Severin von Noricum
Gedenktag: 8. Januar
Heiliger Severinus © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Heiliger Severinus © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Heiliger Severinus
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Severin von Noricum (Severinus; * um 410; † 8. Januar 482 in Favianis, vermutlich dem heutigen Mautern bei Krems) war ein spätantiker Heiliger, Missionar und Klostergründer in Noricum. Über sein Leben berichtet Eugippius in einer „Gedenkschrift“ (Commemoratorium), die unter dem Titel Vita sancti Severini („Das Leben des heiligen Severin“) bekannt ist.
Severin © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der heilige Severin christianisiert Vindobona
Ruß, Karl; Blatt 17 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Das heutige Wissen über das Leben Severins und über die sozialen und kirchlichen Verhältnisse in seinem Tätigkeitsbereich stammt aus der Lebensbeschreibung des Heiligen, die Eugippius, der Abt eines seiner Klöster, im Jahr 511 verfasste. Diese Heiligen-Biografie – immer wieder geht es um Wunder wie Prophezeiungen, Heilungen oder eine Ölvermehrung – ist die einzige erzählende Quelle aus der Zeit der untergehenden Römerherrschaft in Bayern und dem späteren Österreich. Sie liefert wertvolle sozialgeschichtliche Informationen, doch wird ihre Glaubwürdigkeit in der Forschung teilweise skeptisch beurteilt. Die Angaben über den Rückzug der Römer aus dem Noricum dürften übertrieben sein; man geht heute nicht mehr davon aus, dass es – wie man früher aufgrund der Darstellung des Eugippius annahm – zu einem Totalabzug der Provinzialbevölkerung kam.
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Der heilige Severin ermahnt die reiche Witwe Procula,
das von ihr gehortete Getreide an die hungernde Bevölkerung Wiens zu verteilen.
Ruß, Karl; Blatt 18 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Über Severins Abstammung ist wenig bekannt. Wie Eugippius berichtet, erwies ihn seine Sprache als einen „ganz und gar lateinischen Menschen“. Daraus und aus weiteren Indizien lässt sich folgern, dass Severin aus Italien stammte und dass seine Familie einer vornehmen, gebildeten Schicht angehörte. Vielleicht war er senatorischer Herkunft. Da er Auskunft über seine Abstammung aus Bescheidenheit verweigerte, ist davon auszugehen, dass er der politischen Führungsschicht entstammte. Seine Ausbildung als Mönch erhielt er im Osten des Reichs bei den in der Wüste lebenden Einsiedlern. Nach dem Tod des Hunnenkönigs Attila im Jahr 453 kam er von Pannonien nach Ufernoricum, der früheren römischen Provinz nördlich der Ostalpen, die zu jener Zeit bereits durch den Zerfall des Weströmischen Reiches infolge der Völkerwanderung bedroht war. Severin hielt sich hauptsächlich im Donauland zwischen Carnuntum im Wiener Becken und der Gegend von Passau auf.
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Der heilige Severin predigt vor den Toren Wiens zu einer Räuberbande.
Ruß, Karl; Blatt 19 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Der Historiker Friedrich Lotter hat in zahlreichen Aufsätzen und in seiner Severin gewidmeten Habilitationsschrift von 1976 die Hypothese vertreten, der heilige Severin sei identisch mit einem inlustrissimus vir Severinus, den Ennodius in seiner Lebensbeschreibung des Mönchs Antonius von Lérins als dessen Erzieher erwähnt. Der Heilige sei auch mit dem 461 von Kaiser Majorian ernannten Konsul Flavius Severinus gleichzusetzen. Er sei zwischen 454 und 461 im Donauraum als Provinzgouverneur tätig gewesen und habe auch noch später, als er schon Mönch war, in offiziöser Funktion wie ein Amtsträger des Reichs in der Verwaltung von Ufernoricum gehandelt. Diese teils sehr spekulativen Annahmen haben sich in der Forschung nicht durchgesetzt; an der sehr vornehmen Abstammung Severins wird zwar nicht gezweifelt, aber die Gleichsetzung des Heiligen mit dem Konsul von 461 wird heute allgemein abgelehnt.
Severin © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der heilige Severin berät Flaccitheus, den König der Rugier.
