Stift Heiligenkreuz
2532 Heiligenkreuz
Heiligenkreuz - © Verlag Christian Brandstätter
Der barocke Kirchturm des 1133 gegründeten Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz lugt aus dem Sattelbachtal in den Wienerwald.
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Als der Wienerwald kaum besiedelt war, berief der Babenberger Markgraf Leopold III., der Heilige, (1096-1136) im Jahre 1133 Mönche aus Morimond in das Sattelbachtal zu einer Klostergründung.

Zur Vorgeschichte: Es war die Zeit der ersten Kreuzzüge, als Mönche der Abtei Molesme in die Einöde von Cistercium gezogen waren, um nach der ursprünglichen Regel des Hl. Mönchsvaters Benedikt zu leben. Dieses neue Kloster Citeaux erwarb sich im damaligen Europa einen hervorragenden Ruf für tiefe Gläubigkeit und wirtschaftlichen Erfolg, so daß von dort in kurzer Zeit viele Neugründungen erfolgten, darunter Clairvaux und Morimond. Wie auch heute so sorgten schon damals Väter für die Ausbildung ihrer Söhne, und so schickte Leopold III. seinen Sohn Otto mit fühnfzehn Gefährten zum Studium nach Paris. Dieser Studienaufenthalt endete aber damit, daß Otto in das neue Zisterzienserkloster Morimond eintrat. Die Begeisterung Ottos für das strenge Klosterleben mündete in der Bitte an seinen Vater, auch in seiner Heimat ein Zisterzienserkloster zu gründen. Markgraf Leopold III. erkannte die geistlichen und wirtschaftlichen Vorteile, so daß am 11. September 1133 die Klostergründung erfolgte, indem er den Mönchen auf babenbergischem Hausgut Wald- und Wiesengebiete schenkte.
Heiligenkreuz - © Verlag Christian Brandstätter
Blick durch einen Arkadenbogen in den Stiftshof. Das Zusammentreffen der Romanik aus der Gründungszeit der Kirche mit dem Barock begeistert jeden Besucher. An zentraler Stelle des Hofes ragt die Dreifaltigkeitssäule von Giovanni Giuliani empor. Die Wolkenpyramide auf hohem Sockel - gefertigt in den Jahren 1737 - 1739 - hebt die Muttergottes Maria gleichsam in himmlische Höhen. Unter den Statuen der Hl. Sebastian und viele reizende Putten.
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Das nun zu bauende Kloster wurde „Abtei unserer Lieben Frau zu Heiligenkreuz“ genannt, weil der Stifter eine kleine Kreuzreliquie als Geschenk gab, die später jedoch abhanden kam. Die heutige große Kreuzreliquie wurde erst am 31. Mai 1188 von Herzog Leopold V. übergeben. Die geistigen Gründer des Klosters waren demnach der Hl. Benedikt, der die Grundlage in seiner Ordensregel festschrieb, dargestellt in schwarzem Gewand (Kukulle) mit Buch, und der Hl. Bernhard als großes Vorbild der Zisterzienser, in weißer Kukulle mit Kreuz abgebildet. Daher finden wir diese geistigen Ordensgründer auch in vielen Darstellungen im Stift, etwa auf der Dreifaltigkeitssäule, auf den zwei Weihwasserbecken in der Kirche oder auf dem Deckenfresko in der alten Pforte. Die weltlichen Gründer sind in Glasgemälden im Brunnenhaus verewigt, wobei Otto im typischen weißen Zisterziensergewand – aber schon mit Buch, Mitra und Krummstab, den späteren Insignien des Bischofs von Freising – dargestellt wurde.
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Den romanischen bzw. frühgotischen Kreuzgang ließ Abt Egilolf in den Jahren 1228 - 1242 errichten.
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Seit dieser Zeit wirken nun die „grauen“ Mönche im Wienerwald, vor allem durch das tägliche, siebenmal stattfindende gemeinsame Chorgebet, beginnend um 5.15 Uhr mit den Vigilien, und den Tag beschließend, mit der Komplet um ca. 20.30 Uhr.

Im Mittelalter waren auch gewisse Nachtstunden für Gebete vorgesehen; die Mönche schliefen daher im Ordensgewand, um zu den nächtlichen Gebetszeiten unverzüglich bereit zu sein. Seit dem Gründer Leopold III., dem Heiligen, entwickelte sich Heiligenkreuz unter den Babenbergern ständig weiter.

