Die Römer in Wien
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Römische Kleidung - Römerfest Carnuntum 2009
Wie so viele Städte auf dem europäischen Kontinent gehen auch die siedlungsmäßigen Anfänge Wiens auf die römische Antike zurück. Im 1. Jahrhundert n. Chr. kam es hier zur Anlage eines römischen Militärlagers namens Vindobona, das sich in die große Zahl der Anlagen an der Limesgrenze reihte. Dieses Lager befand sich im Herzen der heutigen Stadt, sein Mauerverlauf spiegelt sich bis zur Gegenwart in einer Reihe recht markanter Straßenzüge des städtischen Zentrums.
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Archäologischer Park Carnuntum
Ab dem 3. Jahrhundert ist sodann auch eine Zivilsiedlung im Südosten etwas außerhalb des Lagers nachweisbar, deren bauliches Gefüge aber im Gegensatz zum Lager selbst weniger gut bekannt ist. Keiner dieser beiden Anlagen auf dem Boden der heutigen Stadt kam freilich eine bedeutendere Stellung innerhalb der antiken Städtelandschaft des heute österreichischen Raumes zu.
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Mosaikboden - Archäologischer Park Carnuntum
Ab dem späten 4. und 5. Jahrhundert begann nicht nur im Römerreich allgemein, sondern auch für Vindobona im Besonderen ein markanter Niedergang, archäologisch nicht zuletzt an einer schweren Brandkatastrophe im Lagerareal zu Beginn des 5. Jahrhunderts fassbar.
Römische Baureste am Hof
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Archäologischer Park Carnuntum
Den Schauraum erreicht man über den Keller der heutigen Feuerwehrzentrale Am Hof. Der etwa 4 x 10 m große Raum enthält in originaler Lage ein Stück des Lagerhauptkanals, dieser begleitete den Wall an der Innenseite des Legionslagers und lief direkt unter der Wallbegleitstraße, der Via Sagularis. Der Teil des dargestellten Kanals nahm vermutlich die Abwässer aus dem südlichen Teil des Lagers auf und führte sie in den Tiefen Graben zum Ottakringerbach. Die Kanalsohle zeigt einen Belag aus der Länge nach gelegten Dachziegeln (sog. Leistenziegel), je zwei von ihnen kommen in der Mitte des Kanals mit den Leisten nebeneinander zu liegen. Die Ziegel sind durchwegs gestempelt und tragen, wie ein ausgestelltes Exemplar zeigt, den Stempel der XIII. Legion in Form einer Schrifttafel (Tabula ansata) Am Ende des Stempels sind die Namensinitialen jenes Unteroffiziers (centurio) zu lesen, der die Herstellung der Ziegel beaufsichtigte.
Römische Ruinen unter dem Hohen Markt
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Archäologischer Park Carnuntum
Das Museum zeigt einen Teil der römischen Offiziersquartiere des Legions- lagers von Vindobona (1. bis 4.Jhdt .n.Chr.). Die beiden Häuser, welche durch eine Straße getrennt sind, weisen teilweise Fußbodenheizungen in Form von Schlauch- heizungen bzw.ypocaustheizungen auf. Eine kleine Dokumentation an archäologischen Funden (Keramiken, Altäre, Grabsteine) gibt einen Einblick in das Leben der römischen Legionäre vor 2000 Jahren. Nach einer einmonatigen Restaurierung wurde die Außenstelle des Historischen Museums der Stadt Wien, die "Römischen Ruinen unter dem Hohen Markt" mit 4. Februar 2001 wieder eröffnet. Die grundlegende architektonische Umgestaltung der Präsentation erfolgte durch das Architektenteam "Elmecker & Reuter", die Außenstelle wurde mit zahlreichen neuen Objekten zur römischen Geschichte Wiens sowie mit umfangreichen Texttafeln über das Legionslager von Vindobona und die römische Zivilstadt ausgestattet und empfiehlt sich nun als Stelle für eine grundlegende Erstinformation betreffend die römische Epoche in Wien (15. v. Chr. bis 400 n. Chr.)
