Schottenstift
Freyung 6,1010 Wien
Schottenstift Außenansicht - © Schottenstift
Im Herzen der Stadt Wien liegt die Abtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten, der Lebensort von Benediktinermönchen, die sich von diesem Satz aus dem Buch der Psalmen persönlich angesprochen wissen.

Durch das Ziel der Gottsuche und durch die konkrete Lebensform sind die Mönche mit den vielen Benediktinern und Benediktinerinnen auf der ganzen Welt verbunden. Darüber hinaus wissen sie sich solidarisch mit allen Menschen guten Willens, die wie sie das wahre Leben anstreben.
Schottenstift - © Schottenstift
 Den benediktinischen Regeln folgend, bietet das Kloster aber auch sehr konkrete Dienste an. Im Sinne der benediktinischen Gastfreundschaft bietet das Schottenstift »Kloster auf Zeit«, in dem als Frühstückspension geführten Benediktushaus sind Gäste aus der ganzen Welt willkommen. Die Seelsorge und geistliche Betreuung gehören genauso zum Alltag der Mitglieder des Konvents, wie die Lehrtätigkeit im traditionsreichen Schottengymnasium und die Jugendarbeit im Keller. In der lebendigen Schottenpfarre kann sich eine rege kulturelle Aktivität entfalten.
Zur Geschichte des Schottenstifts
Herzog Heinrich II. Jasomirgott machte Wien zur Residenz des Babenbergerreiches. Um die Bedeutung der neuen Hauptstadt zu heben, berief er 1155 iroschottische Mönche aus dem St.-Jakobs-Kloster in Regensburg nach Wien. Die neue Gründung sollte in erster Linie eine Stätte des Gebetes sein, dann aber auch ein Ort, an dem Pilger und Gäste Aufnahme finden konnten, eine Zufluchtsstätte für Asylanten (der Name "Freyung" erinnert heute noch daran) und ein Zentrum kulturellen Lebens.
Schottenkirche - © S. Gaube, Citype Schottenkirche - © S. Gaube, Citype
In den Jahren von 1160 bis 1200 entstand außerhalb der damaligen Stadtgrenze ein mächtiger romanischer Kirchenbau, der um einiges größer war als der heutige; der Ostteil der romanischen Kirche reichte um etwa 25 Meter über die Ostwand des heutigen Gotteshauses hinaus. Im Jahr 1200 wurden Kirche und Kloster durch den Passauer Bischof Wolfger von Ellenbrechtskirchen geweiht. Bereits 1276 fiel ein Großteil dieser mühsam errichteten Anlage einem Brand zum Opfer. Erdbeben in den Jahren 1348 und 1443 ließen abermals Spuren der Zerstörung zurück. In der Mitte des 15. Jahrhunderts entstand somit ein neues Kloster.
Schottenkirche - © S. Gaube, Citype
Im Jahr 1418 endete die Ära der iroschottischen Mönche, da ihnen im Zuge der Melker Klosterreform wegen des immer spärlicher werdenden Nachwuchses an Mönchen nahegelegt wurde, auch Einheimische in ihre Reihen aufzunehmen. Die Iroschotten zogen es aber vor, in ihre Mutterabtei nach Regensburg zurückzukehren. Der Name "Schotten" blieb jedoch bis heute erhalten.
Schottenstift Stiftungsurkunde - © Schottenstift
Stiftungsurkunde
Die grundlegende Neugestaltung der Schottenabtei fällt in das 17. und 18. Jahrhundert. 1648 wurde der heutige Kirchenbau vollendet, in den folgenden Jahrzehnten wurde auch die Klosteranlage von Grund auf verändert.

Entscheidenden Anteil an diesen Bauten hatte Abt Carl Fetzer (1705-1750). Der heutige "Schottenhof" wurde unter Abt Andreas Wenzel (1807-1831) durch den Architekten Josef Kornhäusel klassizistisch neu gestaltet. Die intensive Beschäftigung mit der Wissenschaft und die engen Beziehungen zur 1365 gegründeten Wiener Universität führten schon zu Zeiten der roschottischen Mönche zum Entstehen einer ersten Bibliothek. Obwohl aus dieser Anfangszeit heute fast nichts mehr erhalten ist, nahm die Zahl der mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln in den nachfolgenden Jahrhunderten ständig zu. Diesbezüglich verfaßte P. Albert Hübl (1867-1931) alle derzeit gültigen gedruckten Kataloge. Im Zuge der Neugestaltung des Klosters wurde unter Abt Andreas Wenzel für die gedruckten Bücher ein neuer Bibliothekssaal errichtet, dessen heutige Einteilung P. Vinzenz Knauer (1828-1894) angelegt hatte. Unter seiner Leitung wurde 1883 auch ein handschriftlicher Nominalkatalog der Bücher angelegt.

