Stift Klosterneuburg
Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren
Stiftsplatz 1, A-3400 Klosterneuburg
Stift Klosterneuburg © Margit Power - Fotolia.com
Stift Klosterneuburg
Das Stift Klosterneuburg liegt nordwestlich von Wien in der gleichnamigen Stadt Klosterneuburg (Niederösterreich) und gehört der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren an. Der Komplex geht auf eine Stiftung des österreichischen Markgrafen Leopold III. dem Heiligen zusammen mit seiner Frau Agnes von Waiblingen zurück, welche zu Beginn des 12. Jahrhunderts erfolgt war.

Die ursprüngliche Stiftung war von Anfang an bis 1722 ein Doppelkloster mit Augustiner-Chorfrauen. Die gut erhaltenen Reste der Chorfrauenkirche St. Magdalena am Stiftsplatz zeuge noch heute davon.

In späteren Jahrhunderten wurde die Anlage mehrmals erweitert und umgebaut, so dass sie sich heute als eindrucksvolles Konglomerat aus mittelalterlicher, barocker und historistischer Bausubstanz präsentiert. Das Stift Klosterneuburg ist nach wie vor ein lebendiges Zentrum des katholischen Glaubens, beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung und besitzt eines der größten und ältesten Weingüter Österreichs.
Geschichte
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Leopold III. findet den Schleier seiner Gemahlin Agnes (Schleierlegende).
Leopold III., der Heilige, Markgraf von Österreich, findet neun Jahre nach der Hochzeit (1105)
den damals verlorenen Schleier seiner Gemahlin Agnes, und läßt an dieser Stelle dann das
Stift Klosterneuburg erbauen. Aquarell von Johann Dallinger von Dalling, datiert 18.8.1839.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Um die Gründung des Stiftes Klosterneuburg spinnt sich die Schleier-Legende. Am Tag ihrer Vermählung sollen Markgraf Leopold III. und seine Gemahlin Agnes von Waiblingen am Söller ihrer Burg am Leopoldsberg gestanden haben, als ein plötzlicher Windstoß den Brautschleier der Agnes erfasste und davontrug. Erst neun Jahre später soll der fromme Markgraf den Schleier seiner Frau während einer Jagd in den Wäldern Klosterneuburgs unerwartet wieder gefunden haben – in unversehrtem Zustand auf einem blühenden Holunderbaum verfangen. Dies soll als göttliches Zeichen verstanden worden sein, weshalb Leopold III. an dieser Stelle ein Kloster errichten ließ. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Legende noch zusätzlich durch eine Marienerscheinung bereichert.

In Wirklichkeit aber stellte Klosterneuburg zu Beginn des 12. Jahrhunderts keinen unberührten Urwald mehr dar. Denn der Stiftshügel war bereits seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt und im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern zu einem Kastell (vermutlich namens Arrianis) ausgebaut worden, um den Limes Pannonicus zu schützen. Auf den Ruinen dieses Lagers entstand wohl schon im 11. Jahrhundert eine kleinere Siedlung, welche Leopold III. schließlich als seine Residenz und 1114 für die Gründung eines Säkularkanonikerstiftes erwählte. Das ursprüngliche Ziel dieser Stiftung war womöglich die Errichtung eines österreichisches Landesbistums, weshalb einer der begabtesten Söhne Leopolds III., der spätere Otto von Freising, 1126 zum zweiten Propst des Stiftes ernannt und zum Studieren nach Paris geschickt wurde. Die Pläne für einen eigenen Bischofssitz scheinen aber nicht zuletzt aufgrund des Widerstandes der Bischöfe von Passau, Salzburg und Gurk gescheitert zu sein. Daraufhin wurde das Stift 1133 den Regularkanonikern (Augustiner-Chorherren) übergeben. Erster Propst dieser neuen Gemeinschaft wurde der selige Hartmann, unter dessen Regentschaft die Stiftskirche fertiggestellt und am 29. September 1136 geweiht wurde. Wenige Monate danach, am 15. November 1136, verstarb Markgraf Leopold III. Er wurde im Kapitelsaal des Stiftes (der heutigen Leopoldskapelle) beigesetzt, wo sein Grab bald zur Wallfahrtsstätte wurde.