Stift Geras
Prämonstratenserkloster (OPraem)
Hauptstraße 1, 2093 Geras
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Eingang des Stiftes und die Stiftskirche im Juli 1986.
Bild: Semotan, Rudolf.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Geras ist ein Kloster der Prämonstratenser (OPraem) in Geras in Niederösterreich, Bezirk Horn. Geras ist eine Stadtgemeind und liegt im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Das Prämonstratenser-Chorherren-Stift Geras wurde 1153 durch Ekbert und Ulrich von Pernegg gegründet. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilten der Ort und das Kloster die wechselvolle Geschichte.
Geschichte
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Hauptportal an der Westfassade von 1655: Nahansicht frontal.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Kloster wurde 1153 als Tochterkloster von Seelau durch Ekbert und Ulrich von Pernegg gegründet und mit Seelauer Chorherren besiedelt. Es bildete mit dem zehn Kilometer entfernten Frauenkloster Pernegg ein Doppelkloster. Das Kloster in Geras wurde zum Teil auf einem alten slawischen Gräberfeld errichtet, auch der Name stammt wohl aus dem Slawischen (Jerus ?). Das Stift wurde nach dem Aussterben der Grafen von Pernegg ein Passauer Eigenkloster. Bis zur Errichtung des Bistums St. Pölten (unter Kaiser Joseph II.) lag es auf dem Gebiet des Bistums Passau. Es gehörte den größten Teil seiner Geschichte zur böhmischen Zirkarie des Prämonstratenserordens. Im letzten Krieg zwischen König Ottokar II. Přemysl und Rudolf von Habsburg (1278) wurde das Stift geplündert und zerstört, danach war es völlig verarmt. Zwischen 1419 und 1436 zogen die Hussiten mehrfach durch Geras und im November 1486 besetzten dann die Ungarn Geras und Pernegg (außerdem Zwettl und Allentsteig). Am 22. Juni 1542 verlieh König Ferdinand I. dem Stift Geras ein Wappen, es zeigt einen in Grün und Rot ungezählt geschachten Schild. In der Reformationszeit war das Kloster nur noch nominell katholisch und machte eine Krise durch. Schließlich wurden Stift und Stadt Geras im Dreißigjährigen Krieg mehrfach geplündert und 1620 von Mansfeldschen Truppen in Brand gesteckt. Einige wenige Chorherren kehrten 1625 aus der Abtei Strahov (Prag) in die Ruinen zurück und begannen unter dem aus Westfalen stammenden Abt Benedict Lachen (auch Lacken oder Laachen) den Wiederaufbau.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Befestigungsmauer des Stiftes in Geras.
Blick schräg von rechts gegen das Hauptportal und den einen Eckturm. ;1931.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Schon unter Abt Peter II. Herkart und besonders unter dem, als zweiter Gründer geltenden Abt Johannes Westhaus wurde, noch während des Krieges, nicht nur das Kloster wieder aufgebaut, sondern auch die entvölkerte Umgebung wieder besiedelt. Anfang des 18. Jahrhunderts brannte die Stiftskirche aus, von der alten Ausstattung ist vor allem ein Beichtstuhl aus der Zeit des Johannes Westhaus erhalten. Unter Abt Nikolaus Zandt, der 1730 bis 1746 Künstlerpersönlichkeiten wie Joseph Munggenast als Architekt und Paul Troger als Freskant ins Waldviertel holte, entstand im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild. Die Schäden wurden beseitigt, Erweiterungen und Neugestaltungen vorgenommen. Der österreichische Erbfolgekrieg (1740–1748) ging 1742 auch über Geras hinweg. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erreichte das Stift auch eine Größe von über 50 Chorherren. Diese Blüte wurde durch Kaiser Joseph II. beendet, der das Stift Pernegg aufhob, die Zahl der Chorherren in Geras beschränkte (numerus clausus), die Pfarreien des Stiftes Pernegg dem Stift Geras übergab und die Errichtung einer Zahl neuer Pfarreien anordnete. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Stift Geras auch der Eigentümer der Gebäude des ehemaligen Stiftes Pernegg. 1848 endete die Zeit der Grundherrschaft des Stiftes Geras und 1866 betraf auch der preußisch-österreichische Krieg das Kloster. Es folgten die Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten, der Zweite Weltkrieg und die russische Besatzung, all diese Ereignisse belasteten das Stift Geras.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Geras - Das Bild zeigt Renovierungsarbeiten am Gebäudekomplex
des Stiftes im Februar 1980.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1990 bis 1994 wurden die Stiftsgebäude und -gärten grundlegend erneuert. In der Gründungszeit war die Anlage verhältnismäßig groß, aber heute gehört es zu den kleineren Stiften in Österreich. In Geras werden seit Jahren bedeutende Kunstkurse veranstaltet, die einigen Einfluss auf zeitgenössische Künstler hatten. Im 1783 aufgehobenen Kloster Pernegg wird seit 1995 ein Fasten- und Seminarzentrum durch das Stift Geras betrieben.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt Stiftskomplex von der Rückseite mit einem Weiher im Juli 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Seit dem Mittelalter betreibt das Stift Geras in nahe gelegenen Gewässern Fischwirtschaft, dazu wurden z.T. schon im Mittelalter Fischteiche angelegt. Es gibt auch noch einen der ältesten in Gebrauch befindlichen Fischkalter.
Stiftsgebäude
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Eingang des Stiftes im Jänner 1989.
