Salvatorkirche
Altkatholische Gemeinde St. Salvator
Salvatorgasse 5, 1010 Wien
Salvatorkirche Wien © www.klostergeschichten.at - Erhard Gaube
Der klassizistische Kreuzaltar der Nordkapelle.
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Die Salvatorkirche (auch: Salvatorkapelle) im Komplex des Alten Rathauses in Wien wurde im 14. Jahrhundert erbaut. 1871 wurde sie der altkatholischen Kirche übergeben und ist seither Bischofskirche der Altkatholischen Kirche Österreichs. Bis dahin diente sie als Hauskapelle des Rathauses. Mit dem Eingang von der Salvatorgasse (1, Salvatorgasse 5, Zugang vom Hof gegen die Wipplingerstraße zu), einem prächtigen Renaissanceportal, kann man eines der wenigen in Wien heute noch bestehenden architektonischen Denkmäler aus der Renaissancezeit besichtigen. In den Jahren 1971 und 1972 erfolgte eine umfassende Innenrenovierung, dabei wurde auch der Hochaltar zurückversetzt und ein Volksaltar aufgestellt.
Geschichte
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Blick gegen die Rückseite der Nordkapelle mit an den Wänden befestigten
Grabsteinen aus dem 14. bis 18. Jahrhundert.
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Den Kern bildet eine jener Kapellen, die reiche Wiener Bürger im Mittelalter in ihren Stadtpalästen (stets im Obergeschoß, um den privaten Charakter zu betonen) stifteten. Die von Otto, dem Bruder des Haimo, gegründete Hauskapelle zu Ehren der heiligen Maria wird 1298 erstmals erwähnt und 1301 eximiert (womit der Wiener Pfarrer den Einfluss auf die Vermögensverwaltung und die Bestellung der Kaplane verlor). Die Kapelle nahm den oberen Teil des heute südlichen Kirchenschiffs ein und ragte von der Ostseite des Haimo-Palasts (Teil des zur Salvatorgasse orientierten Trakts des heutigen Alten Rathauses) über eine von der Salvatorgasse zur Wipplingerstraße führende öffentliche Passage.
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Ambo und Taufbecken.
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Kanzel der Nordkapelle.
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Wegen der Teilnahme Ottos und seines Bruders Haimo an der antihabsburgischen Verschwörung (1308) wurden Palast und Kapelle 1309 vom Landesfürsten (Friedrich I. der Schöne) beschlagnahmt und 1316 der Stadt Wien geschenkt, die das Gebäude ab etwa 1333/1342 als Rathaus verwendete. Den ab 1325 namentlich bekannten Kaplänen diente ein wohl noch vom Haimonen Otto gewidmetes Haus in der Wipplingerstraße (Widemhaus) als Wohn- und Amtssitz. Kaplan Jakob Poll erweiterte es 1360 durch den Ankauf eines Nachbarhauses. 1360/1361 erwarb er die unter die Kapelle führende Passage und ließ den Kapellenraum bis zum Erdgeschoß erweitern.
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Blick von der Nordkapelle gegen den Kreuzaltar der Südkapelle.
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1373 kaufte er von der Stadt deren älteres Rathaus (es grenzte an die Kapelle in Richtung Salvatorgasse) und baute es in einen Sakralraum um, der nun als (zweites) nördliches Schiff an die Kapelle anschloss. In der nun unter dem Patronat des Stadtrats stehenden Kapelle gab es mehrere Altäre, auf denen von Wiener Bürgern zahlreiche Messen gestiftet wurden. Im Volk war die Erinnerung an den ursprünglichen Kapellenstifter lebendig geblieben. Man hielt den Haimonen Otto schließlich für einen Heiligen ("Sankt Ottenhaim"). Anfang des 16. Jahrhunderts beseitigte man kirchlicherseits dieses Ärgernis.
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Zweijochiges Kreuzrippengewölbe mit 5/8-Chorabschluss der Südkapelle.
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Die Bulle Papst Leos X. vom 28. Mai 1515 verbot den Kult des "heiligen Ottenhaim" als Ketzerei und veranlasste (unter Bezugnahme auf das hölzerne Salvatorstandbild auf dem Hochaltar) die Weihe der Kapelle auf den Erlöser ("Sankt Salvator"). Sichtbare Konsequenz dieser Änderung ist das prachtvolle Renaissanceportal an der Front zur Salvatorgasse (um 1520), das im Bogenfeld die Halbfiguren Christi und Maria zeigt und von ornamentierten Säulen und zwei Ritterstatuen (Originale seit 1929 im Historischen Museum der Stadt Wien, durch Kopien ersetzt) gerahmt ist.