Unter Leopold IV. (1136-1141) wurde das Kloster Zwettl im Waldviertel gegründet und besiedelt. Die unter Heinrich II. Jasomirgott (1141-1177) gegründeten Klöster von Baumgartenberg in Oberösterreich und Czikádor in Ungarn wurden in späteren Jahrhunderten aufgehoben. In die Regentschaft von Leopold V. (1177-1194) fällt am 31. Jänner 1187 die Weihe des Langhauses der romanischen Abteikirche unter Abt Marquard (1186-1203). Die Kirche symbolisiert am besten die zisterziensische Bautradition. Wenn man heute die Kirche durch das Haupttor betritt, so muß man sich vorstellen, daß es zur Zeit der Weihe diesen Eingang vermutlich nicht gab, sondern daß man die Kirche vom Kloster her – dessen Schlafsaal gleich rechter Hand gelegen war – betrat.
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Bau und Ausschmückung des Kreuzganges zeigen besonders im Winter bei leichtem Schneefall, aber auch in vielen Details, Mystik und Ausdruckskraft.
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Unter Joseph II. mußte die Stiftskirche der Pfarre zur Verfügung gestellt werden; die alte gotische Pfarrkirche wurde in der Folge abgerissen. Die Stiftskirche war damals freilich nur durch die drei romanischen Fenster in der Westfront erhellt, weshalb der Kirchenraum am Abend durch die sinkende Sonne mystisch beleuchtet erscheint; eine Wirkung, die die Kunst der Zisterzienser in der Lichtgestaltung bestens veranschaulicht. Erst 1870/71 wurden die Fenster in der linken Wand des romanischen Schiffes auf ihre heutige Form vergrößert, um den Gläubigen bessere Lichtverhältnisse zu schaffen. Freilich stört dieser starke Lichteinfall die gedämpfte Stimmung empfindlich. Unter Leopold V. fällt auch – wie schon erwähnt – am 31. Mai 1188 die Übergabe der großen Kreuzreliquie sowie der dritte Kreuzzug (1189-1192) mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190). Auf (den gleichnamigen Babenberger Herzog) Friedrich I. (1194-1198) folgte Leopold VI. (1198-1230). Während seiner Regentschaft wurde 1202 von Heiligenkreuz aus das Stift Lilienfeld in Niederösterreich gegründet, das nach kurzzeitiger Aufhebung durch Kaiser Joseph II. 1790 wiederbesiedelt werden konnte.
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Neuneckiges Brunnenhaus, Ende des 13. Jhdt. erbaut, mit bemerkenswerten Maßwerkssockelblenden und dem Ende des 16. Jhdt. errichteten Bleibrunnen, der in der Barockzeit (1688) renoviert wurde. Er war viele Jahrhunderte die einzige Wasserstelle und Waschgelegenheit der Mönche im Kloster.
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Unter dem letzten Babenberger Friedrich II. (1230-1246) wurde 1240 die romanische Kirche mit Querschiff und Ostabschluß sowie der Kreuzgang unter Abt Egilolf (1228 bis 1242) durch Rüdiger von Radeck, Bischof von Passau, geweiht. Diese romanischen Bauten schaffen auch heute noch die Mystik und Einzigartigkeit von Heiligenkreuz, sowohl in der Kirche als auch im Kreuzgang.

Am 15. Juni 1246 fiel Friedrich II. in der Schlacht gegen die Ungarn bei Wiener Neustadt. Da er kinderlos starb, erlosch mit ihm die Linie der Babenberger. Er liegt, wie die meisten Babenberger, im Kapitelsaal unter dem dominierenden Hochgrab bestattet.

Die Jahre 1249 bis 1347 brachten für Heiligenkreuz wechselndes Schicksal. Zunächst waren Einfälle der Ungarn und Kumanen zu überstehen. Sie zerstörten und verwüsteten Kirche und Kloster und drangen brandschatzend und plündernd bis nach Klein-Mariazell vor. Nach dieser Notzeit entstanden der gotische Hallenchor und die bunten Glasfenster, die nunmehr den Hochaltar in flimmerndes Licht tauchen. 1295 wurden der Hallenchor und die Krankenkapelle (jetzige Bernardikapelle) konsekriert. Die letzte von Heiligenkreuz ausgehende mittelalterliche Klostergründung war 1327 die des Stiftes Neuberg in der Steiermark (aufgehoben unter Joseph II.). Dem Wüten der Pest im Jahre 1349 fielen in Heiligenkreuz auch 53 Mönche zum Opfer. Die schweren Zeiten dauerten fort, denn 1462 wurden Kirche und Kloster durch einen Brand eingeäschert. Aber schon 1466 konnte die Kirche wieder geweiht werden.
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Barockes Chorgestühl, geschaffen vom Wiener Bildhauer Matthäus Rueff. Alle Büsten und Reliefs gestaltete Giovanni Giuliani mit seiner Werkstätte und vollendete das beeindruckende Meisterwerk im Jahre 1707.
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Im Zuge der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1529 richteten Türkenhorden auch in Heiligenkreuz große Zerstörungen an.