Bild: Rudolf Semotan
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zu den Kostbarkeiten des Stiftes gehört der unter Abt Nikolaus Zandt errichtete, sogenannte Marmorsaal über dem Hauptportal. Die Decke wird von einem prächtigen, signierten Fresko Paul Trogers geschmückt, welches die wunderbare Brotvermehrung darstellt (1738), die Wände bestehen aus qualitätvollem Stuckmarmor. Das Deckenfresko ist nie gereinigt oder restauriert worden, was aber den strahlenden Farben keinen Abbruch tut. Außerdem finden sich Ölgemälde Trogers über den beiden Kaminen (die auch kleine Reliefs von der Hand Schletterers enthalten). Am Rand der Decke befindet sich eine der wenigen Signaturen Trogers. In den Compendiata Notitia super Gerusium a Praelatis relicta gibt es auch einen Hinweis auf eine mögliche Tätigkeit von Johann Jakob Zeiller im Stift Geras, sicher ist jedoch, dass er in einer Pfarrei des Stiftes gearbeitet hat. Der Hinweis könnte sich auf die Architekturmalereien des Trogerfreskos beziehen, da Zeiller zu dieser Zeit Trogers Architekturmaler war.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Eingang des
Stiftes im Dezember 1988.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Eingang des
Stiftes im Juli 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Außenfassade der Einfahrt zum Stift, über der der Marmorsaal liegt, erhielt ihre plastische Ausstattung durch Jakob Christoph Schletterer, der dort – unter anderem – eine Figurengruppe der göttlichen Tugenden (Glaube, Liebe und Hoffnung) schuf, die das Portal umgibt, ebenso die Feststiege. Fünf historische Farbgebungen aus verschiedenen Epochen wurden in der Feststiege gefunden, von denen die barocke Originalfassung an den Wänden wiederhergestellt wurde. Das dortige Fresko Triumph von Weisheit und Mäßigung von Paul Troger ging aufgrund eines Einsturzes um 1870 bis auf wenige Reste verloren. Der Saal, das ehemalige Sommerrefektorium, ist Teil des zwischen 1736 und 1740 errichteten Neugebäudes, welches anlässlich des 850jährigen Bestehens nach alten Ansichten und Vergleichen mit anderen Bauten Munggenasts renoviert wurde. Auch die Westfassade der Stiftskirche und die Feststiege wurden saniert. Weitere interessante Kunstschätze des Stiftes sind die Bibliothek mit Fresken von Josef Winterhalder vom Beginn des 19. Jahrhunderts, die Äbtegalerie und ein Zyklus von 35 großformatigen Gemälden, die das Leben des Ordensgründers Norbert von Xanten darstellen. Außerdem prachtvolle Gitter aus Schmiedeeisen und eine überlebensgroße Statue der Minerva (Pallas Athene), der griechisch-römischen Göttin der Weisheit, in der Nische am Fuß der Feststiege. Außerdem gibt es noch einige freigelegte Fresken (z.B. im „Rosenzimmer“) und diverse gotische Spolien.
Stiftskirche
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Geburt): Südturm von 1667.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Stiftskirche ist eine romanische Pfeilerbasilika, die später gotisiert wurde. Über dem barocken Gewölbe sind noch Fensteröffnungen aus romanischer und gotischer Zeit zu sehen. Der Chorraum hat einen gotischen 3/8 Schluss. Der Hochaltar ist, nach den Vorschriften der Prämonstratenser, freistehend, ebenso die Altäre in den Seitenschiffen. Nach mehreren Bränden wurde die Stiftskirche mit dem Patrozinium ›Mariä Geburt‹ im 18. Jahrhundert durch Joseph Munggenast als Architekt und den Freskomaler Franz Zoller (1726–1779) unter anderem mit einer Darstellung der Lauretanischen Litanei im Gewölbe barockisiert. Außerdem befinden sich in der Kirche Gemälde der zwölf Apostel (Schiff) und Gemälde von sechs Heiligen der Prämonstratenser (Chor). Sehenswert ist der Hochaltar mit einem Gemälde, auf dem der hl. Norbert, über den Regelvater Augustinus, von der Ordenspatronin Maria das Skapulier erhält. Außerdem ist das Gnadenbild der Geraser Madonna aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Sein gegenwärtiger Zustand basiert auf der Farbfassung von 1914, die der ursprünglichen von 1731 sehr ähnlich ist.
Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Geras © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt die Stiftskirche
"Unsere liebe Frau von Geras"
zwischen 1980-1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt die Stiftskirche
"Unsere liebe Frau von Geras"
zwischen 1980-1991.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die hinteren Seitenaltäre im Hauptschiff zeigen Augustinus, Norbert – die Vermutung, die Gemälde stammten von Bartolomeo Altomonte, ist nicht zu beweisen. – die vorderen, die Taufe Jesu und Nikolaus von Myra, einen Jungen aus der Hand von Räubern rettend – neuerdings wieder Maulbertsch zugeschrieben. Außerdem gibt es eine eindrucksvolle barocke Sakristei (unter der byzantinischen Kapelle). Außerdem finden sich in den Seitenschiffen zwei weitere Altäre (ein Barbaraaltar im nördlichen, und ein Kreuzaltar im südlichen). Das Altarbild des Kreuzaltars stammt von Josef Hauzinger (1756), an der Wand links neben dem Kreuzaltar ist ein Wappenstein der Herren von Kottaun (Kattau?) aus dem 14. Jahrhundert eingelassen. Beeindruckend sind auch die Kanzel aus Stuckmarmor (von Johann Ignaz Hennevogel) und das reichverzierte Chorgestühl.

1953 wurde ihr der Titel einer päpstlichen Basilica minor verliehen.
www.stiftgeras.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Geras" der
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