Grabungsfeld Michaelerplatz
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Michaelerplatz
In den Jahren 1989 bis 1991 ergab sich die Möglichkeit, die Fläche des Michaelerplatzes großflächig archäologisch zu untersuchen.
Bei den Grabungen konnten neben mittelalterlichen und neuzeitlichen Resten auch Reste der römischen Bebauung der Lagervorstadt (Cannabae) aufgefunden werden. Die Lagervorstadt war die Heimat der Frauen und Kinder der Soldaten. Der römische Legionär durfte bis ins dritte Jahrhundert offiziell nicht verheiratet sein und lebte in der Regel mit seiner Lebensgefährtin im Konkubinat. Die Freizeit konnte er bei seiner Familie in der Cannabae verbringen, die auch Läden, Schenken und oft auch Bordelle umfasste.
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Michaelerplatz
Über den Kohlmarkt und den Michaelerplatz verlief seit dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. zwei Straßenzüge. Hier kreuzte sich die aus dem Raum Aquae (Baden bei Wien) kommende Bernsteinstraße mit der die Donau entlangführenden Limesstraße, dieser Straßenverlauf ist mit rotem Kies angedeutet. An dieser Kreuzung wurden die Teile von vier verschiedenen Häusern, vermutlich als Fachwerkhäuser gebaut, aufgefunden.
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Michaelerplatz
Diese wurden bis in das 5. Jahrhundert benutzt und im Verlauf der Zeit mehrmals umgebaut und die sich auf die Querstraße mit einer Vorhalle öffneten. Das östlich der Straßenkreuzung liegende Haus besaß eine Vorhalle, in die nachträglich eine Verkaufsbude eingebaut wurde. Dieses Haus war mit einer Fußbodenheizung und Wandheizung ausgestattet und, wie ein kleiner Freskenrest mit Weinranken zeigt, mit Fresken ausgemalt. Westlich der Straßenkreuzung wurde ein Fundament gefunden, das darauf hinweisen könnte, dass sich hier ein pfeilerartiges Ehren- oder Grabmonument erhoben hat. Über das Ende der Siedlung vor dem Legionslager ist nichts bekannt. Sie dürfte ein erstes Mal in den Markommannen- und Quadenkriegen zerstört worden sein, das genaue Datum des Endes ist nicht mehr feststellbar, da die obersten römischen Schichten wahrscheinlich schon bei der Anlage des mittelalterlichen Witmarktes abgetragen worden sind.
Das römische Kastell Vindobona
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Römerfest Carnuntum 2009
Nach dem Römer ihre Herrschaft über den Raum von Wien gefestigt hatten, begannen sie mit seiner planmäßigen Erschließung. Die bäuerlich-keltische Bevölkerung blieb im wesentlichen unbehelligt, während die Besatzungssoldaten ihre planmäßigen militärischen Anlagen errichteten, die nicht nur eine genaue Kenntnis der Geländeformen, sondern auch der geologischen und klimatischen Verhältnisse verraten. Vindobona ist ein sehr typisches Beispiel dafür. Die Donau floss damals noch viel näher dem heutigen Stadtgebiet. Die Porzellangasse entspricht einem damaligen Donauarm, die Liechtensteinstraße war eine Austraße am Uferrand, der Salzgrieshang zwischen Donau (Praterterrasse) und Stadtterrasse bildete die Nordostgrenze des Lagers, es war an dieser Stelle vor Donauhochwässern geschützt. Das in die Stadtterrasse tief eingeschnittene Tal des Ottakringer Baches schloss den Lagerbereich gegen Nordwesten ab, heute noch im Straßenverlauf Strauchgasse-Tiefer Graben erkennbar. Ein weniger markantes Tal, nur von einem schmalen Bach durchzogen, bildete den Verlauf der Befestigung entlang Graben und Rotenturmstraße. Lediglich die Südwestflanke etwa zwischen Tuchlauben und Heidenschuss (Naglergasse) musste durch eine besonders starke Bruchsteinmauer mit sogenanntem opus spicatum (Steine im Fischgrätmuster) geschützt werden.
