Stift Kremsmünster
Benediktinerabtei
Benediktinerstift, A-4550 Kremsmünster
Stift Kremsmünster © Roswitha S. - Fotolia.com
Stift Kremsmünster, links der Mathematische Turm.
Das Stift Kremsmünster ist ein Kloster der Benediktiner (OSB) in Kremsmünster in Oberösterreich. Seit seiner Gründung im Jahr 777 ist es ein spirituelles und wirtschaftliches Zentrum der Region. Bekannt ist das Stift auch durch seine Sternwarte (Mathematischer Turm von 1750) und sein Gymnasium.
Geschichte
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Stift Kremsmünster
Das Kloster wurde 777 vom bayerischen Herzog Tassilo III. gegründet. Der Sohn Tassilos, Gunther, soll der Legende nach während eines Jagdausrittes von einem Eber angefallen und getötet worden sein. Ein bedeutender Chronist des Klosters ist Berchtold von Kremsmünster (* vor 1270; † nach 1326), der die „Historia Cremifanensis“ und die „Narratio de ecclesia Cremsmunstrensi“ verfasste.
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Stift Kremsmünster
Unter Benutzung älterer Bestandteile entstand ab der Mitte des 17. Jahrhunderts eine umfangreiche Anlage, die neben dem Stift Melk zu den größten Österreichs gehört. Unter den Baumeistern waren Carlo Antonio Carlone (Stiftskirche, Kaisersaal, Bibliothek, Fischkalter) und Jakob Prandtauer (Wirtschaftshöfe im äußeren Stiftshof, Umbau des Fischkalters), der auch die Klosterkirche in Melk gestaltete.
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Stift Kremsmünster
Die Bauanlage von Kremsmünster hat ihre größte Ausdehnung im etwa 290 Meter langen Südflügel. Dort liegen wichtige repräsentative Räumlichkeiten: Refektorium, Bibliothek und Kaisersaal. Abgeschlossen wird der Südflügel im Osten vom 51 Meter hohen Mathematischen Turm, in dem sich die Sternwarte Kremsmünster befindet. Dieser Turm gilt als eines der ersten Hochhäuser Österreichs.
Stiftskirche
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Stift Kremsmünster, Stiftskirche.
Die Stiftskirche war von Anfang an dem Weltheiland geweiht. Später (vielleicht bei der Einweihung des Neubaues von 1082) kam das Patrozinium des hl. Agapitus von Praeneste dazu. Nachdem mehrere Vorgängerbauten durch Brand zerstört worden waren, wurde 1232 mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. 1277 konnte Abt Friedrich von Aich zum fünfhundertjährigen Jahrestag der Gründung das Langhaus einweihen; bis zur Vollendung der gotischen Kirche (Türme) vergingen weitere 200 Jahre. Die Kirche wurde seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts in mehreren Phasen barockisiert und somit nachhaltig verändert. Beschränkte man sich unter Abt Anton Wolfradt vorwiegend auf den Umbau des Chorraumes, so wurde die Kirche ab den 1670er Jahren unter der Leitung von Carlone, von Giovanni Battista Colomba und von Giovanni Battista Barberini (1625–1691) einer umfassenden Barockisierung unterworfen. Zunächst entfernte man die im frühen 17. Jahrhundert aufgesetzten Chorkuppeln und überzog den gesamten Innenraum mit Stuckarbeiten, für die Giovanni Battista Colomba und Giovanni Battista Barberini verantwortlich waren. Von Letzterem stammt auch die Westfassade der Kirche von 1681. Für die Freskenausstattung im Inneren, die Szenen aus dem Alten Testament darstellen, konnten die Gebrüder Grabenberger aus Krems gewonnen werden, von denen sich Michael Christoph besonders auszeichnete. Diese zweite Phase der Barockisierung war nach zwölfjähriger Arbeit abgeschlossen.
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Blick gegen Brückenturm.
