organisatorisches Wirken entstand der Prämonstratenserorden im eigentlichen Sinn.

Neben den Kanonikern (canonici) lebten in den Niederlassungen der Norbertiner auch Laienbrüder (conversi). Ähnlich wie auch die Zisterzienser trugen die Prämonstratenser in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Entstehung zur Verbesserung der Landwirtschaft bei. Später setzte sich mehr ein aristokratischer Zug durch, und die Handarbeit wurde allmählich zurückgedrängt. Wichtig blieben aber das Schreiben und Kopieren von Büchern, und auch die Lehrtätigkeit gewann an Bedeutung.
Prämonstratenser - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Prämonstratenser - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Ordensgründer Norbert von Xanten.
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Die Doppelklöster, ursprünglich ein wesentliches Merkmal des Ordens, waren bald umstritten. In Prémontré selbst wurde diese Struktur schon 1137 oder 1141 aufgelöst und die Schwesternkommunität ausgesiedelt. So ging man nach und nach fast überall vor: Aus den Doppelklöstern wurden jeweils zwei auch räumlich deutlich voneinander getrennte Klöster, eines für Männer und eines für Frauen. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ging der Orden sogar noch weiter: Nun sollten nur noch Männerklöster neu in den Orden aufgenommen werden, und die bereits bestehenden Prämonstratenserinnenkonvente sollten anderen Orden angegliedert werden. Diese Maßnahme wurde jedoch nie konsequent durchgeführt.

Als der Orden 1126, nur sechs Jahre nach seiner Gründung, vom Papst anerkannt wurde, gab es bereits neun Ordenshäuser, und danach erstanden in schneller Folge mehrere hundert in ganz Westeuropa. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts soll es mehr als 1.300 Männer- und 400 Frauenklöster gegeben haben.

Im deutschsprachigen Raum entstand das erste Prämonstratenserstift bereits 1122. In diesem Jahr übergaben Otto und Gottfried von Cappenberg ihre Burg und ihr Vermögen an den Orden zur Gründung des Klosters Cappenberg. Noch im selben Jahr stiftete Graf Walram II. Paganus von Limburg (1119–1139) das Prämonstratenserkloster Wenau als Doppelkloster für Männer und Frauen.
Prämonstratenser - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Abtei Prémontré in den 1780er Jahren.
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Durch die Cappenberger Gründung verbanden den jungen Orden gute Beziehungen mit dem römisch-deutschen König: die hochadeligen Cappenberger waren mit den Staufern verwandt, und Stiftsgründer Otto von Cappenberg war Taufpate Friedrichs I. Diese persönliche Beziehung hatte in wirtschaftlicher Hinsicht außerordentliche positive Wirkung für den gesamten Orden. Am 23. Juni 1154 stellte König Friedrich I. dem Prämonstratenserorden in der dem Stift Cappenberg nächstgelegenen Pfalz Dortmund ein Privileg aus, nach dem dieser von Zollabgaben im gesamten Reich befreit wurde.

Prämonstratenser übernahmen im 12. Jahrhundert zahlreiche Klöster anderer Orden in Deutschland. Beispiele sind das Kloster Steinfeld in der Eifel, das der Orden 1130 übernahm, und das Frauenkloster Dünnwald bei Köln, ursprünglich ein Augustinerchorherrenstift, das wiederum 1143 von Prämonstratensern aus Steinfeld übernommen wurde.

1235 oder 1236 beschloss Bischof Eckbert von Bamberg, ein Prämonstratenserkloster in Griffen in Kärnten zu gründen, dessen Chorherren aus dem Stift Veßra in Thüringen beordert wurden. Dieses Kloster war das einzige Prämonstratenserkloster in Kärnten, und es blieb die einzige Niederlassung der Prämonstratenser in Innerösterreich.
Prämonstratenserinnen - © www.premontresisters.com
Gruppenbild Prämonstratenserinnen.
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1245 wurde im Ortsteil Michelfeld der unterfränkischen Stadt Marktsteft bei Kitzingen ein Stift für Prämonstratenserinnen gegründet. Dieser Frauenkonvent unterstand dem Abt von Oberzell bei Würzburg. Der Bischof von Würzburg behielt sich das Recht vor, die Wahl der Priorin zu bestätigen. 1261 erfolgte dann die päpstliche Bestätigung des Klosters. Wegen Verfalls der klösterlichen Zucht übersiedelten die Nonnen im Jahre 1305 nach Tückelhausen, einem Stadtteil von Ochsenfurt.