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Dreijochiges Netzrippengewölbe mit geradem Chorabschluss der Nordkapelle.
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Das "Widemhaus" in der Wipplingerstraße wurde 1616 teilweise, 1780 zur Gänze an die Stadtgemeinde abgetreten und ins Rathaus einbezogen. Von 1647 bis zum Toleranzpatent (1781) bestand die Vorschrift, dass alle Personen, die das Wiener Bürgerrecht erwarben, das katholische Glaubensbekenntnis in der Salvatorkirche beten mussten. 1699 übergab die Stadtgemeinde das Vermögen der Salvatorkirche der "Cur zu Sankt Stephan" (Gremium der dortigen Seelsorgegeistlichkeit) gegen die Verpflichtung, für den Gottesdienst in der Salvatorkirche zu sorgen. Dies wurde 1780 rückgängig gemacht. Fortan erhielt ein "Sakristeidirektor" ein Gehalt aus der Stadthauptkasse. 1783 wurden die damals bestehenden 74 Messstiftungen zugunsten des Religionsfonds eingezogen (15 Stiftungen wurden 1804 reaktiviert). 1860-1862 wurde die Salvatorkirche restauriert. Am 6. Oktober 1871 beschloss der Gemeinderat, die Salvatorkirche der neuentstandenen Religionsgemeinschaft der Altkatholiken zu überlassen (die allerdings erst am 18. Oktober 1877 staatlicherseits anerkannt wurden).
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Der klassizistische Kreuzaltar der Südkapelle mit dem Altarblatt von Johann Meidinger (1795).
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Trotz Androhung des Interdikts durch das erzbischöfliche Ordinariat erneuerte der Gemeinderat am 10. Oktober seinen Beschluss, und am 15. Oktober wurde der erste Gottesdienst nach diesem Ritus abgehalten, worauf die Salvatorkirche am 16. Oktober unter das Interdikt des Kardinal-Erzbischofs Joseph Othmar von Rauscher gestellt wurde (Verbot des Besuchs für Angehörige des römisch-katholischen Glaubens). Kardinal Franz König hob dieses im Geist der Ökumene am 14. November 1969 auf (er nahm am 15. Oktober 1971 anlässlich der 100-Jahr-Feier an einem Gottesdienst teil).
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Blick von der Nordkapelle gegen die Orgelempore.
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Trotz mehrfacher Umbauten ist der Innenraum dem Charakter nach gotisch geblieben. Der ungewöhnliche Grundriss (bedingt durch die Erweiterung des 16. Jahrhunderts) erweckt den Eindruck, dass zwei sich zueinander öffnende Kapellen nebeneinander liegen. Die (ältere) Südkapelle besitzt ein zweijochiges Kreuzrippengewölbe mit 5/8-Chorabschluss sowie einen klassizistischen Salvatoraltar mit einem Altarblatt von Johann Meidinger (1795), die (jüngere) Nordkapelle ein dreijochiges Netzrippengewölbe mit geradem Chorabschluss sowie einen ebenfalls klassizistischen Kreuzaltar. An der Orgelempore Christophorus-Relief (1799, vom Haus 1, Salvatorgasse 10), an den Wänden 17 Grabsteine aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, auf der Empore Wandmalerei "Christus am Ölberg" (um 1370). Bis 1974 erfolgte eine grundlegende Restaurierung der Salvatorkirche.
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Der Orgelprospekt der Orgel in der Salvatorkirche.
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Die Orgel der Salvatorkirche stammt aus dem Jahre 1750 und wurde vermutlich von dem Orgelbauer Gottfried Sonnholz errichtet. Das Instrument verfügt über sieben Register auf einem Manual (Copula 8′, Principal 4′, Flöte 4′, Oktav 2′, Sedecima 1′) und Pedal (Basso 8′, Flauto 8′). Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.
Die altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator
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Synode 2012 und Erstreckte Synode 2013.