Bild: United States Information Service (USIS); 1950
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Unter Abt Alexander Strasser (1709-1731) kam die Umgestaltung der Stiftskirche zum Abschluss. In diese dritte Phase fallen das Hochaltarbild und der Tabernakel, die Kanzel, die breite Treppe hinauf zum Presbyterium und die Seitenaltäre. Besonders erwähnenswert sind die aus Marmor gestalteten Barockengel von Johann Michael Zürn dem Jüngeren, die neben den zahlreichen Seitenaltären knien und stehen, eindrucksvolle Beispiele des österreichischen Barocks. Die Stiftskirche St. Agapitus hat beachtliche Maße. Sie ist 78 Meter lang und 21 Meter breit. Das Hauptschiff ist 18 Meter, die Seitenschiffe sind 12 Meter hoch.
Hochaltar
Das Hochaltarbild (oben rechts) wurde bis 1712 in zwölfjähriger Arbeitszeit von Andreas Wolff auf einer 6,3×3,8 Meter großen Leinwand gemalt. Dieses Meisterwerk des Münchner Hofmalers stellt Christus in der Verklärung dar: Er hat sich vom Boden erhoben, sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, sein Gewand wie Schnee, Mose und Elija drängen sich von rechts an ihn, eine Unzahl großer und kleiner Engel umgibt ihn, während von oben Gottvater herablächelt. Der kurbayerische Hofmaler trug darin das für die katholische Theologie besonders wichtige Thema der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor vor. Im unteren Teil des Bildes lagern die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, über ihnen erscheinen neben Christus die Vertreter des Alten Bundes, Mose und Elija. Den schweren vergoldeten Kupferrahmen halten Engel durchschnittlicher Qualität von Josef Anton Pfaffinger (1714). Den Chorraum trennen Gitter vom Langschiff. Das mittlere schmiedete Valentin Hofmann 1718, die seitlichen wurden 1616 bis 1618 von Hans Walz gefertigt.
Tabernakel
Der prachtvolle Tabernakel bildet den Sockel des Hochaltargemäldes. Er wurde 1715, möglicherweise nach einem Entwurf Jakob Prandtauers, angefertigt. Die Tür ziert eine Immaculata von Urban Remele: Maria ist in diesem Zusammenhang als das Goldene Haus der Lauretanischen Litanei zu verstehen.
Kanzel und Gobelins
Weitere bedeutende Ausstattungsstücke des Hauptschiffes sind die Kanzel von Urban Remele (1713) mit dem Ölbild Paulus als Prediger von Karl von Reslfeld und die flämischen Tapisserien, die früher an Festtagen, heute ständig die Stuckmäntel der Pfeiler umkleiden. Sie zeigen Szenen aus Josefsnovelle des Buches Genesis und stammen aus der Brüsseler Werkstätte der Reydams, wo sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts gewebt wurden.
Seitenaltäre
Die beiden Altarblätter in den Seitenchören stammen vom gebürtigen Wiener Daniel Seiter, der vorwiegend in Rom und Turin tätig war. Auch er entstammt, wie Reslfeld, der Schule von Karl Loth (Carlotto) und wandte die vielleicht schärfste und bizarrste Hell-Dunkel-Manier des österreichischen Frühbarocks an. Im linken Blatt interpretiert er das Martyrium der heiligen Candida, deren Reliquien seit 1677 in Kremsmünster verwahrt werden, im rechten das des heiligen Agapitus, dessen Überreste König Arnulf dem Kloster bereits im ausgehenden 9. Jahrhundert überließ.
Gunthergrab
In der südlichen Turmkapelle der Stiftskirche befindet sich das berühmte Grab von Gunther, Sohn Tassilos III. Das Gunthergrab, ein Kenotaph aus weißer Nagelfluh, wird von einer Deckplatte mit der Figur des toten Gunthers gekrönt und befindet sich im Läuthaus der Stiftskirche. Die Deckplatte stammt aus der Zeit vor 1304 und stellt Gunther, den sagenhaften Sohn des Bayernherzogs Tassilo III. dar, der der Gründungslegende des Kremsmünsterer Stifts zufolge in den Wäldern an der Krems bei der Jagd von einem wilden Eber tödlich verwundet wurde. Zu Füßen des auf einem Kissen ruhenden und in romanisches Röhrengewand gehüllten Gunthers ruhen der Eber, mit einer Lanze im Leib, und der Jagdhund Gunthers, der ihn aufgespürt haben soll. Besonders bemerkenswert ist vor allem die kräftige Farbfassung, die gut erhalten ist.