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Großer Hof: freigelegtes Fundament eines spätantiken römischen Gebäudes.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Klosterneuburg entwickelte sich schnell zu einem kulturellen und theologischen Zentrum. Unter den Pröpsten Marquard (1140–1167) und Rudiger (1167–1168), welche mit Gerhoch von Reichersberg verwandt waren, setzte man sich etwa für Reformen des Klerus sowie die Bekämpfung der aufkommenden Scholastik ein. Aus diesem Geist heraus ist wohl das inhaltliche Programm des Klosterneuburger Ambos (des späteren Verduner Altares) entstanden. Dieses entspricht der mittelalterlichen Typologie und ist möglicherweise auf Propst Rudiger zurückzuführen, auch wenn das einzigartige Emailwerk erst unter seinem Nachfolger, Propst Wernher (1168–1185), in Auftrag gegeben und 1181 fertiggestellt wurde. Unter Herzog Leopold VI. erlangte Klosterneuburg in den Jahren um 1200 seine Funktion als Residenz der Babenberger wieder, welche zuvor an Wien verloren gegangen war. Leopold VI. ließ nicht nur einen neuen Palas errichten, sondern auch die sog. Capella Speciosa – seine Palastkapelle, welche als erstes gotisches Bauwerk Österreichs gilt. Als sie allerdings 1222 geweiht wurde, war der Herzog wieder nach Wien umgezogen. Von beiden Bauten sind heute nur noch Reste vorhanden. Mit dem Bau der Kapelle hielt aber die Gotik Einzug und einige Jahrzehnte später wurden auch Teile des Stiftes – etwa der Kreuzgang – in diesen Formen umgebaut.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt den Eingang zum Stift Klosterneuburg, 1950.
Bild Bruno Reiffenstein; Sozialistischer Verlag.
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Einen kulturellen Aufschwung erlebte das Stift besonders in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Propst Stephan von Sierndorf (1317–1335), welcher zahlreiche Kunstwerke und Umbauarbeiten in Auftrag gab. Dies wurde durch einen verheerenden Brand des Jahres 1330 begünstigt, welcher die Instandsetzung und Erneuerung des alten Stiftes erforderlich machte. Unter Propst Stephan wurde der gotische Kreuzgang fertiggestellt, der Klosterneuburger Ambo 1330/31 zu einem Flügelalter umgestaltet, sowie einige Goldschmiedearbeiten in Auftrag gegeben. Im ausgehenden 14. Jahrhundert begann man schließlich auch den Südturm der Kirche im gotischen Stil zu errichten. Der Turmbau blieb allerdings auf Höhe des Kirchendaches stecken und wurde nur provisorisch gedeckt. Im 15. Jahrhundert führte die Amtszeit von Propst Georg Muestinger (1418–1442) zu einer neuerlichen kulturellen und wissenschaftlichen Blüte. In seinem Auftrag wurden in ganz Europa wichtige Ankäufe für die Bibliothek getätigt (etwa in Padua), aber auch neue Manuskripte im Stift angefertigt. Der mit dem Wiener Astronomen Johannes von Gmunden befreundete Propst befasste sich zudem ausgiebig mit Astronomie und Kartographie.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt das Stift Klosterneuburg; 1950.