Im Osten widmeten sich die Prämonstratenser vor allem der Kolonisierung und Christianisierung der Wenden und anderer Slawen östlich von Elbe und Oder. Verbreitet war der Orden auch in Böhmen und Mähren. Der Olmützer Bischof Heinrich Zdik berief den Orden im 12. Jahrhundert nach Böhmen und errichtete ihm das Kloster Strahov in Prag.
Prämonstratenser © www.stift-schlaegl.at
Prämonstratenser Chorherren beim Gebet im Stift Schlägl.
© www.stift-schlaegl.at
Im Laufe der Zeit wurden viele Regeln und Gebräuche nachlässiger interpretiert und gehandhabt, und das führte zu verschiedenen Reformen und dem Aufkommen von halb-unabhängigen Gemeinschaften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Orden als Folge von Reformation und mehreren Säkularisationswellen fast ganz verschwunden, und nur noch acht Häuser bestanden (alle in Österreich-Ungarn). Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dann schon wieder 20 Ordenshäuser mit etwa 1.000 Priestern. Heute hat der Orden etwa 100 Niederlassungen und ist auf allen Kontinenten präsent.
Charakter der Gemeinschaft
Prämonstratenser © Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten - www.stift-wilten.at
Ordenstag der Komtureien Trient, Bozen und Innsbruck des Ritterordens
vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Wilten am 5. Mai 2012.
© Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten - www.stift-wilten.at
Die Prämonstratenser zählen ebenso wie die Augustiner-Chorherren und die Kreuzherren zu den Regularkanonikern. Das heißt, es handelt sich um eine Gemeinschaft von Priestern mit Ordensgelübde und nicht um Mönche. Sie folgen der Augustinusregel, sind also ein augustinischer Orden, und legen das Armuts-, Enthaltsamkeits- und Gehorsamsgelübde ab. Auch ihre Lebensweise folgt weitgehend den monastischen Standards. Dazu gehört etwa die Einhaltung des Stundengebets oder das gemeinschaftliche Mahl im Refektorium.
Prämonstratenser © Prämonstratenserkloster Roggenburg / www.opraem.de
Prämonstratenserkloster Roggenburg, Gruppenfoto Generalkapitel.
© Prämonstratenserkloster Roggenburg / www.opraem.de
Der höchste Repräsentant des Prämonstratenserordens ist der Generalabt. Er ist der oberste Vorgesetzte aller Funktionsträger und Mitglieder des Ordens. Er vertritt den Orden nach außen und vor dem Heiligen Stuhl. Seine Hauptaufgabe nach innen ist der Zusammenhalt und die Verbindung der über die ganze Welt verstreuten Ordenshäuser der Prämonstratenser. Sitz des Generalabtes ist das Generalat mit der Generalkurie (Curia generalitia) in Rom. Von hier aus leitet der Generalabt mit seinen Offizialen die Geschicke des Ordens. Er führt weiterhin den Titel Dominus Praemonstratensis (Herr von Prémontré) mit dem Zusatz Amplissimus (Erhabenster). Seine Anrede ist Monsigneur. Traditionell steht ihm das Tragen eines Pileolus, eines Biretts und einer Cappa Magna in violetter Farbe zu.
Einsatzgebiete
Heute gibt es etwa 1.500 Prämonstratenser in allen fünf Kontinenten. Jede Kanonie (Abtei) bildet für sich eine eigene Klosterfamilie, mit ihrer eigenen Tradition und Aufgabenstellung. Im mitteleuropäischen Raum liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit bei der Ausübung der Pfarrseelsorge. Darüber hinaus sind Prämonstratenser in Schule und außerordentlicher Seelsorge tätig. Die Prämonstratenserklöster waren durch alle Jahrhunderte Zentren der Kultur und Wissenschaft. Diese kulturelle Tradition wird heute noch gepflegt durch Ausstellungen, Konzerte, wertvolle Bibliotheken und vor allem durch geistliche Angebote (Exerzitien), Fastenkurse, Kunst- und Hobbykurse (z. B. in Geras und Schlägl). Das Kloster ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, durch den die Gebäude des Stiftes und der von ihm abhängigen Pfarren erhalten werden.
Lebensform
Das Eigene der Prämonstratenser erwächst vor allem aus dem Wesen der kanonikalen Institution und dem Geiste ihres Gesetzgebers, des hl. Augustinus. Das Institut der Regularkanoniker stellt, auf Grund einer sehr alten Tradition, auch heute noch eine aktuelle Möglichkeit dar, den priesterlichen Dienst mit dem Gemeinschaftsleben zu verbinden. Das apostolische Leben nach dem Vorbild des Evangeliums, die Regel und das Gedankengut des hl. Augustinus, die Betonung des gemeinsamen Lebens, die ausgewogene Verbindung von Kontemplation mit der Arbeit für das Reich Gottes, dies sind die Grundzüge der Prämonstratenser-Spiritualität.
Aufnahme und Ausbildung
Prämonstratenser © Prämonstratenserkloster Roggenburg / www.opraem.de
Feier der Zeitlichen Profess.
 Am 23. September hat sich fr. Maximilian Maria S. Mödl o.praem. im Rahmen einer Pontifikalvesper
für drei Jahre an das Kloster Roggenburg und den Orden der Prämonstratenser gebunden.
© Prämonstratenserkloster Roggenburg / www.opraem.de
Voraussetzung für die Aufnahme eines Kandidaten in den Orden ist die Bereitschaft zu einem Gemeinschaftsleben in der Nachfolge Christi nach den Räten des Evangeliums. Für Priesterkandidaten kommen die üblichen Bedingungen hinzu, wie sie für das Priesteramt erforderlich sind. Für Laienbrüder ist eine abgeschlossene Berufsausbildung erwünscht. Nach dem einjährigen Noviziat, in dem der Kandidat die Gemeinschaft kennenlernen und seine Eignung dafür prüfen soll, bindet er sich in der einfachen Profeß zunächst für drei Jahre an die Klostergemeinschaft. Darauf kann die endgültige Bindung an die Gemeinschaft in der feierlichen Profeß erfolgen.
www.praemonstratenser.de
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Prämonstratenser" der
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