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Römerfest Carnuntum 2009
Die porta decumana, das hintere Lagertor, lag an der Einmündung der Tuchlauben in den Graben. In der Wipplingerstraße 21 lag die porta principalis sinistra, das linke Lagertor. Die porta principalis dextra, das rechte Lagertor, lag in der Kramergasse; bei der Kirche Maria am Gestade fanden sich die Spuren eines Nordtores mit Stiegenabgang zur Donau. Die Lagerecken und die Tore waren mit mächtigen Türmen geschützt. Außerhalb dieses breiten Verteidigungsstreifen siedelten sich Händler, Wirte und Handwerker in den sogenannten Lagervorstädten (canabae legionis) an, von denen wir in Wien aber nur wenig wissen. An den aus dem Lager führenden Hauptstraßen wurden Gräberfelder angelegt. Da der Boden des Lagerinneren immer verbaut war, wissen wir relativ wenig über die Innengestaltung. Die Kommandozentralen, die principia, lagen vielleicht an oder westlich der via principalis, etwa zwischen Judenplatz und Tuchlauben. Doch wurden weder von ihnen noch vom praetorium, dem Sitz des Legionskommandanten, bisher Spuren gefunden. Dafür wissen wir, dass hinter Maria am Gestade das valetudinarium, das Spital, lag. Am Hohen Markt fanden sich Reste einer Badeanstalt mit Hypokaustenheizung. Die Kasernen vermutet man hinter bzw. westlich der via principalis.
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Baukran
Römerfest Carnuntum 2009
Brennofen
Römerfest Carnuntum 2009
Am Aller Bach (zwischen Elterleinplatz und Kalvarienberggasse, Wien XVII.) unterhielt die Legion eine Ziegelei. Die vielfach aus einem wärmeren Klima stammenden Legionäre litten wohl besonders unter rheumatischen Erkrankungen, weshalb das Aufsuchen warmer Heilquellen bei ihnen sehr beliebt war. Neben Baden bei Wien schätzten sie im unmittelbaren Umfeld des Kastells u.a. die Meidlinger Schwefelquellen und die Quellen im Kuglerpark in Heiligenstadt (heute Heiligenstädter Park). Auch das erste planmäßig angelegte und ausgebaute Straßennetz im Raum Wien ist eine Schöpfung der Römer. Nicht wenige Hauptstraßen des heutigen Verkehrsnetzes gehen darauf zurück.
Römische Legionen in Vindobona
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Römische Legionäre - Römerfest Carnuntum 2009
Das stehende römische Heer wurde erst unter Kaiser Augustus geschaffen; zuvor waren die Truppen nur auf Zeit für einzelne Kriegszüge eingezogen worden. Die Legion war die Standarteinheit des Heeres, sie bestand aus etwa 6000 Mann Fußvolk, die in Kohorten zu je 600 Mann geteilt waren. Eine Kohorte umfasste drei Manipel á 200 Mann; eine Manipel bestand aus zwei Zenturien zu je 100 Mann. Dazu kamen noch 120-300 Berittene, die meist als Kundschafter eingesetzt wurden. Die Legionäre waren ursprünglich das Aufgebot der römischen Bürger. Unter Marius (um 107 v. Chr.) wurde aus dem Bürgerheer ein Söldnerheer. Nach abgeleistetem Dienst von 20 Jahren erhielten die Veteranen Landbesitz in den sogenannten Militär-Kolonien zugewiesen, wo sie sich während der langen Dienstzeit meist ohnehin bereits mit den Einheimischen fraternisiert hatten. Die Ansiedlung dieser Veteranen führte zu einer Romanisierung der ortsansässigen Bevölkerung.