Bild Franz Swoboda; Sozialistischer Verlag.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Während des 14. und 15. Jahrhunderts war das Stift weiters mit der langwierigen Heiligsprechung des Stiftsgründers beschäftigt. Denn obwohl Leopold III. schon kurz nach seinem Tod 1136 verehrt wurde, gewann sein Andenken erst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Systematik. Darauf verweisen ab 1323 aufgezeichnete Wunder und Gebetserhörungen, welche sich an seinem Grab ereignet haben sollen – was darüber hinaus auf starke Pilgerströme schließen lässt. Auf Bestrebungen Herzog Rudolfs IV. leitete Papst Innozenz VI. schließlich 1358 den Heiligsprechungsprozess des Babenbergers ein. Auf Grund der schwierigen politischen Situation (Abendländisches Schisma) geriet dieses Vorhaben allerdings bald ins Stocken. Erst durch Kaiser Friedrich III. wurde der Prozess wieder belebt. Nach seinem erfolgreichen Abschluss fand die Heiligsprechung schließlich am 6. Jänner 1485 unter Papst Innozenz VIII. in Rom statt. Die feierliche Erhebung der Gebeine des neuen Heiligen (Translation) erfolgte am 15. Februar 1506 unter Beisein von Kaiser Maximilian I. in der Stiftskirche von Klosterneuburg. In die Regierungszeit des Propstes Georg Hausmanstetter (1509–1541) fällt die Erste Wiener Türkenbelagerung von 1529, als der Konvent direkt bedroht war und sich dazu entschloss mitsamt den Kirchenschätzen nach Passau zu flüchten. In Klosterneuburg blieb, neben einem Chorherrn, nur der königliche Regimentsrat Melchior von Lamberg zurück, welcher eiligst Söldner für die Verteidigung der Stadt anwarb und die am 27. September begonnene Belagerung Klosterneuburgs erfolgreich abwehren konnte. Als der Konvent zurückkehrte, konnte Propst Georg zunächst die Ausbreitung protestantischen Gedankenguts im Stift unterbinden. Als er jedoch 1541 verstarb, schwand nicht nur die Zahl der Chorherren, sondern auch der Widerstand gegen den Protestantismus. Nur wenige Jahre später wurden in der Stiftskirche die Lehren Luthers verkündet. Erst Propst Kaspar Christiani (1578–1584), welcher dem Kloster von Kaiser Rudolf II. aufgezwungen wurde, konnte das Stift in den Katholizismus zurückführen.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt eine Ortsansicht mit dem Stift Klosterneuburg (Luftbild), 1950.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Durch die katholische Gegenreformation erlangte das Stift seine frühere Bedeutung zurück. Am 15. November 1616 nahm Erzherzog Maximilian III. am Leopoldifest in Klosterneuburg teil und stiftete dem Kloster bei dieser Gelegenheit den österreichischen Erzherzogshut. Dadurch wurde das Stift zum Hüter der „heiligen Krone des Landes“, welche nur im Rahmen der Erbhuldigung Klosterneuburg verlassen durfte. Kurze Zeit später begann die Barockisierung der Stiftskirche, welche sich in mehreren Phasen zwischen 1634 und 1730 vollzog. In der ersten Etappe (1634–1645) wurde der bisher unvollendete Nordturm der Westfassade im gotischen Stil (in Anlehnung an den Südturm) weiter gebaut, im Inneren hingegen der westliche Bereich in barocken Formen neu dekoriert und die prachtvolle Orgel fertiggestellt. In einer zweiten Etappe (1680–1702) stand die Ausstattung mit Fresken, Stuck und Altären im Langhaus im Fokus. 1723–1730 fand schließlich die Umgestaltung des Presbyteriums nach Entwürfen Matthias Steinls statt. Die Barockisierung war dabei durch die Zweite Wiener Türkenbelagerung 1683 unterbrochen worden, als sich Klosterneuburg erneut in Gefahr befand und die Chorherren wieder mit dem Kirchenschatz nach Passau flüchteten. Bei der Verteidigung der Stadt spielte vor allem der Laienbruder Marzellin Orthner eine entscheidende Rolle, da durch sein Engagement eine Einnahme der Stadt verhindert werden konnte. Unter Propst Ernest Perger (1707–1748) wurde im Stift Klosterneuburg eines der eindrucksvollsten Bauprojekte des Barock ins Leben gerufen. So hatte man bereits 1714 Entwürfe für einen massiven Umbau bei Jakob Prandtauer in Auftrag gegeben, welche jedoch aus unbekannten Gründen nicht ausgeführt wurden. Unter Vermittlung des Melker Abtes Berthold Dietmayr wurde schließlich 1730 Donato Felice d’Allio mit der Neuplanung der gesamten Klosteranlage beauftragt, welche einen weitläufigen Neubau mit vier regelmäßigen Innenhöfen vorsah. Nachdem allerdings klar wurde, dass Kaiser Karl VI. das Kloster zu einem „Österreichischen Escorial“, d.h. zu einer herrschaftlichen Klosterresidenz, umbauen und hier zum Teil residieren wollte, musste d’Allio seine Pläne zugunsten größeren Prunks adaptieren. Hierbei wurde ihm das kaiserliche Hofbauamt zu Seite gestellt, dessen leitender Architekt, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, den Bau um ein Stockwerk erhöhte, die Fassaden dynamisierte und monumentale, mit den Kronen des Hauses Habsburg versehene Kuppeln einplante. Doch obwohl das Kaiserhaus somit entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung des Baus nahm, mussten die Kosten gänzlich vom Kloster getragen werden. Zunächst schritt der Bau zügig voran. Man begann mit der Errichtung des in der nordöstlichen Ecke vorgesehenen Kaisertraktes, welcher bereits 1733 gedeckt wurde. 1735 wurden zwei der insgesamt neun geplanten Kuppeln fertiggestellt. Sie präsentieren einerseits die Reichskrone und andererseits den Österreichischen Erzherzogshut. 1740 verstarb Karl VI. jedoch unerwartet, wodurch die Bauarbeiten zu einem abrupten Ende kamen.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Blick auf das Stift Klosterneuburg, 1965.