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Die altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator (Wien-Innen) lässt sich auf das Jahr 1871 zurückführen. Die staatliche Anerkennung dieser Pfarrgemeinde sprach die kaiserlich-königliche Regierung 1877 aus. Ab 1879 kam es zur Einführung der deutschen Sprache an Stelle der lateinischen Liturgie sowie zur Kommunion in beiderlei Gestalt. Anlässlich des 80. Jahrestages der staatlichen Anerkennung fand 1957 ein Festgottesdienst statt, an dem Bundespräsident Adolf Schärf und weitere Politiker teilnahmen. Im November 1969 hob Franz Kardinal König das 1871 über St. Salvator verhängte Interdikt auf. 1998 spendete Bischof Bernhard Heitz erstmals einer Frau die Priesterweihe in der Salvatorkirche. Im Jahr 2003 besuchte Joris Vercammen, in seiner Funktion als altkatholischer Erzbischof von Utrecht und Ehrenprimas der Altkatholischen Kirchengemeinschaft, erstmals die Salvatorkirche und weitere österreichische Kirchengemeinden. Die Programmvorstellung zur neunten Lange Nacht der Kirchen im Jahr 2013 erfolgte gemeinsam in St. Salvator durch den seit 2008 amtierenden altkatholischen Bischof Johannes Okoro, den evangelischen Superindententen Hansjörg Lein und den römisch-katholischen Bischofsvikar Dariusz Schutzki. Das Seelsorgegebiet des altkatholischen Pfarramtes St. Salvator umfasst Teile von Wien, des Burgenlandes und eine Diasporagemeinde in Baden bei Wien in der St. Anna-Kapelle.
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Synode 2012 und Erstreckte Synode 2013.
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Die gemeinsame Eucharistiefeier ist das Herz unserer Kirche. Wir glauben, dass wir bei der Kommunion „den Leib und das Blut unseres Herrn Jesu Christi selbst unter den Gestalten von Brot und Wein“ empfangen. Gleichzeitig erfahren wir beim Feiern Mahlgemeinschaft mit Christus und untereinander. Diesen Gemeinschaftscharakter wollte die Gründergeneration unserer Kirche besonders betonen, indem sie die Liturgie bereits vor 135 Jahren in der Volkssprache feierte. Aus diesem Grund wird die Eucharistiefeier in manchen Gemeinden auch das „Heilige Amt der Gemeinde“ (Amt im Sinne von Aufgabe) genannt. Vielfältig sind die Namen und die Bezeichnungen, die diese Feier im Laufe der Kirchengeschichte erhalten hat, sei es nun "Messe" (römisch-katholisch), "Kommunion" (anglikanisch), "Abendmahl" (evangelisch), "Göttliche Liturgie" (orthodox) oder "Heiliges Amt der Gemeinde" (altkatholisch). Alle diese Namen bezeichnen das Tun der Gemeinde, die den Auftrag Jesu erfüllt ("Tut dies zu meinem Gedächtnis", Lk 22,19), indem sie zusammenkommt, Gott lobt und ihre Bitten vor ihn trägt.
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Bischof em. Bernhard Heitz und Pfr. i. R. Kurt Spuller.
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In der altkatholischen Kirche wird die Eucharistie normalerweise in beiderlei Gestalt empfangen, wobei die Hostie meist in den Wein eingetaucht wird. Zum Abendmahl eingeladen sind in der altkatholischen Kirche alle anwesenden Getauften, die den Leib und das Blut Christi empfangen wollen. In der altkatholischen Theologie hat man meist darauf verzichtet zu erklären, in welcher Weise der Leib und das Blut Christi in Brot und Wein anwesend sind. Deshalb sind in unserer Kirche die Lehren der Transsubstantiation oder Konsubstantiation nicht verbindlich. Aus diesem Grund werden in der altkatholischen Kirche Österreichs weder Monstranzen verwendet noch Andachten mit ausgesetztem Allerheiligsten gefeiert. Gottesdienst ist der Ausdruck der Gemeinschaft, die zwischen Gott und seinem Volk besteht. Hier handelt die Kirche gemeinsam, indem alle ihre jeweilige Aufgabe erfüllen. Jeder Gottesdienst der Kirche ist die Feier der Hoffnung, die Jesus uns gegeben hat. Wir haben die Aufgabe, auf die Menschenfreundlichkeit Gottes Antwort zu geben. Die Sakramente wollen uns dabei helfen.
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Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Sankt_Salvator_(Wien)" der
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