Servitenkirche
Rossauer Pfarrkirche "Maria Verkündigung"
Servitengasse 9, 1090 Wien
Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Servitenkirche Mariä Verkündigung.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / BenediktCZ
Die Servitenkirche Mariä Verkündigung ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund. Der barocke Sakralbau stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde zum architektonischen Vorbild zahlreicher späterer Barockkirchen. Sie war eine Ordenskirche der Serviten, seit 1783 bis heute ist sie Pfarrkirche der Alsergrunder Pfarre Rossau im Stadtteil Rossau. Sie gilt als eine der kulturhistorisch bedeutendsten Vorstadtkirchen Wiens aus dem Frühbarock.
Geschichte
Servitenkirche Wien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Servitenkirche, Wien 9.
Zeichnung von Salomon Kleiner gestochen von Georg Daniel Heumann. um 1730.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die erste Niederlassung der Serviten entstand (samt Kapelle) 1639 (Dotation von Ottavio Fürst Piccolomini). Die 1651 wahrscheinlich nach Plänen von Carlo Martino Carlone begonnene Kirche in der damaligen Vorstadt Roßau (Bauunterbrechung 1656-1661, Bauleitung ab 1667 Franz und Carlo Canevale) wurde 1670 durch Bischof Wilderich Baron Wallendorf geweiht, konnte aber im Inneren erst 1677 vollendet werden. 1683 wurde vor allem die Einrichtung durch die Osmanen beschädigt, 1684 führte Francesco Martinelli Ausbesserungen durch; bei dieser Gelegenheit erhielt das Klostergebäude ein zweites Stockwerk. Der Platz vor der Kirche war mit Bäumen und sechs Doppelstatuen auf steinernen Sockeln abgeschlossen. Der große Servitengarten wurde am 1. Februar 1787 versteigert und anschließend größtenteils verbaut. 1727 wurde nach Plänen von Sebastian Blümel der Bau der zweijochigen Peregrinkapelle begonnen (zu Ehren des in diesem Jahr heiliggesprochenen Serviten Peregrin; 1728 begannen Wallfahrten), die 1765/1766 zur heutigen Größe erweitert wurde (D). 1754-1756 wurden nach einem Entwurf von Franz Sebastian Rosenstingl die Türme erneuert.
Servitenkirche Wien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Servitenkirche, Wien 9.
Außenaufnahme schräg von Ecke Grünentorgasse/Müllnergasse gegen die Servitengasse.
Stauda, August; 1903
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der "äußere Kirchenplatz" war Prozessionsplatz und Platz des Peregrinimarkts (April). Am 9. Juli 1917 erlitten Kirche und Kloster durch ein (im Nachbarhaus ausgebrochenes) Feuer beträchtlichen Schaden (Dachstuhl). 1933-1937, 1964-1970 und ab 1974 wurden Restaurierungen vorgenommen. Die Servitenkirche ist eine der wenigen stilrein erhaltenen Frühbarockkirchen Wiens und diente als Vorbild für die Peters- und die Karlskirche; sie ist der erste und typologisch bedeutende frühbarocke längsovale Zentralkirchenbau in Wien (mil östlicher Doppelturmfassade, westlicher Choranlage und südlich dreigeschossigem Klosteranbau).
Servitenkirche Wien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Servitenkirche Wien - © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Kirchenportal der Servitenkirche.
Nahaufnahme leicht von links.
Klostereingang Servitengasse 9
mit Steinkreuz.
Wienansichten Alsergrund; Servitenkirche, Wien 9. Stauda, August; 1901.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die schlichte Ostfassade besitzt einen zweigeschossigen, vorspringenden, zwischen die beiden viergeschossigen Türme eingespannten Mittelteil. Die Türme (Höhe 60 Meter) tragen barocke Doppelzwiebelhelme mit Laternen. Das mittlere Ädikulaportal weist eine ionische Pilaster- und Halbsäulenrahmung und eine eisenbeschlagene Holztür auf; Wappen von fünf Stiftern. In der Mitte des Giebelfelds Monogramm der Serviten (S. M. = Servi Mariae, Diener Mariens).
Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
 Innenansicht der Klosterkirche des Servitenklosters in Wien.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Rosso Robot
Ovaler Hauptraum, von zwei Kreuzarmen durchzogen; der Längsarm im Osten für den Mönchschor merklich verlängert, die Eingangshalle im Westen infolge der Turmkapellen mit Querorientierung; die Eingangshalle wird vom Hauptraum durch ein prächtiges Schmiedeeisengitter getrennt (um 1670). Der Querarm des Kreuzes ist nur in den beiden rechteckigen Seitenaltarnischen erkennbar. Zwischen den Kreuzarmen vier völlig gleichartige Altarnischen. Flachkuppel, Eingangsjoch mit Orgelempore, tonnengewölbter, gerade schließender Chor. Turmkapellen (von der Eingangshalle aus zugänglich): Kapelle der heiligen Juliana Falconieri; sie führt in die Arme-Seelen-Kapelle mit einem dem Kremser Schmidt zugeschriebenen Altarblatt. Auf die besondere Marienverehrung des Ordens weist in dieser Kirche das Hochaltarbild, eine Verkündigungsszene darstellend, hin. Es ist umgeben von den überlebensgroßen Figuren der Eltern Johannes des Täufers, Zacharias und Elisabeth, und der Eltern Marias - Joachim und Anna. Im Gibel eines jeden Seitenaltars finden wir Mariendarstellungen und, um die gemalte Uhr angeordnet, eine Verkündigungsszene. Die beiden großen Deckenfresken stellen die Himmelfahrt und Krönung Marias dar. Sie sind umgeben von acht Medaillons mit Bildern aus dem Leben Jesu.
Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Altar der Servitenkirche . Kanzel der Servitenkirche aus 1793.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Kapelle des heiligen Johannes Nepomuk (Stukkaturen von Giovanni Santino Bussi); von hier gelangt man in die Lourdes-Grotte. Der Hochaltar, ursprünglich von Benedikt Stöber (1711), wurde 1832-1847 stark verändert (konkave Holzädikula in Grün- und Brauntönen mit korinthischen Pilastern, Halbsäulen und vorgestellten Säulen; nazarenisches Altarblatt "Maria Verkündigung" von Leopold Schulz, 1847); der Unterbau und die seitlichen Figuren von Stöber stammen vom alten Hochaltar (1711). Rechts vom Hochaltar an der Chorwand überlebensgroßes Kruzifix (ehemals [bis 1786] gotisches Galgenkreuz vom Rabenstein, um 1420 [Teile des Lendenschurzes barock ergänzt]).
Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Außenaufnahme schräg gegen die Servitengasse.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) / Rosso Robot
Das vordere Altarpaar bilden die sogenannten Pestaltäre (Pest 1713); sie sind den Pestpatronen Sebastian und Liborius geweiht. Hinten links ein von Martin Stier gestifteter Altar (1669) mit Altarblatt von Tobias Pock (heiliger Philipp Benizi, der größte Heilige des Servitenordens); das Muttergottesbild erinnert an das Attentat auf Franz Joseph I. (1853; Stiftung von Arbeitern der Roßauer Zigarrenfabrik). Hinten rechts ein von Ferdinand Maximilian Graf Sprinzenstein gestifteter Altar (1677) mit Altarbild "Johannes der Täufer" von Grabenberger.
Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0) Servitenkirche Wien - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Außenansicht der Servitenkirche mit beiden Türmen.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Der rechte Altar ist dem heiligen Antonius (Altarbild von Tobias Pock, 1668), der linke der Schmerzhaften Muttergottes geweiht (Grabstätte des Kirchenstifters Ottavio Fürst Piccolomini). Das bedeutenste Kunstwerk dieser Kirche ist wohl die Pietà (um 1470)  auf dem Schmerzensaltar, unter dem sich auch das Grab des Fürsten Octavio Piccolomini - ein Gegenspieler Wallensteins - befindet. Sein Wappen finden wir über dem Kircheneingang und im Kirchenschiff beim Schmerzensaltar. Durch seine tatkräftige Unterstützung wurde der Bau dieses Barockjuwels ermöglicht. Ein anderer Gönner ist Freiherr Christoph von Abele, er stiftete den Liboriusaltar  über dem sich auch sein Wappen befindet. Neben dem Altarbild stehen zwei Heilige, der hl. Christophorus als Abeles Namenspatron und die hl. Clara als die Namenspatronin seiner Frau. In Abeles Stadthaus fand der Servitenkonvent während der Türkenbelagerung 1683 Zuflucht. Einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass diese Kirche während der Türkenbelagerung nicht der angeordneten Schleifung der Vorstadt zum Opfer gefallen und uns so vollständig erhalten geblieben ist. Barocke Kanzel (1739); die vier Evangelisten an der Brüstung und die drei göttlichen Tugenden stammen von Balthasar Ferdinand Moll, alle übrigen Schnitzarbeiten vom Laienbruder Josef Hilber. Vor der Kirche befindet sich ein Obelisk mit Steinfigur Maria Immaculata (bezeichnet Fidelis Kümmel, 1885). Pfarrlich gehörte die Roßau zu den Schotten; die Serviten besorgten nur die Versehgänge. Zum Gedenken an die wohltätigen Brotspenden des heiligen Peregrin begann später ein geschäftstüchtiger Roßauer Bäcker mit der Produktion der Peregrinikipfel.
www.rossau.at/servitenkirche
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Servitenkirche_(Wien)" der
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