Legende: "Klosterneuburg / Gleich einer Gralsburg ragt das Stift aus dem Novembernebel auf."
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Durch die Josephinische Reform (Säkularisierung) war das Stift auf Grund seines starken Engagements in der Seelsorge nicht so stark betroffen und wurde nicht aufgelöst. Dennoch mussten zahlreiche zusätzliche Pfarren errichtet, sowie einige Kapellen (darunter die Capella Speciosa) 1787 entweiht werden. Schwere Zeiten, vor allem wirtschaftlich, musste das Stift hingegen während der Napoleonischen Kriege durchleben. So forderten die französischen Truppen, welche Klosterneuburg am 11. November 1805 besetzten, enorme Summen als Brandschatzung. Obwohl die Franzosen nach dem Frieden von Pressburg 1806 Klosterneuburg verließen, kam es am 10. Mai 1809 zu einer erneuten Besetzung. Dabei wurden die Weinvorräte des Stiftes weggeschafft und große Schäden angerichtet.
Im Zeitalter des Historismus wurde schließlich die „Restaurierung“ einiger Teile der Anlage vorangetrieben. Verantwortlich zeichnete hierbei der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt. 1869–1881 wurden Arbeiten im Kreuzgang durchgeführt, wobei einige Bereiche in ihre vermeintlich originale, gotische Form zurückgebaut wurden. Die alte Verglasung wurde dabei durch neue Scheiben ersetzt, welche von der Firma Geyling aus Wien gefertigt wurden. 1882–1893 folgte die Restaurierung der Stiftskirche, deren Westtürme baufällig geworden waren. Die ursprünglich verschieden hohen Türme wurden nun auf eine Höhe von 82,75 m neugotisch ausgebaut, vereinheitlicht und mit Skulpturen von Franz Christoph Erler versehen. Die Außenseite des Langhauses wurde im Sinne der Neuromanik umgestaltet.
Stiftskirche
Stift Klosterneuburg © Jürgen Skarwan / www.stift-klosterneuburg.at
Innenansicht der Stiftskirche
© Jürgen Skarwan / www.stift-klosterneuburg.at
Die Stiftskirche Maria Geburt wurde 1114 vom Markgrafen Leopold III. gestiftet und 1136 geweiht. Die ursprüngliche Kirche bildete eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und monumentalen Westwerk. Im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert wurde sie in mehreren Etappen barock umgestaltet. Daran beteiligt waren hoch angesehene Künstler wie Giovanni Battista Carlone, Peter Strudel, Antonio Bellucci, Matthias Steinl, Johann Michael Rottmayr und Santino Bussi. In den Jahren von 1882 bis 1892 wurde unter dem Architekten und Dombaumeister Friedrich von Schmidt, den Baumeistern Martin und Josef Schömer, sowie den Bildhauern Karl Schwiefert und Franz Erler der Sakralbau renoviert und teilweise umgestaltet. Unter anderem erfolgte eine teilweise Neugestaltung des Äußeren vom Langhaus, vom Querhaus und vom Chor. Weiters wurde der Südwestturm teilweise abgetragen und unter Anlehnung an die Höhe und Form des Nordostturmes, der ebenfalls verändert wurde (Verdachung, neugotische Dekorationselemente), neu errichtet.