1807 kam es auf kaiserlichen Wunsch zur Gründung des »Schottengymnasiums«, das die alte Schultradition des Hauses auf der Freyung aufgriff und weiterführen sollte. Die angesehene Schule ist zu einem Hauptarbeitsgebiet der Mönche geworden. Die beiden Weltkriege hat das Schottenstift gebäudemäßig im Großen und Ganzen zwar heil überstanden, für den Konvent selbst brachten sie großen Schaden mit sich, seien es die wirtschaftlichen Nöte nach dem Ersten Weltkrieg oder der große personelle Aderlaß in den Jahren 1939 bis 1945. Zahlreiche Brüder fielen im Krieg oder kehrten nicht mehr zurück, die Tore des Gymnasiums blieben von 1938 bis 1945 geschlossen. Das Zweite Vatikanische Konzil brachte auch für die Schottenabtei die Neubesinnung auf die Eigenarten des monastischen Lebens und die Aufgaben mit sich, die eine benediktinische Gemeinschaft in der Welt von heute übernehmen soll und kann.

Das Museum im Schottenstift
Schottenstift - © Schottenstift
Bedeutende Kunst aus mehreren Jahrhunderten
Das Wiener Schottenstift auf der Freyung zählt zu den bedeutendsten Benediktinerklöstern in Österreich. Schon im 15. Jahrhundert entwickelte sich das Schottenstift zu einem Zentrum des Wiener Geistes- und Stadtlebens. Nicht zufällig zeigt der Schottenmeisteraltar die erste topografisch richtige Ansicht der Stadt Wien. Die Regierungszeit des Barockabtes Carl Fetzer (1705–1750) wurde eine wirtschaftliche und kulturelle Hoch-Zeit. Die 1826–1832 von Josef Kornhäusel gestaltete Prälatur beherbergt heute das »Museum im Schottenstift«. Neben einer umfangreichen Sammlung von Gemälden, Möbeln, Tapisserien, Paramenten und liturgischen Geräten und Gewändern, zeigt es eine eindrucksvolle Dokumentation der Stiftsgeschichte.
Schottenstift - © Schottenstift
Schottenmeister - © Schottenstift Schottenmeister - © Schottenstift
Der Hochaltar der ursprünglich gotischen Stiftskirche wurde um 1640 entfernt. Heute ist der Altar des »Wiener Schottenmeisters«, entstanden von 1469 bis 1480, ein Hauptwerk spätgotischer Malerei in Österreich und Mittelpunkt des Museums im Schottenstift. Geschichte, Entstehungsprozess, Werkstattbetrieb u.a. erläutert eine informative Dokumentation, die Nachfolgewerke bis zur flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts von David Vinckboons und Josse de Momper d.J. ergänzen.
Im Schottenstift findet der interessierte Besucher neben bedeutenden religiösen Gemälden (u.a. von Peter Paul Rubens, Jan Cossiers und Giovanni Battista Pittoni), Portrait- und Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts (u.a. von Johann Christian Brand, Christian Seybold, Christoph Paudiss und Simon de Vos) und Wiener Biedermeiermalerei von Johann Baptist Drechsler, Johann Knapp, Thomas Ender und Johann Peter Krafft. Werke der niederländischen und österreichischen Stillebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts ergänzen die wertvolle Privatsammlung. Das großformatige ehemalige barocke Hochaltarbild von Joachim von Sandrart »Die himmlische Glorie« (1671) im Prälatensaal ist, wie der Vortragssaal mit Werken österreichischer Barockmaler wie Peter Paul Strudel und Tobias Pock, in den Museumskomplex integriert.
Auszugsweise aus
www.schottenstift.at
Öffnungszeiten des Museums:
Donnerstag bis Samstag 11.00 bis 17.00 Uhr
An Feiertagen geschlossen
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