Mathematischer Turm (Sternwarte)
Stift Kremsmünster © trfilm - Fotolia.com
Mathematischer Turm
Die Sternwarte Kremsmünster gilt als das erste Hochhaus Europas, erbaut in den Jahren 1749–1758. Sie hat eine Höhe von etwa 51 Metern. Im Gegensatz zu oft viel höheren Kirchtürmen war sie wegen der sechs tragfähige Zwischengeschoße viel schwieriger zu errichten. Mit dieser auf gute Beobachtungsbedingungen ausgelegten Bauweise ist sie eine der weltweit ältesten Sternwarten. Hier wirkten einige bekannte Astronomen und zeitweilig bis zu 3 Patres als Observatoren.

Um etwa 1930 wurde die Beobachtungen von der Sternwartekuppel (7. Stock) aus verschiedenen Gründen in den Garten verlegt, wo ein großes Meridianhaus errichtet wurde. Im Tiefkeller befindet sich eine von der Universität Wien betriebene Fundamentalstation für die Gravimetrie.
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Sternwarte ("Mathematischer Turm“, 1748-59). Ansicht aus Südwesten.
Bild: United States Information Service (USIS); 1950
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
In vier der Obergeschoße ist seit langem ein Wissenschaftsmuseum untergebracht, das zum 1200-Jahr-Stiftsjubiläum 1977 modernisiert wurde. Die Sammlungen reichen von Physik und Astronomie über die Geologie und Biologie bis zur Völkerkunde. Sie zeigen in anschaulicher Weise die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Forschung über fast ein Vierteljahrtausend.

Im „Wetterkammerl“ werden seit dem Jahr 1763 meteorologische Beobachtungen angestellt, und seit 1767 existiert eine bis heute durchgängige Temperaturaufzeichnung. Damit kann Kremsmünster als einzige Wetterstation der Welt eine Messreihe über 240 Jahre vorweisen, die nie durch einen Standortwechsel unterbrochen worden ist.
Tassilokelch
Tassilo Kelch © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Tassilokelch aus dem Jahre 768: Hochzeitskelch des Bajuwarenherzogs
und zwei karolingische Leuchter in der Schatzkammer der Stiftstkirche.
Bild: Widter, Friedrich; um 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Tassilokelch, der in der Schatzkammer aufbewahrt wird, ist das wohl berühmteste und kostbarste Kunstwerk im Stift; der Kelch wurde um 780 von Herzog Tassilo III. und seiner Gemahlin Liutberga gestiftet, möglicherweise zum Anlass der Gründung Kremsmünsters im Jahr 777.
Stiftsbibliothek
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bibliothek, Hauptsaal. Längsdurchblick in die anstoßenden Räume. ;um 1935
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Stiftsbibliothek Kremsmünster ist eine der größten und ältesten Österreichs. Der Prachtsaal hat eine Länge von 65m und beherbergt circa 160.000 Bände; zur Sammlung gehören auch zahlreiche Handschriften und Inkunabeln. Die bekannteste Handschrift ist der Codex Millenarius (maior) aus der Zeit um 800. Ein Verzeichnis der Bestände ab 1500 ist im Internet abrufbar.
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bibliothek: 1. Saal, achsialer Durchblick gegen Fensterfront.
In der Mitte des Saales Abt Bruckmayr.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Bibliothek besitzt auch über dreißig Handschriften, die Johannes Seld de Leubs dem Kloster 1440/41 schenkte. Neben theologischen Texten befindet sich darunter eine Abschrift des für die Sprachforschung wichtigen "Abstractum-Glossars".