Stift Klosterneuburg © Zechal - Fotolia.com Stift Klosterneuburg © Klaus Offermann - Fotolia.com
Stiftskirche
Der prunkvolle romanische Verduner Flügelaltar als Hochaltar wurde 1714 entfernt und durch einen monumentalen, barocken, die Apsis einnehmenden, ersetzt. Dieser wurde von dem Salzburger Steinmetz Sebastian Stumpfegger nach einem Entwurf von Matthias Steinl aus verschiedenfarbigen Salzburger Marmorarten um 1725 bis 1728 angefertigt. Das Altarbild von Johann Georg Schmidt stellt die Marienverehrung dar und die Figuren den Stammbaum Jesu, die von dem Hofbildhauer (Johann) Franz Caspar († 1728) angefertigt wurden.
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Blick zum Hochaltar ; 1912
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Die sechs Marmorwandaltäre in den Seitenkapellen des Langhauses (rechts: Anna-, Kreuz- und Michaelsaltar; links: Augustini-, Sebastina- und Barbaraaltar), die zwischen 1689 und 1697 von den Linzer Brüdern Johann Baptist der Jüngere und Johann Peter Spaz († 1695) geschaffen wurden. Die Altarbilder dazu stammen teilweise von Peter Strudel. Der Peter-und-Paul-Altar in der nordöstlichen und der Afraaltar in der südwestlichen Kapelle des Querschiffes. Beide Altäre sind marmorne Wandaltäre aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Der neugotische Adikulaaltar in der Marienkapelle im südwestlichen Turmerdgeschoß mit einer spätgotischen Madonna-Statue sowie der Altar in der Beichtkapelle im nordöstlichen Turmerdgeschoß.
Stift Klosterneuburg © Hannes Sallmutter / www.stift-klosterneuburg.at
Barockorgel aus der Stiftskirche.
© Hannes Sallmutter / www.stift-klosterneuburg.at
Die Festorgel hat drei Manuale mit 35 Registern und 2179 Pfeifen. Errichtet wurde sie in den Jahren 1636 bis 1642 und kommt aus der Werkstatt der Passauer Orgelbaufamilie Freundt. Das hohe dreiteilig gestufte Gehäuse wurde von den Tischlern Jakob Kofler und Konrad Schmidt angefertigt. Das reiche Schnitzwerk fertigten Michael Schmidt, Georg Gemelich und Max Preyer unter teilweiser Verwendung der Schnitzereien der Vorgängerorgel an. Das dreimanualige Instrument wurde 1984 und 1990 durch die schweizerische Orgelbau Kuhn AG restauriert. Die Festorgel ist die größte und bedeutendste Denkmalorgel des 17. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Das von internationalen Solisten gerne bespielte Konzertinstrument zeichnet sich neben seinem hervorragenden Klang unter anderem auch durch die spezielle Tonhöhe (Kammerton a' = 476 Hz) und die mitteltönige Stimmung aus.
 Im späten 19. Jahrhundert baute der Architekt Friedrich von Schmidt die Kirchtürme neugotisch aus und gestaltete die Außenseite des Langhauses in neuromanischen Formen um.
Kreuzgang
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Bild zeigt Träger eines freigelegten Kreuzrippengewölbes, April 1964.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die noch erhaltenen mittelalterlichen Teile des Stiftes Klosterneuburg befinden sich nordwestlich der Stiftskirche. Besonders beeindruckend ist der Kreuzgang, welcher zw. 1250–1350 entstand und mit einem sechsteiligen Kreuzrippengewölbe versehen wurde. Nach dem katastrophalen Brand von 1330 wurde er ursprünglich mit wertvollen Glasmalereien ausgestattet, von welchen sich heute noch einige Fragmente im Stiftsmuseum und in der Leopoldskapelle erhalten haben. Der Kreuzgang wurde zwischen 1869 und 1881 restauriert.