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Römerfest Carnuntum 2009
Das früheste Zeugnis für römische Legionen in Vindobona hat sich vermutlich in einem Grabstein eines C. Attius der XV. Legion erhalten, die in der ersten Besatzungszeit in Carnuntum stationiert war. Die Ala Sulpicia und wie Ala Britanica, zwei Reiterregimenter, waren bereits im Raum Wien, vermutlich in einem einfachen Lager am rechten Wienufer, stationiert. Von Reitern der Ala Britannica haben sich drei Grabstellen erhalten, die im Bereich der Stallburg gefunden wurden. Kaiser Trajan (98-117) kann als eigentlicher Gründer des Kastells von Vindobona gelten, dessen Bau von der XIII. Legion begonnen wurde. Als sie wegen der Dakerkriege abgezogen wurde, bezog die XIV. Gemina in Vindobona Station. Mit Beginn des großen Feldzuges gegen die Prather wurde 114 die Legio XIV durch die Legio C Gemina Pia Fiedlia ersetzt, die zuvor in Spanien, am Niederrhein und dann in Ungarn stationiert gewesen war. Sie wurde zum "Hausregiment" von Vindobona und blieb hier bis zum Zusammenbruch der römischen Herrschaft um 400.
Carnuntum
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Das Heidentor, vermutlich ein Triumphbogen aus dem 4. Jahrhundert.
Carnuntum war in den ersten vier Jahrhunderten nach dem Beginn unserer Zeitrechnung die Hauptstadt des mit Rom verbündeten Königreiches Noricum und später die Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien; sie lag im Gebiet des heutigen Ortes Petronell, etwa 50 km östlich von Wien, direkt am Südufer der Donau. Sie war ein reiches, blühendes Handels- und Handwerkszentrum an der Kreuzung der Bernstein-Handelsstraße vom Norden nach Süden und dem natürlichen West-Ost-Verkehrsweg der Donau; es gab einen Donauhafen, öffentliche Thermenanlagen und ein Amphitheater für 13.000 Besucher.
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Archäologischer Park Carnuntum
An dem strategisch hervorragenden Platz befand sich aber auch die stärkste römische Grenzstation des mittleren Donaugebietes: das befestigte Dauerlager einer römischen Doppel-Legion mit allen Versorgungseinrichtungen, das getrennte Lager der fremdländischen Hilfstruppen - 600 Mann Reiterei - (das Auxiliarlager) und ein Militär-Amphitheater für 8000 Personen (Amphitheater I). Hier befand sich auch das Planungsszentrum zur Eroberung Germaniens und vier römische Kaiser hatten hier zeitweise ihre Residenz. Mit dem Zerfall des römischen Weltreiches etwa um 400 n. Chr. endet die Geschichte Carnuntums: Germanien wurde nicht erobert; vom Norden über die Donau gekommene Quadenstämme zerstörten die Stadt. Von den Bewohnern verlassen verödete sie und wurde nicht mehr aufgebaut.
Militärischer Bereich
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Römerfest Carnuntum 2009
Zw. Petronell und Bad Deutsch-Altenburg befindet sich das Legionslager, ein unregelmäßiges Vieleck mit einer Länge von 490 m und einer Breite zw. 334 und 391 m, die Front zur Donau ist vom Fluss weggerissen worden. Westlich davon liegt ein kleineres Hilfstruppenlager. Die Lagervorstadt (canabae legionis) hatte ein eig. Forum, eine Thermenanlage und ein Amphitheater für 8000 Personen; auch ein Tempelbezirk für oriental. Gottheiten wurde ausgegraben.
Ziviler Bereich
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Archäologischer Park Carnuntum
Die sog. Palastruine ist eine große Thermenanlage. Um 300 wurde sie als Repräsentationsbau adaptiert. Das Amphitheater in der Nähe des Heidentors fasste etwa 13.000 Personen. Ob die Einbauten im Südtor eine frühchristl. Kirche mit Baptisterium sind, erscheint zweifelhaft. 2 gemauerte, begehbare röm. Wasserleitungen führen noch heute Wasser. Auf der Kuppe des Pfaffenbergs befanden sich ein Tempelbezirk für den röm. Staatskult, Denkmäler für den Kaiserkult (Hadrian und Mark Aurel) und ein Kulttheater sowie zahlr. Altäre und Weiheinschriften.
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