Tagesablauf der Mönche
Stift Kremsmünster © trfilm - Fotolia.com
Stift Kremsmünster
Der Tagesablauf ist vom Gebet, der Arbeit und der geistigen Auseinandersetzung in Form von Schriftlesung, Meditation und Studium geprägt:
6:00   Laudes im Kapitelzimmer (Klausur)
6:30   Konventsmesse in der Michaelskapelle
7:00   Zeit für Betrachtung, Frühstück, danach Arbeit
12:00   Terz, Sext, Non in der Stiftskirche, danach Mittagessen, eventuell Mittagsruhe, anschließend Arbeit
18:00   Vesper in der Marienkapelle, danach Abendessen
19:00   Komplet, Vigil, danach Nachtruhe
Neben den Gebetszeiten sollte sich jeder Mitbruder im Laufe des Tages der Meditation bzw. der geistlichen Lesung widmen. Neben dem klösterlichen Leben wirken die Benediktiner-Mönche von Kremsmünster auch außerhalb der Klostermauern und leiten 27 Pfarren, eine Expositur und eine Kaplanei.

Während der Kartage gibt es für Männer die Möglichkeit des Klosters auf Zeit.
Wirtschaftsbetriebe
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Kremsmünster - Eichentor in Außenansicht (Form von Jakob Prandtauer 1723).
Bild: Möhsl, Karl; 1891
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Weinkellerei im Stift Kremsmünster ist eines der traditionsreichsten Weinbaubetriebe in Österreich. Derzeit umfasst das Weingut ca. 40 Hektar mit Lagen in der Wachau, im Kremstal und im Mittelburgenland. Die Weingärten sind verpachtet - gegen Naturalpacht. Durchschnittlich werden ca. 2.000 Hektoliter pro Jahr vermarktet.

Das Stift Kremsmünster zählt zu den größten Forstbesitzern Österreichs. Die Forstwirtschaft hat eine Gesamtfläche von 9800 Hektar, davon sind 5200 Hektar Wald. Der Rest ist Ödland, dies ist der nördliche Gebirgsabfall im Bereich des Almsees. Der Forstbetrieb ist in 5 Reviere unterteilt, die sich über 20 politische Gemeinden von Norden nach Süden, von Pucking bis Grünau und Osten bis Westen, von Oberschlierbach bis Kirchham erstrecken. Dem Forstbetrieb zugeordnet sind die Jagd und die Fischerei. Zu den Fischereigewässern gehören neben dem Almsee, ein Teil des Almflusses und des Kremsflusses.

In der Klostergärtnerei werden u.a. Blumen, Kräuter, Saisongemüse, Biofruchtsäfte, Dekorationen und Gestecke erzeugt und verkauft.
Fischkalter
Stift Kremsmünster © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Fischbehälter. Durchblick vom zweiten Becken durch die Anlage mit Besuchern.
Bild: Möhsl, Karl; 1926
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Fischkalter umfasst fünf prunkvolle Wasserbecken in denen Fischzucht betrieben wird. Erbaut wurde er von Carlone (1690–1692) und Prandtauer (1717). Die Becken werden von Säulengängen umgeben, deren Arkaden von 78 römisch-toskanischen Säulen getragen werden. Die Statuen, die als Wasserzufuhr dienen, stammen von Andreas Götzinger und Johann Baptist Spaz. Sie stellen Samson, David, Neptun, Triton, den Apostel Petrus und den Blindenhelfer Tobias dar.
Stiftsgymnasium
Das im Stift angesiedelte humanistisch-neusprachliche Gymnasium vermittelt Allgemeinbildung und humanistisch-christliche Grundhaltungen. Die frühere Klosterschule des Stiftes Kremsmünster ist seit 1549 eine Schule für die Öffentlichkeit.
Mission und Projekte in Barreiras
Seit dem Jahr 1970 arbeiten Mitbrüder des Kloster in der Diözese Barreiras in Brasilien. Neben den Pfarr- und Seelsorgeaufgaben setzten sie zahlreiche Sozialprojekte durch wie Altenheime, Kindergärten, Medizinische Ambulatorien, Landwirtschaftsschule oder Straßenkinderprojekte. P. Richard Weberberger wurde zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese ernannt. Diesen Dienst übte er bis zu seinem Tod am 17. August 2010 aus.
stift-kremsmuenster.net
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Kremsmünster" der
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