Östlich des Kreuzganges schließt der ehemalige Kapitelsaal (heutige Leopoldskapelle) an, unter dem sich die Gruft befindet, in der der Stiftsgründer Markgraf Leopold III. und dessen Gemahlin Agnes beigesetzt wurden. Links neben dem Gitter der Kapelle führt eine Treppe hinunter in die öffentlich nicht zugängliche Gruft. Nach der Heiligsprechung des Markgrafen 1485 entwickelte sich dieser Raum zu einer wichtigen Wallfahrtsstätte. Der Raum wurde 1677–1680 mit Stuck von Jakob Schlag und Fresken von Johann Christoph Prandtl ausgestattet. Die Deckenszenen zeigen verschiedene Wunder, die sich unter Mitwirkung des Hl. Leopold ereignet haben sollen. In diesem Raum ist zudem der berühmte Verduner Altar von 1181 aufgestellt, über welchem 1936 ein Reliquienschrein für die Gebeine des Hl. Leopold angebracht wurde. In der Kapelle wird alljährlich am und um den Todestag des Heiligen (15. November) seine Schädelreliquie präsentiert.
Barocker Kaisertrakt
Stift Klosterneuburg © Zechal - Fotolia.com
Aussenansicht Sala terrena/Besucherzugang.
Das barocke Stift sollte ab 1730 nach Plänen von Donato Felice d’Allio und Joseph Emanuel Fischer von Erlach als Klosterresidenz für Kaiser Karl VI. monumental ausgebaut werden. Als der Kaiser jedoch 1740 unerwartet starb, kam es zu einem abrupten Baustopp. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein Achtel der geplanten Anlage errichtet worden. Erst 1834–1842 konnte einer der begonnen Höfe (sog. Kaiserhof) nach Plänen von Joseph Kornhäusel fertiggestellt werden, wodurch zumindest ein Viertel des geplanten „österreichischen Escorials“ fertig wurde.
Stift Klosterneuburg © Alexander Haiden / www.stift-klosterneuburg.at
Marmorsaal im Kaisertrakt.
© Alexander Haiden / www.stift-klosterneuburg.at
Die äußeren Fassaden haben typisch barocken Charakter und sind reich gegliedert – besonders die Ostfassade. Deren ursprünglich als Gebäudemitte geplanter Bereich schwingt sich konvex nach vorne und nimmt einen vorgeblendeten Balkon, monumentale Säulen und eine riesige Kuppel mit der Reichskrone auf. Die zweite, über dem nordöstlichen Eckpavillon angebrachte Kuppel zeigt hingegen den Österreichischen Erzherzogshut. Die unvollendete Sala Terrena in der Mitte des Osttraktes dient heute als Besucherempfang und bietet einen interessanten Einblick in eine barocke Baustelle. Dieser Raum sollte als eine Art Grotte oder Gartensaal ausgestaltet werden, für welche der kaiserliche Hofbildhauer Lorenzo Mattielli um 1735 die monumentalen männlichen Trägerfiguren (Atlanten) schuf.
Stift Klosterneuburg © Alexander Haiden / www.stift-klosterneuburg.at
Kaiserzimmer im Kaisertrakt.
© Alexander Haiden / www.stift-klosterneuburg.at
Im ersten Obergeschoss des Osttraktes befinden sich die Kaiserappartements, welche über die gewaltige Kaiserstiege zugänglich sind. Von hier aus gelangt man in den Marmorsaal, welcher im unteren Bereich durch kolossale Säulen gegliedert wird. Das Deckenfresko die Glorie des Hauses Österreich wurde 1749 von Daniel Gran gemalt. Es verherrlicht die Majestät Österreichs und die einst in Österreich regierenden Dynastien, d.h. Babenberger, Habsburger und das Haus Habsburg-Lothringen. Der vollständige Titel lautet: Ehre, Ruhm und Majestät des Hauses Österreich, im Babenbergischen Stamme angefangen, im Habsburgischen Hause mehr erhöht und im Lotharingischen befestiget.