Ruß, Karl; Blatt 20 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Zunächst trat Severin offenbar im Gebiet Niederösterreichs in Erscheinung, in Asturis (Klosterneuburg), Comagena (Tulln), und Favianis (Mautern), wo der Rugierkönig Flaccitheus residierte, der Severin angeblich um Rat bat. Seine Lebensbeschreibung handelt dann von Cucullis (Kuchl bei Salzburg) und Iuvavum (Juvao, Salzburg). Ein weiterer Abschnitt beschreibt sein Wirken an der Donau bei Passau. Dort geht es um die Kastelle und Siedlungen Quintanis (Künzing, oberhalb der Vils), Batavis (Passau links des Inn, beide gehörten zur Nachbarprovinz Raetia secunda), Boiotro (Bojotro, Passau rechts des Inn, ein Grenzkastell Noricums) und Joviaco (Schlögen/Haibach, einige Kilometer flussabwärts in Ufernoricum). Er unterstützte und bestärkte demnach zunächst deren romanische Bevölkerung angesichts der ständigen germanischen Überfälle, betrieb dann aber ihren Rückzug nach Lauriacum (Lorch) an der Enns, bald wegen anhaltender Bedrohungen weiter zurück in die niederösterreichische Nachbarschaft seines früheren Wirkungsorts Favianis, dies auf Druck des Rugierkönigs Feletheus. Hier verbrachte Severin offenbar den Rest seines Lebens im Bereich des von ihm gegründeten Klosters.
Severin © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der heilige Severin prophezeit Odoaker sein zukünftiges Königtum in Italien.
Ruß, Karl; Blatt 21 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Severin bekleidete selbst kein Amt, sondern scheint auch nach der Konventsgründung weiter als Anachoret gelebt zu haben. Er betätigte sich als Mahner, Helfer und Seelsorger, setzte sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein und organisierte Lebensmittel- und Kleiderlieferungen. In den Jahren 469/470 erlangte er vom alamannischen König Gibuld, den er im Gebiet von Passau traf, die Freilassung römischer Kriegsgefangener. Sein entschiedenes Auftreten im Umgang mit Herrschern zeugt von seiner außergewöhnlichen persönlichen Autorität.
Severin © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der sterbende Severin ermahnt den Rugier-König Feletheus und seine Frau Gisa,
ihre Untertanen gerecht zu behandeln.
Ruß, Karl; Blatt 24 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Severin starb 482 in Favianis. Eugippius nennt den 8. Januar als Todestag. Den eigenen Todestag wie auch die Entvölkerung von Ufernoricum durch Abzug der Einwohner soll er vorausgesagt haben. Der von ihm gegründete Konvent schloss sich dann einem Zug über die Alpen an, den Hunwulf 488 im Auftrag seines Bruders Odoaker durchführte, und siedelte samt den Gebeinen Severins nach Italien über. Zu diesem Zweck wurden die Gebeine des Severin geborgen. Eugippius schreibt, der Leichnam sei sechs Jahre nach seiner ersten Beisetzung unverwest und vollkommen erhalten gewesen und habe geduftet, obwohl er nicht einbalsamiert war.
Severin © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Kloster Heiligenstadt, in dem Severin lebte, wird nach seinem Tod geplündert.
Ruß, Karl; Blatt 25 aus dem Zyklus „Bilder zur Geschichte von Wien“
Feder- und Pinselzeichnung in Braun, laviert, mit Weißhöhungen über Bleistift von Karl Ruß. Die 149 Zeichnungen entstanden zwischen 27. Jänner 1826 und 12. Dezember 1832. ;nach 1825
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Neuer Standort der Gemeinschaft wurde Castellum Lucullanum bei Neapel. Der Konvent dürfte zu dieser Zeit von Lucillus geführt worden sein, dem später Marcianus folgte. Die Gebeine des Severin scheinen bis nach der Konventsgründung in Neapel gelagert worden zu sein. Nach Eugippius musste man erst einen Platz für die Bestattung finden. Boden und Grabbau wurden schließlich von einer vornehmen Dame (illustris femina) namens Barbaria gestiftet. Die Hypothese, es habe sich bei Barbaria um die Witwe des Orestes und die Mutter des Romulus Augustulus gehandelt, ist spekulativ. Die Translation von Neapel nach Lucullanum fand, wie Eugippius berichtet, mit Erlaubnis des Papstes Gelasius I. statt. Die Beisetzung wurde von Bischof Viktor I. von Neapel (ca. 492–496) vollzogen. Seit 1807 liegen die Gebeine Severins in der Pfarrkirche von Frattamaggiore in Kampanien.
Sein Gedenktag wird am 8. Januar gefeiert.
Er ist Diözesanpatron von Linz.
Im Bistum Passau wird ihm mit einem gebotenen Gedenktag gedacht.
Er wird außerdem als Patron
von Bayern, der Gefangenen, Winzer und Leineweber
sowie für Fruchtbarkeit der Weinstöcke verehrt.
Seine Hilfe wird bei Hungersnot erbeten.
Der Heilige wird predigend oder an einem Grabmal betend dargestellt.
Attribute sind Buch und/oder Abtstab, in der rechten Hand ein Kruzifix.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Severin_von_Noricum" der
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