Die Errichtung der neuen barocken Sakristei fällt in die Jahre 1667 bis 1669. Die zweite Türkenbelagerung Wiens, 1683, brachte wiederum für Kirche und Kloster Verwüstung und Zerstörung, wie Verbrennung von Hauptaltar und Seitenaltären, Zertrümmerung der Orgel und viele andere Schandtaten.

Die Bibliothek ging in Flammen auf. Nach dem Sieg über die Türken blühten in der Barockzeit die Künste auf, wie übrigens in ganz Europa. So malte Michael Rottmayer 1694 bis 1699 die Bilder für den Hochaltar und zwei Seitenaltäre. 1707 bis 1708 gestalteten Matthäus Rueff und Giovanni Giuliani das neue Chorgestühl. Giuliani schuf ferner die Dreifaltigkeitssäule im Stiftshof sowie die Plastiken im Kreuzgang. Auch die Maler Martino Altomonte und Georg Andreas Washuber arbeiteten für Heiligenkreuz. In vielen Klöstern, Stiften und Kirchen in Österreich hat die Barockzeit das heutige Erscheinungsbild entscheidend geprägt. Nicht so in Heiligenkreuz, wo besonders die strenge und klare Romanik in den wesentlichen Bauten dominiert. Trotzdem wirkten in Stift Heiligenkreuz große Äbte, die von 1637 bis 1755 den glänzenden Barockjubel schufen, und zwar der 52. Abt Michael Schnabel; der 53. Abt Clemens Schäffer, unter dem die Sakristei errichtet wurde; der 54. Abt Marian Schirmer von Schirmthal; der 55. Abt Gerhard Weichselberger 1705-1728 (unter ihm wurde das Chorgestühl geschaffen) und der 56. Abt Robert Leeb 1728-1755.
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Der "goldene Saal" der barock ausgestatteten Bibliothek (so genannt wegen seiner einheitlich gebundenen Bücher mit Rückengoldprägung).
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Unter Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) verlief das klösterliche Leben in den gewohnten Bahnen; aber ihr Sohn Kaiser Joseph II. (1780-1790) ließ viele Klöster, insbesondere beschauliche, säkularisieren. Heiligenkreuz litt zwar auch unter den gesetzten Maßnahmen, war aber von einer Aufhebung nicht bedroht. Als späte Auswirkung des Verbotes der bischöflichen Priesterseminarien wurde 1802 die Philosophisch-Theologische Hauslehranstalt gegründet, welche in die heutige Philosophisch-Theologische Hochschule überging.
Heiligenkreuz - © Verlag Christian Brandstätter
Die Zisterzienser von Heiligenkreuz widmen einen Teil ihrer Zeit den Stiftsführungen. In Gedanken versunken wandelt der Archivar des Stiftes unter den stimmungsvollen Arkaden.
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Am Beginn des 19. Jahrhunderts (1804) baute Meister Ignaz Kober die große Orgel, und die Laienbrüder Lukas Barth (1742-1803) und Kaspar Willer (1770-1820) schufen Einlegearbeiten an den Bänken und Sakristeischränken. In den Jahren 1824 bis 1879 änderte sich auch die Innenausstattung der Kirche. 1871-1873 baute man die Barockaltäre sowie den Hochaltar ab, und der Dombauarchitekt Dominik Avanzo nahm zwischen 1885 und 1894 die neugotische Einrichtung vor. Die Ereignisse der neueren Zeitgeschichte, wie Erster Weltkrieg, Zerfall der österr.-ungar. Monarchie, Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland, der Zweite Weltkrieg und Plünderungen durch die Besatzungsmacht, hinterließen zwar schwere wirtschaftliche Folgen, doch Stift Heiligenkreuz entging der Aufhebung, so daß das monastische Leben schon ab 1945 eine neue Blüte erlebte.

So ist auch heute noch das Gebet das Atmen der Seele und das Band, das die Mönche mit Gott verbindet; darum entschwebt der gregorianische Wechselgesang der Psalmen morgens zu den Vigilien bis abends zu den Laudes gottgefällig himmelwärts.
Mit freundlicher Genehmigung
Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
www.brandstaetterverlag.com
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