Gebäude des Stiftsplatzes
Stift Klosterneuburg © kikissím - Fotolia.com
Innenhof Stift Klosterneuburg.
Südlich des Stiftes erstreckt sich ein weitläufiger Platz, in dessen Mitte sich die sog. Tutz-Säule befindet. Eine gotische Lichtsäule, welche 1381 vom Klosterneuburger Bürger Michael Tutz als Pestsäule gestiftet wurde und einst den sie umgebenden Friedhof beleuchtete. Sie wurde wahrscheinlich von Michael Knab gefertigt, der auch am Wiener Stephansdom mitwirkte, und zeigt Szenen aus der Passion Christi.

In der südwestlichen Ecke des Platzes findet sich der sog. Binderstadel. Eine spätgotische Halle, die um 1500 errichtet wurde und in welcher seit 1704 das berühmte Riesenfaß (56 000 Liter) steht, über welches man der Tradition des „Fasselrutschens“ entsprechend alljährlich am Leopoldifest (15. November) hinunter rutscht. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Sebastianikapelle, welche 1421 geweiht wurde. 1787 wurde sie allerdings entweiht und zu einem Schuppen umgebaut, obwohl darunter nur kurze Zeit zuvor eine neue Chorherren-Gruft eingerichtet worden war. Erst 1965 wurde sie (nach Plänen von Wilhelm Zotti) wieder zu einer Kapelle ausgebaut.
Kunstsammlung
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Klosterneuburg
Sammlungen: Wiener Meister von 1456: Altar der ehemaligen Magdalenenkirche
in Klosterneuburg: Geschlossen (Werktagseite) mit Bildern: Verkündigung:
Hl. Johannes Bapt., Matthäus, Georg und Joh. Evang. Christus am Ölberg,
Christus im Haus des Pharisäers, Sebastian und Achatius, Cosmas und Damian.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stiftsmuseum zählt zu den ältesten Museen der Welt. Es wurde schon 1774 von Propst Ambros Lorenz (1772–1781) begründet und ist vor allem für seine Sammlung mittelalterlicher Kunst bekannt. Zu den wichtigsten Werken zählen der Verduner Altar, der sog. große Albrechtsaltar (um 1438), Werke von Rueland Frueauf d. J. (um 1500), sowie der Babenberger Stammbaum (um 1490). Darüber hinaus beherbergt das Museum bedeutende Beispiele gotischer Skulptur, etwa die berühmte „Klosterneuburger Madonna“ (um 1300).
Stift Klosterneuburg © Janos Stekovics / www.stift-klosterneuburg.at
Der Österreichische Erzherzogshut.
© Janos Stekovics / www.stift-klosterneuburg.at
In der (seit 2011 zugänglich gemachten) Schatzkammer wird eine besonders kostbare Auswahl an Elfenbeinarbeiten, Goldschmiedearbeiten und Paramenten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gesondert präsentiert. Darunter befindet sich u.a. der Österreichische Erzherzogshut, die sog. Schleiermonstranz (1714), sowie Objekte, welche mit dem Hl. Leopold in Verbindung gebracht werden. Eine Besonderheit stellen auch die historischen Schatzkammerschränke dar, welche 1677 gefertigt wurden und in die Neugestaltung integriert wurden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Stift Klosterneuburg © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Klosterneuburg
Österreichische Lichtbildstelle ;Gesamtansicht Stift und Stiftskirche etwa aus Nordowst (NO),
über den Donauarm entlang der Franz-Josefs-Bahn. Reprografie. ;um 1930.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Wirtschaftsbetriebe des Stiftes Klosterneuburg bilden die erforderliche wirtschaftliche Basis für die religiösen, sozialen und kulturellen Aufgaben. Die Hauptgeschäftsfelder sind Land- und Forstwirtschaft, Immobilien sowie Kultur und Tourismus. Die Wirtschaftsbetriebe beschäftigen über 200 Mitarbeiter, dabei wird großer Wert auf Nachhaltigkeit, CO₂-Reduktion und soziale Verantwortung gelegt.
Stift Klosterneuburg © Digruber / www.stift-klosterneuburg.at
Stiftsvinothek, Klosterneuburg
© Digruber / www.stift-klosterneuburg.at
Das Stift hat besonders im Weinbau eine große Bedeutung. Das Weingut Stift Klosterneuburg gilt mit 108 Hektar Anbaufläche nicht nur als eines der größten, sondern auch als das älteste Weingut in Österreich. Seine Gründung geht bereits auf Leopold III. zurück. 1860 wurde zudem mit Unterstützung des Stiftes eine Weinbauschule, die im damaligen Kuchlhof, untergebracht war, errichtet. Aus dieser ging die heutige Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau hervor (siehe auch Klosterneuburger Mostwaage). Das Weingut Stift Klosterneuburg bietet seit 2009 als erstes Weingut Mitteleuropas einen CO₂-neutralen Wein an.
Stift Klosterneuburg © Latusek / www.stift-klosterneuburg.at
Weingarten Wiener Nussberg Weißleiten.
© Latusek / www.stift-klosterneuburg.at
Das Stift besitzt darüber hinaus Grundbesitz in Klosterneuburg und Umgebung, im Bezirk Korneuburg und im Nordwesten Wiens, welcher verpachtet wird. Aus den eigenen Forsten stammt das Rohmaterial für ein unterirdisches Biomasseheizwerk, das in den letzten Jahren errichtet wurde und die Stiftsgebäude sowie einige kommunale Einrichtungen (etwa Rathaus und Krankenhaus) in Klosterneuburg beheizt. Das Stift ist ganzjährig für Besucher geöffnet und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes Niederösterreich. Zahlreiche Thementouren bieten einen Einblick in verschiedene Bereiche des Klosters. Die beeindruckende Architektur und die reiche Kunstsammlung, aber auch der Ablauf der Weinerzeugung werden hierbei vor Augen geführt. Ein umfangreiches Veranstaltungsangebot (Konzerte, seit 1994 Opernfestspiele, Ausstellungen) sowie Gastronomiebetriebe runden das Angebot ab.
Pfarrtätigkeit & Soziales Engagement
Stift Klosterneuburg © Walter Hanzmann / www.stift-klosterneuburg.at
Pater Sporschill und Chorherr Walter Simek mit Kindern
© Walter Hanzmann / www.stift-klosterneuburg.at
Das Stift Klosterneuburg betreut insgesamt 27 Pfarren (24 in Wien und Niederösterreich, eine in Norwegen und zwei in den USA). Die Pfarren der Stiftskirche und St. Martin in Klosterneuburg gehörten schon seit der Gründung zum Stift, andere kamen erst nach und nach durch die Erweiterung des Grundbesitzes oder durch Reformen Kaiser Josefs II. (Josephinische Reform) hinzu.

Derzeit werden folgende Pfarren betreut:

Klosterneuburg:
Stiftspfarre, Kierling, St. Leopold, St. Martin, Kritzendorf, Weidling, Höflein
Restliches Niederösterreich:
Haselbach, Korneuburg, Langenzersdorf, Reinprechtspölla, Stoitzendorf, Tattendorf
Wien:
Maria Lourdes, Meidling, Maria Hietzing, Grinzing, Heiligenstadt, Kahlenbergerdorf, Neustift am Walde, Nußdorf, Sievering, Donaufeld, Floridsdorf
Norwegen:
Bergen
USA:
St. Patrick und St. Rocco im Bistum Rockville Centre, im Staat New York

Dem im Jahre 2000 erlassenen Sozialstatut des Stiftes entsprechend, werden jährlich mindestens 10% der in den Wirtschaftsbetrieben erwirtschafteten Gewinne für soziale Zwecke aufgewandt – meist liegen die Summen aber weit darüber. Das bekannteste Sozialprojekt stellt das Projekt Aktion Concordia von Pater Georg Sporschill dar, welches fast 100 rumänischen Straßenkindern hilft und ältere Menschen in Moldawien unterstützt. Es werden aber auch einige kleinere Aktionen, etwa Kinderschutzzentren in Indien und Honduras, Frauenhilfsprojekte in Afghanistan oder eine Augenklinik im Südsudan gefördert.
www.stift-klosterneuburg.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Klosterneuburg" der
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